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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-12-15 · 50 (15.12.1899) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
50 (15.12.1899)
Date
1899-12-15
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Heite 958 Nr. 50 Dr. Bloch's die jetzt glanzlosen Augen hatten einst in dunklem Blau gestrahlt. Aber in dem Augenblick, da vom schönsten Topfe im Hause nur Scherben übrig geblieben waren, konnten Ruchel's Augen sich keineswegs zum Himmel emporheben. (Fortsetzung folgt). Michael. Erzählung von S. K o h n, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) Siebzehntes Capitel. Man stand in dem dritten Viertel des Jahres 1798. Sieben Jahre lang hatte die französische Republik mit verschiedenen europäischen Staaten mit wechselndem Waffenglück Krieg geführt. Oesterreich war die einzige Macht, welche eonsequent und constant ihr Gegner geblieben, und österreichische Truppen hatten in Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und Italien gegen die Republik gekämpft. Jetzt aber, nachdem man eingesehen, daß man Frankreichs Kräfte unterschätzt hatte, waren England, Rußland, Oesterreich, die Pforte, Neapel und Portugal, auf Betreiben der beiden erstgenannten Mächte zu einem Bündniffe, der zweiten Coalition, zusammengetreten, und es sollte durch Kraftentwicklung und energisches Zusammenwirken, die Republik vernichtet, der Ltatus quo ante in Frankreich und ganz Europa wiederhergestellt werden. In Oesterreich war eine starke Tcuppenaushebung beschlossen worden. Jede Gemeinde hatte ein starkes Contingent zu stellen und Bürgermeister Golzinger war von diesem Geschäfte um so mehr in Anspruch genommen, als er beabsichtigte, aus der Rekrutirung einen großen Gewinn zu ziehen. Es lag nämlich ganz in seiner Hand, welche junge Leute er nach Brünn zur Assentirung senden wollte, und der niederträchtige, listige Stadtschreiber Schwöner, der bei dem Einfädeln und Ausführen schlechter Streiche des Bürgermeisters rechte Hand war, wie er versicherte, „rein aus angeborener Güte und Persönlicher Freundschaft" den reichsten Männern der Bürger- und Judenschaft — die letztere war erst unter Kaiser Joses zum Heeresdienste herangezogen worden — vertraulich mitge'heilt, der Bürgermeister habe seinen Sohn auf die Assentlffte gesetzt, und jedem Einzelnen den uneigennützigen Rath ertheilt, sich insgeheim mit der durch „vernünftige Gründe" unterstützten Bitte an den Bürgermeister zu wenden, seinen Sohn zu verschonen, und Stadtschreiber Schwöner hatte die Art der „vernünftigen Gründe" mit solcher lichtvollen Deutlichkeit geschildert, daß über die Natur derselben nicht der leiseste Zweifel obwalten konnte. Dabei schilderte Schwöruer, und es muß leider gestanden ' werden, ohne große Entstellung der Wahrheit, die Schrecknisse des Militärdienstes in den schwärzesten Farben. Wer zu jener Zeit in der Armee von Pike auf diente und nicht dem Adelstande angehörte, hatte ein schweres Martyrium durchzumachen. Der Dienst war ein harter, anstrengender. Die complicirten Exercitiea waren schwer zu erlernen. Dabei herrschte eine eiserne Strenge, die jeder Beschreibung spottet. Zwar waren schon unter Maria Theresia die grausamen Todesstrafen abgeschafft worden, aber in der österreichischen und auch in anderen Armeen gab es bis vor einigen Decennien Strafen, die an Entsetzlichkeit jenen der grauen Borzeit des finsteren Mittelalters nicht nachstanden. Spießruthenlausen, wo ein Mensch oft einigemal durch eine von einigen Hunderten mit Rathen bewaffneren Männern gebildete Gaffe gehen, und jeder Mann mit der Ruthe mit voller Kraft auf den entblößten Rücken des Verurtheilten ichlagen mußte, war endlos härter als die Todesstrafe durch Erhängen oder Erschießen, und wenn ein Delinquent vom Tode zum Spießruthenlaufen begnadigt worden war, versuchte er es in der R-gel sich dieser Huld durch einen Selbstmord zu entziehen. Bei der Cavallerie wurden bei dem Gasseulaufen statt der Ruthen sogar Steigriemen verwendet. ‘) Diese furchtbare ') Die Strafe des Gassenlaufens wurde in der österreichischen Armee von dem jetztregierenden hochherzigen ritterlichen Kaiser Franz Josef und zwar in Folge der Bitte der edlen, milden Kaiserin Elisabeth aufgehoben. Die hohe Frau war kurz nach ihrer Vermälung vor einer Kaserne vorübergefahren, aus welcher entsetzliche Klagetöne herausdrangen. Sie ließ sich erkundigen, was vorgefallen und erfuhr, daß ein Verbrecher die furchtbare Strafe des Spießrutbenlaufens erleide. Die Kaiserin wandte sich sofort nach ihrer Ankunft im Schlosse mit der Bitte an den Kaiser, diese Strafe aufzuheben und der hochherzige Monarch erfüllte dieselbe. Wochenschrift« Strafe aber konnte doch nur durch den Spruch eines Kriegsgerichtes