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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-11-17 · 46 (17.11.1899) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
46 (17.11.1899)
Date
1899-11-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 46 Dr. Bloch's Mvchrnfchri^ Seite 871 Conflicte mit England eine streng neutrale Haltung einzunehmen beschlossen. Dadurch wird es vielen Oesterreichern möglich, ihre Stellungen beizubehalten, und auch die Requirirungen, namentlich von Pferden treffen sie nicht oder wenigstens nicht so hart wie die Uebrigen. Gegenwärtig herrscht im Bureau des Hilfsvereines ein beständiges Kommen und Gehen. All jenen Landsleuten, welche flüchten wollen und mittellos sind, verschafft der Verein freie Beförderuug bis an die Grenze oder selbst bis zu einem Hafen, und der Präsident, welchem in opferwilliger Weise sein Secretär, der österreichische Reserve-Lieutenant Wolf, zur Seite steht, hat tagsüber die Häude voll zu thun. Von der Boers-Regierung, wie schon erwähnt, in die Polizei-Commission berufen, welche für den Fall des Krieges die Polizeigewalt ausüben wird, hat Herr Epler ein österreichischungarisches Polizeicorps formirt und in dasselbe 120 Landsleute eingereiht, die, unter seinem Cvmmando stehend, die Herren Wolf, Schmidt und Bulich zu ihren Officieren wählten. Die Mannschaft dieses Corps, welches von der Regierung beeidet wurde, erhält nebst Bekleidung und Wohnung eine tägliche Löhnung von 15 Schillingen (gleich 9 fl.) per Kopf, die Unterofficiere 1 Pfd. St. (gleich 12 fl.), die Officiere 1% Pid. St. (gleich 18 fl.). Sie sind blos zum Sicherheitsdienste auf den Goldminen und in der Stadt Johannesburg verpflichtet und es wurde ausdrücklich festgesetzt, daß sie nicht verhalten werden können, gegen einen mit Oesterreich-Ungarn befreundeten Staat zu kämpfen. Das Corps hat sich übrigens mit Zustimmung des deutschen Consuls in Johannesburg unter dessen Schutz gestellt. Nach, erfolgter Beeidigung durch die Behörden ließ Herr Epler das Corps antreten, um demselben in zu Herzen gehenden Worten den Ernst der Situation darzulegen und den Mitgliedern des Corps das Versprechen abzunehmen, daß sie den guten .Ruf, den sich unsere Landsleute in Transvaal erworben haben, auch in der gegenwärtigen sorgenvollen Zeit wohl hüten werden. In einer am 2. d. im„Grand National Hotel" zu Johannesburg unter dem Vorsitze Herrn Epler's abgehaltenen Versammlung wurde einstimmig beschlossen, alle zum Schutze der Personen und des E?genthums nothwenvigen Maßnahmen dem Präsidenten des Hilfsvereines zu überlassen und diesem den Dank für seine uneigennützige, wahrhaft partriotische und menschenfreundliche Handlungsweise auszusprechen. Aus Brünn wird uns gemeldet: Der Vorstand der Station Brünn der Kaiser Ferdinands-Nordbahn, Herr kaiserlicher Rath Herman Epler, dessen Sohn Adolf bereits seit einigen Jahren in Transvaal, und zwar in Johannesburg als Director und Commanditär an Minenwerken weilt, hat von demselben dieser Tage ein vom 8. October l. I. datirtes Schreiben erhalten, worin er nach einem Hinweise auf den Ernst der Lage — es war knapp vor dem Ausbruche des Krieges — schreibt: „Wie bei allen ernsten Lagen eine gewisse Komik zu finden ist, lache ich heute über mich, der ich als Capitän Epler in Uniform, mit Säbel, Revolver und Sporen beim Tisch sitze uud schreibe; im anderen Zimmer mein Adjutant und im Vorzimmer eine Ordonnanz. Daß ich auf meine „alten Tage" noch Soldaten spielen werde, habe ich mir bei meiner Assentirung in Lundenburg auch nicht träumen lassen. Ich bin von der Regierung in die Polizeicommission berufen worden, die ein aus 500 Mann bestehendes Corps zur Bewachung der Minen gebildet hat und ich bin einer der drei Commandanten. Meine Leute habe ich mir aus 120 Oesterreichern und Ungarn zusammengestellt, auf die ich mich nicht allein verlassen kann, sondern denen ich auch einen guten Dienst leistete, da die Leute gut bezahlt sind; es erhalten die Mannschaft 9 fl., Unterofficiere 12 fl. per Tag. Die Mittel hiezu wurden in der Höhe von 30.000 Pfund Sterling von den einzelnen Minen aufgebracht. Gefahr ist auch nicht dabei, nur bin ich den ganzen Tagen im Sattel, was aber in einigen Tagen auch nicht nothwendig sein wird, sobald Alles im richtigen Gange ist. Ihr seht also, es geht mir noch ganz gut. Tausend Küsse rc . . . Adolf Epler." Aus Rußland. Vor dem Friedensrichter in Lutchinetz, Gouvernement Podolsk ist folgende Angelegenheit verhandelt worden: Qberstlieutenant der Reserve Witkowsky erklärte eines Tages in Gegenwart eines Juden, Namens