Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 50 (15.12.1899)
- Date
- 1899-12-15
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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- Homer 1× ep/1025156
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Nr. 60 Dr. Bloches Wochenschrift Seite S5S möglichen Fälle, doch die Verbindung nicht ganz zu lösen, und sich zu dem Major möglichst freundschaftlich zu stellen. Als er nun seinen Sohn zum Militärstande bestimmte, glaubte er, daß dieser nur dann Carriöre machen könnte, wenn er ihm die Protection des Barons erwürbe, und wollte das Mittel zum Zweck auch als weitern Zweck betrachtend, durch diesen Schritt seinen Sohn zuerst in Horneck's Haus einschmuggeln und nach und nach dahin wirken, daß er von den Horneck's zum Erben eingesetzt würde. Daß der Baron seinen Schwager Golzinger stets mit offenbarer Geringschätzung und Abneigung behandelt hatte, machte ihn in seinen Bestrebungen nicht irre. Golzinger war sehr klug, Horneck sehr dumm und so konnte dieser bei jenem etwas leicht durchsetzen. Zuerst schrieb Golzinger seinem Schwager einen Brief, in welchem er dessen Klugheit in übertriebenster Weise lobte und versicherte, nie in seinem Leben etwas von Bedeutung unternehmen zu wollen, ohne seinen Rath als weisen Mann, seine Einwilligung als Chef und Protector der Familie zu erlangen, in dem vorliegenden Falle um so mehr, als es sich um Lorenz handle, der des Majors Pathenkind sei. Erst nach einer überaus weitschweifigen Einleitung, welche Golzinger verschwenderisch mit den ausgezeichneten Schmeicheleien für Baron Horneck und dessen Gattin verbrämte, überging er zu der Angelegenheit, um die es sich handelte und theilte Folgendes mit: Er hätte die Absicht gehabt, seinen Lorenz dem Studium der Rechtsgelehrsamkeit, welche seit einer langen Reihe von Jahren in seiner Familie gepflegt wurde, zuzuwenden, und, log der Bürgermeisterin unverschämtester Weise, der aufgeweckte Knabe zeige bei seiner allgemeinen Begabung, auch speciell für dieses Fach, außerordentliche Befähigung, allein Lorenz habe schon seit seiner frühesten Jugend eine völlig unbezwingbare Neigung zum Militärstande und führte hiefür einige Beweise an, die in den Augen eines Klügereren, als es der Major war, kaum als solche gegolten hätten. Als kaum zweijähriger Knabe hätte Lorenz schon den Stock des Vaters als Reitpferd benützt und wäre im ganzen Hause herumgaloppirt, später hätte er mct den andern Kindern nicht Anderes als Soldaten gespielt, und hätte dabei immer den „Onkel Major" darstellen wollen, endlich (das zählte zu den wenigen Wahrheiten des .lügenstrotzenden Briefes) hätte er als Schuljunge mit schönster Regelmäßigkeit stets die Schule geschwänzt, wenn das Militär in W. — wo immer .eine Escadron Cavallerie lag — nach dem Exercierplatz ausrückte und war von diesem um keinen Preis nach Hause oder in die Schule zu bringen. Diese angeborene „leidenschaftliche Neigung für den Militärstand", hatte noch dadurch wesentlich zugenommen, daß ihm sein heldenmüthig r Oheim Oberstwachtmeister Baron Horneck als leuchtendes, wenn auch völlig unerreichbares Vorbild vorschwebe. Lorenz, so log der Bürgermeister weiter, sei von der innigsten Ueberzeugung durchtränkt, daß wenn sein „lieber, theurer Oheim", nicht durch Kränklichkeit in der schönsten Blüthe seiner Maiineskraft dem österreichischen Heere entrissen worden wäre, er nicht nur wenigstens Generalissimus desselben, sondern auch einer jener unsterblichenHelden geworden, wie sie Homer in seinen ewig unvergänglichen Dichtungen besingt, (wobei wir-nicht verhehlen dürfen, daßder unwissende Junge, als sein Vater dies schrieb, nicht die allerblasseste Idee davon hatte, daß es je einen Homer gegeben), kurz, schloß Golzinger seine endlos lange Epistel, zur reizenden Abwechslung, einmal seine Gleichnisse aus den Tiefen des Bibelschatzes schöpfend „mein Sohn Lorenz dürstet wie das Reh nach frischem Wasser, darnach, sich dem schönsten Stande, dem Wehrstande mit Liebe, Eifer und Hingebung widmen zu dürfen, und ich bitte Sie, hochverehrter Herr Schwager, hiermit ergebenst mitzutheilen, ob Sie es gestatten, daß ich den innigsten Herzenswunsch meines Einzigen erfülle und ihn für den Militärstand vorbereiteu lasse. Mit jener Offenheit, mit welcher ich Ihnen, hochverehrter Schwager, jede Herzensfalte enthülle, will ich es nicht verschweigen, daß ich trotz der ungewöhnlichen Begabung Ihres Pathen, meines Sohnes, mich doch nur dann der Hoffnung hingebe, daß derselbe Ihrem glänzendem Beispiele mit Erfolg nacheifern könne, wenn Sie, geehrter Herr Schwager und Gönner, gnädigst Ihre Flttige über den armen Jungen ausbreiten." — Als Nachschrift richtete er auch einige von Unterwürfigkeit triefende Zeilen an seine Schwester, auch ihre Protection anflehend. