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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-12-01 · 48 (1.12.1899) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
48 (1.12.1899)
Date
1899-12-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 48 Dr. Vlvrit's Woüxenschrit^ Seite 915 Jassy. (Moses Schwarzfeld's Schriftsteller- \ u b i l ä u nt.) Fünfundzwanzig Jahre sind verstrichen, seitdem der unermüdliche Vorkämpfer seiner rumänischen Glaubensgenossen Moses Schwarzfeld das Schlachtfeld der Literatur betrat. Seine Freunde und Verehrer hier zu Lande. werden sein Jubiläum würdig zu feiern wissen. Allein auch die ausländische Judenheit hat das Recht, diesen Meister der Feder und Priester im Heiligthume der jüdischen Wissenschaft kennen und schätzen zu lernen. Die Juden des Auslandes, die so oft „leidende" Glaubensgenossen aus Rumänien zu bedauern Gelegenheit haben, sollen auch einen „thätigen", wirkenden und schaffenden geistigen Repräsentanten der rumänischen Juden in seinem Werdegang beobachten. Der Umstand, daß unser Jubilar trotz der Fruchtbarkeit seiner Feder im Auslande nur aus manchen seiner Schriften bekannt ist, deutet auf das Charakteristische seiner geistigen Individualität, auf die Sonderheit seiner literarischen Wirksamkeit, auf das specifisch rumänische Gepräge seiner Werke. Seine Arbeiten, die eine allgemeine Bedeutung haben, sind für die rumänische Literatur von ganz besonderer Wichtigkeit. Die Zahl der jüdisch-wissenschaftlichen Werke in rumänischer Sprache ist nicht groß und zu den besten derselben gehören 'sicherlich die Geisteserzeugnisse unseres Jubilars. Die Kenntniß seiner Entwicklung dürfte daher zur Erkenntniß der Psyche des rumänischen Israeliten wesenlich beitragen. Ich will daher versuchen, sein Leben zu skizziren. Im December 1857 wurde Schwarzfelo in Jassy geboren. Schon an seiner Wiege ertönte die Stimme der Thora, die die Lebenssonne seines Vaters Benjamin Schwarzfeld gewesen. In seiner Kindheit bereits wurde ihm die Liebe zu seinem Glauben und Stamm eingeimpft. Die Erziehungskunst, welche seinen Vater als Ehrendirector mehrerer Lehranstalten berühmt gemacht, kam auch seiner Erziehung zu statten, sein Vater wirkte auf ihn als Meister und Muster. Der Nachahmungstrieb bewirkte es, daß er als der Sohn eines Schriftstellers schon auf der Schulbank zur Feder griff, zur Feder, die eine wichtige Waffe im Dienste des Judenthums werden sollte. Im siebzehnten Lebensjahre schrieb er eine Skizze unter dem Titel „Naftali Redner“, welche im ersten Rumänisch-Jüdischen Literaturblatte „Revista Israelita l“ zu Jassy 1874 erschien. Herausgeber sein Bruder Dr. E. Schwarzfeld. Drei Jahre später gründete er ein Rumänisch-Jüdisches Jahrbuch, „Annar“, welches bis jetzt 19 Bände hervorgebracht, in welchem sich das ganze geistige Leben der rumänischen Juden abspiegelt. Diese Jahrbücher enthalten nicht nur verschiedenartige Arbeiten ihres Herausgebers, sondern auch Studien. und künstlerische Darstellungen des jüdischen Lebens von den hervorragendsten Denkern und Schriftstellern unter den rumänischen Juden. Vom Jahre 1881 an war Herr Schwarzfeld Mitarbeiter der Zeitschrift „Fraternitatea", deren erster Redacteur sein Bruder Dr. Elias Schwarzfeld war. Seine journalistische Thätigkeit im Dienste des Rechtskampfes seiner Stammesgenossen unterbrach jedoch der Jubilar im Jahre 1888, als sein Bruder Dr. Elias Schwarzfeld (gegenwärtig Secretär der „Jewish Colonisation Association“ zu Paris) und Dr. Gaster wegen ihrer Stammestreue in die Verbannung gehen mußten. M. Schwarzfeld rastete auch in dieser Zeit nicht, sondern wechselte blos das Feld seiner Thätigkeit. 1886 spielte er eine bedeutende Rolle bei Begründung der historischen Gesellschaft „Julius Barasch" zu Bukarest, der er 4 Jahre seine Kraft weihte. In Verbindung mit seinen Brüdern, und den Herren Scheneano, Braunstein u. A. sammelte er Materialien für eine Geschichte der rumänischen Juden. Der gewonnene Geschichtsstoff wurde in drei interessanten Arbeiten verwerthetdiese drei Referate, welche von einem bedeutsamen, kritischen Sinn Zeugenschaft ablegen, behandeln die Geschichte, die der Rabbiner und der Gemeinden in Rumänien. Diese Untersuchungen können theils als Vorarbeiten, theils als Grundlage der Geschichte der rumänischen Juden betrachtet werden. Isidor Loeb, Paris, spendete auch diesen historischen Sammlungen und Feststellungen die 1887—1889 unter dem