Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 49 (8.12.1899)
- Date
- 1899-12-08
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3021277-3021327--09439-3033868- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 938 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 49 Charakteren, wie Boris Fanjoung einer war. Schatunowsky wird öffentlich gerichtet werden, und alle Welt wird seine haarsträubenden Verbrechen kennen lernen. Aber über das selbstaufgeopferte Leben von Boris Fanjouug werden blos Wiens Kinder und die Mütter dieser Kinder wiffen. Nur seine eigene schwergeprüfte Mutter allein wird ihn heiß beweinen und betrauern .... Die hiesige Gesellschaft der Aerzte möge eine Sitzung veranstalten, um das Andenken ihres würdigen Collegen zu ehren. Nicht allzuoft sehen sich die Aerzte veranlaßt, sich zu ähnlichen Sitzungen zu versammeln. Desto nothwendiger wäre es, diese sich ihnen darbietende Gelegenheit zu benutzen." Melbourne. Die hiesige jüdische Gemeinde hat einen schweren Verlust erlitten durch den Tod von Ephraim Lamen Zox, der seit Villen Jahren eines der führenden Mitglieder dieser Gemeinde war; aber der Verstorbene spielt nicht nur in der Judenheit, sondern auch in den politischen Verhältnissen von Victoria eine große Rolle. In England im Jahre 1837 geboren, kam er, 21 Jahre alt, nach der Colonie und etablirte dort ein erfolgreiches Confectionsgeschäft. Sehr bald schloß er sich den mannigfaltigsten Wohlthätigkeitsanstalten an und nahm bei vielen derselben rasch eine führende Stellung ein. Besonders bei der „Dicharged Prisonners Aid Society“, der Gesellschaft für entlaffene Gefangene, war er viele Jahre hindurch Vicepräsident und die Seele des Vereines. Nicht weniger eifrig nabm er an den speciell jüdischen Anstalten und Vereinen Antheil. Er war nacheinander Schatzmeister und Präsident der „Hebrew Gongregation“, Gründer der „Jewish Philantropie Society“ und Präsident des Zweigvereines der „Anglo Jewish Association“ in Melbourne. Im Jahre 1877 wurde er für Melbourne in das Parlament von Victoria gewählt und behielt dieses Mandat bis zu seinem Tode 21 Jahre hindurch. Bon der großen Achtung und Verehrung, die er sich im Parlament zu erwerben gewußt, spricht am besten das Benehmen des Parlaments bei der Nachricht von seinem Tode. In der Sitzung vom 20. November nahm vor Eintritt in die Tagesordnung der Ministerpräsident das Wort, um des zwei Tage vorher verstorbenen Zox zu gedenken. Er feierte seine Thätigkeit in dem Parlamente, besonders seine Arbeit in so vielen Commiffionen und hob in erster Linie seine Leistungen in der Commission für Wohlthätigkeit und in finanziellen Angelegenheiten hervor. Nach dem Ministerpräsidenten sprach in gleichem Sinne der Führer der Opposition und vier verschiedene Mitglieder des Hauses und zum Schluß noch der Vorsitzende des Parlamentes, und alsdann vertagte sich das Haus zum Zeichen seiner Trauer auf einen Tag. Es braucht kaum erwähnt zu werden, daß auch sein Begräbniß unter allgemeiner Theilnahme stattfand. Paris. (Ehrung Zol a's.) Ein edler Bürger Mailands, Herr Pietro B o r g h i, hat die vom Bildhauer R i p am o n t i geschaffene, den „Justizmord" in Gestalt eines ungerecht Lerurtheilten darstellende schöne Broncestatue erworben und Emile Zola zum Geschenke gemacht. In einer Beschreibung dieser und anderer Meisterwerke Ripamonti's brandmarkt Herr E. A. Marescotti mit glühenden Worten das verbrecherische Treiben derjenigen, welche „um ihre Lügen zu verhüllen und sich sübst vor gerechter Strafe zu retten. Verbrechen auf Verbrechen häuften mfc einen ehrenhaften Collegen dem Schoße seiner Familie enöiffen, um ihn entehrt dem Verderben auf der Teufelsivsel zu weihen, als Sühnopfer für ihre eigenen Unthaten". Die antijüdische Clique in Frankreich ist nach ihm entstanden „aus dem schmutzigen Handel käuflicher Gewissen mit herrschsüchtigeu Kronprätendenten, welche mit List und Bestechung alle bösen Geister politischen und religiösen Haffes wiedererweckten". M. London. Oscar S. Strauß, der jüdische Gesandte der Vereinigten Staaten von Nordamerika am Hose des Sultans, hat in ChaÄerhouse, der berühmten englischen Erziehungsanstalt, eine Tafel anbringen laffen, zum Andenken an Roger Williams, der aus dieser Schule hervorging. Roger Williams, der Gründer der Colonie Rhode Island, war einer der ersten und tapfersten Bertheidiger der Gewiffensfreiheit in England und Nordamerika. Seine