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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-12-01 · 48 (1.12.1899) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
48 (1.12.1899)
Date
1899-12-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 48 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 917 beifällig aufgenommene Vorträge der Kinder, welche fodann ins Cafö Bader geführt wurden, wo ihrer eine reichliche Jause harrte. Einige Spiele wurden ausgeführt und mit dem Absingen der Volkshymne fand die schöne Feier einen würdigen Abschluß- Malmö. Zum Rabbiner der hiesigen israelitischen Cultus- 'gemeinde wurde Herr Dr. Josef Wohlstein. Rabbiner in Schüttenhofen, einstimmig gewählt. Schütlenhofen. Bei der am 26. November 1899 stattgefundenen Wahl der Verwaltungs- und Bertretungsorgane der israelitischen Cultusgemeinde Schüttenhofen wurden nachstehende Herren in den Vorstand gewählt: Dr. Ludwig Fürth, Advocat in Schüttenhofen, Rudolf Schwarzkopf, Fabrikant daselbst, Joachim Steiner, Moritz Fürth, Albert Ganz, Heinrich Kafka, sämmtliche Kaufleute in Schüttenhofen. Herr Doctor Ludwig Fürth, welcher schon durch volle 9 Jahre unter den schwierigsten Verhältnissen mit bewunderungswürdiger Umsicht und Rührigkeit das Amt des Cultusgemeindevorstehers versieht, und sich in allen Kreisen der Bevölkerung einer ganz besonderen Beliebtheit erfreut, wurde mit 34 Stimmen wiedergewählt. Neutitschein, den 27. November 1899. Sonntag den 26. d. M., um 4 Uhr Nachmittags fand im hiesigen Bethause anläßlich des Chanukafestes ein feierlicher Gottesdienst für die Schuljugend sämmtlicher hiesiger Anstalten statt. Nachdem die Chanukalichter angezündet waren, hielt unser hochgeehrter Rabbiner- Herr Dr. S. Mandl an die Schuljugend eine Ansprache, in welcher er ihnen in formvollendeter und verständlicher Weise die Bedeutung des Chanuka erklärte. A. I. Bielitz. Vorige Woche wurde hier das älteste Mitglied unserer Gemeinde, Herr David Groß, in seinem 89. Lebensjahre zu Grabe getragen. Derselbe erfreute sich bis zu seinem Tode in den weitesten Kreisen, seiner Frömmigkeit, seines lauteren Charakters und seines reichen Wissens wegen, der größten Hochachtung. Bis vor zwei Monaten von einer seltenen Geistesfrlsche, überraschte er oft seine Umgebung durch Proben seiner Gedächtnißkraft sowie durch seine geistvollen Schriftauslegungen. Er hatte sich in seiner Jugend in Mähren dem Talmudstudium gewidmet und auch ein vielseitiges profanes Wissen erworben, wurde später Kaufmann und Oekonom und verlebte die letzten zwei Jahrzehnte im Hause seines Sohnes, des hiesigen Wollwaarenfabrikanten, Herrn Abraham Groß, langjährigen Mitgliedes unseres Cultusvorstandes. Ein zweiter Sohn des Verstorbenen ist der bekannte Rabbiner Dr. Groß in Lundenburg, der auch seinem Vater in der Friedhofshalle, nachdem Herr Rabbiner Dr. Steiner dessen Verdienste gebührend gewürdigt, einen tief empfundenen Nachruf hielt. Der Districtsrabbiner Dr. G r o ß in Augsburg ist ein Neffe des Verstorbenen und war stets von hoher Verehrung für denselben erfüllt. n. Budweis, 24. November. In der am 16. d. M. abgehaltenen Repräsentanz-Sitzung den hiesigen Cultusgemeinde wurde Herr Max Ulanovsky derzeit in Wien, einstimmig zum 1. Cantor gewählt. Klattau, 27. November. (Aus der Cultusgemeinde.) Die Eheleute Hermann und Eva Winternitz spendeten anläßlich des 90. Geburtstages der körperlich und geistig rüstigen Frau Anna Singer einen kostbaren, prachtvoll gearbeiteten, silbernen Chanuka-Leuchter. Die Jubilantin selbst erhielt vielfache Gratulationen, darunter mehrere telegraphische aus Amerika. — Herr Leo Kornitzer, früher Chormeister in Jglau, trat sein Amt als Obercantor der hiesigen Cultusgemeinde am verflossenen Freitag an und entzückte alle Zuhörer durch seinen herrlichen und andachtsvollen Gesang. Ihm zur Seite steht ein gutgeschulter Chor unter der Leitung des Herrn Dr. Nathan Reiser. Groß-Beeskerek. (Todesfall.) Am 22. d. M. verschied hier Frau Cäcilie H i l l e r, Vicepräsidentin des hiesigen israelitischen Frauenvereines, eine durch wahrhafte Religiosität, Wohlthätigkeitssinn und sonstige Vorzüge des Herzens ausgezeichnete Person, die sich der allgemeinen Hochachtung und Sympathie erfreute. Am Leichenbegängnisse, das Donnerstag stattfand, betheiligten sich sämmtliche hierortigen Frauenvereine, ohne Unterschied der Confession, durch