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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-12-01 · 48 (1.12.1899) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
48 (1.12.1899)
Date
1899-12-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 914 Dr. Bloch's Wochen jltzrist. Nr. 48 im Leben der Völker bezeichnet und daß sich dies in der Ausgestaltung des Gottesbegriffes besonders kundgibt, wie sich dies auch in den Forschungen eines Mommsen, Curtius, Graetz und Ranke darstellt, geht der Redner auf die Betrachtung ein, wie sich die einzelnen Erscheinungen der Stammesgeschichte zu diesem historischen Bewußtsein verhalten. Eine solche Frage ist vor allem die Frauenfrage, deren socialethische Bedeutung gleich auf den ersten Blättern der heiligen Schrift prägnant sich hervorhebt und namentlich in den ersten Frauengestalten der Bibel zu Tage tritt. — Lauter Beifall lohnte dem frei aus dem Gedächtniß sprechenden Vorttagenden seine bedeutsame oratorische Leistung. — Unter den anwesenden Herren bemertten wir: Professor Koffutänyi, Dr. L. Stein, Cultusvorsteher L. Gestetner, Primarius Dr. I. Fischer, die Theologieprofessoren Stromp und Hornyanßky, Dr. W. Löwinger> Dr. F. Kovacs rc. — Letzten Montag, den 27. November, Abends 7 Uhr, fand in derselben Localität der zweite Borttag statt, unter dem Titel: „Die jüdische Frau in der biblischen und nachbiblischen Zeit mit Bezug auf das Makkabäerfest." Vormerkungen zu dem auf 4 Monate berechneten Vorttagscyclus nimmt entgegen S. Steiner's Buchhandlung sVenturgaffe 22). Strelitz, 15. November. „Wer den Besten seiner Zeit genug gethan, der hat gelebt für alle Zeiten." Diese Worte aus Schiller's Prolog zum Wallenstein, welche den einfachen Grabstein des verewigten großen deutschen Sprachforschers Professor Dr. Daniel Sanders schmücken, fanden einen begeisterten Wiederhall in den Herzen Aller, denen es vergönnt war, der erhebenden Feier beizuwohnen, welche heute Vormittag halb 12 Uhr vor dem Hause des Fräulein Johanna Sanders, dem früheren Hause ihres berühmten Onkels, des Profeffors Dr. Daniel Sanders, stattfand. Zu Ehren des 80. Geburtstages des großen Sohnes der Stadt Strelitz hatte diese an seinem früheren Hause eine kunstvoll ausgeführte, broncene Gedenktafel über der Thür anbringen lassen mit folgenden Worten: „In diesem Hause wohnte von 1852 bis zu seinem Tode 11. März 1897 der Professor Dr. Daniel Sanders. Ihrem Ehrenbürger die Stadt Strelitz." Zur Enthüllungsfeier dieser Gedenktafel begaben sich der Magistrat und die Stadtverordneten, der Kriegerverein, der Gesangverein Vandalia, der Männergesangverein, der Militärverein, der Turnverein und die Schützencompagnie mit Musik zu dem festlich im Flaggenschmuck prangenden Hause. Die beiden Gesangvereine sangen den Weihegesang von Abt: „Brüder weihet Herz und Hand freudig gern dem Vaterland u. s. w." Darauf hielt Herr Bürgermeister Rath Müller eine tief empfundene Ansprache etwa folgenden Inhalts: Im Jahre 1852 bezog Professor Dr. Daniel Sanders dieses Haus, vor dem wir uns heute versammelt haben, der große Denker, der mit ungeheurem Fleiß und unermüdlichem Eifer für unsere deutsche Sprache geschafft hat, der berühmte Gelehrte, dessen Werke, das große Wörterbuch, um nur eines davon zu nennen, ihm schon allein einen Weltruf weit über die Grenzen Deutschlands hinaus gesichert und unser kleines Städtchen Strelitz, das wobl vorher wenig bekannt war, dadurch der Vergessenheit entriffen hat." Dann erwähnte Herr Rath Müller, daß Se. königliche Hoheit der Großherzog den Verewigten vor zehn Jahren an seinem 70. Geburtstag durch eine Auszeichnung ehrte und seine Vaterstadt ihn zu ihrem Ehrenbürger ernannte. Herr Rath Müller schloß mit ungefähr folgenden Worten: „Es ist uns nicht mehr vergönnt, den leider uns zu früh Entrissenen bei seinen Lebzeiten an seinem 80. Geburtstag zu ehren, deshalb hat die Stadt Strelitz beschlossen, eine Gedenktafel diesem Hause zu stiften, um auch der Nachwelt noch die Stätte zu zeigen, wo der berühmte Sprachforscher Professor Dr. Daniel Sanders seine Laufbahn voll rastloser Thätigeit beschloß." Während sämmtliche Vereine die Fahnen senkten, fiel die Hülle von der Gedenktafel. Hierauf sprach der Sohn des Verewigten sichtbar tief bewegt: „Geehrte Anwesende! Gestatten Sie, daß ich Ihnen Allen, die Sie heute zum 80jährigen Geburtstage meines verewigten Vaters hierher gekommen sind, tief bewegteil Herzens meinen wärmsten Dank ausspreche. Ich richte diesen Dank vor allem an die hohe Behörde für die schöne Ehrengabe zum Gedächtniß an den Dahingeschiedenen, die fortan einen Schmuck und eine Zierde dieses Hauses bildet. Ich danke dem Herrn Bürgermeister Rath Müller von ganzem Herzen für die erhebenden Worte und den Gesangvereinen für den schönen Liedervortrag. Lassen Sie mich mit diesem Dank den Wunsch verbinden, daß unsere gemeinsame Vaterstadt, unser