Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 49 (8.12.1899)
- Date
- 1899-12-08
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
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Nr. 49 Dr. Vloch's Wochrnschriff. Seite 943 recht; so aber glaub* ich, daß Du selbst einsehen mußt, daß Du mir Unrecht thust. Ich sollte hart gegen Dich und Sara, mein einzig Kind, die Tochter meiner unvergeßlichen Gattin sein? .... Ich will, Gott weiß es, nichts Anderes als Dein und meines Kindes Glück, und da ich leider zu schwach und machtlos bin, es Euch zu erringen, will ich wenigstens — Schlimmerem Vorbeugen. Ich kann Dir nicht widersprechen, ich habe Deine Neigung gebilligt, schon als Du ein kleiner Knabe, Sara ein Wiegenkind war, ja .... ich hatte schon damals gewünscht, daß Ihr einst Mann und Weib würdet, ich wünschte dies aus voller Seele schon aus dem Grund, weil es der sehnlichste Wunsch meiner Gattin war, den sie in ihrer letzten Stunde ausgesprochen; — aber damals lag diese in weiter Ferne, ich hoffte, der gütige Gott würde es in irgend einer Weise ermöglichen; und als Du vor sieben Jahren nach Nikolsburg studiren gingst, da ..... hatte ich Dir die Hand meines Kindes zugesagt, da hatte ich Thor, ein gereifter Mann, mit Dir dem fünfzehnjährigen Knaben die Sache förmlich abgemacht — aber damals war ich ein kerngesunder Mann und Du solltest Medicinae-Doctor werden; — da lag doch die Möglichkeit vor, daß Du die Ehebewilligung erlangtest — aber ich brach den Fuß, ich ward ein Krüppel, und war schwach genug, Dir nachzugeben, Dein Opfer anzunehmen, Dich aus Deiner Laufbahn zu reißen.was soll jetzt aus Dir und Sara werden, wenn nicht Mann und Weib!? .... D'rum ist's besser, Du gehest und vergißt an Sara und sie an Dich. Wenn man sich nicht täglich sieht, man den festen Willen hat, und Gott hilft — dann kann man doch vergessen! . . . ." „Ich bereue keinen Augenblick, daß ich bei Dir geblieben; die Zeit, die ich in Deinem Hause verlebt, war die schönste meines Lebens, freiwillig geh* ich nicht von Dir .... stößt Du mich von Deiner Schwelle, kehr' ich doch zu Dir und Deinem Kinde zurück, wie ein treuer Hund! — Ich kann Euch nicht verlassen und kann ohne Sara nicht leben! Versteh' mich recht! Ich liebe Sara, würd' es für mein höchstes Glück auf dieser irdischen Welt betrachten, wenn sie meine Gattin würde, und — ich habe mit Sara nie darüber gesprochen — aber glaub' mir's Vater, sie denkt genau so wie ich; aber wir sind begnügliche Menschen, wenn uns das Glück versagt ist, Mann und Weib zu werden, — begnügen wir uns auch damit: uns zu sehen, zu sprechen, — dieselbe Luft zu athmen .... und —" flammende Purpurröthe überlohte seine Züge, „Du hast uns ja erzogen, wir sind Deine Kinder, wir werden Deiner immer würdig bleiben. Unedles hast Du von Deinen Kindern nicht zu erfahren . . . . Ich wiederhol's, ich gehe nicht von Dir, es würde dies mein und Deines Kindes Herz brechen!* Es pflegen sich im Menschenleben Situationen in nahezu völlig gleicher Weise zu wiederholen! Wieder war, wie vor sieben Jahren, wo Brack und Michael es in ihrem Gespräche vertieft, nicht bemerkt hatten, daß Sara unbemerkt ins Zimmer getreten, und wieder hatte sie Michael's letzte Worte gehört, und sofort den ganzen Inhalt des Gespräches errathen. Eine dunkle Purpurröthe stieg in ihrem classischen Gesichte auf. Sie trat an ihren Vater heran, erfaßte seine Hand, führte sie inbrünstig an ihre Lippen und sprach, den Blick schämig zu Boden senkend: „Michael hat in allem, was er gesprochen, recht ....... stoß ihn nicht von uns, er gehört ja zu uns, er hat Dir ja mein todtes Brüderchen ersetzt. Denk' Dir, Vater, er wär' Dein leiblich Kind, er wäre mein leiblicher Bruder! Wir bleiben bei Dir, und Du bei uns — bei Deinen Kindern, bei mir und — meinem lieben Bruder!" Das holde Mädchen wandte sich ab; wollte sie ihr neuerliches, purpurnes Erglühen, wollte sie die Thränen, die ihr ins Auge traten, verbergen? (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. W. A. K—R. in C. Herzlichen Dank und Gruß. E. K. in T.» F. I. in B. Die Zuschriften wurden der zuständigen Stelle vorgelegt. E. M. Wurde dem Vorstand vorgelegt. M. St. in Lemberg. Nne Mystification. M. B. in K. Ist nicht von allgemeinem Interesse. I. M. Ein geistreicher Schriftsteller hat schon sehr richtig bemerkt : „Es ist kein Wunder, daß eine Menge gelehrter