Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 46 (17.11.1899)
- Date
- 1899-11-17
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 880 Pr. 46 Dr. Blvch's Wochenschrift. New-Hork. Dr. Senner über die Einwanderung. In Amerika hat der frühere Einwanderungscommiffar Senner in sehr scharfer Weise sich gegen die Lodge-Bill ausgesprochen, da die Mnwanderung in den letzten Jahren ganz beträchtlich abgenommen habe. Außerdem stellt er denjenigen Einwanderern, welche Manchen weniger wünschenswerth erscheinen, wie den Juden aus Polen und Rußland, vorzügliche Leumundszeugnisse aus und rühmte ihnen eine kolossale Assimilationsfähigkeit nach. „Dieses Land ist noch nicht auf dem Punkt der Entwickelung angelangt, um eine Ausschließung der Einwanderung zu verlangen und Jeder, der gegen die Einwanderung eifert, ist ein Feind dieses Landes/ schloß Herr Senner seine interessante Rede, die großes Aufsehen erregt. Wie». (Ein Rücktritt.) Von Herrn S i e gm u n d Mayer erhalten wir folgende Zuschrift: Sehr geehrter Herr Redakteur! Ich bitte Sie durch die Veröffentlichung dieses Schreibens zur Kenntniß Ihrer Leser zu bringen, daß ich mich veranlaßt sehe, von der Obmann-Stelle des Rechtschutz- und Abwehrcomitös der „Oesterreichischen Israelitischen Union" z urückzutreten, sowie aus dem Vorstände der „Union" zu scheiden. Ich bitte die werthen Freunde, welche die bisherige Thätigkeit dieses Comitss gefunden hat, meinem guten Willen ein freundliches Andenken zu bewahren. Hochachtungsvoll Wien, 14. November. Siegmund Mayer. Wie». (V e r m ä l u n g.) Fräulein Fela v. Rapoport, Tochter des Reichsrathsabgeordneten Dr. Arnold Rapoport, Edlen von Porada, hat sich Mittwoch den 15. d. M. in Wien mit Herrn Heinrich Ritter v. Kuh, k. k. Ingenieur im Eisenbahnministerium und k. u. k. Lieutenant in der Reserve, vermält. Der Vater des Bräutigams war ein sehr verdienstvolles Vorstandsmitglied der israelitischen Cultusgemeinde in Wien. Wien. Sonntag den 19. November 3 Uhr Nachmittags findet im türkischen Ämpel, Cirkusgasse, die Trauung von Fräulein Mathilde Bauer, Tochter des Herrn Hermann Bauer, mit Herrn Sigmund Lazarus statt. Wien. Mittwoch den 15. d. M. fand im Stadt-Tempel um 1 Uhr Mittags die Trauung des Herrn Moriz W o r tm a n n, Secretär der Wiener Freiwilligen Rettungsgesellschaft, mit Fräulein R o t h e n st e i n-P i e s e n statt. Wie». (Trauung). Sonntag den 26. November Nachmittags 2 Uhr findet im israelitischen Tempel der Seitenstettengaffe die Trauung von Fräulein Elsa Kanders, Tochter des Weingroßhändlers Herrn Sigmund Kauders mit Herrn Nathan Rieß statt. Aus Anlaß der Bermälung seiner Tochter Elsa hat Herr Sigmund Kauders 5000 fl. für wohlthätige Zwecke gespendet und zwar erlegte derselbe bei der Cultusgemeinde 3000 fl. für eine Brautstiftung, 400 fl für israelitische Arme, 400 fl. für das Siechenhaus, und 200 fl für andere wohlthätige Zwecke, 1000 fl für die Gemeinden Eisenstadt, Trencsin, Simmering und Schwechat. Wien. (Verlobung.) Fräulein Käthe Gintl, Tochter der Frau Regierungsrath Fanny Gintl, hat sich mit dem Hof- und Gerichtsadvocaten Herrn Dr. Berthold Reif verlobt. Wien. Fräulein Emma Granichstädten, Tochter des hiesigen Fabriksbesttzer Herrn Julius Granichstädten, hat sich mit Herrn Zahnarzt Dr. Nandor Singer verlobt. Wie». Sonntag den 5. d. M. fand im großen Tempel in der Tempelgaffe die Trauung des Juweliers Herrn Gustav Borisewitsch mit Fräulein Etti, der jüngsten Tochter des ob seiner Gelehrsamkeit renommirten Lectors am Beth-Hamidrasch wie im Seminar, Herrn M. Friedmann statt. Wie». (Goldene Hochzeit im Hause Rothschild;) Wie man aus Frankfurt am Main erfährt, feierte Freiherr Willi v. Rothschild mit seiner Gemalinj Mathilde das Fest der goldenen Hochzeit. Die Jubelfeier wurde! im intimsten Familienweise begangen. Wie die „Frankfurters Zeitung" meldet, sind anläßlich der goldenen Hochzeitsfeier« Stiftungen in erheblichem Umfange gemacht worden. So sollen« der israelitischen Religionsgesellschaft 80.000 und der israeliti-I schen Volksschule 100.000 Mark zugewendet werden. 