Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-11-17 · 46 (17.11.1899) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
46 (17.11.1899)
Date
1899-11-17
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3020846-3021277-3021324--09374-3033800
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 876 Vr- Blvch's Vvchenjchrist« Nr. 46 Jetzt blüht in Australien vorzüglich die Viehzucht, und die Beschäftigung damit wäre für die jüdischen Colonisten eine geeignete Vorbereitung für den Uebergang zur Landwirthschaft. Aber auch Handel und Industrie bieten dort günstige Chancen, mehr als in Palästina. Daß sich der Ausführung meines Planes manche Schwierigkeiten entgegenstellen, daß namentlich sehr bedeutende Geldmittel erforderlich sind, das weiß ich. Aber ohne Geld wird man auch in Palästina nichts ausrichten, und die Schwierigkeiten und Gefahren sind in Palästina größer. Somit habe ich den Wunsch des Herrn Steiner erfüllt und ihm das Gebiet genannt, das der jüdischen Colonisation die verhältnißmäßig günstigsten Chancen bietet. Für mich ist damit die Polemik beendet. An den Zionisten ist es die Unausführbarkeit meines Planes zu beweisen, oder, wenn sie dies nicht können, sich zu ihm zu bekehren. Den Namen Zionisten können sie immerhin behalten uqd die Hauptstadt des Judenstaates könnte mau Neu-Jerusalem nennen. Auf den idealen Besitz des heiligen Landes brauchen wir auch nicht zu verzichten. Fromme Juden werden auch ferner, wie seit Jahrhunderten, nach dem gelobten Lande ziehen können, um an der Westmauer des Tempels zu weinen. Wenn sie aber dann ihren Blick von diesen Ruinen zur prachtvollen Omar-Moschee, zu den großartigen Klöstern der Christen wenden, dann wird es ihnen ein Trost sein, sich zu erinnern, daß sie Daheim in Neu-Jerusalem nicht blos einen schöneren Tempel, sondern auch ihr eigenes, jüdisches Parlamentsgebäude haben. Und die in Europa zurückgebliebenen Juden werden auch eine beffere und geachtetere Stellung haben, wenn der Judensta?t in Australien ihnen einen Rückhalt bieten wird. Mit dem Fortschreiten der Naturwissenschaften, mit der Verbesierung der Verkehrsmittel wird uns auch der fünfte Welttheil immer näher rücken. — M. L. (Korrespondenzen. Wieu. (Aus der Plenarsitzung des Vorst andes der israelitischen Cultus gem eind e vom 12. November 1899. An Spenden sind eingelaufen: Von Herrn Alois Reich anläßlich des Ablebens seiner Gattin fl. 200 für Arme. Von Herrn Ignatz Mandl zu Gunsten der geplünderten Juden in Holleschau und Wsetin fl. 100. Bon Herrn Sigmund Mandl zu Gunsten der geplünderten Juden in Holleschau und Wsetin fl. 200. Bon Herren Lieben & Cie. zu Gunsten der geplünderten Juden fl. 500. Von Herren Max und Wilhelm Heller für die ausgeplünderten Holleschauer Juden fl. 50. Von Herrn S. Kohnberger fl. 200 für einen von ihm namhaft gemachten Zweck. Von Herrn Maximilian Haas aus Anlaß des Ablebens seiner Schwester, Frau Laura Griebsch, für Arme fl. 100. Von Herrn Filipp Frankl für Arme fl. 100. Von einer Dame „Anonym" für einen armen Studenten fl. 5. Von einen Ungenannten durch Herrn k. R. Dr. Lieben für Arme fl. 5. Die Entnahme aus den Sammelbüchsen im Tempel des II. Bezirkes ergab: für die Armenanstalt fl. 17.40, für die Chevra Kadischa 17.05. Im Präsidialberichte erwähnt der Präsident der jüngst abgehaltenen zwei Enqueten mit den Höchstbesteuerten, bei welchen er Gelegenheit genommen, ein Bild der finanziellen Lage der Gemeinde zu entwerfen. Er halte dafür, daß diese Besprechungen im eminenten Interesse der Gemeinde liegen und begrüße es dankbarst, daß sich bei denselben gezeigt habe, daß viele unserer in hervorragendster Stellung befindlichen Glaubensgenossen den Contact mit dem Vorstande nicht außer Acht lassen und nicht bekennen, daß der Vorstand unter den schwierigsten Verhältnissen seinen großen Aufgaben nach Zulänglichkeit der vorhandenen Mittel gerecht zu werden bemüht sei. (Zustimmung). Der Präsident nimmt sohin Anlaß, seinem lebhaften Bedauern über die Erkrankung des Herrn Rabbiners Breuer Ausdruck zu geben. Hieran anknüpfend referirt Herr Vice- Präsident Dr. Gustav Ko h n über den Antrag der Vertreter- Collegiums den zum Mitgliede des Rabbinats-Collegiums designirten Rabbiner M a y e r s o h n zur Aufnahme seiner Thätigkeit als Rabbinats-Assessor in diesem