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Eine dritte Auflage einer Broschüre aus österreichlscheni Berlage stammend, ist ein so seltenes Ereigniß, daß dasselbe schon verewigt zu werden verdient. Tie Hetze der czechischen Blätter und Studenten gegen den berühmten Gelehrten Prof. Th. G. M a s a r y k hat das allgemeine Leserinteresse für dessen, im Berlage der „Zeit" erschienene Broschüre „Die Nothwendigkeit oer Revision des Polnaer Processes" in derartigem Maße gesteigert, daß binnen kurzer Zeit schon eine dritte Auflage dieser Broschüre veranstaltet werden mußte Die Bestellungen liefen aus allen Eulturstaaten der Welt ein. Die Wunder der Natur in natürlicher Weise zu erklären, ist die Aufgabe, die sich die Wiffwschaft unseres Jahrhunderts gestellt hat. Weit entfernt, in stumpfsinnigem Materialismus diese Wunder zu leugnen, ist sie vielmehr bestrebt, dieselben dem Verständnisse der Menschheit naher zu rücken und die Wellanschauung von allen Borurtheilen zu befreien, die von Alters her mit derselben verbunden waren. In diesem Sinne ist ein von der Deutschen Bolksbibliothek A. G., Berlin, soeben auf dem Büchermarkt gebrachtes Werk gehalten, das unter dem Titel „Das Weltall", eine illnstrirte Entwickelungsgeschichte der Natur, nach dem heutigen Stande der Wissenschaft und unter Benutzung der besten Quellen dargestellt von M. Reymond, auf 46 Druckbogen Großoctav eine gedrängte Darstellung der kosmischen und irdischen Naturverhältnisse in ihrem ursächlichen Zusammenhänge darbietet. An 500 Textabbildungen nebst einer Sternkarte, einer Erdkarte und vier geologischen Landschaften in Farbendruck dienen zur besseren Veranschaulichung der durchaus gemeinverständlichen Darstellung im Texte. Der beispiellos billige Preis des in jeder Hinsicht vornehm und reich ausgestatteten Werkes (2 Gulden für den starken, elegant und solid gebundenen Großoctavband!) macht dieses Buch zu einer Festgabe für jung und alt besonders geeignet und sichert ihm die Verbreitung in den weitesten Kreisen. Das Buch ist zu haben im Z-itungsbnreau, Buchhandlung Hermann Goldschmidt. I., Wollzeile 6. Heft 18 der „Dokumente der Krauen" (herausgegeben von Auguste F i ck e r t, M a r i e Lang, Rosa M a y r e d e r) ist eben erschient n. Im Leitartikel berichtet Marie Stritt aus Dresden über den Bund deutscher Frauenvereine, dessen Borsitzende sie ist. Dem Bund gehören zur Zeit 1<>5 Frauenvereine der verschiedensten Tendenzen an, und eben die Vereinigung gibt den gemeinsamen Zielen die beste Förderung, sie ist Ursache der großen praktischen Erfolge sowohl als der gesteigerten Beachtung der Frauensache. Ein gediegener Artikel über Bahnbeamtinnen und ein Eingesendet einer P o stm a n i p u l a n t i n schildern im Anschluß an die jüngst stattgehabte Versammlung den schweren Dienst und die geringfügige Entlohnung dieser Frauen. Andere Welten des Frauenlebens zeigt eine anziehende psychologische Studie „Die modernen Menschen in der Liebe" von Else L e i g e r. Neben den neuesten Thatsachen aus dem Kampfe der Frauen ist unter den Notizen eine sehr merkwürdige Betrachtung über die K i n d e r m i ß h a n d l u n g e n enthalten, in der den inländischen Schutzbestimmungen die ausländischen Einrichtungen gegenübergestellt werden, z. B. die National soeiety tor the prevention of crtelth fo chi dren in I ondon (Gesellschaft zur Verhütung von Grausamkeiten an Kindern), die in eine m Jahr 76.000 Kinder dem Elend entriß. Am Schlüsse der vielseitig interessirenden Nummer steht die Fortsetzung der ergreifenden Novelle „Das G e r i ch t k o m m t." von Mamin- S i b i r j a k, einem neuen sibirischen Autor. Die „Tocumente der Frauen" sind zu dem billigen Preise von jährl. 8 fl. oder 15 kr. die Nummer in allen Buchhandlungen, in Tabak-Trafiken und in der Administratien, VI. Magdelenenstraße 12, zu haben. Notizen. Aus Grund eigener Erfahrungen halte ich mich für verpflichtet, allen Vätern, welche Töchter zu verheiraten haben, besonders wenn sie denselben eine Mitgift zugedacht haben, die Gegenstand unreeller Speculation sein könnte, dringend zu empfehlen, daß sie vorher durch das Privat Detectiv-Jnstitut Argus, Wien, Bognergasse l'>, über die Bewerber Erkundigungen einziehen lassen, die von demselben ebenso discret als verläßlich besorgt werden. Ein Familienvater. (Für 8 Kreuzer 34.000 Kronen.) Seitdem es üblich ist, dem Glücke durch ein Lotterielos unsere Thür zu öffnen, hat es noch keine Losveranstaltung gegeben, welche den Theilnehmern günstigere Gewinnstchancen geboten hätte, als die große Wohlthätigkeitslotterie des Poliklinischen Vereines. Gelangen doch bei den sechs Ziehungen der Lotterie, die in der Zeit vom 4. Jänner bis zum 6 März n. I. statttfinden, nebst außerordentlich zahlreichen und werthvollen Treffern ein Haupttreffer von 100.000 Kronen und fünf Haupttreffer zu je 2o.,,00 Kronen zur Verlosung. Da jedoch jedes Los in sämmtlichen Ziehungen mitspielt, so bietet sich den Theilnehmern die Möglichkeit, mit einem Lose, dessen Preis blos eine Krone beträgt, sämmtliche Haupttreffer