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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-11-17 · 46 (17.11.1899) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
46 (17.11.1899)
Date
1899-11-17
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 878 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 46 Wir, die Prügelknaben der kämpfenden Parteien, müssen unser Elend schnüren und sortgehen. Diese Flucht ist keine Feigheit, da unsere Gegner uns fünfzigfach überlegen sind. Auf uns hauen, von eben so einflußreichen als böswilligen Führern, die unter dem Schutze der Immunität stehen oder sich verborgen halten, geleitet, Polen und Ruthenen, Czechen und Deutsche und der Antisemitismus ist für die rohe Masse eine Fahne geworden, die von niederträchtigen, verwerflichen Strebern vorangetragen wird. Der bedrückende und erstickende Brodem dieser moralischen Kloake muß uns Hinaustreiben in gesündere Verhältnisse und zur eifrigen Thätigkeit anspornen, das Kolouisationswerk zu fördern. Vor elementarer Gewalt, vor heranbrausenden Fluthen oder prasselnden Flammen sucht man sich zu retten, wie immer, wohin immer.! Es kann sich nirgends schlechter leben, als unter der Keule von Mordbrennern und das Brod erbetteln zu müssen, das man gestern noch im Genüße des Wohlstandes, Andern gereicht! In dem culturell und industriell so vorgeschrittenen Böhmen dieselben grundlosen Verfolgungen, wie in dem uncivilisirten Rußland und in den uncultivirten galizischen Dörfern. Die Schuld daran tragen, die frühern Regierungen seit Taaffe bis Thun durch ihr Nichtsthnu, die vornehmen, gebildeten Kreise durch ihren Jndifferentismus, die Juden selbst durch ihre Wehrlosigkeit. Diese Verfolgungen gehören in der neuern Zeit zu allen Demonstrationen, wie die Fahne, die Fackel, das Vivat, das Pcreat. Im Unmuthe über eine mißliebige Verordnung oder in der Freude über einen erlangten Erfolg, zieht man zu den Häusern der jüdischen Mitbürger, da klirren die Scheiben, da krachen die Thüren, da gehen die Möbel in Trümmer und die Maaren nach allen Richtungen ter Windrose. Heute ein wohlhabender Mann, steht der arme Jude morgen als Bettler und zuweilen als Krüppel da, weil Badeni gekommen oder Thun gegangen! Lassen sich solche Zustände für die Dauer ertragen? Kann man unter dem Damoklesschwert ewiger Gefahr leben und arbeiten? Und für wen arbeiten? Für den trunkenen Mob, der uns nächtlicher Weile ausraubt! Darum muß mit allem Eifer dahin gewirkt werden daß für die unfreiwilligen Auswanderer der Weg nachAsien geebnet werde undsie im alten Laude unserer Väter ein neues gastliches Vaterlandfiuden. Sie wollen ja dort nicht die alte Herrlichkeit wieder erobern, sie wollen nicht den Salomonischen Tempel wieder aufbauen, sie wollen nicht die Gräber der Propheten und Stammväter unter ihre Obhut nehmen — sie wollen blos den jetzt sterilen Boden mit ihrem Schweiße düngen und im Frieden ihr Brod verzehren, das man ihnen hier mit roher Gewalt entwendet! Leo Herzberg-Fränkel. Komotau. Aus unserer Cultusgemeinde, welche seit ihrer Neuconstituirung im Jahre 1893 mit der Einführung der neuen Vorschriften zu thun hatte, und die derselben zugewiesenen aufgelösten Gemeinden an die neue Ordnung der Dinge gewöhnen mußte, war während dieser Zeit wenig zu berichten. Im Laufe der letzten Zeit jedoch traten besondere Umstände ein, durch welche nun ein regeres Leben in derselben entstehen und das erschlaffte Gefühl für das Gemeindeleben, sowie für das Judenthum insbesondere zu neuem Leben erwachen dürste. In aller Stille vollzog sich bei uns ein Rabbinerwechsel, indem Herr Rabbiner I. Weiß nach nahezu 56jähriger Thätigkeit als Religionslehrer und Rabbiner in den Gemeinden Eidlitz und Komotau, in den wohlverdienten Ruhestand trat und an seine Stelle Herr Phil. Dr. Carl Thieberger als Bezirksrabbiner berufen wurde. Herr Rabbiner Weiß wurde im Jahre 1844, an der damals bestandenen deutschen israelitischen Schule in Eidlitz als Unterlehrer und zwei Jahre darauf als Lehrer definitiv angestellt. Jnl Jahre 1858 erfolgte seine Bestellung als Religionslehrer am Obergymuasium und der damaligen Unter- und Oberrealschule sowie im Jahre 1864 als solcher an der Knaben- und Mädchenvolksschule zu Komotau und war derselbe in Oesterreich der erste israelitische Religionslehrer, der an einer öffentlichen Mittelschule angestellt wurde. Im Jahre 1868 erfolgte seine Ernennung zum Rabbiner in Eidlitz und im Jahre 1876 wurde er auch zum Rabbiner für Komotau ernannt. Vom Jahre 1870 bis 1897 versah derselbe die Matrikenführerstelle für die Gemeinde Eidlitz und später — 1878 — auch für Komotau. Sein Wirken als Lehrer wurde von seinen Vorgesetzten