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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-12-01 · 48 (1.12.1899) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
48 (1.12.1899)
Date
1899-12-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 906 Dr. Vloür's WvchenstlzrifL Nr. 48 Bescheinigt in Bezug auf Bestätigung der Unterschrift des Herrn Polzeiinspectors S. Mariza. Corfu, den 11/25. Juni 1891. Der Präfect zu Corfu (gezeichnet G. Buklakos. III. (Original ist französisch). Der Oberrabbiner der Israeliten zu Corfu bescheinigt, daß es in unseren Synagogen keinen Bedienten Namens Naxon gibt, und daß der Name Ephrasim eben sowohl als Borwie als Nachname einer in der israelitischen Gemeinde zu Corfu lebenden Person vollständig unbekannt ist. Corfu, den 23. Juni 1891. Der Oberrabbiner (gezeichnet) Da Fano. IV. Außerordentliche Beilage des Journals „Ergates" („Der Arbeiter"). Erklärung des Oberrabbiners von Corfu. Wie aus den in meinem Bureau befindlichen officiellen Listen hervorgeht, in welchen die Geburten, Heiraten und Todesfälle der hier ansässigen Juden verzeichnet werden, hatte Herr Vita (oder mit seinem jüdischen Namen: Haim Sarda de Salomon), aus dieser Stadt gebürtig und seit 1. Januar 1878 mit Lucie, geb. Eliezer, ebenfalls aus dieser Stadt, verehelicht, folgende Kinder aus genannter Ehe: 1. Salomon (verehel.), geb. 11. Januar 1878 2. Stella, geb. am 5. September 1880 3. die ermordete Rubina, geb. 16. April 1883 4. Nina, geb. im Juni 1888. Diese Ehe wurde von dem Cantor, Herrn Maimon Ventura, gegenwärtig in Alexandrien (Egypten) ansässig, celebrirt. Corfu, am 16. April 1891. Der Oberrabbiner: gez. A. da Fano Der Präfekt von Corfu: gez. L. Vlacchos. V. Außerordentliche Beilage des Jouruales „Ergates" („Der Arbeiter") aus Corfu. Ich bestätige hiemit kraft meiner Functionen, daß nach den vom Oberrabbiner dieser Stadt gehaltenen und von mir auf Grund des Augenscheins geprüften Geburtsregistern die kleine, 8 Jahre alte Rubina, welche man vor einigen Tagen im jüdischen Viertel ermordet aufgefunden hat, Jüdin und Tochter des Vita Haim de Salomon war. Ich ließ den Letzteren auf das Bureau des Oberrabbiners konunen, sah ihn wegen der Ermordung seiner Tochter weinen und jammern, welche, wie dies aus den vorerwähnten Geburtsregistern hervorgeht, am 16. April 1883 geboren wurde. Ebenso gab mir der Vater, welcher sich nicht des genauen Geburtsdatums erinnerte, folgende Erklärung ab: „Herr Präfekt, meine unglückliche Tochter wurde im April, im Frühling geboren." Ich gebe diese Erklärung auf Grund des Certificates ab, welches der Oberrabbiner über diesen Fall veröffentlichen ließ und wodurch ebenfalls obige Thatsache bekräftigt wird. Corfu, am 5/17. April 1891. Der Präfekt von Corfu aez. L. Vlacchos. Diese Zeugnisse und öffentlichen Bekanntmachungen bedürfen keines Zusatzes und keiner Erklärung. Mnrr; lajatits. Festfeier z u Ehren seines fünfzigjährigen Doctorjubiläums, veranstaltet vom Politischen Volksverein i n W i e n. Es ist ebenso dankenswerth als verdienstlich, daß dieser thatkcäftige Verein, der uns vor etwas mehr als zwei Jahren die persönliche Bekanntschaft mit Lazarus, uilserem größten jüdischen Zeitgenossen, vermittelte, nunmehr auch die Initiative ergriff, ihn anläßlich des seltenen Ereignisses seines 50jährigen Doctorjubiläums öffentlich zu feiern und dadurch einer allgemeinen Stimmung und Herzenspflicht gerecht zu werden. Vor einem ebenso zahlreichen als dfftinguirten Publikum vollzog sich diese Festfeier Dienstag, den 