Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 47 (24.11.1899)
- Date
- 1899-11-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 47 Dr. Blvch's Wochenschrift. Seite *'.i5 erweckte int jungczechischen Club Heiterk e i t." Der wackere Scharf hat es sich gewiß nicht träumen lassen, daß er, der sich thatsächlich durch Auflösung der seit Jahrhunderten Hierlands bestandenen confessionellen Schulen, wie durch Czechisirung des Gottesdienstes große Verdienste um das Czechenthum erworben zu haben glaubt, von feinen Freunden mit solch schnödem Undank belohnt werden wird. Gliniany. („Eine christliche e d e l m ü t h i g e Kindererzieherin.") Im Dorfe Zurawniki, eine Meile von Gliniauy, hat die Dorfslehrerin ihr 13jähriges Dienstmädchen so unerbärmlich mißhandelt, daß das arme Christenmäbchen unter ihren Händen dem Tode erlag und zwar am 10. d. M. Die vorgenommene gerichtliche Obduction constatirte, daß das arme Opfer 23 Wunden am Körper hatte; sogar die Nägel der zarten Finger wurden mittelst einem eisernen Stocke abgeschlagen. Ein Glück, daß das keine jüdische Lehrerin war, sonst hätte der Herr Vergani behauptet, daß von den Wunden Blut abgezapft würde zu den Gfterbroten. Ich bin neugierig, was Herr Vergani und Consorten zu dem sagen werden. Die Thäterin ist bereits im Lemberger Gerichtsarreste eingesperrt. Kuttenberg. (Der P o I n a e r M ä d ch e n m o r d.) Dieser Tage fand bei dem Kuttenberger Strafgerichte eine Commission statt, welche die bei der Leiche der Agnes H r u z a Vorgefundenen Kleider einer Untersuchung unterzog, um festzustellen, ob dieselben mit einem Messer oder mit einer Scheere ausgeschnitten wurden. Es. wurde constatirt, daß die Kleider nicht, wie in der Anklage angenommen wurde, mit einem Messer, sondern mir einer Scheere ausgeschnitten worden sind, ein Umstand, welchem Professor Masaryk in seiner Broschüre große Bedeutung beimißt. Proßnih, 19. November. An dem heutigen Namenstage der unvergeßlichen Kaiserin Elisabeth wurde in unserem Tempel ein feierlicher Trauergottesdienst abgehalten. Anwesend waren die Spitzen der Gemeinde und die Schüler sämmtlicher deutschen Schulen. Den gesanglichen Theil der Feier leitete Herr Obercantor Bunemowitsch, nach demselben bestieg Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Goldschmidt die Kanzel und flehte in einem innigen Gebete um das Seelenheil der verewigten Herrscherin und um Trost für unseren allgeliebten Kaiser. Mit einem nochmaligen Chorgesang schloß die weihevolle Andacht. Proßnitz. Infolge der. allgemeinen Verhetzung und Verrohung des slavischen Volkes, die den Aufenthalt in unserer früher so beliebten Stadt zu einem unangenehmen machen, übersiedelten mehrere unserer angesehensten Gemeindemitglieder noch Wien u. zw. die Herren Louis Hamburger, E r n st Hamburger und Dr. K a r l Hamburger, denen Herr Moritz Hamburger bald folgen dürfte. Die Armen und Bedürftigen unserer Stadt, ohne Unterschied der Confession, werden die Uebersiedelung dieser Herren, die bekannte Wohlthäter waren, schmerzlich empfinden. Gaya. (Erbauliches vom Pater Weber.) „In dem nahelegenen M i l o t i c fungirt als Seelsorger der ehemalige Reichsrathsabgeordnete Pater Weber, der bekanntlich in Folge eines Machtwortes des Erzbischofs von Olmütz seine Abgeordnetencarriere aufgeben mußte. In dem Orte leben zwei jüdische Kaufleute im besten Einvernehmen mit der Bevölkerutig. Der eine derselben, Herr B. Reis, betreibt neben seinem Kaufmannsgeschäfte auch eine große Oekonomie und beschäftigt daher ein großes Personal. Herrn Pater Weber paßte dieses gute Einvernehmen der Bevölkerung mit den jüdischen Familien nicht, und er begann in seinen Sonntagspredigten von der Kanzel herab gegen die Kaufleute loszuziehen. Er drohte Allen, welche bei denselben ihre Einkäufe besorgten, mit dem Fluche der Kirche; aber der beabsichtigte Boykott blieb aus. Pater Weber verschmähte es nicht, sich in eigener Person vor dem Geschäfte des Herrn Reis aufzustellen und jeden christlichen Käufer vor dem Betreten des jüdischen Geschäftes zu warnen. Der Erfolg war aber nur gering. In der letzten Sonntagspredigt nun forderte Pater Weber von der Kanzel herab das anwesende Dienstpersonal des Kaufmannes Reis, unter welchem sich auch die Amme eines noch nicht einjährigen Kindes befand, auf, den Dienst dem Juden sofort zu kündigen, widrigenfalls sie der schwerste Fluch der Kirche treffen und ihnen der Eintritt in die Kirche einfür allemal verboten sein würde. Die Wirkung dieser Drohung blieb nicht aus. Die Amme war die Erste, welche ihrer Dienstgeberin den Dienst kündigte. Die