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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-12-01 · 48 (1.12.1899) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
48 (1.12.1899)
Date
1899-12-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 904 Dr. Blocht Wvchensch^iN. Nr. 46 Mögen an allen diesen Anstalten, in allen diesen Staaten die physischen Kräfte sich noch so sehr entwickeln und mögen selbst Forschung und Wissenschaft noch so sehr gepflegt werden — wenn die moralische Ausbildung mit der physischen und geistigen nicht gleichen Schritt hält, ja wenn sie geradezu verkümmert, oder ins Gegentheil verkehrt wird, dann ist es nicht blos traurig um den an den Universitäten waltenden Geist bestellt, sondern es läßt sich auch für die Zukunft von den Männern nichts Gutes erwarten, die aus solcher Schule ins Leben eintreten. Leider ist das Gift, das seit nun fast zwanzig Jahren systematisch eingeträufelt wurde, schon sehr tief eingedrungen. Jetzt sind weder Regierungserlässe noch Professorenweisheit im Stande, dem Nebel zu steuern. Die jetzige Generation muß daher insoweit als verlorene angesehen werden, als nicht das Leben mit all' seinen Erscheinungen dafür sorgt, daß auch die Bäume dieser Generation nicht in den Himmel wachsen. Allein künftiger Vergiftung der Jugend kann man noch eutgegenwirken und deshalb caveant consules! A. Wiener. Großindustrie des „Ritualmordes". Gegenüber dem ruchlosen, geradezu verbrecherischen Treiben der Großindustriellen das Ritualmordes, haben wir in Nr. 28 der „Oesterreichischen Wochenschenschrift" vom 11. IM 1899 an die zahlreichen, gerichtlich erwiesenen Fälle von Morden erinnert, die von Christen begangen wurden in der Absicht, die Thäterschaft den Juden anzudichten. Papst Gregor X. bemerkt in der Bulle vom 7. October 1272, „daß christliche Väter heimlich ihre Kinder verbergen, um den Juden etwas anhaben und als Preis -des Loskaufens von Quälereien eine gewisse Summe Geldes von den Juden erpressen zu können". In dem Gutachten, das Cardinal Ganganelli (der spätere Papst Clemms XVI.) über die Blutbeschuldigung erstattet hat, heißt es: „Was würde aber der Fiscus von Luceoria sagen, daß ein gleiches entsetzliches Verbrechen mehrere Male (Gott wolle es nicht, daß immer) von Christen begangen worden ist, sogar vom Vater selbst, und darauf den unglücklichen Juden in die Schuhe geschoben? Ich schäme mich, den Verdacht auszusprechen, aber vielmehr bringt es mich außer Fassung, hiefür den authentischen Beweis (bezeichnet litera D.) darzubieten. Dort lese man, daß ein Vater-eine seiner zarten Töchter an verschiedenen Theilen verstümmelte, .... daß dasselbe Kind, welches nach göttlichem Willen länger lebte, mit eigenem Munde bekannte, vom eigenen Vater mit vielen Wunden und Verstümmelungen zugerichtet worden zu sein. Und doch hatte sich schon der Verdacht gegen die Juden gerichtet, schon wollte man gegen die Juden vorgehen." Ein Notariatsinstrument des Apostolischen Notars zu Lemberg, Joseph Augustinowitz, d. d. 1754 Januar 22. bezeugt deu Fall des Borjeckonnski, welcher seinem eigenen Kinde, einer Tochter Namens Marianna, mit einem Messer unter dem Auge ein Mal und an beiden Füßen zwei Mal Stichwunden beibrachte, das Kind in ein Tuch wickelte und legte es in den Stall eines Juden. Das Kind aber lebte noch und hat schließlich den Vater geklagt und mit ihrer schwachen Stimme erklärt, daß sie von ihm selbst diese Verwundung erlitten habe. Strack („Der Blutaberglaube") erwähnt zwei Fälle, in denen Mütter ihre Kinder ermordeten, während die Juden des Verbrechens beschuldigt wurden (S. 128—129). Ein derartiger Fall ist noch im Jahre 1892 in Jngrau (Departement Indres et Loir) authentisch festgestellt worden. (Siehe Antisemitenspiegel S. 322.) Während die dortigen Blätter von Ritualmord fabelten, wurde die eigene Mutter nach einiger Zeit des Verbrechens überführt und darauf mit 20 Jahren Zuchthaus bestraft. Aehnlich hat, wie wir vor drei Jahren gemeldet haben, in Labischiu (Provinz Posen) der Mord eines Christenkindes stattgefunden, wo die eigenen Eltern des scheußlichen Verbrechens überführt worden sind, um hernach die Schuld auf die Juden zu wälzen. Wolf publicirte die Acten in Wertheimer's „Jahrbuch für Israeliten" (1862) von zwei Fällen, wo