Collegium einzuberufen. Der Antrag wird angenommen. Vertreter Herr Dr. Steiner beantragt namens des Vertreter-Collegiums unter ausführlicher Motivirung insbesondere unter Hinweis auf hygienische Rücksichten, die Verlegung der bisher im IV. Stockwerke des Hauses I., Seitenstettengasse 4 . befindlichen Religionsschule in.das II. Stockwerk des Nachbarhauses I., Seitenstettengasse 2. Nach längerer Debatte, während welcher von mehreren Vorstehern, insbesondere von Herrn Director Simon, in der eindringlichsten Weise die unbedingte Nothwendigkeit dieser im Principe längst beschlossenen Verlegung betont wurde, wird der Antrag des Vertreter-Collegiums angenommen. Die aus der Isidor und Cecilie Kulka'schen Stiftung resultirenden Zinsenreste per fl. 219.19 werden über Antrag des Vertreter-Collegiums der Talmud-Thora-Schule, II., Malzg. 16) zur Verwendung im Sinne des betreffenden Stiftbriefes für Schulzwecke übermittelt. Herr Religionslehrer Nathan Vogel wird über Antrag der II. Section zum definitiven Religionslehrer ernannt. Nach Erledigung von Personalien wird die Sitzung geschloffen. Miletin. In diesen für die Juden Böhmens und Mährens so trüben Tagen, ist es ungemein erfreulich, wenn ein katholischer Geistlicher antisemitische Ausschreitungen verdammt und als unchristlich verurtheilt. Unser Pfarrer Herr Philipp Schubert, ein Muster eines Seelenhirten, hat dies von der Kanzel herab gethan, und seine Zuhörer zur Friedfertigkeit und Besonnenheit gemahnt, da Verfolgungen Anderer zu nichts Gutem führen können, gleichviel aus welchem Grunde sie erfolgen. Auch der hier weilende Fürst S ch ö n b u r g ist wie sein in Gott ruhender Vater wahrhaft liberal und jede Unduldsamkeit ist ihm fremd. Diesen beiden Herren und dem Bürgermeister Herrn Franz Pe Len ko, der sich mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln bemüht, Ruhe und Ordnung zu erhalten, ist es danken, daß Excesse im Keime erstickt wurden und gegen Ruhestörer mit. der..Strevge, ,deA Gesetzes.vorgegangen, wird—....... ............. Pisek. In der Debatte über die Ruhestörungen in Mähren, welche am 10. d. M. das Parlament fortgesetzt, hat der Mechaniker S. die Behauptung aufgestellt, daß der verstorbene Gras Julius Andrassy auf eine Frage erklärt habe, der Fall Tisza-Eszlar sei erwiesen. Ob nun diese neueste Erfindung des Mechanikers von irgend einem Naturforschervereine als preiswürdig bezeichnet werden wird, wissen wir nicht und kümmert uns auch sehr wenig, nur das eine wollen wir hier erwähnen, daß der berühmte Spanier Emilio Castelar über den Tisza-Eszlarer Fall anders dachte. In der spanischen Zeitschrift „El Dia“ vom 30. Juli 1883 schrieb er: „Welcher Wahnsinn hat die Völker des Nordens und des Orients erfaßt und sie vom Wege der Civilisation zurückgedrängt in die barbarischen Zeiten der religiösen Verfolgungen. Wäre es wahr, daß die Natur den Continenten wie den Völkern, und den Völkern wie den Individuen unvermeidliche Epochen und Perioden gewiesen habe, deren Einfluß sie sich nicht entziehen können, und daß unser Europa in Altersschwäche und Verfall gesunken sei? In Ungarn hat ein außerordentlich interessanter Proceß begonnen. Er ist ein Scandal für unser Jahrhundert und eine Schmach für ein civilisirtes Volk. Zeitungen von großer Verbreitung, zahlreiche Gesellschaften von wirklicher Bedeutung, Männer von hervorragendem Einflüsse und Deputirte der Kammer fachen den Aberglaube an und unterstützen alle diese Ungeheuerlichkeiten. Wir erheben unsere Stimme, um diesen, die da so irren, zu sagen, daß sie nich" gegen ihr eigenes Gewissen von dem Wege der Civilisation abirren mögen, und daß es keine Entschuldigung und keine Verzeihung gibt, weder im Gewissen, noch in der Geschichte, für diese furchtbare Apostasie vom Recht und diesen Rückfall i n d i e Barbarei". Die Ungarn sind aber auch thatsächlich bald zur Besinnung, gekommen, haben die Ueberzeugung gewonnen, daß durch Judenhetzen, die durch Verbreitung falscher, lügenhafter, blutrünstiger Märchen ein Reich nicht vorwärtskommen kann. Die Juden genießen dort die Ruhe, erfreuen sich der allgemeinen Achtung, und Werthschätzung und in Folge dessen erfreut sich aber auch das schöne Ungarland der herrlichsten Blüthe an Prosperität. ' Dr. Fr.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.