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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-12-01 · 48 (1.12.1899) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
48 (1.12.1899)
Date
1899-12-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 48 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 913 vom Vertreter - Collegium festzusetzenden Gemeinde - Budgets Pro 1900 für die erste December-Hälfte eine öffentliche Plenar- Bersammlung einberufen werde. Eine Fortsetzung der Conferenzen mit hoch- und höchstbesteuerten Mitgliedern der Cultusgemeinde werde Dienstag, am 28 d. M. stattfinden. Ueber Aufforderung des Präsidenten erstattet der Obmann der Finanzsection kais. Rath Hirsch den Bericht über die am 23. November durch das hiefür bestehende Comite vorgenommene Revision der Bücher und constatirt die ordnungsgemäße Führung dieser Agenden. Rücksichtlich der in der Plenarsitzung vom 28. Juni 1899 gefaßten Beschlüsse in Eheaufgebots- und Trauungsmatrikelangelegenheiten werden über Referat und Antrag des Herrn Dr. Maximilian Steiner einige Modificationen vorgenommen und wird beschlossen, den Act behufs baldigster Durchführung der Statthalterei unverweilt zur Kenntnißnahme vorzulegen. Namens der III. Section werden Stiftungsreferate erstattet: Es werden verliehen: Ueber Referat und Antrag des Herrn Oberfinanzrath Dr. R a p p a p o r t aus der Therese Wertheim'schen Heiratsausstattungs-Stiftung ein Platz mit fl. 164 und aus der Ignaz Klepetasch'schen Heiratsausstattungs-Stiftung 2 Plätze mit je fl. 50, weiters über Referat und Antrag des Herrn k. k. Baurath Theodor Ritter v. Goldschmidt aus der Samuel Klinger'schen Stiftung für Wöchnerinnen conform dem stiftbriefgemäßen Präsentationsvorschlage des Präsidenten kais. Rath. Klinger 4 Plätze mit je fl. 47.50; aus der Josef und Cäeilie Adler'schen Stiftung für Wohnungsmiethe-Beiträge im Sinne der Präsentationsvorschläge der Stifterin Frau Cäcilie Adler 6Plätze mit zusammen fl. 121; aus der Kaiser Franz Josef Jubiläums-Stiftung zur Unterstützung israelitischer Waisen errichtet von einem ungenannt sein wollenden Wohlthäter, 14 Plätze mit je fl. 150 bis zum vollendeten 16 Lebensjahre der Stiftlinge; aus der Michael Cohen da Silva'schen Stiftung für israelitische Handwerker 1 Platz mit fl. 400, endlich über Referat und Antrag des Herrn Bicepräsidenten Dr. Kohn aus der Max Marmarosch' Stiftung für Handelsakademiker gemäß dem Vorschläge der Stifters Herrn Jacob Marmarosch 2 Plätze mit je fl. 135. Nach Erledigung von Personalien wird die Sitzung um halb 2 Uhr Nachmittag geschlossen. Wien. In Nr. 47 spricht sich Herr W. Bambus gegen Colonisirung in Australien aus, weil wahrscheinlich ein Einwanderungsverbot erlassen werden wird. Also soll man nach Palästina auswandern, wo das Einwanderungsverbot schon besteht! — Oder lieber gar nichts thun? Uebrigens richtet sich die Agitation der Arbeiter in den stärker bevölkerten Gegenden nur gegen die Concurrenz anderer Handarbeiter. Mit der Colonisirung unbewohnter Gegenden, z. B. in West-Australien, wo e i n Einwohner auf 50 Quadratkilometer kommt, hat das nichts zu schaffen. M. L. Wall.-Meseritsch, 26. November. Dank dem zielbewußten, energischen Vorgehen, das unser Gemeindevorsteher, Herr Ignaz Löw, so oft schon bekundet, konnte der am 22. October so arg devastirte Tempel unserer Gemeinde am ersten Chanuka-Abend durch Se. Ehrwürden Herrn Dr. Rabbinowicz seiner hehren Bestimmung wieder geweiht werden. Um 4 Uhr Abends begann die erhebende Feier mit dem Vorträge des herrlichen Sulzerschen Chorals „Ma towu", welcher, vorzüglich einstudirt und executirt, wohl noch nie aus die andächtig Lauschenden so eingewirkt haben mag, wie diesmal. Nicht minderen Eindruck machte auf Jeden das „Schehechejanu" beim Entzünden des Chanuka-Lichtleins. Den Culminotionspunkt des Festabends jedoch bildete unstreitig die wohldurchdachte, pathetisch vorgetragene Weiherede Sr. Ehrwürden, welcher die Patriarchalischen Tugenden, Eintracht und Friedfertigkeit, als die höchsten pries, die Gläubigen zur Versöhnlichkeit gegenüber ihren Beleidigern mahnte und daran erinnerte, daß gerade die Slaven sich seit je als Schirmer und Schützer der Juden bewiesen, da andere Bölkerstämme sie ungastlich exilirten. Die Juden seien daher den Slaven zur höchsten Dankbarkeit verpflichtet. Mit einem innigen Gebete für das Wohl Sr. Majestät und das Allerhöchste Kaiserhaus schloß der Redner seinen eminenten Bortrag. Wir hoffen, daß diese Rede nicht verfehlen wird, auf die noch immer erregten Gemüther der Juden, sowohl als Nichtjuden, calmirend und wohlthätig einzuwirken. Lemberg. Der Lemberger Cultusvorstand hat