zwei Dirnen die Juden beschuldigten, ihre Kinder getödtet zu haben, um deren Blut zum Osterfeste zu verwenden. Beide wurden durch die Gerichte überführt, selbst den Mord vollbracht zu haben. Der sogenannte Ritualmord in Philippopel aus dem Jahre 1896, über welchen das „Deutsche Volksblatt" seinerzeit langathmige, schreckensvolle Berichte publicirte, hat sich bekanntlich ebenfalls in der Richtung aufgeklärt, daß eine katholische Frau eingestand, das Kind ermordet zu haben und die Juden anzuklagen. Es war ein antisemitischer Ritualmord. Im Jahre 1895 wurde vou einem ungarischen Antisemitenblatte gemeldet, daß das etwa sechsjährige Töchterchen Julie des Landmannes Johann Balazs in Garam-Kis-Sallo im Honter-Comitat in das Gewölbelocal des Ignaz Adler um Branntwein geschickt worden war und seither verschollen blieb, bis man fünf Tage später die Leiche des Kindes fand, welche entsetzlich zugerichtet war. Mehrere clericale Blätter, insbesondere „Magyar Allam", benützten,den Vorfall, den sie als Ritualmord hinstellten. Bald darauf ist der Thäter des Mordes in Garam- Kis-Sallo in der Person des Müllergehilfen C s o m o r verhaftet worden. Der Mörder hat seine That vor dem königlichen Bezirksgerichte in Vamos-Mikola auch bereits eingestanden. Ferner wurde der eigene Vater des ermordeten Kindes in Haft genommen, da derselbe nicht nurKenntniß von dem Morde gehabt, sondern auch a n d e r Ausführung desselbensich betheiligt haben soll. Daß der Mörder des armen Joanchen Hegmann in kanten in den Reihen der internationalen Antisemitenbande sich verbirgt, ist heute sür jeden Kenner der Verhältnisse nahezu zweifellos. Wo nur die Blutfabel irgendwo auftaucht und die öffentliche Aufmerksamkeit fesselt, hat die Polizei alle Ursache, sofort an antisemitische Urheber zu.denken. Wir haben in der letzten Nummer der ..Oesterreichischen Wochenschrift" über die Anwesenheit des Mechanikus Schneider in Krakau berichtet und daß zur gleichen Zeit in Podgorze bei Krakau der Versuch gemacht wurde, ein in blutige Fetzen gehülltes todtes Kind in einer jüdischen Schänke heimlich unter einer Bank abzulegen. Diese Unterschiebung hatte offenbar den Zweck, später mit der Beschuldigung hervorzutreten, das Kind sei hier aus rituellen Gründen ermordet worden. Wir erhalten über diesen Fall folgende nähere Mittheilungen: Am 16 November gegen 6 Uhr Abends betrat ein Pole, der in einen fest zugeknöpften Pelz gehüllt war, die Schänke des Hirsch Markus in Podgorze. Er ging zum Schanktische und verlangte einen starken Schnaps mit einem Stück Kuchen. Herrn Markus fiel das scheue Wesen des Mannes auf, und er fragte ihn, was mit ihm los sei. „Was geht das Sie an?" war die Antwort, Zugleich legte der Gast ein Zwanzig-Hellerstück auf den Tisch, worauf ihm vier Kreuzer zurückgegeben wurden. Dann forderte er noch ein Glas Schnaps; der Schänker nahm darauf von den vier Kreuzern drei und ließ einen Kreuzer liegen. Der Besucher blickte in dem von einer Hängelampe beleuchteten Zimmer umher, nahm eine Handvoll Kleingeld aus der Tasche und fragte, als ob er noch nichts bezahlt hätte: „Was bin ich schuldig?" Da jeder Schänker aus Erfahrung rauslustige Provocateure kennt, welche Jrrthümer in der Bezahlung der Zeche Hervorrufen, um dann nochmals zu kommen und zu randaliren, so stieg in dem Schankwirthe Argwohn auf und er fragte den Mann, weshalb er so zerstreut sei? Statt einer Antwort nahm der Fremde zum drittenmale eine Krone und legte sie mit der Frage: „Was bin ich schuldig?" auf den Tisch. Nun fertigte Herr Markus ihn barsch ab und begann seine Flaschen zu ordnen. Während der Wirth ihm hiebei den Rücken zuwendete, trat der Gast hinter den Sessel der Frau, die gleichfalls anwesend war — sonst befand sich Niemand im Locale — und beugte sich über sie, als cb er sie liebkosen wollte; er preßte sie an den Tisch und zog mit einer Hand unter dem Pelz ein Paket hervor, um es unter die Bank zu legen, welche vollständig im Schatten stand und durch lange, an einem Nagel hängende Kleidungsstücke verdeckt war. Die tödtlich erschrockene Frau, die nicht wußte, was der Mann vorhabe, riß sich los und sah in diesem Augenblicke einen blutigen Fetzen, aus welchem die Füße eines kleinen Leichnams hervorstarrten.

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