Deputationen, sowie eine unabsehbare Menge ihr das Geleite gab. In der Trauerrede wurden die Verdienste der Verewigten in anerkennender Weise gewürdigt. Rokihan. Der verstärkte Vorstand der hiesigen Cultusgemeinde hat in seiner am 26. d. M. abgehaltenen Sitzung den Beitritt der Cultusgemeinde Rokitzan zum „Allgemeinen Oesterr. Jsraelitenbund" beschlossen. Feuilleton. Michael. Erzählung von S. K o h n, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) Fünfzehntes Capitel. Michael war am frühen Morgen in dem W.er Ghetto angelangt. Er hatte seinem Pflegevater absichtlich nicht den Tag seiner Ankunft angegeben, und nach seinen Briefen glauben lassen, daß er erst kurz vor Rosch-Haschono anlangen würde. Er beabsichtigte Brack und Sara zu überraschen, auch wollte er es verhindern, daß sie sich seinethalben in ihren Lebensgewohnheiten störten, ihm etwa entgegenkämen, oder den Tag seiner Ankunft durch eine bessere Mahlzeit feierten. Brack's Haus war, wie wir wissen, am Eingänge des Ghetto gelegen. Als Michael in dieses trat, und die Fenster des ebenerdigen Geschosses, aus denen ein dumpfiger Geruch drang, geöffnet, und dieses unbewohnt fand, erschrack er zuerst heftig, aber bald erinnerte er sich, daß die W.er Judengasse von einer Ueberschwemmung heimgesucht worden und daher die ebenerdigen Localitäten für längere Zeit unverwendbar waren. Als er den Hausflur betrat, begegnete ihm die alte Magd Channa, die den Korb am Arme, eben zum Fleischer zu gehen beabsichtigte. Bor Ueberraschnng war sie so verwirrt, daß sie nur mitten lauten Freudenschrei ausstieß, umkehrte, und so rasch als sie eben vermochte, die Treppe hinaufeilte, um die Ankunft des lieben Gastes anzumelden. Als Michael in das Zimmer trat, fand er seinen Pflegevater am Tische sitzend, er hatte noch Talis und Tfillin nicht abgelegt; aber doch schon sein Morgengebet beendet und studirte, — wie er dies alltäglich, bevor er seine geschäftliche Thätigkeit eröffnete, zu thun pflegte, einen Abschnitt aus dem Mischnajos.') Aron Brack war, seit ihn Michael das letztemal gesehen, sehr gealtert. Der vor drei Jahren noch kohlschwarze Bart war vielfach wie von Schneeflocken angeflogen, die immer etwas dunkle aber gesunde Farbe seines sonst vollen Gesichtes war olivengelb, dieses selbst eingefallen und die Backenknochen stiegen aus demselben empor, nur die schwarzen, großen Augen funkelten noch in vollem Glanze. Als Michael die Schwelle des Zimmers überschritt, überflog ein Freudestrahl Brack's Gesicht, während Michael, einen Moment tief erschüttert, wie versteinert stehen blieb. „Wie freue ich mich Dich wieder zu sehen," sprach jener ...» „laß mich zuerst die Broche *) verrichten, die vorgeschrieben ist, wenn man einen Freund ein Jahr nicht gesehen hat", und nachdem er diese gesprochen, wollte er sich auf seiner Krücke erheben und Michael entgegengehen, aber seine Bemühung war vergeblich, er sank kraftlos in den Lehnstuhl zurück. Michael stürzte auf ihn zu, ergriff seine Hand, bedeckte sie mit Küssen und Thränen und rief: „Theurer Vater, so muß ich Dich Wiedersehen!?" „Wir, mein Kind und ich, haben Dich mit großer Sehnsucht, aber nicht so rasch erwartet. Dein letztes Schreiben ließ uns vermuthen, Du würdest erst kurz vor Roschhaschono hier anlangen, sonst hätten wir Dir schon früher von dem . . . ." „Unglücksfall, der mich betroffen", wollte Brack ursprünglich sagen, aber er ergänzte rasch, „von dem, was sich in den letzten Tagen hier zugetragen, Dich in Kenntniß gesetzt, um Dir eine unangenehme Ueberraschnng zu ersparen; — aber mein lieber Sohn, es ist lange nicht so arg, als es im ersten Momente erscheinen mag. Ich habe durch Gottes Willen zwar einen Fuß verloren, aber wenn ich mich von der Krankheit, die ich gleichfalls zu überstehen hatte, erholt und Kräfte gesammelt haben werde, hoffe ich. auch rüstig herumgehen und meine Geschäfte besorgen zu können. . . ." Brack unterbrach sich und hüstelte verlegen, der streng wahrheitsliebende Mann hatte sich von seinem Bestreben, Michael rasch zu beruhigen, zu weit Hinreißen und das Erstemal in seinem Leben verleiten lassen, etwas auszufprechen, was er nicht mit Gewißheit behaupten mochte; und erfuhr fort: „Danken wir Gott, daß er mich gnädigst am Leben ') Die erste Sammlung rabbinischer Vorschriften. ') Benediction, Segensprnch.

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