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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-11-17 · 46 (17.11.1899) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
46 (17.11.1899)
Date
1899-11-17
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Atr. 46 Dr. Bloches Wochenschrift. Seite 881 Dieser Gedankengang war es, welcher den israelitischen Humanitätsverein .Wien" (B'nai B'rith) bestimmte, unter Mitwirkung des Vereines zur Unterstützung israelitischer Handwerker und Kleingewerbetreibender, den Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis ins Leben zu rufen, der in erster Linie die unentgeltliche Aufsuchung von Arbeitsgebern für Arbeitsnehmer, überdies aber auch, nach Maßgabe der vorhandenen Mittel und der Dürftigkeit der Arbeitsnehmer, die Gewährung von Unterstützungen an letztere sich zur Aufgabe gestellt hat. Wir sind uns der vollen Größe dieser Aufgabe bewußt, und wenn wir den Muth haben, an dieselbe heranzutreten, so geschieht dies in der Ueberzeugung, daß alle edeldenkenden Israeliten sich uns in dem Bestreben anschließen werden, dem allgemeinen Ansturm zu begegnen, welcher nicht allein gegen die politische Gleichberechtigung der Juden, sondern auch gegen deren wirthschaftliche Existenz unternommen wird. Wir bitten Sie, uns Ihre Mitwirkung nicht blos durch Geldbeiträge, sondern ebenso sehr, ja noch mehr dadurch angedeihen zu lassen, daß Sie sich in allen Fällen, in denen es sich um Arbeitsvergebung handelt, vertrauensvoll an uns wenden. Lassen Sie uns hoffen, daß Sie sich nicht ausschließen werden von dem Werke, welches wir zur Förderung des Gemeinwohles, insbesondere aber zur Unterstützung unserer nothleidenden Glaubensgenossen, unternommen haben! Der Vorstand des Vereines für unentgeltlichen Arbeitsnachweis. Anmerkung: Die Mitgliedschaft des Vereines wird durch eines Jahresbeitrag von mindestens 3 fl. oder durch einmaligen Erlag von mindestens 100 fl. erworben. Gönner des Vereines wird Derjenige, der einen Jahresbeitrag von mindestens 50 fl. leistet. Wien. Der Verein „Beth-Hamidrasch Talmud Thora", II., Malzgasse 16, wo auch im Laufe des Sommers ohne Unterbrechung vorgetragen wurde, hat seine Winter-Vorlesungen begonnen und werden daselbst an jedem Sonntag Borträge religiöswiffenschaftlichen Inhaltes, insbesondere für junge Leute abgehalten. An unsere Glaubensbrüder geht daher der dringende Mahnruf, von der gebotenen Gelegenheit Gebrauch machen zu wollen. Wer Sinn und Interesse für die Religion, in welcher er erzogen wurde und um derentwillen er täglich leidet und duldet, nicht mit Absicht ertödten will, soll der Pflege dieser Kenntnisse mindestens eine Stunde in der Woche widmen. Hier haben Alle gute Gelegenheit, über den Inhalt unserer Religion, über die hohe Moral ihrer Vorschriften, den sittlichen Gehalt ihrer Satzungen sich belehren zu lassen und ein stolzes Selbstbewußtsein wird Jeden für die erlittene Unbill entschädigen. Sonntag am 19. d. M., halb 4 Uhr Nachmittags, beginnen die allsonntäglichen Vorträge unseres beliebten Herrn Rabbiner Kramer, für junge Leute im Beth-Hamidrasch, II., Malzgasse 16. In dieser Saison werden auch andere populär-wissenschaftliche Borträge von jüdischen Gelehrten in unserem Vereine abgehalten werden. Des Weiteren werden Kenner und Freunde des Talmud-Studiums aufmerksam gemacht, daß Herr Rabbiner Kramer in unserem Beth-Hamidrasch täglich von 6 bis 7 Uhr Abends in intereffanter, faßlicher Weise Talmud vorträgt. Wien. Löbliche Redaction! Ich erlaube mir, Sie höflichst um gefällige Veröffentlichung nachstehenden Vorfalles zu bitten, damit unsere Glaubensgenossen davor bewahrt werden, sich für ihr gutes Geld in gemeinster Weise beleidigen W laffen. Ich ging mit einem Freunde, einem Christen, ganz zufällig bei dem Baron Di Pauli'schen Weinkeller in der Wallfischgasse Nr. 7, vorüber und nichts Böses ahnend, wollten wir dort ein Glas Wein trinken. Wir setzten uns in die Nähe des Claviers, bestellten eine Flasche Wein und wurden in keiner Weise behelligt. Da bemerkte mich der Klavierspieler, blätterte in den Noten und singt nacheinander viex Couplets, die an Rohheit und Gemeinheit gegen die Juden schon gar nichts mehr zu wünschen übrig ließen. Wie bei der heutigen Strömung nicht anders zu erwarten, fand er natürlich großen Beifall, während aller Augen auf mich gerichtet waren. Es frägt sich nun, ob der gewesene Herr Handelsminister weiß, wie es in einem Local, daß mit seinem Namen geziert ist, zugeht und ob er derartige Gemeinheiten