Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 48 (1.12.1899)
- Date
- 1899-12-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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'irr. 48 Dr. Bloch's Wscherrfchrlfi Seite 908 Wie erstaunt mußten die Leser der Verherrlichungsartikel im „Vaterland" sein, als sie in demselben Blatte einige Jahre später eine ganze Reihe von Mittheilungen zu Gesichte bekamen, die sammt und sonders dahin gingen, vor einer Gaunercompagnie zu warnen, zu der in erster Reihe der gefeierte, der gelehrte, der große Herr von Pavly gehörte. Der gewissenlose Mensch hatte sich damit begnügt, die Gelder der Snbscribenten einzustreichen und sodann die Lieferungen einzustellen. Die Sehnsucht der Antisemiten nach dem Schulchan - Aruch war von einem literarischen Hochstapler benutzt worden, um sich einiges Geld zu verschaffen. Herr von Pavly war durchgegangen, sein Verleger Marugg mit ihm und sie hatten sich wohl redlich, wenn dieses Wort für ein solches Lumpenpaar paßt, in die herausgeschwindelten Sunimeu getheilt. Die Inden waren nicht neugierig, zu erfahren, was die stümperhaft gefälschten ersten Lieferungen der Uebersetzuug enthielten und so zahlten blos die Antisemiten die Kosten des anmuthigen Scherzes. Daß das „Vaterland" auf die „G a u n e r e i" aufmerksam machte, nachdem es vorher den Gauner verherrlicht und gepriesen hatte, war allerdings merkwürdig genug, aber schließlich braucht es Niemanden zu überraschen. Ein Antisemitenblatt, und damals wollte das „Vaterland" nichts anderes sein, durfte sich schon derlei kleine Jnconseguenzen erlauben. In einem Capitel: „Pragmatischer Ueberblick", vergleicht Dr. Erich Bischoff die Uebersetznngsthätigkeit der älteren Perioden mit jener in unserem Jahrhundert und gelangt zu folgendem Resultate: „Ein charakteristischer Unterschied des modernen Uebersetzungswesens (XIX Jahrhunderts) von dem der vorangehenden Periode besteht in dem ungemeinen Ueberwiegen der jüdischen Talmudübersetzer über die christlichen. 1. Nur Chiariui, Aoung, Fehr, Taylor, Wünsche, Gumning, Streane sind als Christen geborene Talmudübersetzer; ihnen stehen gegenüber als im Judenthum geboren: 2. die Couvertiten P. Ewald, Löwe, F. CH. Ewald, Barclay, Hershon, 3. die jüdischen Autoren Brill, Jost und Genossen, Harburger, M. E. Stern, Rosenthal, Pinner, de Sola und Raphall, Caro Farchi, L. Adler, L. della Torre, Deutsch, Neufeld, Crühauge, Wohl und Kahan, Castelli, S. Kohu, Schwab, Lipschütz, Rabbinowicz, Sammler. Schuhl, Geller, Klein, I. Stern, Castiglioni, Rawicz, Jabez, Tawrogi, Popper, Lemberger, Rosenfeld, Wulff, Hoffmann, Baneth, Petuchowsky, Lederer, Goldberg, Klotz, Kristeller, Levy, Krauß, Rodkinson, Goldschmidt u. Ä., also (von den anonymen jüdischen Uebersetzern ganz abgesehen) mehr als die nebenfache Anzahl." Damit ist die Behauptung Pattai's, daß die Inden die Uebersetzuug des Talmuds Hintertreiben, wohl hinreichend charakterisirt. Eine derartige Behauptung hätte in keiner gebildeten Gesellschast gewagt werden dürfen, im österreichischen Parlamente blieb sie unwidersprochen. Die Studenten tn Frankreich und bei uns. Beneidenswerthes Frankreich! Wenn du auch Drumout's und Guerin's hast, wenn du auch Perivier's unter deine Richter zahlst, Generäle, die falsche Eide schwören und Minister, die sich zu Henkersknechten hergebeu, nicht von dir abzuschütteln vermagst, so hast du doch auch Männer von Ehre und Charakter, Schriftsteller und Senatoren. Anwälte und Offfciere, Abgeordnete und Lehrer, welche bereit sind für Recht und Wahrheit einzustehen und Vermögen und Namen Preis zu geben, um die Schmach des falschen Gerichts von deinem Namen abzuwälzeu Aber du hast noch mehr! Diese Männer, sie gehören theils bereits der Vergangenheit an, theils sind sie noch in der Gegenwart thätig, aber die Zeit ihres Wirkens ist doch nur