auf Grund des in der Sitzung vom 15. November 1899 gefaßten Beschluffes das nachstehende Telegramm an den Präfidenten der Cultusgemeinde Reichsrathsabgeordneter Dr. Emil Byk gerichtet: „Der Vorstand der hiesigen Cultusgemeinde hat in der ersten nach ihrer Abreise gestern Abends stattgehabten Sitzung einhellig beschlossen, Euer Wohlgeboren, seinem hochgeehrten Präsidenten, für Ihre im Interesse des gesammten Judenthums so ersprießliche und namentlich letzthin in Angelegenheit der Blutbeschuldigung neuerdings bewährte Thätigkeit im Reichsrathe den herzlichsten Dank und die vollste Anerkennung auszudrücken. Dr. Schaff in. p." Ferner faßte derselbe aus Anlaß des vom Vereine „Jwri" gefaßten und dem Cultusvorstande überreichten Protestes in der Sitzung vom 20. November 1899 folgende Resolution: „Der Lemberger Cultusvorstand weist die Angriffe, welche gegen den um die Bertheidigung der jüdischen Interessen hochverdienten Präsidenten der Lemberger Culusgemeinde, Reichsrathsabgeordneten Dr. Emil Byk aus Anlaß der von ihm bei der Einweihung des neuen Gemeindehauses gehaltenen Rede vom Vereine „Jwri" gerichtet wurden, als maßlos zurück und geht zur Tagesordnung über." Prag, 26. November. In der letzten Nummer dieses geschätzten Blattes wird mit Befremden darauf hingewiesen, daß, während die Persiflirung des bekannten Bibelwortes: „Der Herr hat's gegeben u. s. w.", welche der Berliner Stadtverordnete Dr. P r e u ß sich zu schulden kommen ließ, in Deutschland eine bis in die höchsten Kreise reichende Indignation hervorgerufen hat, bei uns in Oesterreich der Bürgermeister der Reichshaupt- und Residenzstadt dasselbe Bibelwort in ähnlicher Weise persifliren konnte, ohne sich dadurch von irgend einer Seite eine Rüge oder einen Tadel zuzuziehen. Aufrichtig gesagt, wundert es mich, daß sich die „Wochenschrift" darüber wundern kann. Sie weiß es ja am besten, wie ganz anders man schon bei uns in den öffentlichen Bertretungskörpern mit dem Alten Testamente umspringen konnte, ohne daß von kirchlicher Seite, welcher doch das Alte Testament als Grundlage des Neuen und ebenso wie dieses als göttliche Offenbarung gelten muß, dagegen Einspruch erhoben worden wäre. Ich erinnere mich an die Predigten des Pfarrers Deckerl und seine Aeußerungen über die Erzväter und den König David, welch letzterer doch nach den Evangelien der Ahnherr des Stifters der christlichen Kirche ist; ferner an jene Sitzung im niederösterreichischen Landtag, in welcher der Abgeordnete Schneider unter dem Beifall der christlich-socialen Majorität Stellen aus dem 50. Capitel und fast das ganze 60. Capitel im Propheten Jesaia vorgelesen und persiflirt hat. Die in schwungvoller, bilderreicher Sprache verkündeten göttlichen Verheißungen an Israel mußten als Beweise für die Herrsch- und Habsucht, sür den Hochmuth und die stolze Ueberhebung der Juden und ihr Streben, alle auszubeuten und alle sich unterthan zu machen, dienen. Es ist überhaupt merkwürdig, daß während Tag für Tag und insbesondere an den hohen Feiertagen Psalmen und ganze Abschnitte (Pericopen) aus den Büchern des Alten Testamentes in der Kirche gelesen und gesungen werden, wodurch doch der Glaube an dessen Heiligkeit und göttlichen Ursprung augenscheinlich bekundet wird, dieses selbe Alte Testament, welches das Zengniß über die Messianität Jesu enthalten soll, sehr oft in christlich sich nennenden Zeitungen und Versammlungen als ein Zeugniß jüdischer Schlechtigkeit und Stammesinferiorität hingestellt wird. Den Widerspruch, der darin liegt, wird ein wahrheitsliebender Stammkenner zu lösen vermögen. Preßburg. (Borträge über das Judenthum und seine Geschichte.) Der am 20. d. M. im neuen großen Parterre-Lehrsaal der israelitischen Primärschule abgehaltene erste Bortrag des Rabbiners Dr. S. Funk erfreute sich eines überraschend guten Besuches seitens der vornehmen und intelligenten israelitischen Damen unserer Stadt. Die Ausschüsse der beiden wohlthätigen Frauenvereine waren zahlreich vertreten, an ihrer Spitze Frau B. W e l l i s ch und Frau Dr. Stein; aber auch die jüngere Damenwelt bildete ein großes Contingent der gespannt lauschenden Zuhörerschaft. Der Vortragende, dessen vorzügliche Kanzelberedtsamkeit vor Jahresfrist die hiesige Religionsgemeinde im Sturm erobert hatte, verstand es diesmal durch einen populär-wissenschaftlichen Bortrag sein Auditorium dauernd zu fesseln. Ausgehend von der Idee, „daß die Kenntniß der eigenen Stammesgeschichte und Literatur zu allen Zeiten im Judenthume jenes historische Bewußtsein erzeugte, daß die dem Judenthume inneliegende Culturidee einen bedeucenden Pulsschlag

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