billigt oder ob dies ein ganz specieller Sport des betreffenden Clavierspielers ist. Jedenfalls verdient das Local vom liberalen Publicum besucht zu werden! Im Vorhinein bestens dankend, zeichnet Hochachtend B. Steiner Baden bei Wien. (Trauun g.) Sonntag den 26. November 3 Uhr Nachmittags findet im Tempel zu Baden die Trauung von Fräiüein Melanie Leitner, Tochter des Herrn Moriz Leitner mit Herrn Moriz Groß, statt. Brünn. (Allgemeiner österreichisch-israelitischer Bund.) Die israelitische Cultusgemeinde Brünn ist dem allgemeinen israelitischen Bund beigetreten. Brünn. Am 8. November starb hier Herr Moses Horowitz, Begründer der Firma Horowitz & Witrofsky in Brünn, im hohen Alter von 90 Jahren. Mit Herrn Horowitz ist einer der ältesten Kausleute Brünns dahin geschieden, er bestand 70 Jahre in Ehren auf dem hiesigen Platze und war in den weitesten Kreisen bekannt, sowie wegen seiner Rechtlichkeit und Wohlthätigkeit geachtet. Die Bestattung hat am 10. d. M. unter großer Betheiligung stattgefunden. Der Landesrabbiner Dr. Placzek widmete dem Verewigten in der neu erbauten Friedhofshalle einen ehrenden Nachruf. Brünn. Vom Vorsteher der Cultusgemeinde in Kanitz. Herrn Emil Brunner, erhält der „Tagesbote" folgende Zuschrift: „In dem Sitzungsberichte des Reichsrathes vom 9. November l. I. lese ich, daß der Abg. Berner gesagt hat, „sämmtliche jüdische Gemischtwaarenhändler in Mähren handeln ungesetzlich mit Branntwein". Ich constatire, daß hier in Kanitz fünf jüdische Gemischtwaarenhändler sind und kein einziger Branntwein verkauft. Die Behauptung des Abg. Berner ist also unwahr". Brünn. Der israelitische Freitischverein zu Brünn versendet seinen dritten Jahresbericht, aus welchem wir entnehmen, daß der junge Verein bereits 123 bedürftige israelitische Schüler und Lehrlinge durch das ganze Schuljahr gratis bespeist. Die Kost ist eine vorzügliche. Prostnitz. (Todesfall.) Ende voriger Woche verschied hier nach langem schweren Leiden Frau Peppi H u s s e r l im hohen Alter von 84 Jahren. Die Verblichene war die Witwe nach dem noch im besten Angedenken stehenden verstorbenen Bürgermeister Gottlieb Husserl und erfreute sich ob ihres Charakters, chrer Herzensgüte und gottesfürchtigen Lebenswandel allgemeiner Sympathien, die bei dem Leichenbegängnisse auch zum lebhaften Ausdruck gelangten. Friede ihrer Asche, die Erde sei ihr leicht. Prziwos Die in der Gemeinde Prziwos wohnenden Mitglieder der M.-Ostrauer Cultusgemeinde beabsichtigen, für diesen Ort ein eigenes Gotteshaus zu erbauen, und haben sich zu diesem Zwecke als Tempelbau-Berein constituirt. Besonders bemerkenswerth erscheint, daß die Gemeinde Prziwos sich bereit erklärt hat, für diesen Zweck einen geeigneten Bauplatz unentgeltlich den israelittschen Mitbürgern zu überlaffen. Ein ähnliches Prvject ist übrigens auch von den jüdischen Bewohnern von Witkowitz und Zabrzeh angeregt worden. Ueberdies hat die hiesige Cultusgemeinde in der letzten Sitzung ihres Ausschuffes beschlossen, beim mähr. Landtage um Bewilligung eines Darlehens von 120.000 fl. zum Zwecke des Baues eines neuen größeren Tempels an Stelle des bisher bestehenden und räumlich vollständig unzureichenden einzuschreiten. Leipa. Hier ist im 63. Lebensjahre nach längerem Leiden Josef Alt schul, Zuckerfabriksbefitzer, gestorben. Strenges, kaufmännisches Gebaren, sowie warme Empfindung für seine Arbeiter und Angestellte kennzeichneten den Verstorbenen im Betriebe seiner von ihm im Vereine mit seinem in Prag lebenden älteren Bruder A. S. Altschul und Schwager Chem.-Dr. Müller begründeten Zuckerraffinerie. Jahre hindurch wirkte er als Mitglied des Ausschuffes der Stadtgemeinde Leipa. Auch im Vorstände der israelittschen Cultusgemeinde in Leipa, dem der Verstorbene durch viele Jahre als Mitglied angehörte, bethättgte er sich eiftig. Er war ferner ein großer Wohlthäter der Armen. Melnik. Bei der Constituirung des neugewählten Vorstandes wurde Herr Med. Univ. Dr. S. T r e u l i ch einstimmig zum Vorsteher gewählt. Herr Dr. Treulich ist kein Neuling in diesem Amte. Dem Vorstände gehört er nunmehr durch 37 Jahre an. Zu Ende der Siebzig:r-Jahre bekleidete er bereits das Amt des Stellvertreters, seit 1881 das des Vorstehers und Ortsschulaufsehers sowie Mitgliedes des Bezirksschulraihes. Das Amt des Vorstehers legte er im Jahre 1893 zurück. Seine Aemter verwattete er stets mit gewohnter Gewissenhaftigkeit. Insbesondere der im Borjahre leider ausgelassenen israelittschen

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