bescheidenen Titel „Drei Jahresberichte der Barasch-Gesellschaft" erschienen sind, viel Lob. Wie Schwarzfeld den realen, geschichtlichen Juden Rumäniens darzustellen sucht, so schildert er auch den legendären, blos in der Phantasie des Volkes vorhandenen, in seinem psychologischen tiefen Wirken. „Die Juden in der rumänischen Bolksliteratur" und „Die Juden in ihrer eigenen Volksliteratur". In gleich trefflicher Weise baut er die Geschichte des culturellen und socialen Lebens seiner jüdischen Landesgenossen auf und zerstört die Wahngebilde des Judenhasses, die sich in der rumänischen Volksliteratur aufgethürmt. Die Wissenschaft vermochte jedoch nicht, Schwarzfeld, der zum -Journalisten geboren, ganz zu bannen; er gründete 1890 zu Bukarest die noch jetzt erscheinende Wochenschrift „Egalitäten". In dieser, Vieles enthaltenden und viel gelesenen Wochenschrift findet der jeweilige Volkswille der rumänischen Judenheit einen mächtigen Ausdruck. Als im Jahre 1893 die hiesigen Juden sich zur politischen Organisation anschickten, diente ihnen auch dieses Blatt, dessen Herausgeber unerschrocken für seine Brüder in Wort und Schrift eintrat. Auch der in der Gegenwart hier auferstandene Hebräergeist findet in der „Egalitäten" ein bedeutendes Organ. Im genannten Wochenblatte und in dem bereits erwähnten Jahrbuche offenbart sich die ganze Kraft Schwarzfeld's, der trotz Anfeindungen seitens der Antisemiten, trotz mancher Angriffe im eigenen Lager, trotz der Schicksalsschläge, die er 1893 durch den Verlust seines oer Wissenschaft so früh entrissenen Bruders Wilhelm und 1896 durch das Hinscheiden seines Vaters erlitten, unverdrossen seilte Lebensaufgabe verrichtet und für das Judenthum und die Judenheit in seinem Vaterlande wirkt. Diese biographische Skizze hat sicherlich gezeigt, daß M. Schwarzfeld, der für die Menschenrechte der rumänischen Juden, für das Bolksrecht Israels, für die Existenzberechtigung der jüdischen Cultur und Literatur energisch eintritt, ein Recht besitzt auf die Anerkennung seiner Glaubensgenossen, auf die Liebe seiner Freunde, die seine Schriften auch deutschen Lesern zuführen sollten. Rabbiner Dr. I. Niemirower. Capstadt. Nach den zuletzt eingegangenen Nachrichten aus Johannesburg hat die Transvaalregierung dem Rev. Hertz die Eclaubniß zum Aufenthalt in Johaititesburg entzogen, weil er in mehreren Uitländermeetings gegen die Buren aufgetreten war. Dagegen dürfen die anderen jüdischen Geistlichen Rev. D. W a s s e r z u g und S. Manne unbehelligt im ganzen Gebiet der Republiken sich aufhalten. Wohin Hertz sich wenden wird, ist noch unbekannt. Hier in Capstadt gibt es neuerdings auch eine antisemitische Zeitung oder vielmehr ein Winkelblättchen, welches in Antisemitismus macht. Der neueste Vorwurf gegen die Juden ist der der Feigheit. Mit leichter Mühe konnte M. Rabbinowitsch diesen Tadel zurückweisen durch den Hinweis auf die große Zahl von jüdischen Soldaten, welche zur Zeit im Felde stehen, sowohl bei der regulären englischen Armee, als bei den Freiwilligen aus den Colonien, aus Capstadt, Natal. Griqualand rc. Gerade jetzt wird aus Johannesburger Flüchtlingen wieder ein Fceicorps gebildet, darunter natürlich auch viele Juden. Für den Sanitätstrain dieser Reitertruppe war ein Betrag von 20.000 Mark nöthig. den Herr Ben Lazarus aus Johannesburg, der zur Zeit in London weilt, auf telegraphische Bitte dort in einer Stunde durch Sammlungen an der Börse beschaffte. Auch in der Natal-Fceiwilligen-Truppe, Imperial Light Horse genannt, sind eine Anzahl Juden, einer der beiden Führer dieser Truppe ist Major Walter M. Davies, auch ein Glaubensgenosse. Bei den Kampfe um den entgleisten Panzerzug bei Colenso wurde ein Jude, Gemeiner Warski, von der Durban Light Infanterie, verwundet. Im Ganzen sind bis jetzt nach den officiellen Verlustlisten gefallen 3 Juden, verwundet 10 und vermißt 2. Wien. Im Anschluß an die Enqueten, welche der israelitische Cultusvorstand mit den Höchstbesteuerten über die Finanzlage der Gemeinde veranstaltet hat, wird derselbe, wie wir vernehmen, im Laufe des Monats December auch eine solche Enquete der Mittel- und Niedrigstbesteuerten abhalten. Wien. (Auszeichnung.) Der Schriftsteller Wilhelm N e u m a n n, Redacteur des Fremdenblattes, wurde von Sr. Majestät dem Kaiser zum k. k. Regierungsrath ernannt. Herr Wilhelm Neumann wurde von Sr. Majestät bereis mit dem

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