Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 49 (8.12.1899)
- Date
- 1899-12-08
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 936 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 49 Farbe riecht, pflegt zum Glück keine besondere gesellschaftliche Recommandalion, weder bei Juden, noch bei Christen zu sein. Es Pafsirt Einem manchmal, wenn man mit irgend so einem Neuarier über die Tagesfragen spricht und sein Herz ausleeren will, die Wahrnehmung zu machen,' daß aus dem Saulus ein Paulus geworden ist. Es wäre deshalb gewiß eine zeitgemäße und dankeuswerthe Aufgabe, wenn Sie als anerkanntes Organ des Judenthums die Namen solcher Ausgetretenen veröffentlichen würden, Sie erweisen damit gewiß denselben, wie auch deren Bekannten einen großen Dienst, gegen welchen wohl kaum ein Bedenken obwaltet, weil sich Liefe Amtshandlungen öffentlich vollziehen. Hoch achtend Lucian Brunner. Wien. (Billige Unsterblichkeit.) Auf einem Spaziergange in der Leopoldstadt bemerkte ich neulich auf der neuen Brücke über den Donaucanal auf einer Marmortafel in großen, goldenen Buchstaben die Inschrift: „Erbaut von der Gemeinde Wien unter dem Bürgermeister Dr. Lueger". Ob Dc. Lueger den Bau geleitet oder das Geld dazu aus seiner Tasche gegeben hat, weiß ich nicht. Aber es sind doch sAon viele Brücken in Wien gebaut worden und es hat stets Bürgermeister gegeben — warum hat keiner die Brücken mit seinem Namen in Goldbuchfiaben — geziert? Wir haben während der langen, schrecklichen Zeit der Gasrohrlegung so viele Leib und Leben gefährdende Brückchen gesehen; warum hat sich nicht Herr Dr. Lueger da verewigt? Etwa mit der Inschrift in Goldbuchstaben: „Hier wurden 32 Millionen von der Gemeinde Wien begraben, unter dem Bürgermeister Dr. Lueger". N. Wien-Margarethen. Am 15. v. M. fand im neu restaurirten Tempelgebäude die Generalversammlung des Wieden- Margarethener Tempelvereines statt, zu der als Delegirter des Cullusvorstandes Herr Bice-Präsident Dr. Gustav K o h n erschienen war. Die vom Bereinsobmanne Herrn Adolf Ostersetzer abgegebene Erklärung, keine Vertrauens stelle im Vereine wegen vorgerückten Alters und Geschäftsüberbürdung annehmen zu können, wurde mit tiefem Bedauern zur Kenntniß genommen und wurde Herr Ostersetzer im Hinblick auf seine gemeinnützige, ersprießliche 25jährige Amtsthätigkeit als Obmann, von der Generalversammlung einstimmig zum Ehrenmitgliede ernannt. In den Vereinsvorstand wurden gewählt die Herren: Adolf Hvffmann, Redacteur Lichtblau, S. Wiesner, Dr. Stransky, Jakob Drexler, A. Frankl, S. Jellinek, Löwy, Wessely, Herr Bice-Präsident Dr. Kohn, welcher vom Vorsitzenden ehrfurchtsvoll begrüßt worden war, nahm zum Schluffe die Gelegenheit wahr, um namens des Cullusvorstandes zu erklären, daß derselbe wie bisher nach Thunlichkeit die Interessen des Vereines, der einer der ältesten ist, fördern und namentlich die Wünsche des Vereinsvorstandes bezüglich ihres allgemein beliebten Rabbiners, Herrn Dr. Reich, die bei der Generalversammlung zum Ausdrucke kamen, berücksichtigen werde und dessen Bestallung als Gemeinderabbiner in nahe Aussicht stellte. Bei der constituirenden Sitzung wurde Herr Adolf Hvffmann zum Obmann, Herr Redacteur Lichtblau zu dessen Stellvertreter