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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-11-17 · 46 (17.11.1899) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
46 (17.11.1899)
Date
1899-11-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 46 Vr. Bloch's Wochenschrift. Seite 869 Rechnung tragenden, aufdrücken möchte, Ereignisse möglich waren, wie sie sich in Mähren und seither auch, wenn auch in geringerer Intensität, in Böhmen kund gegeben haben. Der Andere aber hat mit der ihm eigenen Klarheit und Wahrheit dem Kinde den rechten Namen gegeben, indem er offen sagte, daß die von Regierungswegen geduldete, Tag für Tag nun in die Erscheinung tretende und doch nie gesühnte Verletzung des Strafgesetzes, das zwar Beleidigung von Religionsgenoffenschasten und Nationen verbietet, aber nie zur Anwendung gebracht wird, wenn es sich um die Religion der Juden handelt — vide die Lüge vom Ritualmord — oder wenn ihre bürgerliche Stellung, ihre staatlichen Rechte, ihre Menschenrechte — vide die gesammte Antisemitenhetze — in Frage gestellt wird. Er hat damit den Nagel auf den Kopf getroffen und so lange wir nicht eine Regierung haben, welche dem Gesetze in jeder Richtung Achtung verschaffen will und zu verschaffen weiß, und rücksichtslos gegen jeden vorgeht,^der das Gesetz verletzt, nicht blos wenn es sich um eine Achtungsbezeigung vor einem katholischen Priester in Ausübung seiner Religion handelt, sondern auch dann, wenn anderthalb Millionen von Staatsbürgern einer Rotte gedunger Ehrabschneider, fanatisirender Hetzkapläne oder berüchtigter Stampiglienfälscher Preis gegeben wird, damit an dem Feuer, das sie an die Judenhäuser anlegen, jene politischen Parteien sich ihre Kastanien braten, welche diesen Staat aus einem modernen Rechtsstaat in einen mittelalterischen Kirchenstaat umwandeln möchten, — so lange wird es dem Abgeordnetenhaus an solchen Debatten nicht fehlen, die weder ihm zur Ehre noch dem Staate zum Bortheile gereichen. Nicht zur Ehre, denn es zeigt sich wie tief gesunken das Moralgefühl bei so manchem Abgeordneten ist, der es nicht empfindet, wie sehr er sich und sein Volk herabsetzt, wenn er Raub und Brandstiftung als unschuldige Vergnügungen der ihr Müthchen kühlenden Menge betrachtet und nicht verdammt; nicht zum Vortheile, denn die fanatisirte Menge wird ja doch nicht Halt machen vor dem armseligen Judenläden und wenn sie straflos ihre Hände in fremdes Eigenthum stecken darf, wird sie bald keinen Unterschied zwischen jüdischem und nichtjüdischem Eigenthum machen. Wohl hat die Regierung durch den Mund des gerechten" und wohlwollenden Ministers Dr. Ernst v. Körb er versichern lassen, daß sie den Ausschreitungen nicht nur entgegentreten, sondern sie verhindern werde, insolange wir aber nicht derartige Thaten auf allen Gebieten der Rechtspflege sehen, daß hieraus der Wille dem Gesetze volle Geltung zu verschaffen für Jedermann erkennbar hervortritt, können wir uns mit den Worten allein nicht zufrieden geben. Nicht die Militäranwendung, sondern die Gesetzesachtung fordern wir und diese allein kann die Störung in der Rechtsordnung beseitigen, das gesunkene Rechtsbewußtsein wieder heben und die Pflicht denjenigen nachdrücklichst einprägen, die bis jetzt hohnlachend und straflos sich ihr entziehen durften. Die anderen Abgeordneten wußten wohl viel von Nationalitätenrecht und Militärübergriffen zu reden, allein „vom Rechte, das mit uns geboren", war bei ihnen keine Rede. Am meisten enttäuschten wohl die Socialdemokraten, die statt eines mächtigen Appells zur Wahrung der Menschenrechte mit den kleinlichsten und oft sogar mit grundfalschen Details sich abgaben und den Juden Borwürfe machten, die völlig grundlos waren. Am wenigsten überrascht hat der Abgeordnete für Sechshaus. Daß er nichts als Lügen vorbringt, das mußte man doch erwarten, daß aber Abgeordnete — den Freund und Spielgenoffen des Herrn Purscht ausgenommen — ihm die Hände drücken, das ist allerdings beschämend, nicht nur für sie, sondern mehr noch für ihre Wähler. Verdient das Verhalten der Antisemiten Verachtung, so müßte man eigentlich mit den Czechen Mitleid haben, daß ihre nationale Verblendung sie so urtheilsunfähig macht, daß sie nicht erkennen, sie seien nur Werkzeuge für die Zwecke der Ultramontanen und Feudalen, die man heute gegen Juden und Deutsche, morgen gegen die freiheitlichen Elemente ihrer eigenen Nation verwenden