widerholt anerkannt und tourde ihm auch bei seinem Rücktritte vom Lehreramte, vom k. k. Landesschulrathe für Böhmen für sein ersprießliches 55jähriges Wirken als Lehrer die Anerkennung desselben ausgesprochen. Vor seinem Scheiden vom Amte wurde vom Cultusvorstande im hiesigen Tempel ein Gottesdienst abgehalten, bei welchem Herr Rabbiner Weiß von der Gemeinde, deren Lehrer er durch drei Generationen war, Abschied nahm und gab es wohl keinen in dem von Andächtigen dichtgefüllten Gotteshause, dem nicht besonders der letzte Theil seiner Rede, in welchem er den Segen Gottes auf die Gemeinde herabflehte, und deren Mitgliedern der 80jährige Greis seinen priesterlichen Segen ertheilte, seine Abschiedsworte tief zu Herzen gingen. — Trotz seines hohen Alters erfreut sich jedoch der Herr Rabbiner einer seltenen geistigen Frische, welche ihm noch recht viele Jahre beschieden sein möge. — Anschließend an diese Abschiedsfeier fand die Installation des neuen Rabbiners, Herrn Dr. Thieberger statt, welcher sich die Sympathien der Gemeindemitglieder bei seinem Probevortrage in dem Maße errungen hatte, daß, trotzdem sich 25 Bewerber um den hiesigen Rabbinerposten gemeldet hatten, von der Prüfung anderer Herren zum Probevortrage u. z. auf Verlangen der Gemeindemitglieder, vom Vorstande abgesehen wurde. Herr Dr. Thieberger hat es auch verstanden, während der kurzen Zeit seines Hierseins den Beweis zu erbringen, daß die in ihn gesetzten Erwartungen nicht ungerechtfertigt waren. Im Laufe der vergangenen Woche fanden in unserer Gemeinde die Neuwahlen in den Cultusgemeindevorstand statt und wurden die Herren: Dr. Deutsch, L. Bermann, B. Bloch, Gust. Epstein, Edm. Feldmann, Carl Gans, Dr. Goldmann, Dr. Hirsch, Jak. Hirsch, Dr. Hoffmann, Ernst Kohn, Jgn. Konirsch, Ludw. Konirsch Alb. Ritterund Dr. Straßer in den Vorstand, und die Herren: Herm. Hahn. Hugo Heller, Jak. Fleischer, Jos. Kann, Jak. Kohn und Jos. Löwi zu Ersatzmännern gewählt. Weiters wurden gewöhnt: In den verstärkten Vorstand die Herren: Abr. Beitler, E. Dubsky, C. Fürth, W. Gottlieb, Max Heller, Dan. Kohn, Eman. König, Dr. Kraus, H. Liebermanu, C. Löbl, Görkau, Alb. Neuschul. W. Prager. Ad. Ritter, Heinrich Samuel und Leopold Schiller; in die Umlagscommission die Herren: Alb. Heller, Siegs. Heller, Rud. Kohn, Sigm. Kohn, Ad. Konirsch und Ad. Ritter, und zu Cassarevisoren die Herren: Alb. Heller, Jos. Konirsch und Theodor Konirsch. Bei der hierauf durchgeführten Constituirung des Cultusvorstandes wurden die Herren I. U. Dr. Carl Deutsch zum Cultusvorsteher, Ludw. Konirsch zu dessen Stellvertreter, Gust. Epstein zum Cassier und Jak. Hirsch zum Schriftführer einstimmig gewählt. Zum Tempelvorsteher wurde Herr Edm. Feldmann einstimmig neu- und zu dessen Stellvertreter Herr Jgn. Konirsch wiedergewählt. Czernowih. (F e i e r l i ch e r G o tt e s d i e n st.) Am Dienstag den 31. October l. I. fand im Tempel der hiesigen Cultusgemeinde eine erhebende Feier statt. Aus Anlaß der für den 1. November angesetzten Beeidigung der Recruten der hierortigen Garnison wurde für die Recruten mosaischer Confession als am Vorabende ihrer Beeidigung im Tempel ein Gottesdienst veranstaltet, welcher mit einer trefflichen Predigt des Herrn Oberrabbiners Doctor R o s e n f e l d abschloß. Der Herr Obercabbiner setzte den versammelten Recruten die Wichtigkeit ihrer Dienstpflichten als Soldaten gegenüber dem erhabenen Monarchen, als dem obersten Kriegsherrn und unserem allverehrten Kaiser sowie gegenüber dem österreichischen Baterlande in markigen Worten auseinander und schärfte ihnen die Heilighaltung des von ihnen zu leistenden militärischen Diensteides ein. Diesem feierlichem Gottesdienste, bei welchem die Cultus- Gemeinde durch den Herrn Präses kais. Rath Naftali Titt i n g e r, den Präses-Stellvertreter Herrn B a l t i n e st e r und andere Mitglieder der Cultusgemeinde-Vertreiung repräsentirt wurde, wohnten auch mehrere Herren Stabs- und Oberosficiere der hiesigen Garnison aller Waffengattungen bei, welche sich über den Verlauf dieser schönen religiösen und zugleich überaus partriotischen Feier besonders anerkennend aussprachen. Berlin, den 13. November. In dem Witzblatt „UM* hat vor einiger Zeit ein Gedicht gestanden, daß das Urtheil von Rennes zum Gegenstand hatte. Durch die „Kreuzzeitung" haben wir dieses Gedicht kennen gelernt. Es mißfällt uns im höchsten Grade und in jedem Betracht. Wir können nicht sagen, welchen häßlichen, widerwärtigen Eindruck es auf uns gemacht hat. Der Verfasser soll ein jüdischer Mann sein. Ist das zutreffend, so bedauern wir die Abfassung und Veröffentlichung des Gedichtes

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