Gründung Rhode Island hatte die liberalsten Gesetze auch iu religiösen Dingen, als selbst in den anderen Colonien in Nordamerika, wie New-Iork, Virginien rc. die ärgste Intoleranz noch herrschend war. Vermischtes. Wien. Bei der jüngsten Audienz, die der Grand Rabbin Halevy in Constantinopel bei Sr. Majestät dem Sultan batte, fanden die Verdienste des Präsidenten der türkisch-israelitischen Gemeinde in Wien, Herrn Marcus M. R u s s o, um die Gemeinde, sowie seine patriotischen Bestrebungen besondere Würdigung. Zum Ausdrucke derselben wurde Herr Russo mit dem Medschidje-Orden 2. Classe ausgezeichnet, einer Auszeichnung, die nur wenige Israeliten besitzen. Wien. Das zehnjährige Gründungsfest des Vereines „Mechisch-Jeschuah" wurde durch einen Festgvttesdienst am 29. November Abends im eigenen Betlocale eingeleitet. Als Vorbeter fungirte unser Vereinsmitglied Herr A. Siederer, als Festredner, außer dem Obmann des Vereines, Herr Lector M. Friedmann. Nach dem Gottesdienst fand im Locale des Herrn Carl Bibring, II., Große Schiffgasse 24, ein Festbanquett statt, an welchem 70 Personen theilnahmen. Wien. (Spenden.) Für die Bergarbeiter in Boryslav sind uns zugekommen: Bon Herrn Josef Tausig aus Hlinsko 1 fl., von Herren Tausig & Bauer aus Hlinsko 1 fl., von Herrn R. Wellmenski aus Hlinsko 1 fl., von Herrn Heinr. Bergman aus Trhor Kamenitz 1 fl., von Herrn Samuel Fuchs aus Trhor Kamenitz 50 kr., von Herrn Ludw. Minich aus Trhor Kamenitz 50 kr., von Herrn H. Liebermann aus Lipka 1 fl. 20 kr., von Herrn Dadid Ziner aus Lipka 50 kr., von Herren Meise! & Sohn aus Nassaburg 1 fl. 50 kr., von Herrn I. Spielmann aus Nassaburg 50 kr., von Herrn G. Roubieek aus Nassaburg 50 kr. Wien. (Spende.) Für Holleschau und Polna sind uns unter „Teplitzer Kaufleute" 4 fl. 25 kr. zugekommen. Wien. Der Leopoldstädter Frauen-Wohlthätigkeitsverein veranstaltete in den Räumen des von ihm errichteten Kaiserin Elisabeth - Lehrmädchenhortes in Wien, II., Rembrandtstraße 6, am 2. d. M. ein bescheidenes, aber würdiges Chanukafefl. Unter den Klängen eines Harmoniums, welches die bekannte Firma Saphir unentgeltlich beigestellt hatte, eröffnete mit prächtiger Stimme Herr Cantor Weißmann die Fder. Die Zöglinge des Hortes sangen hierauf ein von Frau E l i s ch e r sorgfältig einstudirtes Lied, und ein Mädchen dankte in einem von der Verwalterin Fräulein Schulmann verfaßten innigen Gedichte, welches die zahlreich erschienenen Gäste aufs tiefste ergriff. Nach einer warm empfundenen Ansprache des Hortdirectors und Vereinsbeirathes Professor Richard Singer, dankte die Präsidentin Frau kais. Rath Dr. Bertha K o h n den Damen des Vorstandes und allen Gönnern für die außerordentliche Unterstützung, welche sie diesem Institute zutheil werden ließen. Allseits wurden die überraschenden Resultate, welche seit dem kurzen Bestände des Hortes erzielt wurden, lobend anerkannt und die Ausstellung der von den Mädchen in den Feierstunden angefertigten Arbeiten, darunter prachtvoller Stickereien, Hüte, Schirme und dergleichen, überzeugten jeden der Anwesenden von den ungemein wohlthätigen, unterstützungswürdigen Bestrebungen des Vereines und Hortes. Wien-Margarethen. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Reich hält im Laufe des Winters noch an folgenden Sabbathen, und zwar Freitag Abends nach Mincha, Exhorten am: 30. December, 27. Jänner, 27. Februar, 31. März, auf besonderen Wunsch der Tempelgemeinde ab. Man erhofft wie bisher durch Abhaltung dieser Exhorten des ausgezeichneten Redners einen weiteren Aufschwung des Vereines und eine Hebung des Tempelbesuches. Wien. (Kinderbekleidungsfest.) Der Frauen- Wohlthäligkeits-Verein im VIII. Bezirk, hielt am 29. November seine diesjährige Betheilung ab. Es wurden 130 Knaben und Mädchen mit vollständigen Winterkleidern ausgestattet. Aus diesem Anlaß fand im Cursalon eine Festlichkeit statt, welcher eine große Anzahl Damen aus der vornehmsten Gesellschaft beiwohnten. Die Festrede hielt der Rabbiner des VIII. Bezirkes, Dr. Hahn; darauf entzückte mit seinem herrlichen Gesang der Obercantor Bauer alle Anwesenden mit einem Festchoral. Entg-gen dem bisherigen Usus entfiel die öffentliche Betheilung der Kinder, eine Neuerung, die gewiß allen Beifall finden wird. Die Kinder kamen mit freudestrahlenden Gesichtern in den schmucken neuen Gewändern und lauschten den guten Vorträgen, die ihnen dort geboten wurden; einige Mädchen declamirten und zum