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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-12-08 · 49 (8.12.1899) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
49 (8.12.1899)
Date
1899-12-08
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 932 Dr. Bloch's Wochenschrift« Nr 49 dessen Sohn Karl I. (als Deutscher Kaiser Karl IV.) am 30. September 1356 * * 3 4 * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * 27) und später Wladislaw I. am 14. Mai 145428) erneuerten die ursprüngliche Fassung (die vom 29. März 1254 datirt). Ueber eine Stellungnahme der übrigen Könige von Böhmen wird nicht ausdrücklich berichtet,29) doch steht das Eine fest, daß keiner derselben sich für die Blutbeschuldigung ausgesprochen hat; wäre dies der Fall gewesen,30) dann hätten die Ankläger der Juden es an der entsprechenden Ausbeutung nicht fehlen lassen. Wie für seine Nachfolger, ist das Statut Ottokar's II. auch für die Fürsten der Nachbarreiche beispielgebend geworden. Boleslaus V. Pius, Herzog von Kalisch, hat mit allen anderen Bestimmungen auch diejenigen über die Blutbeschuldiguug in sein im Jahre 1264 für die Juden Großpolens erlassenes Privilegium Libertatis wörtlich ausgenommen31). Kasimir III., der Große, erneuerte am 9. October 1334 das Privileg für sämmtliche Provinzen seines ausgedehnten Reiches32) und ließ dreizehn Jahre später den das Verbot der Blutanklage enthaltenden Paragraphen als ein besonderes Edict nochmals publiciren 33). Am 14. August 1453 bestätigte Kasimir IV. der Jagelloue das Gesetz in der verschärften Fassung34), daß ein Christ, der „in seiner Verwegenheit" einen Juden des Gebrauches von Christenblut beschuldigt, ihn durch drei inländische, glaubwürdige und erprobt zuverlässige jüdische und durch vier christliche Zeugen überführen muß; gelingt *7) Vgl. Rößler 1. c. I, S. 186; Celakowsky 1. c. S. 99 No. 63; Jirecek 1. c. I., S. 141; II3, S. £65. Karl erklärt, er erneuere und bekräftige das Privileg „den diesbezüglichen Be st immun gen der heiligen Kirche und dem Beispiele der hochseligen Väter folgend", aber auch „ans eigener g enaner Kenntniß (ex certa seieutia). Bekanntlich war Karl IV. einer der gelehrtesten Fürsten des Mittelalters (vgl. Palacky, Geschichte von Böhmen fPrag 1836) II". S. 539); Werunsky, Gesch. Kaiser Karl's IV. ^Innsbruck 1880s I, S. 442 fg. Diese auch für seine jüdischen Unterthanen geforderte Menschlichkeit war natürlich nicht nach dein Herzen gewisser Mönch-Scribenten und zeitigte eine Reihe von Schmähschriften (vgl. Palacky, 1. e. III', S. 54 N.), eine pikante Bestätigung, daß bereits das Mittelalter die Species der „Judenknechte" kannte. '9 Celakowsky 1 e. S. 237 No 148 (czechische Urkunde). 2[>) In dem Processe gegen den des Blutmordes bezichtigten Israel Bruna von Regensburg griff Wladislaus II. sehr energisch zu Gunsten des Angeklagten ein (vgl. Gemeiner, Regensburgische Chronik sRegensburg 1800s III, S. 532). Im I. 1501 bestätigte er den Beschluß des böhmischen Landtags, daß, „wenn ein oder der andere Jude wider die Landesgesetze sich vergehen sollte, nur allein der Thäter bestraft, desselben Verbrechens aber keinesfalls von der sämmtlichen Judenschaft vergolten werden