1 Wien. (Spenden.) Bon I. F. in Wien sind uns zugekommen : 2 fl. für den Cultusverein in Wsetin, 2 fl. für das Hilfscomits in Usstrzyki dolni, Bezirk Listo. Wien. Der als Schulmann und Schriftsteller bekannte Oberlehrer Philipp Brunner, Leiter der städtischen Mädchenschule in der Werderthorgaffe, beging dieser Tage im engsten Familienkreise sein 60. Geburtsfest und den Gedenktag seiner 40jährigen Thätigkeit im Lehramte. Wien. Ein bedauerlicher Unfall hat den Rabbiner Breuer getroffen; auf dem Wege in die Seitenstettengaffe zum Amte hat er einen Schlaganfall erlitten. Möge ihm baldige Genesung werden. Wien. (Leopold st ädterFrauen-Wo hlthätigk e i t s v e r e i n.) Zu Gunsten dieses Vereins, sowie des von demselben erhaltenen Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchenhort wird am 24. Jänner in den Svfiensälen eine Soiree veranstaltet, die wohl einzig in ihrer Art ist. Es findet nämlich eine Bari6t6-Borstellung statt, an der sich erste; zumeist in Wien noch nicht aufgetretene Kräfte betheiligen werden. Hierauf folgt ein Tanzkränzchen. Das Detailprogramm dieses jedenfalls genußreichen Abends wird seinerzeit veröffentlicht werden. Die Constituirung des Festcomits, welches unter dem Ehrenpräsidium des Reichsrathsabgeordneten Herrn Hofrath Kareis steht, erfolgte dieser Tage und wurden alle jene Functionäre wiedergewählt, welche sich bereits im vorigen Jahre bei der äußerst gelungenen Veranstaltung des humanitären Vereins (Präsidentin Frau kaiserlicher Rath K o h n) bethätigt haben. Wien. Der (Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Wien, H., Taborstraße 59, Telephon- Nr. 13920) versendet nachstehenden Aufruf: Wien, im October 1899. Mitbürger! Glaubensgenossen! Je mehr die Einsicht in das wirthschaftliche Elend der Massen wächst, desto stärker wird die Erkenntniß, daß durch Almosen in den allermeisten Fällen blos eine momentane Linderung der Nothlage erzielt wird; ersprießliche, dauernde Hilfe erwächst den Bedürftigen nur durch die Möglichkeit, ihre Arbeitsfähigkeit zu bethätigen. Dieser Erkenntniß haben wir es zu verdanken, daß Corporation und Vereine sich die Aufgabe gestellt haben, den Arbeitswilligen zur Erlangung lohnender Beschäftigung behilflich zu sein, und auch in Wien ist, neben einer Anzahl genossenschaftlicher Anstalten, das große kommunale Arbeitsvermittlungsamt in Thätigkeit, welches von dem ganzen Gemeinwesen unterhalten, auch der gesummten Bevölkerung zu statten kommen sollte. Leider ist dies nicht der Fall! Jener Geist der Unduldsamkeit, welcher gegenwärtig im Rathhäuse herrscht und selbst vor unschuldigen Waisenkindern nicht Halt gemacht hat, macht sich auch in der Leitung dieser kommunalen Institution geltend. Gerade jene Partei, welche den Juden in feindseliger Weise Arbeitsscheu zum Vorwurf macht, ist bemüht, ihnen die Möglichkeit der Arbeit zu benehmen! Wer die unsagbar traurigen Verhältnisse kennt, unter welchen der jüdische Handwerker sich in seiner Lehrzeit und als Gehilfe bis zur selbstständigen Arbeitsfähigkeit durchringen muß; wer sich vor Augen hält, unter welch' harten Kämpfen und Ueberwindung unseliger Vorurtheile der jüdische Gewerbsmann seine Existenz aufrecht erhält; wer die Entsagungen und Opfer ermißt, die der jüdische geistige Arbeiter zu bringen genöthig ist, der wird nicht nur die Größe des Unrechts, die Ungeheuerlichkeit und Gewaltthätigkeit begreifen, die darin zum Ausdruck gelangen, daß man die Juden von der Erwerbsmöglichkeit ausschließen will, sondern er wird sich auch gedrängt fühlen, diese Unbill abzuwehren. Unter solchen Umständen ist, so beklagenswerth auch konfessionelle Differenzierungen sein mögen, die Errichtung einer Arbeitsvermittlungsstelle für Juden eine dringende, unabweisliche Nothwendigkeit. Eine unentgeltliche Arbeitsvermittlung für unsere arbeitsfähigen Glaubensgenossen wird dieselben nicht blos als nützliche und würdige Staatsbürger erhalten, sie wird auch verhüten, daß viele derselben aus Mangel entsprechender Arbeit auf (unsere Wohlthätigkeit angewiesen werden, und .sicherlich tauch unsere konfessionellen Wohlthätig- Ikeitsan st alten entlasten, welche bei Fortdauer «der gegenwärtigen Zustände stets wachsenden und kaum zu beifriedigenden Ansprüchen gegenüberstehen. pRPVJtm