Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 47 (24.11.1899)
- Date
- 1899-11-24
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 898 Dr. Bloch'e Woü^ujchrltt» Nr. 47 Sodann hielt der bekannte Schriftsteller und Herausgeber des Wiener Almanach Herr Jaques Jäger einen hochinteressanten und instructiven Vortrag über seine letzte Reise durch Rußland, den Kaukasus und Klein-Asien, der ihm die Glückwünsche des Präsidenten und der Zuhörerschaft in gebührendem Maße eintrug. Unter den Anwesenden bemerkte man die Vertreter der österreichisch-ungarischen Colo nialgesellschast ferner die Herren: kais. Rath Vogl, Universitäts-Docent Dr. Grünfeld, Jnstituts-Director Simon, Religions-Professor K a n i tz, Commercienrath S t i a ß n y, Bezirks-Ausschuß W a l d st e i n, die Vertreterinnen der F r a u e n v e r e i n e : Dr. Sofie Grünseld, Dr. Frischauer, Amalia Beck, Charlotte Kisch, Antonie Graf rc. rc. Entschuldigt haben ihr Fernbleiben die Herren: F ü r st A l f r e d Wrede, Professor Richard Singer, Hof- und Gerichts- Advocat Dr. H e r m a n F i a l l a rc. rc. Wien. (Spende n). Als Spenden sind uns zugekommen: Von Herrn Dr. H. V o r z i m m e r in Strobnitz für Holleschau sl. 2, von Herrn Leo Wolf in Gliniany für Wsetin fl. —*50, von Herrn Dr. Treulich in Wien fl. 5'— für Wsetin und fl. 5'— für llstrzyki Dolni, von Herrn Josef Sachs in Wien für Wsetin fl. —, von Herrn H. S. Stern in Wien für Wsetin fl. 2'—, von Herrn David R o b i t s ch e k in Wien für Wsetin fl. 1*—, von d.n Herren B. T. aus Mistek für Wsetin fl. 5'—, von Herrn Albert Rosenfeld aus BoLetitz für Wsetin fl. 1' — und für Holleschau'fl. 1'—, von Herrn Massin Hahn aus Karbitz für Holleschau fl. a* - , aus Libochorvitz (unleserl. Unterschrift) für Wsetin SO kr. und für Ustrzyki Dolni 50 kr. Wien. Herr Bernhard Markus, welcher den Lesern der „Oesterr. Wochenschrift" durch seine Beiträge in guter Erinnerung sein dürfte, ist nach mehr als zwanzigjähriger Thätigkeit aus dem Hause Leopold Abeles u. Co. ausgeschieden und hat ein concessionirtes Jnformationsbureau für Creditaugelegenheiteu eröffnet. Da demselben weitverzweigte persönliche Connexonen in kaufmännischen und industriellen Kreisen, persönliche Erfahrungen aus einer reichen Praxis zur Vrrsügung stehen, so empfiehlt sich dieses Jnformationsbureau allen Betheiligten auf das Beste. Linz, 20. November 4899. „Am 20. November fand im Festsaale der deutschen Universität zu Prag die Promotion des Herrn Rudolf Popper zum Doctor der gesammten Heilkunde statt. Derselbe ist ein Sohn des allgemein geachteten und beliebten langjährigeu Beamten der Spiritus-Raffinerie,, M. Fischl's Söhne", Prag, Herrn Ignaz Popper." Bochnia. Am 13.November wurde Herr Osias Schlosser einstimmig in den städtischen Gemeinderath gewählt. Lrebeschrtz bei Saaz. In der letzten Zeit haben in der hiesigen Gemeinde mancherlei Veränderung platzgegriffen. Zunächst hat der Vorsteher der Cultusgemeinde sein Amt zurückgelegt nnd an dessen Stelle wurde Herr Adolf Löbl aus Litschkau gewählt. Hierauf folgte die Resignation des Rabbiners Philipp Lederer, welcher nach Pilsen (Kopernikgasse Nr. 25) übersiedelte, um seinen literarischen Arbeiten obliegen zu können. Die Gemeinde hat jedoch an dem Nachfolger desselben Herrn Dr. Eisenberg eine vorzügliche Acquisition gemacht. Dieser ist nicht nur ein gediegener Kanzelredner, sondern auch ein Gelehrter par excellence, welcher gegenwärtig au einen: bedeutendem Werke arbeitet „Die Nimrodsage bei den Arabern", ein Werk, welches seinerzeit epochemachend zu werden geeignet ist. Herr Doctor Eisenberg hat auch Aussicht Professor für orientalische Sprachen an der Universität zu werden. Wir können der Gemeinde Liebeschitz zu diesem Rabbiner nur bestens gratuliren. Budweis. Der seit 23 Jahren in Wien als Kaffeehausbesitzer ansässig gewesene Herr Joses D a n k o hat in unserer Stadt das Cafe Central eröffnet. Herr Josef Dan ko führte in seinem früheren Domicil 8 Jahre das Deutsche Kaffeehaus in der Wollzeile, 10 Jahre das Cafe Weghuber und 5 Jahre das Cafe Commercial am Rudolfsplatz und erfreute sich der allgemeinen Achtung und Anerkennung seiner Gäste. Herr D a n k o hat sich auch außerhalb seines Berufes in der liberalen Partei durch 20jähriges verdienstvolles Wirken ausgezeichnet. Karnzsa. Am 19. d. M. verschied daselbst Frau Paul A c z e I geborne Eugenie