gewählt. Leipnik. Unser früherer vieljähriger Cultusvorsteher, der gegenwärtig in Troppau domicilirende Herr Abraham K u l k a (wegen seiner hervorragenden Verdienste auf culturellem und humanitärem Gebiete) auch Ehrenbürger der hiesigen politischen Jsraelitengemeinde, beging am 15. November d. I. im engsten Familienkreise seinen 70. Geburtstag, wobei auch die hiesigen Armen reichlich von ihm bedacht wurden. Zur bleibenden Erinnerung stiftete sein Bruder, Herr Leopold Kulka aus Jägerndorf ein neues Sefer Thora nebst allen hiezu g hörigen Kle Kodesch aus feinstem Silber, elegant und künstlerisch ausgefübrt. Die Ehegattin des Jubilars, Frau Betty K u l k a, eine Tochter des berühmten Director des Budapester Rabbiner-Seminar, Sr. Ehrwürden Herrn Moses Bloch, widmete eine 1000 Kronen-Nenten- Obligation zu einer Erinnerungs-Stiftung, daß alljährlich am 13.Kislew, als dem Geburtstag ihres Ehegatten, Herrn Abraham Kulka, die Zmsen an Arme aus der Cultusgemeinde Leipnik zur Vertheilung gelangen. Am letzten Sabbath wurden diese Votiv-Gegenstände eingeweiht. Unser ehrw. Rabbiner Herr Dr. Feiwel Hillel hielt eine formvollendete Chanuka-Predigt, in welcher er auch den Dank an die Spender aussprach. Am Nachmittage desselben Tages-hielt über Aufforderung des hiesigen Eultusvorstehers, Herr Dr. Salomon Kulka im Bekh- Hamidrasch einen Vortrag, „über die Stellung der Juden im 16. und 17. Jahrhundert in socialer und wissenschaftlicher Beziehung" und wurde von dem versammelten Auditorium der Wunsch nach öfterer Wiederholung solcher Vorträge seitens des Redners ausgesprochen. Meran. (Lazarus-Jubiläum.) Aus Meran wird uns über das Jubiläum des geheimen Rathes Prof. Dr. Lazarus nachfolgendes berichtet. Sr. Majestät der Kaiser von Deutschland hat dem verdienten Jubilar den Krouenorden 3. Classe mit der Zahl 50 verliehen. Aus den vielen Ehrungen die dem greisen Gelehrten aus Anlaß dieses seltenen Festes zutheil wurden, verdient die Erneuerung des Doctordiploms von der Universität Halle besonders hervorgehoben zu werden. Der lateinische Text der Urkunde war von einer Herzlichkeit und Begeisterung, daß Prof. Dr. Lazarus tief bewegt davon war. Ferner eine inhaltvolle, schön ansgestattete Adresse der israelitischen Cultusgemeinde Wien. Unter den Gratulanten befanden sich nicht nur jüdische Capacitäteu wie z. B. der Oberrabbiner von Petersburg Dr. D r a b k i n, auch hervorragende christliche Persönlichkeiten zeigten durch ihre Glückwünsche, welche Verehrung und Bewunderung der Jubilar in den weitesten Kreisen genießt. Aus der Fülle der Namen nennen wir nur geheim. Rath Oberbürgermerster Dr. Georg i, Leipzig; Reichsrathsabgeordneter Superintendent Dr. H aa se, Teschen; Pfarrer G a m p e r, Dresden; geh. Rath Dr. H e n o ch, Dresden; Professor F. M i n g, Halle; Professor Karl von Fritsch, Halle; Professor Th. A ch e l i s, Bremen; Professor V a m b e r y, Budapest; Professor Schiff, Florenz; Pros. Dr. Arthur König, Berlin; Prof. Karl F r e n z e l, Berlin; geh. Rath Prof. Boekh, Berlin; geh. Rath Prof.Albr. Weber, Berlin; Dr. Alfr. Stern, Wien. Von den verschiedenen früheren Schülern der Kriegsakademie in Berlin erwähnen wir Oberstlieutenant Paul Pochhammer, der Goethe- und Dante-Kenner rc. rc. Noch