junge, vierundzwanzigjährige Frau des Kaufmannes versuchte vergebens die Amme von ihrem Entschlüsse abzubringen. Sie wies auf die Folgen hin. welche ein Wechsel der Nahrung bei einem Säugling nach sich ziehen könne; aber die Amme erklärte mit Thränen in den Augen, daß sie nur schweren Herzens weggehe, aber sie würde nach den Worten des Seelsorgers aus der Kirche ausgeschlossen werden, wenn sie bei einem Juden weiter im Dienste bleibe. Als nun die junge Frau sah, daß der Entschluß der Amme unwiderruflich sei, reiste sie in größter Aufregung nach Gaya zu ihren Eltern, um sich dort bei der Mutter Raths zu holen. Doch kaum hatte die junge Mutter die Wohnung ihrer Eltern betreten, als sie vom Schlage gerührt, zu Boden stürzte und sofort tobt liegen blieb — — ein armer unschuldiger Wurm, ein Säugling wurde, noch ehe er so recht ins Mutterauge blicken konnte, zur — Waise gemacht! Hier und in Milotic herrscht über den Vorgang nur Eine Stimme, die der Entrüstung. Frankfurt a. M. Am 30. October sprach im „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" Herr Rabbiner Dr. Kottek von Homburg v. d. H. über Johannes Reuchlin's Kampf für den Talmud. Es war eine traurige Zeit für die Juden im größten Theil von Europa, namentlich in Deutschland, sie mußten besondere Quartiere bewohnen und Abzeichen an den Kleidern tragen, sie durften nur Geldgeschäfte und Hausirhandel treiben, als der getaufte Jude Johannes Pfefferkorn aus Mähren auftrat und ihre heiligen Bücher denuncirte, 1506 übergetreten, seines Zeichens Metzger, rühmte er sich seiner Kenntniß des Hebräischen, die aber nicht größer tvar, als diejenige seiner Standesgenossen. Um einer Bestrafung wegen Diebstahls zu entgehen, soll er sich haben taufen lassen. Nach seiner Taufe wurde er Spitalmeister in Köln. 1507 begann er seine schriftstellerische Thätigkeit mit dem „Judenspiegel", worin er Vorschlag, die Juden zum Anhören christlicher Predigten zu zwingen, ihre Bücher zu verbieten und ihnen wegzunehmen, endlich sie aus Deutschland zu vertreiben. Dann schrieb er in rascher Folge: den „Judenfeind", die „Judenbeichte", das „Osternbuch", wobei er in den Dominikanermönchen Unterstützung fand. Bon diesen zeichnete sich Ortwin Grazius als besonders judenfeindlich aus, und durch ihre Einwirkung, sowie die Empfehlung der verwitweten Schwester Kaiser Maximilian's, der Nonne Kunigunde, gelang es Pfefferkorn, eine am 19. August 1509 in Padua ausgestellte kaiserliche Urkunde zu erwirken, wonach alle dem christlichen Glauben zuwiderlaufenden Bücher dem Pfefferkorn ausgeliefert werden sollten. Zunächst ging er nach Frankfurt, Mainz, Bingen, Lorsch, Lahnstein und Deutz und confiscirte alle jüdischen Bücher. Als iit Frankfurt die Bücher dem Feuer übergeben werden sollten, fand Pfefferkorn einen Einspruch vom Erzbischof von Mainz. Uriel von Memingen vor. der den Priestern seines Sprengels strengstens verbot, sich damit zu befassen, ehe sie von ihm den Befehl erhalten hätten. Pfefferkorn eilte zu ihm nach Aschaffenburg und erhielt die Antwort, das Decret des Kaisers sei wegen eines Formfehlers ungiltig, er verlange Gutachten von namhaften Gelehrten, daß die Bücher auch wirklich verdammenswerth wären. Pfefferkorn schlug als Gutachter Joh. Reuchlin, den Erzbischof Victor von Karben vor. Reuchlin, geboren 22. Februar 1455 in Pforzheim, von seinen Freunden Kadmion genannt, war einer der erleuchtetsten Geister seiner Zeit, einer der Väter des Humanismus. Er, der dem Studium zwei neue Sprachen, die griechische und hebräische, eröffnete, nannte diese eine gottbegnadete Spruche. Einer seiner Hebräischlehrer war Jacob Loans, Leibarzt Friedrich Hl. In seinen ersten Veröffentlichungen zeigte er sich noch nicht frei von Borurtheilen, deswegen mag ihn Pfefferkorn vorgeschlagen haben. Sein Gutachten ging dahin, daß man unter den hebräischen Büchern verschiedene Classen uilterscheiden müsse: 1. die heilige Schrift des Alten Testamentes. 2. den Talmud. Daß dieser des Feuers würdig sei, fömi- Keiner sagen, der ihn nicht verstehe. Wenn sich auch Manches gegen das Christenthum darin finde, so sei doch zu berücksichtigen, daß die Inden als Juden nicht verpflichtet wären, au dasselbe zu glauben und außerdem wäre sehr viel Nützliches darin enthalten. 3. Schriften über die Kabala (Reuchlin's Schoßkind). 4. Commentare zur Bibel, wie Raschi und Kimchi, diese wären auch den Christen zum Verständniß nothwendig. 5. Bücher, die zu dem vom kaiserlichen und päpstlichen Recht gestatteten Cultus gehören. 6. Bücher über Kunst und Wifsenschaft. 7. Fabelbücher und dergleichen, worin wohl Manches