verhängt werden, dagegen hatte jeder Hauptmann das Recht, einem Soldaten fünfundzwanzig Stockschläge ertheilen zu lassen, und das Schicksal des armen Kriegknechtes lag in den Händen einzelner, zuweilen ungerechter, grausamer Menschen. Der Söldner des XVII. Jahrhunderts hatte es in manchen Stücken besser als der Soldat vor hundert Jahren. Jener konnte sich durch großen Muth, persönliche Tapferkeit, außerordentliche Thaten zu hohem Range emporschwingen. Der brandenburg'sche Feldmarichall Baron Hans von Derflmgen — 1606 in Böhmen von armen Eltern geboren — hatte es vom Schneiderlehrling bis zum höchsten Rang in der preußischen Armee gebracht. Aber in dem letzieu Biertel des vorigen JahlHunderts gab es in der Armee fast gar keinen bürgerlichen Otficier. Aber bei der Artillerie und der Infanterie war dies wenigstens nicht unmöglich, und wenn ein Einzelner. Nichtadeliger gerade Wunder der Tapferkeit verrichtete, seinem Commandanten persönliche Dienste erwies, oder dieser ein liberaler Mann war, konnte er doch zum Fähnrich oder Unterlieutenant avauciren, aber ein bürgerlicher Cavallerieofficier, erschien als ein vollständig undenkbarer Begriff, als eine eoutrallietio in adjeeto, etwa wie ein schwarzer Schimmel, eine Helle Finsterniß! Zu alledem wurde dem Soldaten, nicht, wie in der G-'genwart, die ausgezeichnete Fürsorge, die der Staat seinen Bertheidigern schuldet, gewidmet. Die Mannschaft wurde nur als Kanonenfutter betrachtet. Die am Schlachtfelde Verwundeten wurden rettungslos ihrem Schicksale überlassen, sie wurden, wenn sie nicht die Vorsehung schützte, überritten, überfahren, zu blutigen Brei zerstampft. Die Verwundeten waren damals nicht wie jetzt unter den Schutz der größten Macht, der Menschlichkeit gestellt! Es gab keine Genfer Convention, keine Sanitätssoldaten, keine Krankenträger, welche die wehr- und hilflosen Verwundeten von dem Schlachtfelde zu einem sichern Asyl beförderten. Der weitaus größere Theil der Verwundeten ging auf die eine oder die andere Werse jämmerlich zu Grunde. Der gemeine Soldat jener Zeit war ein bedauernswerther Mensch, der am Schlachtfelde schwer Verwundete, der bedauernswertheste! Es ist daher leicht begreiflich, daß jeder, der seinen Sohn vom Heeresdienste befreien konnte, hiefür gern die schwersten Opfer brachte, und Bürgermeister Golzinger erpreßte namentlich bei dieser Rekrutirung, wo ein stärkeres Contingent als gewöhnlich gestellt werden mußte, ungeheuere Summen und befand sich daher in sehr fröhlicher Stimmung. Diese wurde noch dadurch erhöht, daß er von seinem einzigen Kinde, seinem Sohne Lorenz, den er schon lange nicht gesehen, angenehme Mittheilungen und auch die Nachricht erhielt, daß er in einiger Zeit in W. eintreffen würde. Um im Zusammenhänge zu bleiben und diesen zu erklären, sind wir gezwungen dreizehn Jahre in unserer Erzählung zurückzugehen. Bürgermeister Golzinger, der für seinen Sohn, um jeden Preis eine hohe Stellung in der Gesellschaft erringen wollte, hatte vor dreizehn Jahren, als Pfarrer Willibald sich weigerte, Lorenz weiter zu unterrichten und ihm den Rath ertheilte, ihn dem Militärstand zu widmen, nach reiflichen Bedenken gefunden, daß dies in der That das Zweckmäßigste sei. Golzinger war nicht weniger klug als schlecht, und er hatte bald einen außerordentlich schlauen Plan ersonnen. Er besaß, wie er dies auch schon damals in seinem Gespräche dem Pfarrer mitgetheilt, einen Schwager, einen Baron Horneck. Dieser, einer alten, verarmten Adelsfannlie entstammend, wäre als Lieutenant unehrenhafter Schulden und schlechter Streiche willen, schimpflich cassirt worden, wenn er sich nicht im entscheidenden Momente, noch rechtzeitig vor den Lebensstürmen in den sichern Hafen der Ehe geflüchtet hätte. Ec hatte die ältere Schwester des Bürgermeisters Golzinger, die Tochter eines reichen Olmützer Kaufmannes, geheiratet, der die Ehre, einen Baron als Schwiegersohn zu besitzen, mit schwerem Gelde zahlte, und hierbei die Qaalität des für seine Tochter erkauften Gatten nicht sorgfältig prüfte. Horueck, der nun weiter dienen konnte, hatte es bis zum Rittmeister gebracht, und wurde, als er Kränklichkeit halber die Armee verlassen mußte, mit Majorscharakter pensionirt. Baron Horneck besaß durch seine Frau ein großes Vermögen, und konnte daher sein Domicil, wo es ihm beliebte, wählen, und da er sich von seinen bürgerlichen Verwandten möglichst fern halten wollte, hatte er sich entschlossen, seinen Wohnsitz in Wien zu nehmen. Horneck's Ehe war kinderlos geblieben. — Trotzdem der Major jede Annäherung seines Schwagers Golzinger zu vermeiden suchte, war dieser in seiner schlauen Weise doch stets darauf bedacht gewesen, vorsichtshalber, für alle

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