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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-11-10 · 45 (10.11.1899) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
45 (10.11.1899)
Date
1899-11-10
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 860 Nr. 45 Dr» Bloch's WochrnfchrrfL, Adolf Zucker, Ed. Klein, L. Bittermann, Em. Elkan, Marcus Unger, Ignaz Wottitz; in die U m l a g s c o m m i s s i o n : Josef Kafka, Josef Ehrmann, Nathan Hofmann, Eduard Fuchs; als Cassarevisoren: Eduard Gutfreund in Katovitz Felix Stein. Prag. Die „Bohemia" berichtet: Abermals das Märchen vom Ritualmord. Die in Budweis erscheinenden „Jihoceske Listy“ finb auf der Spur eines neuen Ritualmordes. Vor etwa einem Jahre wurde in einem Walde in der Nähe von Gauendorf bei Budweis ein junges Bauernmädchen, Petronella Filip aus Kalischt, ermordet aufgefunden. Bis jetzt ist es nicht gelungen, dem Mörder auf die Spur zu kommen. Die „Jihoceske Listy* wollen nun erfahren haben, daß an demselben Tage, als der Mord verübt wurde, ein Knabe aus Zahor etwa 100 Schritte hinter dem Mädchen gegangen sei. Plötzlich sei das Mädchen verschwunden, und als er weiter ging, seien drei Männer aus dem Gebüsch getreten, vor denen er die Flucht ergriff. Der Knabe sei bereits behördlich einvernommen worden. Das genannte Blatt fügt hinzu, es sei seinerzeit von den Gerichten ein Protokoll über den Fund des Leichnams ausgenommen, bis jetzt aber geheim gehalten worden. Dem Budweiser Blatt scheint es an der bösen Hetze, die jetzt herrscht, noch nicht genug zu sein. Koste!. Am 5. November fanden auch hier Straßendemonstrationen anläßlich der Sprachenverordnungen statt. Der Fürsorge des wackeren Bürgermeisters der politischen Jsraelitengemeinde, Herrn Joses Rosenzweig, haben wir es zu verdanken, daß großes Unheil verhütet wurde. Dabei sind wir dem Herrn Bezirkshauptmann von Göding, Herrn Baron F r i e ß, zu unendlichem Danke verpflichtet, da derselbe ein Detachement Gendarmerie und eine Escadron Dragoner hieher beorderte, wodurch wir vor großem Unglücke bewahrt wurden. Eigenthümlich, vielmehr eine gerechte Fügung des Schicksals ist es, daß gerade dem Cultusvorsteher Baruch K o h n, der den Führer der hiesigen Antisemiten, Dr. S l e ch t a, zum Hausarzte hat, obwohl wir hier in Dr. K o h n eine äußerst tüchtige Kraft besitzen, die Fenster eingeschlagen wurden. Sonst hat der Mob kein größeres Unheil angerichtet. Budapest. Maurus Jokai veröffentlicht im »Magyar Hirlap« unter dem Titel „Geschichte der Ehen" (Kathlannet) einen intereffanten Roman, der dem jüdischen Wochenblatt »Egyenlöseg* Anlaß gab, den greisen Dichterfürsten der Unwissenheit zu zechen. Bon seiner Hochzeitsreise heimgekehrt, ließ er es sich nicht nehmen, diesen Vorwurf zurückzuweisen. In der heutigen Nummer des »Magyar HMap« veröffentlicht er folgende Antwort: »Herrn Mox Szabolcsi, Redacteur des jüdisch-confessionellen Wochenblattes »Egyenlös£g«. In der am 15. October erschienenen Nummer Ihres Blattes ist ein Artikel aus Ihrer Feder, in dem Sie einen heftigen Angriff gegen mich richten, weil ich in meinem Roman Sarah, der Frau des Stammvaters Abraham, den Namen Kathlanneth gebe, die sieben Bräutigame zu Grabe geleitet hatte. Sie fordern mich zugleich auf, daß ich mich näher erkläre, woher ich diese verleumderische Angabe habe. Wenn der Redacteur eines jüdischen Blattes im Alten Testament nicht sattelfest ist, geht mir nicht nahe, doch so viel könnten wir von einem gewiffenhaften Redacteur erwarten, daß er wenigstens den Artikel lese, gegen den er einen heftigen Angriff richten will. Thun Sie dies, Herr Redacteur und Sie werden sehen, daß in meinem Roman nicht von Sarah, der Frau Abraham's die Rede ist, sondern von der Braut des Tobiah, dessen Geschichte Sie im Alten Testament lesen können. Ich hoffe, daß Sie dieser Richtigstellung in Ihrem Blatte die Aufnahme nicht versagen werden. Achtend Dr. Moriz Jokai/ Also ließ Jökai, er wäre nicht genug bibelfest, nicht auf sich ruhen! E. N. Ungarisch-Hradisch. (DieExcesseinHvlleschau.) Im Laufe der vergangenen Woche fanden vor dem hiesigen Kreisgerichte die Verhandlungen gegen die Excedenten aus Holleschau statt. Es waren sieben Excedenten angeklagt, welche