wird. Die Czechen waren schon einmal die Todtengräber von Recht und Freiheit und uneingedenk aller Erfahrungen geben sie sich wieder dazu her, unter dem Vorwände ihrem Götzen Nationalität zu dienen, die Freiheit zu unterdrücken. Sie graben selbst ihr Grab und sehen es nicht und deshalb verdienen sie Mitleid. A. Wiener. Vom Jahrmarkt des Lebens. Infame Lügen von der Tribüne des Parlamentes. Meister Stampiglius hat letzten Freitag im Parlamente gesprochen und der Inhalt seiner Rede war ein Conglomerat alter längst widerlegter, gerichtlich gebrandmarkter gemeiner Lügen. Er producirte die Lügen des „RabbiMoldava" des famosen Dr. Ecker, des Meineid-Canonicus Rohling, des Renegaten Drach. Und nachdem diese Lügen bereits eine gerichtliche Würdigung erfahren haben, sind wir der Aufgabe enthoben, sie einer neuerlichen Charakterisirung zu unterziehen. Herr Schneider hat aber auch eine Anzahl von Lügen neuer Prägung producirt und diese Lügen und Fälschungen, welche sein Eigenbau sind, müssen hier festgenagelt werden. Nach dem stenographischen Protokoll S. 716 hat Herr Schneider wörtlich gesagt: „Da hat sich nun Folgendes ereignet. Pater Thomas, ein Kapuziner, kommt in die Judenstadt zum Kaufmanne Hanani, einem reichen Juden; er wird von diesem ermordet. Das Blut wird gesammelt. Die Sache kommt jedoch auf; bei der Gerichtsverhandlung sind die Juden geständig, daß ein Großrabbiner gekommen sei und ihnen gesagt habe, daß sie zu Ostern Christenblut haben müssen. (Lebhafte Rufe: Hört! Hört!) Wie nun alles constatirt war, wurde versucht, mit Unsummen die Behörden zu bestechen. Aber, hören Sie Herr Justizminister, die türkischen Behörden (mit erhobener Stimme) die türkischen Behörden waren ehrlich, diese haben sich nicht bestechen lassen, (Heiterkeit und Rufe: Hört! Hört!) Erst dann, meine Herren, als Cremieux im Aufträge der „Alliance israelite universelle“ mit großen Summen und unterstützt vom bekannten Oberjuden Montefiore nach Coustantinopel gekommen war, wurde ein Ferman herausgegeben, in dem es ungefähr geheißen hat: „Nachdem es nicht ziemlich wäre, den Wünschen eines so großen Volkes und einer so zahlreichen Bevölkerung nicht zu willfahren, so laffen wir die Schuldigen frei." (Hört! Hört!)" Zunächst sei die Lüge mit der „Alliance Israelite“ festgenagelt, die angeblich „mit großen Summen" die angeschuldigten Juden von Damaskus loskaufen wollte. Die „Alliance Israelite universelle" ist im Jahre 1860 in Paris gegründet worden, und der Fall von Damaskus hat im Jahre 1840, also zwanzig Jahre früher, sich zugetragen. Eine infame Lüge ist es ferner, daß in dem Ferman zur Freilassung der Juden es geheißen hätte: „so laffen wir die Schuldigen frei". Nachstehend geben wir den echten Wortlaut: Ferman Mehemed Ali's, in Betreff der Juden von Damaskus. „Man hat Mir eine Darstellung der H. H. Moses Montefiore und Cremieux vorgelegt, die ihre Bitten und ihre Hoffnungen enthält. Sie wurden von der ganzen Bevölkerung mosaischer Religion in Europa an Uns abgeschickt und flehen Uns an, die Befreiung aller ihrer Religionsgenoffen zu verfügen, welche verhaftet sind, und die Ruhe Derer zu sichern, die in Folge der über das Verschwinden des Pater Thomas und seines Dieners Ibrahim im Monat Dzy'l läge 1255 anhängig gewordenen Untersuchung die Flucht ergriffen haben. Wir haben erwogen, daß es Unserer würdig ist, den Wünschen und Hoffnungen der Deputirten einer so zahlreichen Bevölkerung zu entsprechen. In Folge dessen verordneten Wir, daß alle Juden, welche eingekerkert sind, in Freiheit gesetzt werden; was diejenigen betrifft, welche ihren Herd verlaffen haben, so will Ich, das ihnen die größte Sicherheit zur Heimkehr gewährt werde. Jeder von ihnen soll seinem Gewerbe oder Handel wieder nachgehen und sich wie früher seinen gewohnten Arbeiten überlaffen können. Wir besehlen, daß Ihr alle Maßregeln treffet, daß keiner derselben Gegenstand irgend einer Mißhandlung werden könne, von welcher Seite diese auch herrühren. Ich will, daß sie gegen jede Anfechtung, wie sie auch heißen möge, wie vor dieser Sache, in voller und gänzlicher Sicherheit seien. Dies ist Unser Wille." Ferner sagte Herr Schneider: „Beim Juden Gutmann, beim Obmann der israelitischen Allianz in Wien wurde ein eigener Telegraphenapparat aufgestellt. Es wurde das, was sonst gar nirgends geschieht, gethan, nämlich, daß zwischen Nyiregyhaza und

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