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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-11-17 · 46 (17.11.1899) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
46 (17.11.1899)
Date
1899-11-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 870 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 46 den Juden in Wien eine eigene Telegraphenverbindung hergestkllt wurde, damit die Herren Juden von jedem Worte das gesprochen wurde, directe verständigt wurden, ohne daß die Außenwelt, auch nicht einmal die Behörde, etwas erfahren konnte. Soll es einmal ein Christ verlangen! Ich frage Sie, meine Herren Minister, ob Sie ihm dies gewähren würden! Ich glaube nicht. Nun, der Ritualmord wurde in Tisza-Eszlar zur Evidenz erwiesen. Dennoch wurden die Schuldigen freigefprochen." Selbstverständlich ist die Geschichte mit „der eigenen Telegraphenverbindung zwischen Nyiregyhaza und den Juden in Wien" eine hirnverbrannte Lüge. Herr Schneider konnte sich davon bei der Post-- und Telegraphenbehörde überzeugen, denn Telegraphenverbindungen können nicht heimlich errichtet werden. Zur Zeit jenes Processes war nicht „der Jude Gutmann", sondern Herr Josef Ritter von Wertheimer Obmann der Wiener israelitischen Allianz. Nach dem stenographischen Protokoll, S. 717, citirte Herr Schneider: „Außer den Geboten und Gesetzen, die die heilige Schrift enthält, schreibt uns die Religion noch Gebote vor, die sich aus der Tradition (lebhafte Hört! Hört!-Rufe) sortgeerbt Habel.". Auf Seite 83 der israelitischen Glaubens- und Pflichtenlehre, Leitfaden beim Religionsunterricht der israelitischen Jugend von Leopold Bräuer, fünfte Auflage, 1876, Wilhelm Braumüller — notabene diese beiden Lehrbücher sind von der Behörde approbirt — steht im § 4 (liest): „Das Judenthum erkennt daher neben dem geschriebenen Gesetz in der Thora noch eine von Moses herrührende, mündliche Ueberlieferung oder Tradition an, welche das geschriebene Gesetz erläutert und die näheren Bestimmungen für diese Uebungen angibt". (Hört! Hört!) Und auf Seite 84 finden Sie, wie seit dem zweiten Jahrhundert nach der „üblichen Zeitrechnung" — natürlich in einem solchen Buche darf das Wort „christlich" nicht sein, wir Menschen sagen „nach Christi Geburt" — ausdrücklich Folgendes dargelegt wird. Ich werde das mit Erlaubniß des Herrn Präsidenten vorlesen. (Präsident gibt das Glockenzeichen.) Es find ja nur soviel Zeilen. Präsident: Aber das gehört doch nicht zur Sache. Abgeordneter Schneider: Herr Präsident, haben Sie mit mir die Nachsicht, wie mit anderen Herren, ich bin ja auch nur ein Christ. (Lebhafte Heiterkeit. — Fortfahrend): „Alle von den Sofrim und Synhedrien ausgehenden gesetzlichen Bestimmungen und Verordnungen wurde bis gegen das Ende des zweiten Jahrhunderts nach Beginn der üblichen Zeitrechnung durch Uebung und durch mündliche Ueberlieferung in den Schulen von Geschlecht zu Geschlecht fortgepflanzt. Das Aufschreiben derselben war sogar als gesetzwidrig verboten. (Rufe: Aha!) Als aber der Stoff sich um diese Zeit zu sehr gehäuft hatte", es sind nämlich eine große Menge Juden gekommen, die alle erzählt haben, mir hat mein Vater dies und dieses Geheimniß mitgetheilt, was er von seinem Großvater und Urgroßvater erfahren hat u. s. w. bis zu einem Vorfahren, dem es zum Schluß der Moses selbst auf dem Berge Sinai gesagt hat (Heiterkeit), so haben sie es für zweckmäßig befunden, eine große Anzahl von solchen Vorschriften zu sammeln und schriftlich niederzulegen". In dem citirten Lehrbuch heißt aber: „Das Ausschreiben derselben war sogar als gesetzwidrig verboten. Als aber um diese Zeit der Stoff sich sehr gehäuft hatte, und die Gelehrsamkeit in Palästina durch die Verfolgungen, welche die Juden überhaupt und insbesondere die Gesetzlehre von dem römischen Kaiser Hadrian zu erdulden hatten, abzuuehmen anfing, da unternahm es der damalige Patriarch, Oberhaupt der gesammten Judenschaft, Rabbi Jehuda ha-Nassi, alle traditionellen gesetzlichen Bestimmungen zu sammeln und niederschreiben. Diese Sammlung des mündlichen Gesetzes nennt nran Misch na." Herr Schneider fälschte somit das Wort: „Alle" und verwandelte es in „eine große Anzahl", um glauben zu machen, die Juden hätten geheime Traditionen, die nicht schriftlich existiren. Damaskus und Holleschau! Aus Beyrouth wird uns geschrieben: Beyrouth, welches ja bekanntlich der Hafen von Damaskus ist, wo sich das allen waschechten Ariern wohlbekannte Ritual mordmärchen an den Kapuziner-Pater Thomas im Jahre 1840 zugetragen haben soll, bietet umsomehr Stoff zur Bewunderung, da sich folgende Episode im hiesigen Kapuzinerkloster zutrug: Bei einem jüngst stattgefundenen Requiem, zum Gedächtnisse von Madame Ronzevale, welchem alle hiesigen Notabilitäten ohne Unterschied der Confession, ebenso auch alle Consularvertreter beiwohnten, besorgte ganz unentgeltlich den musikalischen Theil des Requiems ein ausschließlich jüdisches Orchester, Liebermann aus Oesterreich. Die Pointe jedoch davon ist, daß ein in hiesigen Kreisen wohlbekannter Musiker. Kapuziner-Pater Alphonse, den Orgelpart übernahm. Ein Kohn U! der jedoch seinem angestammten Glauben treu geblieben ist — dirigirte! In gebildeten Kreisen hier, seien es nun Arier oder Semiten, wird allgemein die Frage aufgeworfen, was für Confession eigentlich den musikalischen Theil des Requiems für die in Holleschau, Wsetin rc. Gefallenen übernehmen wird. — Jedenfalls dürfte dort nicht dieselbe Toleranz herrschen, da Europa bekanntlich feine Civilisation vom Osten geerbt hat. Die Nothwendigkeit der Revision des Polnaer Prozesses. Prozessor Dr. M a s a r y k wurde wegen Herausgabe der diese Ueberschrift tragenden Broschüre, welche bekanntlich der Confiscation verfiel, von einem Theile der czechischen Presse heftig angegriffen. Der „Czas" veröffentlicht nun eine Darlegung Professor Dr. Masary k's, in der es heißt: „Es handelt sich mir nicht um Gott weiß wie schlaue Rechtsformalitäten. Den Polnaer Proceß kann und muß, soll die Institution der Geschwornen nicht unmöglich werden, Jeder verurteilen, der zu denken vermag. Es handelt sich aber auch nicht um eine Sache der ruhigen Logik, sondern um eine Angelegenheit unseres czechischen Gewissens, und dies bäumt sich in mir wegen des Polnaer Processes und seiner Folgen auf. Ich begreife die ehrliche Erregung Derjenigen, die im Vertrauen auf ihre intellektuellen Führer, an den Ritualmord glauben und in ihrem Innern wegen des Polnaer Mordes erbittert sind, aber gerade deswegen verlange ich von diesen intellektuellen Führern, daß sie mir das Recht der freien Meinungsäußerung nicht schmälern, umsomehr, als ich nicht ins Blaue gedacht habe. Am allerwenigsten lasse ich mich jedoch in diesem Augenblicke durch Anschuldigungen und Denunciationen einschüchtern, die in erster Linie ihre Urheber, aber auch die großen Müssender Leser charakterisiren, denen seitJahren so l. che Niederträchtigkeiten vor gesetzt werden dürfe n." — Sonntag Mittags erschienen vor der Wohnung des Professors M a s a r y k etwa h u n d e r t c z e ch i s ch e Studenten und brachten dort Hanba- und?ereat-Rufe auf denselben aus. Die Demonstration wird mit der Broschüre Masayk's über die Nothwendigkeit einer Revision des Kuttenberger Mordprocesses in Verbindung gebracht. — Für die Broschüre des Professors Dr. M a r s a r y k über die Polnaer Angelegenheit leidet zunächst seine Tochter. Die junge Dame, die an der czechischen Universität in Prag Medicin hört, wurde Samstag, wie „Pcavo Lidu" berichtet, von den czechischen Studenten im Hörsaale i n s u l t i r t und mußte weinend den Saal verlassen. Capitiin Adolf Eplcr. In Ermanglung einer österreichischen Consularvertretung in Transvaal, ist der seit zehn Jahren bestehende österreichischungarische Hilfsverein in Johannesburg der Stützpunkt aller unserer in Transvaal lebenden Landsleute, und der langjährige Präsident des Vereines, Herr Adolf Epler — der Vater der Oesterreicher, wie man ihn allgemein in Johannesburg nennt — deren Rathgeber in allen Fragen persönlicher und geschäftlicher Natur geworden. Die Berufung Herrn Epler's in die Polizei-Commission und seine kürzlich erfolgte Wiederwahl in die Executive der Chamber of Mines zeugen für das hohe Ansehen, welches der Präsident des Hilfsvereines sowohl in Regierungsals Jndustriekreifen genießt und seinem Einflüsse haben es in den letzten Wochen nicht weniger als 65 arbeitsuchende Oesterreicher und Ungarn zu danken gehabt, daß sie auf die eine oder andere Art in Transvaal Beschäftigung fanden. Herr Epler hat es bei seinen Landsleuten durchgesetzt, daß sie gegenüber dem

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