Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 49 (8.12.1899)
- Date
- 1899-12-08
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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Seite 940 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 49 bei dem unser Rabbiner Herr I. G o l d st e i n durch seinen Vortrag: „Aus dem Leben und Wirken des Rabbi Akiba" das Wesentlichste beitrug. Der Vortrag war in vier Theile gegliedert: 1. Die Jugend des Rabbi Akiba. 2. Sein Wirken. 3. Sein Martertod. 4. Seine Aussprüche in Pirke Aboth. Lebhafter Dank und allseitiger Beifall folgte dem Vortrage. Wie wir hören, soll am 31. d. M. wieder ein Vortrag abgehalten werden über das Thema: „Drei altjüdische Parabeln." Prag, 5. December. Der letzte Freitag, Sabbath Chanuka Rosch Chodesch, wurde in der hiesigen Meiselsynagoge noch besonders festlich begangen, da der Vorstand dieses Gotteshauses seinen Rabbiner Dr. A. Kisch, aus Anlaß des ihm von Sr. Maje -eil verliehenen goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone ehrte. Als dieser sein Ankleidezimmer betrat, fand er dasselbe mit lebenden Pflanzen reich geschmückt und den Vorstand vollzählig in demselben versammelt. Der langjährige Obman Herr Philipp,der genau vor 15 Jahren au derselben Stelle den damals neugewählten Rabbiner dieser Gemeinde begrüßt hatte, -hielt an ihn eine warmgefühlte und formvollendete Ansprache, in welcher er der Freude der Gemeinde über die wohlverdiente Auszeichnung und den Wunsch aussprach, daß der um diese Gemeinde, und wie die kaiserliche Auszeichnung beweise, um die Gesammtheit so wohlverdiente geistliche Führer, seine Thätigkeit in ungeschwächter Kraft noch viele Jahre widme. Zu Thränen gerührt antwortete der Rabbiner auf die schönen Worte des Herrn Obmannes, worauf der Vorstand ihn durch das festlich erleuchtete Gotteshaus an seinen lorbeergeschmückten und mit lebenden Blumen gezierten Platz geleitete. Der Chanuka-Festpredigt lauschte die alle Räume des Gotteshauses dicht füllende Zuhörerschaft mit doppelter Andacht. Am Sonntag fand in der Cadettenschule, in welcher Dr. Kisch seit vielen Jahren unterrichtet, eine herzliche Ovation statt, bei welcher der Commandant Oberstlieutenant Pollak die warme Ansprache hielt. Strakonrh. (C u l t u s g e m e i n d e.) Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde hat sich wie folgt constituirt: Cultusvorsteher Herr Moriz Saxl, I. Stellvertreter Herr Eduard Fuchs, II. Stellvertreter Herr Heinrich Benisch, Cassier Herr Abraham Schwarz, Rechnungsführer Herr Jacob Kraus, Tempelvorsteher Herr Moriz Saxl, Vorstandsmitglieder die Herren: Adolf Fürth, Gottlieb Hoffmann, Edmund Zucker, Josef Ehrmann, Friedrich Kafia. Proßnih. (T r a u u n g.) Am 10. d. M. findet im hiesigen Tempel die Trauung des k. u. k. Militärbau-Officials Herrn Emanuel T e r s e h mit Fräulein Jda Steinschneider statt. Kgl. Weinberge. Der an Stelle des abgegangenen Herrn I. U. Dr. Carl Weiß neu ernannte Secretär, Herr Emanuel Feßler, wurde von der k. k. Statthalterei zum Matrikenführer dieser Gemeinde bestellt und hat den vorgeschriebenen Amtseid bei der k. k. Bezirks-Hauptmannschaft in Weinberge bereits abgelegt. Prag. Dem k. k. Feldprediger und Rabbiner an der Meisel-Synagoge Dr. Kisch wurde das goldene Verdienstkreuz mit der Krone verliehen. Falkenau a. E. Am 19 d. M. ist hier nach langem und schwerem Leiden Frau Janetre Kohn, Wwe. nach dem vor eineinhalb Jahren ihr in die Ewigkeit vorangegangenen Gatten, c errii Rabbiner Jonas Kohn s. A, verschieden und Dienstag d. M, 9 Uhr