eine begrenzte. Du brauchst trotzdem keine Sorge für die Zukunft zu haben, daß mir ihnen die Generation der Ehre aussterben könnte. Sie haben einen reichen, köstlichen Samen ausgestreut und die Frucht schießt bereits in die Halme. Frankreich, du hast eine Jugend, welche ihrer Meister werth ist, du hast eine Studentenschaft, welche die Traditionen hochhält, die den Vertretern der „Universitas literarum“ geziemt. Die Universität soll nicht blos Brotwiffen geben, nicht blos Geistesbildung vermitteln, sondern auch zu Herzensbildung anregen. Tbut sie es nicht — dann ist nicht blos eine bedauerliche Lücke im Universitätsleben, sondern die Folgen eines solchen anormalen Zustandes müssen in späterer Zeit, im öffentlichen Leben sich wirksam machen. Die moralische Verbildung, die an einer Universität um sich greift, an der nur eine einseitige nicht allseitige Ausbildung der Studentenschaft sich entwickelt, kann aus diejenigen, die aus der Schule ins Leben treten, ihre Wirkung nicht verfehlen und deshalb kann man an den Erscheinungen nicht gleichgiltig vorüber gehen, die sich im Studentenleben äußern Es sind ja die künftigen Richter oder Lehrer, Anwälte oder Aerzte, diejenigen, die vermöge ihres erworbenen Wissens von vorneherein auch ein Anrecht darauf haben, dereinst Gesetzgeber zu sein, die aus den Universitäten hervorgehen und Staat sowie Gesellschast haben deshalb wohl die Pflicht, ihre vollste Aufmerksamkeit den Anstalten zuzuwenden, deren Zöglingen eine solche Zukunft winkt. ... Aus Frankreich nun kommt die Nachricht, daß bei einer feierlichen Gelegenheit einer der Lehrer der Universität in Gegenwart des Staatschefs und der Studenten eine Rede hielt, in welcher er hervorhob, daß den Uuiversitätshörern eine Triebfeder gemeinsam sein müsse, die Wissenschaft, daß sie aber auch lernen müssen, sich gegenseitig zu achten und fremde Meinungen hoch zu halten, daß sie sich alle vereinigen müssen, um die größte Gefahr vom Staate abzuhalten, die darin besteht, daß Haß unter den Mitbürgern verbreitet wird Der Präsident der Republik bestätigte diese Anschauungen vollinhaltlich, er pries die Toleranz, er appellirte an die Jugend, um Freiheit und Gerechtigkeit, Achtung des Menschenthums und Liebe zum Vaterland als ihre Leitsterne zu bezeichnen und auf dieser Basis den endgiltigen Triumph des socialen Friedens in Aussicht zu stellen. Und die Universitäksjugeud quittirte mit brausendem Beifall, daß die Worte des Staatsoberhauptes in ihren Herzen ein verständnißinniges Echo gefunden haben. Da darf man wohl ausrufen: Neidenswerthes Frankreich! Wenn auch jetzt noch Wolken dein Firmament bedecken,. du kannst doch auf eine bessere Zukunft hoffen, denn deiner Jugend sind die Ideale der Menschheit nicht fremd! Wie sieht es aber anderwärts ans'? In Prag haben Studenten den traurigen Muth gefunden, den einzigen Gelehrten ihrer Station, der unerschrocken für Recht und Wahrheit eingetreten ist. in feigster Weise zu insultiren, sich an die Seite der berüchtigtesten Helfershelfer der Blutlüge zu stellen, mit dem gesinnungslosesten Niob zu fraternisireu. In Pest — dem angeblich so freiheitlich gesinnten — haben an einer Hochschule Studenten ihre Collegeu um des Glaubens willen von den Unterrichtssälen fernzuhalten sich bestrebt. Des Glaubens willen; denn in Ungarn kann man der Racentheorie um so weniger huldigen, als es sonst sehr fraglich wäre, wie viel von der magyarischen Rare übrig bliebe. Und in Wien'? Sollen wir unseren Lesern vor Augen führen, in wie kleinlicher Weise die Hörer an der hiesigen Hochschule und mit wie rohen Mitteln sie mitunter kundgeben — wie wenig sie es verdienen, einer alma mater anzugehören, wie wenig ihr Verhalten dem Ideal entspricht das durch die Universitas literarum geschaffen werden soll'? Nicht anders sind die Verhältnisse an den Universitäten im Deutschen Reich.