liebes Strelitz blühen, wachsen und gedeihen möge." Hierauf sangen die beiden Gssv^verci-ie: Das treue deutsche Herz von Jul. Otto: „Ich kenn' ein'n hellen Edelstein von köstlich hoher Art, in einem stillen Kämmerlein, da liegt er gut verwahrt u. s. w." Mit diesem Liede schloß die schöne Feier. In den Herzen Aller aber, welche den großen Mann in seiner, edlen Einfachheit, seiner wahrhaft rührenden Bescheidenheit im Leben kannten, klingt trotz des Gefühls der Wehmuth, ihn verloren zu haben, ein Gefühl des Stolzes nach und läßt sie in der Erinnerung an diese weihevolle Stunde höher schlagen. Berlin, 27. November. Ehegestern Abends hat die jüdische Studentenverbindung „Sprevia" ihren Semesterantritts-Commers abgehalten, dessen Beginn sich durch vorausgehende Mensuren verzögerte, dessen Verlauf feuchtfröhlich war, dessen Abschluß die Theilnehmer dem Verdacht ausfetzte, nicht zu den Freunden der frühen Morgenstunde zu gehören. An 40 Active und alte Herren, mit ihnen eine stattliche Schaar Füchse, versammelten sich in der Kneipe (Münzstraße 17), deren Wände in üblicher Weise mit Bildern und Emblemen geschmückt waren, und in der die Tische bis zur Wand gerückt werden mußten, um den Theilnehmern und Gästen Raum zu geben. Frische Lieder aus sangeskundigeu oder wenigstens sangeswilligen Kehlen verbreiteten fröhliche Stimmung, ernste Reden erhöhten die Stimmung, launige erheiterten sie. Selbstverständlich wurde von der Richtung und Absicht der jüdischen Studentenverbindungen gesprochen, von ihren Zielen, ihren Erfolgen und Aussichten. Manch kräftiges Wort ging an die jüdische Bürgerschaft, die zum Theil noch verständnißlos oder gar ablehnend den Bestrebungen der selbstbewußten und selbstsicheren jüdischen Jugend gegenübersteht oder wenigstens die Formen dieser Bestrebungen mißbilligt. Doch auch an ermutigendem Zuruf fehlte es nicht, gerade aus der Mitte des „Philisteriums", dessen jüngste Jahrgänge der Berliner Privatdocent Dr. Blumenthal, Sohn des Repräsentanten Geheimen Sanitätsrathes Dr. Blumenthal, vertrat. Er konnte von den Anfängen der Bewegung erzählen, die jetzt schon Blüthe und Frucht gezeitigt, denn er war selbst unter denen, die den ersten Anstoß gaben. Ein anderer unter den Gästen pries der Zeiten Wandel, der heute zu erfreulicher Wahrheit gemacht, was man vor zehn Jahren kaum zu hoffen gewagt. Er gab der Zuversicht Ausdruck, daß die Zukunft noch weiteren Wandel im gleichen Sinn, zum Besseren, sehen werde. Die jüdischen Studentenverbindungen selbst müßten diesen Wandel schaffen. Nicht Unterstützung von außen dürften sie erwarten, nach außen sollten sie Unterstützung tragen. — Bon den jüdischen Herren Professoren war bei der Antrittskneipe der jüdischen Studentenverbindung nicht ein einziger zu sehen. Die Einladungen müssen verloren gegangen sein. Solche Zufälligkeiten kommen vor; doch bleiben sie bedauerlich, weil sie den Schein erwecken, als stünden gerade d i e dem frischen Leben der jüdischen studentischen Jugend stumpf gegenüber, die über dieses Leben aus tausend idealen Gründen sich am meisten freuen sollten! — Beim nächsten Commers wird es anders sein. Paris, 27. November. In Algier wurden wegen Zollunterschleife zwei Antisemiten, Banhardt und Zermati, sowie der Zollbeamte Borie verhaftet. Die Unterschlagungen belaufen sich auf mehr als eine Million. Die Antisemiten erlitten gestern eine empfindliche Schlappe in Algier. Bei der Ersatzwahl für die Finanz-Delegationen siegte der Republikaner Delamare mit 360 gegen 206 Stimmen, welche der Candidat der Antisemiten, Broussais, ehemaliger Präsident des Generalrathes, erhielt. London. Der Loarä of Deputies hielt am 19. November eine Sitzung ab, in der wieder die Frage der Einwanderung zur Sprache kam. Mit Rücksicht auf die bald wieder zu erwartende Agitationgegen die jüdische freie Einwanderung wurde beschlossen, statistisches Material zu sammeln, das eventuell veröffentlicht und jedem Parlamentsmitglied zugestellt werden soll. Der Board hat jetzt den in London noch von früher her bestehenden Maroccofond erhalten, dessen gesammte Verwaltung nach und nach verstorben ist. In dieser Sitzung kam auch das Dankschreiben zur Verlesung, das der Board of Deputies gemeinsam mit der Anglo-Jewish-Association an die englische Regierung richtet, um derselben für das thatkräftige Eingreifen des englischen Gesandten in Teheran zu Gunsten der verfolgten Juden zu danken. Am 16. November fand eine Versammlung des Executivcomitßs der Chovevi Z'vn statt, der Mr. I. Prag präsidirte. Das Colonisationscomitß theilte mit, daß sehr günstige Berichte über die Colonie Bnei Jehudah vorlägen, so daß die Frage der Aufbringung der Gelder für die vollständige Jnstallirung dieser Colonie in den Vordergrund gerückt sei. Man beschloß diesen Bericht drucken und verbreiten zu lassen.

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