soll" (vgl. Hermann 1. e. S. 53), was zwar nicht gegen die Blutbeschuldigung allein, aber auch gegen diese gerichtet ist. 30) Ueber den Antheil Wenzel's IV. an den Judenverfolgungen der Jahre 1388 und 1389 wird später eingehend die Rede sein; nur so viel sei bereits hier bemerkt, daß die Darstellung des Chronisten Hajek, wonach er den Christen Recht gegeben hat, eine der zahlreichen Erdichtungen dieses verlogenen Geschichtsklitterers ist (vgl. Palacky 1. e. III', S. 55. No. 62). 3') Prilusius, Leges seu statuta ac Privilegia Regui Polou. (Krakau 1551) S 44; Fulestin, Statuta regui Polou. iu ordinem alpkabeticum digesta (Samosstje 1597) S. 233 fg., Zalaszewski, Jus regui Polou.. Tom. I, üb. I. lit. 6. § 4; Bandtkie Jus Polonicum (Warschau 1831) S 15 fg.; Tugendhold, der alte Wahn vom Blutgr brauch der Israeliten am Osterfeste (Berlin 1838) S 57; Sternberg, Gesch. der Juden in Polen (Leipzig 1878) S. 31 tg und 49 (vgl. auch Monatsschr. f. Gesch. u. Wissensch d Judenth. II, 1853, S. 305); Grätz VII", S. 380. ") Dlugosz, Histor. Polou. (Leipzig 1711)1, S. 1110; Bandtkie 1. c. S. 16; Tugendhold 1. c.; Sternberg 1. c. S. 58; Grätz 1. c. Tie Angabe jugendfeindlicher Historiker, daß die Erneuerung unter dem Einflüsse der jüdischen Geliebten Kasimir's erfolgt sei, widerlegt sich schon damit, daß Esterka erst i I. 1356, also zweiundzwauzig Jahre nachher, des Königs Begünstigte tvurde. *9 Die Veranlassung bildete die Anklage, daß die Juden ein ui der Nähe Krakaus todt gefundenes Kind ermordet hätten. Kasimir betraute den Reichskanzler Jakob von Melchtin und den Priester Prandola mit der Untersuchung, welche vor der Oeffentlichkeit durchgeführt, die völlige Unschuld der Juden ergab; vgl. Sternberg S. 60. Bandtkie 1. c. S. 19; Lubliner, Les Juifs eu Pologue (Brüssel 1839) S. 15 fg., Tugendhold, S. 58 fg; Sternberg S. 98 fg. Grätz VIII2 Note 5, S. 417 fg.: Perles in Monatsschr f. Gesch. u. Wissensch. d. Judenth. XIII (1864) S. 290 N. 14. ihm dies nicht, dann büßt er selbst mit dem Tode. Fürsten oder Bürger, welche in Verletzung dieser Bestimmung den Juden Gewalt anthun, haben ihre Habe und ihr Leben verwirkt. Dieses Statut Kasimir's, welches er unter dem Einflüsse des Franziskanermönchs Johannes de Capistrano 3i), des wüthigen Würgers der Juden, im Jahre 1454 aufgehoben 36), aber im Jahre 1467 wieder in Kraft gesetzt hat37), bestätigten seine Söhne, der sonst judenfeindliche Johann Albert im Jahre 1496 3Ö) und Sigismund I. am 22. März 151439), dann dessen Nachfolger S i gi s mu n d II. August im Jahre 1548 (auf dem Reichstage zu Piotrkow 40) und noch nachdrücklicher im Jahre 1557 (auf dem Reichstage zu Warschau)"), S t e p h a n B a t o r y am 5. Jnli 15 7 6 42) und am 2. Jänner 1580 (auf dem Reichstage zu Warschau) *3), Sigi s m u n d III. am 12. October 1592 44), Wladislaus IV. am 11. März 16334ä), Johann K a s i m i r am 13. Februar 1649 43), M i ch a e l I. im Jahre 16964T), A u g u st II. der Starke am 30. Juli 1736 48), August III. am 18. März 1763 49) und Stanislaus Augu st, der letzte König von Polen, am 24. August 1765 50j. Ein dem Ottokar'schen gleichlautendes Privileg erließ am 7. August 1295 B o l k o I., Herzog von Schlesien "'), Waddilkg, Amiales