Nachmittags fand das Begräbniß derselben statt Die Liebe, Werthschätzung und Verehrung, deren sich die Verblichene in den weitesten Kreisen erfreute, bekundete sich in der überaus zahlreichen Betheiligung aller Classen und Confessionen an der Leichenfeier. Außer dem Cultusvorstande, der Chwra-Kadischa, deren Ehrenmitglied die Heimgegangene war und der ganzen Gemeinde, fanden sich viele theilnehmende Trancrgäste aus Nah und Fern, insbesondere aber aus den Nachbargemeinden Karlsbad, Eger, Franzensbad und Königsberg ein, der > llgemein gelte ten und verehrten Frau Rabbiner die lei te Ehre zu erweisen. Nachdem Herr Eantor L. Kurzweil die Leichenfeier dmch Recitirnng der üblichen Psalmen i u Trauerhause einge eitet hatte, wurde der Sarg auf d n Leichenwagen gehoben und Herr Rabbiner Dr. S. Feu rstein hielt eine kurze aber sehr ergreifende Ansprache. Hierauf setzte sich der fast unübersehbare Trauerzug in Bewegung auf deu Friedhof. Anl offenen Grabe ergriff unser Herr Rabbiner zum zweitenmal das Wort und schilderte so beredt und ergreifend die langjährigen Hiobsleiden, die tiefe Religiosität, die allgemein Menschenliebe und theilnahmsvolle, edle Menschenfreundlichkeit der theuren Verbl cheneu, daß Aller Herz mächtig erschüttert wurde und kein Auge thränenleer blieb. Mit den üblichen Gebeten für das Seelenheil der biederen Frau, die eine Zierde echtjüdischer Frauen genannt zu werden Verdi-nt, schloß die imposante Trauerfcier Teplitz. Am vergangenen Samstag fand hier, wie alljährlich, das Wohlthätigkeitsfest des hiesigen Tempelvereines statt. Der fürstl. Elarh'sche Gartensalou war mit seinen Nebenräumen von einem distinguirten Publikum überfüllt, und konnte man nur schwer einen Platz bekommen. Die Leistungen waren durchaus überraschend großartig. Mit einem Elaviervortrag eröffnete Frau Löbel und entzückte die Zuhörer, dann sang Frau Selma Halm zwei Lieder mit wunderschöner Stimme. Nun kam unser berühmtes Quartett, bestehend aus den Herren: Otto Reiner, E. Niethof, Dr. Salus und Schlesinger, deren Gesangsvorträge allgemeines Entzücken hervorrief. Aufsehen erregte Herr Edwin Niethof mit seinen Liedern für Bariton Durch die liebenswürdige Zuvorkommenheit des Herrn Theaterdirectors Raul, der seineil Mitgliedern das Mitwirken gestattete, hörten wir auch Fräulein Jaqueline Raul mit ihren herrlich vorgetragenen Declamationen, und das hier sehr beliebte Ehepaar Fischer mit prachtvollen Couplets, die allgemeinen Beifall fanden; ferner der Cellist von der hiesigen Stadtcapelle, der mit seinen Vorträgen brillirte. Das Arrangement leitete in liebenswürdiger Weise der Mnsikdirigent und Organist Herr Alfred Kail. Das Fest war eines der schönsten, die hier stattgefunden und schloß"mit eineni Tanzkränchen, das bis 4 Uhr Morgens dauerte. - B. - Raab. Am 26. November n. e. arrangirte der hiesige israelitische Frauenverein in den prachtvollen Räumen des hiesigen Lloyd zu Gunsten seiner Hausarmen einen mit Tanz und Concert verbundenen Geselligkeits-Abend. Die Vereins-Präsidentin, Frau Herzl-Keppich, an der Spitze ihrer Garde, des Vereins - Ausschusses, brachte den Abend zu vorzüglichstem Gelingen, indem sie zu diesem Zwecke die besten Kräfte acquirirte. Kunst- und temperamentvoll war das Harfenspiel der Frau Heinrich Sonnenfeld, geborene Tausky, gewesenen Professorin am Genfer Conservatorium im ..Rondo Brillant“, Concert-Etüde von Felix Godefroid; genußreich und bezaubernd die Lieder a) Romanze aus der ..Cavalleria Rnstieaua" Von Mascagni, und b) „Wenn ich zum Altar mich begebe" von Abränyi, vorgetragen