28. November, Abends im Saale des Kaufmännischen Vereines, und mit spannungsvollem Interesse 'folgte die hochgestimmte Zuhörerschaft der Eröffnungsrede des Vereinspräsidenten Herrn Dr. Herrmann Fialla, welche wir um ihrer markigen Kraft und Actualität willen im Wortlaute reproduciren: Hochgeehrte Versammlung! Mitten aus des Tages unerquicklichem Kampfgewühle, aus der. Parteien lärmendem Chorus, aus dem grausen Anblicke wüster Stätten bürgerfeindlicher Plünderung, haben wir Sie für eine Stunde in diesen friedlichen Saal berufen, um, der täglichen Drangsal vergessend, uns zu einem feierlichen Acte der Huldigung für einen Mann zu vereinigen, den wir mit Stolz und zu unserer Ehre den u n s e r i g e n, den weithin leuchtenden Sohn des jüdischen Stammes nennen. (Allgemeiner Beifall.) An Jahren, wie an Ehren und an Siegen reich, weilt kraft Gottes besonderer Gnade Professor Moriz Lazarus noch unter uns und wir sind doppelt glücklich, dem lebenden Geisteshelden den Ausdruck unserer Bewunderung und Dankbarkeit darbriugen zu können, zumal wir auf nicht weniger als ein h a l b e s I a h r h u n d e r t zurückzublicken haben, in welchem fein rastlos schaffender Genius die herrlichsten Blüthen, die reifsten Früchte gezeitiget hat. Was unser verehrter Jubilar in dieser schöpferischen Epoche zweier Generationen der Allgemeinheit, der Wissenschaft und speziell auch dem Judenthume auf dem Gebiete philosophischer Forschung und als Begründer der Völkerpsychologie dargeboten, — das soll Ihnen aus berufenem Munde nach mir entwickelt werden. Mir als dem Präsidenten des Politischen Volksvereines, des Veranstalters dieser Festfeier, der Ihnen, verehrte Anwesende, zugleich innigen Dank sagt für Ihr zahlreiches Erscheinen, für Ihr verständnißoolle Annahme unserer Einladung, obliegt ein Anderes. Mir ziemt es, mit dem Hochgefühle jüdischer Stammeszugehörigkeit hier nachdrücklich zu betonen, daß Prof. Lazarus, dessen fünfzigjährige Doctorwürde zu feiern wir uns versammelt haben, unser Altmeister, der gleichsam wie dreien Welten drei Facultäten als Doctor angehört; der theologischen und philosophischen, wie auch der j u r i st ischen, in seinem Wirken und Schaffen allezeit und allüberall, ob Prinze n und Fürste n seinen Vorträgen lauschten, oder ob er in j ü d i s ch e n S y n o d e n den Vorsitz führte, — ob der Mächtigen Gunst und Anerkennung sich ihm nahte, oder des Volkes Jubel ihn umrauschte, — stets und mannhaft, unbeschadet seiner Treue für sein deutsches Vaterland als Jude sich bekannte und in der Zugehörigkeit zum Judenthume und zu dessen Religion die starken Wurzeln seiner Kraft erblickte. (Stürmischer Verfall.) Mit Innigkeit und erhobenen Gefühles erinnern wir uns des verehrten Meisters, wie er vor etwa zweieinhalb Jahren in unserer Mitte erschien, umflossen von dem doppelten Zauber patriarchalischer Würde und fesselnder akademischer Vortragskunst und uns in gedankentiefer völkerpsychologischer Betrachtung auf die Höhen jüdischer Ideale geleitete. Seither hat er uns mit der bedeutsamsten Gabe seines Geistes beglückt und sich selbst mit der systematischen „Ethik des Judenthums" ein unvergängliches Monument und dem Judenthume zugleich ein Wahrzeichen errichtet, sich zur Ehr', uns zur Wehr und unseren Widersachern zur Lehr', daß das Judenthum aller Verfolgung zum Trotz kraft seines unsterblichen moralischen und ethischen Inhaltes bestehen wird bis an das Ende aller Tage. (Stürmischer, sich erneuernder Beifall.)

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