Minorum (Rom 1731) T. XII, S. 641 No. 6; Grätz 1. c. S. 419 fg. 36) Dlugosz, S. 157; Bandtkie, S. 28t9 fg.; Sternberg, S. 101 fg.; Grätz, S 420 39 Bandtkie, 1. c.; Sternberg, Seite 106 Sternberg, S. 10h. Es sei daran erinnert, daß dieses Verbot der Blutbeschuldigung durch Johann Albert einundzwanzig Jahre nach dem Proceß von Trient, der bekanntlich i. I. 1475 spielte, erfolgt ist, daß dieser sensationelle Proceß, der noch Jahrhunderte später die Gemiither ans das Lebhafteste erregte (vgl Wagenseil, „Hoffnung der Erlösung Israels" (Nürnberg, 1707) S. 105) und zur Zeit, wo er sich zntrng, in Wort und Schrift (durch F l u gb l ä t t e r, vgl. Stobbe, S. 292) so geschäftig aus^ ebeutet wurde, dem König von Polen, , dessen Lande schon damals eine starke jüdische Bevölkerung zählten, unbekannt geblieben sein sollte, ist ausgeschlossen. Wenn Johann Albert, der die Juden so ingrimmig haßte (vgl. Sternberg, S. 107), trotz des „Ritualmordes" von Trient, derartige Anklagen verboten hat, so beweist das, wie die Zeitgenossen über diesen „Fall" geurtheilt haben Nach dieser Richtung gewinnt auch das Verhalten der späteren Könige von Polen, namentlich derer, welche nach dem Jahre 1588, in welchem Simon von Trient in das Martyrologium Romanum ausgenommen, die Blutbeschuldigung untersagt haben,.erhöhte Bedeutung. Auf diesen Punkt wird später eingehender zurückgekommen werden. "0) Sternberg S. 111 und 171. 4") Bandtkie 1. e.; Sternberg S 138. 4‘) Perlcs 1. c.; Sternberg S. 14'. Veranlaßt durch einen Gewaltact des Bischofs von Chilm erwirkte Sigismund August den Reichstags-Entscheid, daß, wenn ein Jude in Zukunft des Kindesmords oder der Hosticnschäuduug beschuldigt werden sollte, kein Würdenträger des Reiches sich das Recht anmaße, darüber zu richten, die Angelegenheit vielmehr vor das Forum des Reichstages gehöre, aber „nicht auf jede beliebige frivole Anklage hin, sondern nachdem ausreichende Beweise und Zeugnisse darüber, daß das Verbrechen begangen wurde", vorliegen, (non ad quameuuque frivolam accusatiouem sed probatiouibus et documeutis sufficientibus super commisso scelere acceptis). Sternberg S. 132, Note; Guidetti, Pro Judaeis (Turin 1884) S. 300 fg. , ") Tugendhold S. 59; Perles 1. e. 44) Tugendhold 1. c.; Perles 1. c. Sternberg S. 173. 45) Tugendhold 1. c.; Perles 1. c. 46) Tugendhold 1. c.; Sternberg S. 173. 4') Tugendhold 1. c.; Sternberg 1. c. 49 Perles, Monatsschrift rc. XIV. (1865) S. 166. 4'J) Orient I (1840) S. 38 fg.; Sternberg S. 173 fg. Es sind zwei bedeutsame Urkunden, die eine die Bestätigung der Erlässe Sigismund's III. und Michael's I., die zweite die Bestätigung des von Cardinal Corsini im Aufträge des P a p st e s Clemens XII l. an den Nuntius von Polen gerichteten Schreibens (vgl. die päpstl. Bullenüber die Blutbesch, in welchem auf Grvnd des Gutachtens des Cardinals Ganganelli die Juden von der Blutbeschuldigung freigesprochen werden. 50) Perles 1. c. S 174. *') Vgl. die Urkunde Bolko's II. bei Sommersberg, Silesiorum rei historicae et geuealogicae aceessioues (Leipzig 1732) S. 94; Biener, De iure regio reeipiendi Judaeos (Leipzig 1790) S. 253; Sternberg S. 162.

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