Kenntnisse, welche nicht im Stande sind, einen Menschen weise zu machen, die Wirkung haben, ihn eitel und anma-end werden zu lassen." St. I—ch. Wenn Judenstämmlinge, wie es die Schönerianer anstreben, von der Beamten-Earriere ausgeschlossen sein würden, dann könnten Schönerer» Söhne die Urenkel Schmul Leeb Kohn's zwar noch immer Antisemitenhäuptlinge in Oesterrerch aber nicht einmal Adjuncte bei einem Bezirksgericht sein. Historicus. In seinen „Betrachtungen über die Revolution in Frankreich" sagt Burke folgendes: „Politik und Kanzel haben wenig miteinander zu schaffen. Bei einer Vermengung aller Verhältnisse gewinnt die Sache der bürgerlichen Freiheit und der bürgerlichen Verfassung so wenig als die Sache der Religion. Die. welche ihren eigenthümlichen Platz verlassen und noch einem fremden ringen, der ihnen nicht zukömmt, verstehen gewöhnlich den, welchen sie verlassen, ebenso wenig zu bekleiden als den, zu welchem sie sich drängen." Sie sehen, alles wiederholt sich. D. 3. Der arme Dreyfus kann es den Antisemiten nicht recht machen. Schweigt er, höhnen sie: „Aha, er traut sich nicht zu muksen, er ist froh davon gekommen zu sein." Hört man von ihm, daß er die Revision seines Processes anstrebt, daun heißt es: „Der Jude gibt noch immer keine Ruh!" Nemo. In Ungarn hat man schon solche antisemitische Redacteure zur Genüge kennen gelernt. Freilich ging es den Herrschaften in Ungarn schlimmer curs» sie wurden nämlich nicht blos vor Gericht als Defraudanten gebrandmarkt, sondern auch für einige Zeit eingesperrt, Wilhelm R. Es fehlt uns der Raum, um eine vollständige Liste aller Fälle zu veröffentlichen, in denen das „Deutsche Volksblatt" freiwillig gestand, gelogen zu haben, um einer Anklage aus dem Wege zu gehen. i. b. Einer der edelsten Vorkämpfer für die Emancipatiou der Juden in Frankreich war neben Mirabeau der katholische Priester Greg 0 ire. Dr. 31. W -g. Der bekannte jüdische Philosoph Salamon Maimon hatte auch das Interesse Schiller's und Goethe's erregt. Der Letztere dachte sogar daran, ihn zu sich nach Weimar einzuladen. Maimon starb auf dem Schlosse des Grafen Kalkreuth, der ihn Jahre lang erhielt I. N. An der berühmten Auffahrt vor dem Hause Schönerer's hat auch der Dr. Lueger theilgenommen. Heute nennt Dr. Lueger den Schönerer einen Verräther, Hanswurst, und wird dafür von ihm als Gaukler und noch Schlimmeres bezeichnet. I. L. Der „Verein für Cultur und Wissenschaft für Juden" wurde im Jahre 1819 von Leopold Z u n z, Moses Moser und Eduard Gans begründet Später trat auch Heinrich Heine dem Vereine bei. I. H. Dr. Lueger hat neulich nicht ohne Berechtigung höhnisch bemerkt, daß es ihm gelungen sei, das Ghetto in der Schule zu schaffen. Ja, es ist ihm gelungen. Competentenorts hat man eben die unter heuchlerischen Phrasen vollzogene Gesetzgebung seitens der Antisemiten geduldet. I. W. Da thun Sie dem K. H. W 0 l f f Unrecht. Er hat nicht nur einst für Vergani's Blatt geschrieben, sondern auch für liberale Blätter und gegen Schönerer. Reform. Unwichtig. Frau R. R. in Sz. Die Mittheilung ist richtig. Danksagung. Die Gefertigten sprechen hiemit allen jenen, die uns anlässlich des Barmizwahfestes unseres Sohnes Bernhard ihren mündlichen, schriftlichen und telegraphischen Glückwunsch darbrachten, den herzinnigsten Dank aus und rufen ihnen ein tiefes “jro "w" zu. Br. M. L. Wolf, Rabbiner in Klattan und Frau. Das Unterzeichnete Kuratorium verlautbart hiemit, daß die jährlichen Erträgnisse der Jacob Fischel'schen Stiftung im Betrage von 250 fl. ö. W an bedürftige und würdige Personen israel. Confession welche mit dem am 1B. Mai 1898 verstorbenen Herrn Jarab Fischet» oder mit einem Bruder oder mit einer Schwester desselben in absteigender Linie blutsverwandt sind, zur Verleihung gelangen. Die Bewerber haben ihre mit Documenten über diese Verwandtschaft und mit einem legalen Armuthszeugnisse versehenen Gesuche bis 31. Drrember 1899 im Einreichungsprotokolle der israelitischen Cultusgemeinde in Wien, I.» Seitenstettengasse 4, I. Stock, woselbst während der Amtsstunden von 9 — 12 Uhr Gesuchsblanguette unentgeltlich ausgefolgt werden, zu überreichen. Bewerber, welche ihre Verwandtschaft und ihre Bedürftigkeit nicht entsprechend Nachweisen können oder verspätet einschreiten, werden nicht berücksichtigt. Wien, am 1. December 1899. Das Curatorium der Jarob Fischel'lchen Stiftung.