Margulis, daß alle Juden Gauner wären. Margulis erwiderte Witkowsky, daß, wenn man Händel mit einer Person hätte, man nicht das Recht habe, diese Angriffe zu verallgemeinern, und die Gesammtheit dafür verantwortlich zu machen. Der Oberstlieutenant erging sich darauf in Angriffen gegen Margulis und drohte, ihn zu schlagen. Dieser letztere reichte Klage ein. Der Vertheidiger des Officiers sagte in seinem Plaidoyer, daß es kein Vergehen sei, die Juden zu beleidigen; lese man nicht täglich in den öffentlichen Blättern die heftigsten Angriffe gegen die Juden, ohne daß diese Blätter verfolgt werden? Der Friedensrichter hat dies Raisonnement nicht zugelassen, indem er sich auf den Artikel 139 des Codex stützte und verurtheilte Witkowsky zu 10 Rubel oder 3 Tagen Gesängniß. Arischer Blutaberglaube. In der Kraffoszoerenyer Gemeinde K r a s s o v a begaben sich ganze Gruppen abergläubischer Rumänen auf den Ortsfriedhof, wühlten die Gräber der an gewissen Tagen Verstorbenen auf, um die in der Ortschaft wüthende Diphtheritis-Epidemie zu beschwören. Die fanatisirte Menge zerstückelte die Leichname und schaufelte dann die Gräber wieder zu. Die Gendarmerie brachte sechzehn Grabschänder gefesselt in das Oraviczaer Bezirksgericht. Deutschthümelnde Antisemitenmoral. In dem Beiblatt der von Friedrich Lange herausgegebenen „Deutschen Zeitung", der „Deutschen Welt", findet sich ein Artikel, der mit cynischer Offenheit die lasterhafte Gewohnheit des Spiels in manchen Kreisen des Adels, des Militärs und der hohen Beamtenschaft in Schutz nimmt. Der edle Herr kommt noch einmal auf den Proceß der Harmlosen zu sprechen und drückt seinen Aerger darüber aus, daß nicht nur die bösen socialdemokratischen und fortschrittlichen Blätter, sondern auch die „Köln. Ztg." und der „Dümmling" des „Deutschen Adelsblatt" ihr Bedauern über solche sittliche Verirrung in den Kreisen des jungen Adels, aus denen später die höheren Regierungsbeamten hervorgehen, Ausdruck geben. Nach der „Deutschen Welt" soll man solche Spielaffairen vertuschen und nicht officiell gerichtsseitig in die Oeffentlichkeit zerren, denn die „Lust am Wagniß" dient diesen jungen Leuten zur Entschuldigung. Wenn man so fortfahre, die kleinen Sünden der tonangebenden Classen öffentlich zu discutiren, so würde unser ganzes öffentliches Leben unaufhaltbar auf den Jammerton der Plebejerei gestimmt werden. „Es gilt — so sagt das Blatt wörtlich — den aristokratischen Gedanken, daß Führer und Geführte nicht einerlei Maß, nicht einerlei Beruf und Pflicht haben, bewußt und straff emporzuhalten." Herr v. Kayser, Herr v. Kroecher und Herr v. Schachtmeyer als Führer des deutschen Volkes in den Himmel gehoben, das ist die neueste Blüthe „teutschen" Wahnsinns, der in der großen arbeitenden Menge nur eine Heerde sieht, welche sich den sittlichen Forderungen der Cultur und Religion fügen soll, während die kleinere Gruppe des Adels sich ruhig über diese Forderungen hinwegsetzen kann, da sie unantastbare, wahrscheinlich direct von Gott eingesetzte Führer des Volkes sind. Es ist charakteristisch, daß ein Blatt, das solchen Grundsätzen in cynischer Offenheit huldigt, sich als besonderer Hort des Deutschthums aufspielt! Jüdische Tabakpflanzer. Die Ackerbaukrisis, die seit einigen Jahren in Podolien herrscht, hat die jüdischen Colonisten auf die Idee gebracht, den Anbau von Getreide aufzugeben und Tabakpflanzungen anzulegen. Anfangs wurden sie von den Bauern verspottet, die das Land wie zuvor zu bebauen fortfuhren. Trotzdem machten die jüdischen Anpflanzungen Fortschritte, da ihre Eigenthümer ja auch Erfahrung besaßen, die ihren Bauern fehlte. Sie wissen günstigen Boden zu wählen, die Pflanzungen gegen schädliche Jnsecten zu schützen. Unglücklicherweise haben sie mit gesetzlichen Schwierigkeiten betreffs der Ausbreitung ihrer Industrie zu kämpfen. Die Gesetze über Pacht, Eigenthum hindern nicht nur die jüdischen Ackerbauer, ihre Pflanzungen auszudehnen, sondern auf dem Gebiete selbst, wo sie arbeiten, sind die Juden oft der Gnade der Beamten ausgefetzt. Esterhazy an seinen Neffen Christian. Wie wir bereits berichtet haben, ist der Liebling des Herzogs von Orleans, der famose Commandant E st e r h a z y, wegen Betruges zu drei Jahren Gefängniß verurteilt worden weil er seinem Neffen C h r i st i a n den Betrag von 33.000 Francs unter der Vorspiegelung herauslockte, daß er das Geld beim Bankhause Rothschild fruchtbringend anlegen werde, während er es in der That für sich verwendete. Wie er mit seinem armen Neffen umging

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