kommen immer neue Glückwünsche, Briefe und Telegramme. Ganz eigenartig ist das Geschenk, das die Gattin des geh. Rath Prof. Dr. Lazarus, die bekannte Schriftstellerin Frau Nahida Ruth Lazarus dem Jubilar widmete. Dasselbe besteht aus einem Buche: „Sprüche von Lazarus" (Leipzig 1899, Verlag von Ed. Heinrich Mayer) und enthält aus den Werken des großen Gelehrten eine Sammlung allgemeiner rein menschlicher Weltweisheit, die über allen parteiischen und confessionellen Schattirungen steht. Mit dieser Gabe hat sich Frau Nahida Ruth Lazarus nicht nur um ihren Gatten, sondern auch um die Literatur und Humanität ein großes Verdienst erworben. Falkenau a. E. Nachdem Herr Johann Steiner, einer der angesehensten und ausgezeichnetsten Mitglieder unserer Cultnsgemeinde, der 16 Jahre lang den Vorsitz in der Gemeinderepräsentanz führte, in den am 19. d. M. stattgefundenen Gemeindewahlen eine Wiederwahl decidirt ablehnte, wurde an dessen Stelle Herr Leopold Mohr einstimmig zum Cultusvorsteher gewählt. Wir können unseren neugewählten Herrn Cultusvorsteher zu dieser Wahl nicht herzlicher beglückwünschen, da die Sorge für das Gemeinwohl von jeher ihm angelegentliche Herzensache war. Es sind ferner gewählt worden als Ausschußmitglieder die Herren : Johann Steiner, Vorstand - Stellvertreter; Karl Pollak, Cassier und Tempelvorstand; Moriz Löw, Schriftführer; Hermann Adler, David Steiniger, Ignaz Kohn, Wilhelm Schulz (Graslitz), Adolf Hirsch, Moriz Stein (Chodau.) In den verstärkten Ausschuß die Herren: JUDr. Unger, Ignaz Steiniger, A. Schlesinger (Kirchenbirk), Herm. Zentner, Jos. Hönig, Simon Rosner, M. Stein (Chodau), Josef Simon, Jacob Kohn (Graslitz), Berth. Löwy. In die Umlagecommission die Herren: Ariel Hönig (Kirchenbirk), Ernst Steiniger (Falkenau), Laz. Stern (Bleistadt), Otto Weißbart (Elbogen), Simon Rosner,. Moriz Stein (Chodau). Casfenrevisvren die Herren: Theod. Steiniger, Berth. Hansl. Radnitz. Unser Städtchen erfreute sich bisher der größten Ruhe und Eintracht zwischen seinen Bewohnern, bis auch die Demonstrationen der letzten Zeit und ein vor einem Jahre hierher versetzter Lehrer an der hiesigen Knabenbürgerschule Herr Franz K l a p k a diese idyllische Ruhe störten. Die Demonstranten, die die Fenstertafeln eingeschlagen, sind beim Bezirksgerichte in Rokytzan angezeigt und sehen ihrer Bestrafung entgegen. Aber dem Treiben obigen Lehrers, der jeden Abend, sobald er eines jüdischen Geschäftsreisenden im Gasthause des I. Pinc ansichtig wird, denselben und die Juden im Allgemeinen beschimpft, ist noch nicht Einhalt gethan, trotzdem gegen denselben zweimal von Geschäftsreisenden die Anzeige beim Landesschulrathe gemacht wurde. Den jüdischen Geschäftsreisenden empfehlen wir im Interesse ihrer Ehre, das Gasthaus des I. Pinc solange zu meiden, als Klapka dort unbehelligt Mittag und Abend die Juden in unqualificirbarer Weise beschimpft; da es doch Pflicht jedes anständigen Gastwirthes wäre, dem Ruhestörer die Thür zu weisen — was aber de facto nicht geschah. Ein Paar süße Worte sollen die Reisenden beruhigen. Jüdische Reisende, die Ehre im Leibe haben, werden wissen, was sie zu thun haben. München. Gegen den Antisemitenführer Ludwig W e n g g, den Herausgeber und Redacteur des