von der Frau Johann Schmidt, geborene Buchwald, mit Clavierbegleitung des Herrn Jacob Hatschek; und farbenreich das Solo-Clavierspiel des Fräulein Alice Loria in den Piecen a) ..Le Kossignol“ von Franz Liszt und b) „Elfentanz" von Sopelnikov. Ebenso humoristisch als geistreich war die Vorlesung des Oberrealschnlprofessors, Herrn Doctor Zoltäu Kovlcs, welche allgemeinen Beifall gefunden. Die Elite des hiesigen Publikums wetteiferte im Glanze mit dein festgeschmückten Saal. Auch das materielle Ergebniß, das unseren Armen zugute konnnt, war ein zufriedenstellendes. Straßnitz. (V o m S ch u l k r e u z e r v e r e i n ) Wie alljährlich veranstaltete auch heuer der in der hiesigen Jsraelitengemeinde seit 9 Jahren bestehende Schnlkreuzerverein eine Bescherung armer Schulkinder mit Winterkleidern, verbunden mit einer Ehanukafeier. Zu diesem Behufe versammelte sich am Sonntag den 3 d M um 3 Uhr Nachmittags die gesammte Schuljugend mit ihrem Lehrkörper, sowie ein zahlreiches distinguirtcs Publikum im großen Schnlzimmer der deutschen Volksschule Eröffnet wurde diese Feier durch eine von der ganzen Schuljugend vorgetragene Chanukahynine. Darauf richtete Herr Oberlehrer S. Binder an die Kinder eine Ansprache, in welcher er über das Thema: „Geben und nehmen" sprach, und dieses Thema den Kinder in der ausführlichsten Weise erläuterte. Hiebei gedachte er aller der edlen Spender, welche sich durch ihre nähmhaften Spenden für den Verein besoders hervorthaten, insbesondere aber eines fern von hier wohnhaften hochherzigen Spenders, eines würdigen Sohnes unserer Gemeinde, des Herrn Leopold E i s e n m a n n, Fabrikanten in Roth-Kosteletz in Böhmen, welcher den Verein mit einer beträchtlichen Menge warmer Leibwäsche, Unterkleidern, Strümpfen und dergleichen zur Vertheilung an die armen Schulkinder bedachte und diese gewiß nachahmeuswerthe edle Spende dem Vereine in liebevollster Weise zukoinmen ließ, wofür Herr Oberlehrer Binder im Namen des Vereines sowie der armen Kinder Herrn Eisenmann und allen edlen Spendern, sowie den einzelnen Mitgliedern des Vereines für ihre Beiträge den wärmsten Dank zollte. Zum Schluffe seiner durchdrungenen Rede gedachte Herr Oberlehrer Binder unseres erhabenen Monarchen, unseres allverehrten und geliebten Kaisers als Oberhaupt des Staates und hochedlen Förderers von Schule und Wissenschaft, worauf er ein dreimaliges Hoch auf Se. Majestät den allergnädigsten Kaiser ausbrachte, in welches die Kinder begeistert einstimmten und sodann das Kaiserlied sangen. Hierauf richtete Seine Ehrwürden der Herr Rabbiner Dr. Fried m a n n eine auf das Channkafest bezughabende, belehrende Ansprache an die Kinder, nach welcher von drei Mädchen ein Channkagedicht betitelt „Zum Weihefeste" exact vorgetragen wurde. Wessely a. d. March. Sabbath Chanukah verschied hier im hohen Greisenalter von 86 Jahren Herr Emanuel F r e u n d, einer der Wenigen, der sich noch rühmen konnte, unter Radetzky sämmtliche Feldziige in Italien mitgemacht zu haben. Der nun Verblichene trug mehr als 13 Jahre den Rock des obersten Kriegsherrn und wurde im Jahre 1849 in der denkwürdigen Schlacht bei Novara verwundet. In seiner Heimatsgemeinde wirkte F r e u n d durch mehr als ein Menschenalter in wahrhaft gottesfürchtiger, edler, gemeinnütziger und menschenfreundlicher Weise und war stets bestrebt, das Wohl seiner nun tieftrauernden Mitbürger zu fördern, die sich denn auch in außerordentlichem Maße an dem am 3. d. stattgehabten feierlichen Leichenbegängnisse betheiligtcn. Die gesammte Bevölkerung, ohne U n t e r-