Blau, eine noch ziemlich junge Frau, die einer der ersten Familien Kanizsas entstammt und durch hervorragende geistige Eigenschaften, sowie durch große Schönheit und Anmuth von der Natur ausgestattet war. Durch ihre bestrickende Liebenswürdigkeit gewann sie alle Herzen. Sie war Ausschußmitglied des israelitischen Frauenvereines und des Rothen Kreuz-Bereines und eine stille Wohlthäterin der Armen. Sie war allgemein verehrt, und wird nicht nur von ihren Angehörigen und Freunden tief betrauert, sondern bei Allen die, sie kannten, in liebevoller Erinnerung bleiben. Gott tröste die tiefgebeugte Mutter, den trauernden Gatten und die unglücklichen Kinder. W. Berlin. Der neugewählte Rabbiner von Berlin, Doctor Eschelbach er, ist im Jahre 1848 in Hainstadt in Baden geboren, wo sein Vater Hauptlehrer an der Mischen Volksschule war. Er besuchte das Gymnasium in Karlsruhe und genoß zugleich den talmudischen Unterricht des seligen Oberrathes Altmann. Danach absolvirte er das jüdische theologische Seminar in Breslau, von wo er 1877 mit dem rabbinischen Diplom entlassen wurde. In seiner ersten Rabbinerstellung in Bruchsal ist er bis zu seiner jetzigen Berufung nach Berlin, 22 Jahre geblieben. Von Bruchsal ging 1888 die Anregung zur Bildung eines Landesvereines zur Erziehung israelitischer Waisen im Großherzogthum Baden aus. Dr. Eschelbacher wurde nach der Constituirung zum Vorsitzenden des Vorstandes gewählt, und in dieser Stellung ist er bis auf den heutigen Tag thätig. Im Jahre 1894 erhielt er das Ritterkreuz l. Classe des Zähringer Löwenordens. Bei den beiden bisherigen Tagungen der badischen israelitischen Landessynode wurde Dr. Eschelbacher als einer der Vertreter der Rabbiner und von den Synoden selbst znm Bicepräsidenten gewählt. Feuilleton. Erzählung von S. K o h n, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) Jetzt ergriff ein Dritter der am Tische Sitzenden das Wort, Reb Asriel der Szofer'), ein noch jünger Mann — der nach Brünn zu Markte gekommen, um Tfitin und Mesuses zu verkaufen, etwa auch Aufträge, Thorarollen zu schreiben, entgegenzunehmen — das Wort: „Euer Pflegevater lebt, aber es mußte ihm ein Fuß abgenommen werden; es ist dies allerdings ein großes Unglück, — aber, Gott sei Dank, lange nicht so groß als Ihr einen Augenblick befürchten mochtet." „Boruch dajon hoemes," rief Michael erbleichend. „In welcher Weise ist ihm dieses Unglück zugestoßen? Und wie erträgt Sara die schwere Prüfung Gottes?" „Das elfjährige Kind erregt die Bewunderung der ganzen Gemeinde", beantwortete der Szofer zuerst die zweite Frage, „das Mädchen, das groß und schön geworden, daß Ihr Euch staunen werdet, pflegt und tröstet den Vater, als wäre sie eine erwachsene Jungfrau. Das Mädchen wird einst unseren Jmmohos-) gleichen. Und nun, da Ihr das Aergste wißt, und Euch als frommer, kluger Mann gefaßt erweist, will ich Euch den Hergang ausführlich erzählen. Unsere Judenstadt liegt, wie Euch bekannt, an der Hanna. Das tückische Flüßchen ist nun plötzlich ausgetreten und hat mit großer Schnelligkeit die Judenstadt überschwemmt. Ihr kennt ja Reb Aron Brack, den wackeren Mann, der, wo es zu helfen, der Erste ist. Ec war es auch, der zuerst das verdächtige Rauschen hörte, und die Schlafenden mit Donnerstimme aus dem Schlafe weckte. Nur seiner großen Umsicht ist es zu danken, daß dem verheerenden Elemente kein Menschenleben zum Opfer fiel. Unsere Synagoge liegt, wie dies die Vorschrift ist, tief* * 3 * 5) und das Wasser stand, bevor man es bemerkt hatte, ziemlich hoch in derselben. Reb Aron Brack drang in leichtem Nachtgewande durch dieses bis zum Oron Hakodeschy, holte die Sifre Thoros^) aus demselben und brachte sie in die höher liegende PoolißeH, wo sie ihm der Schammrs aus den Händen nahm und in Sicherheit brachte. Als das letzte geborgen war, wollte Reb Aron die Stufen, die aus dem Gotteshause in die Vorhalle führen, hinaufsteigen. Er war von der übergroßen Körperarbeit ermattet, die unter Wasser stehenden Stufen waren fchlüpferig und er fiel so ') Schreiber, hier so viel als Thorarollcnschreiber. '-) Erzmüttern. 3) Anlehnend an den Bibelvers: Ans den Tiefen ruf ich empor zu Dir, sollen die Betstätten tiefer gelegen sein. Anderseits aber sollen sie jedoch auch so hoch sein, daß sie von keinem, einem Inden gehörigen Hause überragt werden. *) Heilige Lade, Tabernakel. 5) Thorarollen. °) Vorhalle.