sämmtlich verurtheilt wurden, und zwar der Schuster Leopold Kucharz zu vier Monaten, die Dienstmagd Philomena Sedlarz zu drei Monaten schweren Kerkers, Beide wegen Verbrechens des Diebstahls. Der Fleischergehilfe Anton K o l i b a l und die Taglöbnerinnen Franziska M r a c z e k und Anna Dobesch wurden wegen versuchten Diebstahls und Einmengung in eine Amtshandlung mit mehrwöchentlichem Arrest bestraft. Endlich erhielt der Fleischhauerssohn Anton Krejcirik eine fün fmonatliche Freiheitsstrafe wegen Vergehens des Auflaufes und der Taglöhner D a n e k eine siebentägige Freiheitsstrafe wegen desselben Delictes. Dresden. (Verhaftung des antisemitischen Schrift st ellersAlexanderWald in Dresden), die wegen Wechselfälschung und Unterschlagung erfolgte, veröffentlicht die Dresdener Polizei Folgendes über die bedenkliche publicistische Thätigkeit des bekannten Antisemitenhäuptlings : Die Festnahme Wald's, des Schreibers vieler Schmähartikel, hat für das öffentliche Interesse eine ganz besondere Bedeutung; denn damit ist das Geheimniß gelüftet, mit dem die »Dresdner Rundschau" sich zu umgeben wußte, so daß die Angriffe auf einzelne Personen, Firmen und Gesellschaften ganz und gar in der Art einer Schmutz- und Revolverpresse wie aus dem Hinterhalt geschahen. Niemand war sicher, in den Schmutz gezogen zu werden und öffentlich sich der Schmähung preisgegeben zu sehen. Jedermann war stets der Gefahr ausgesetzt, in schamloser und Gut und Ehre schädigender Weise von seinen Mitmenschen durch einen Artikel der »Rundschau" angegriffen zu werden. Jeder anständige Mensch müßte eine derartige Presse mit Entrüstung von der Hand weisen. Durch die ernsten Maßnahmen der Behörden, die nunmehr gegen die Schreiber dieser Schmähartikel Vorgehen, wird dem Bürger eine gewisse Genugthuung gegeben; denn es steht doch wohl zu erwarten, daß im öffentlichen Jnleresse seitens der Behörden allen bereits Geschädigten und Denen, die der »Dresdner Rundschau" noch anheimfallen, voller Schutz zu Theil wird. Im Charakter der Rundschau arbeiten, heißt die Preßfreiheit mißbrauchen, und ein solches Blatt ist und bleibt ein häßlicher Auswuchs der Presse, der von allen anständigen Seiten her schon Kundgebungen der sittlichen Entrüstung hervorgerufen hat. Die fraglichen Uebelstände und die daraus der öffentlichen Ordnung und Sittlichkeit drohenden schweren Gefahren fordern zur Ahndung durch die Behörden heraus. So weit die bestehende Gesetzgebung Mittel zur Bekämpfung solcher preßfreiheitlichen Ausschreitungen darbietet, dürften diese Mittel auch mit aller Energie in Anwendung gebracht werden. Berlin, 6. November. Die Gemeinde Adaß Jisroel hat um den Preis von 350.000 Mark das Grundstück Artilleriestraße 32 erworben, in dessen Garten eine neue Synagoge erbaut werden soll. Die Auflassung ist bereits erfolgt. Der Ankauf ist durch die Freigebigkeit eines Mitgliedes jener Gemeinde, des hochbetagten Herrn Keßler, ermöglicht worden, der 250.000 Mark dazu beisteuerte, überdies ferner 150.000 Mark zum Bau der Synagoge spenden will. Die Adaß Jisroel-Gemeinde, die vor einigen Monaten ihren Rabbiner verloren hat und jetzt den Abgang des Rabbinatsverwesers Dr. B i e b e r f e l d beklagt, der sich völlig dem Studium d:r Medicin widmen will, wird schon in allernächster Zeit ihr Rabbinat völlig reconstruirt haben. Neben Herrn Dr. Meyer Hildesheimer, der seit längerer Zeit schon das Predigeramt versieht, auch der Leitung des Schulwesens selbstständig vorsteht und nach erlangter Ordination die Stellung eines Rabbiners bekleiden soll, wird namentlich für die Ausübung der rabbinischen Functionen und unter völliger Gleichstellung Herr Dr. Esra Munk berufen werden, ein Schwestersohn des seligen Dr. Israel Hildesheimer und Bruder des Landesrabbiners in Mannheim. Herr Dr. Esra Munk stammt aus Altona, hat das hiesige Hildesheimer'sche Seminar absolvirt, ist seitdem in Königsberg in Preußen thätig und steht jetzt etwa im 33. Lebensjahre. Gestern hat in dem Vorort Steglitz die Eröffnung des israelitischen Lehrerinnenheims stattgefunden, das ein vortreffliches Werk seiner Absicht nach ist und hoffentlich die großen Mittel finden wird, die zur Verwirklichung der Absicht nöthig sind. Die Bescheidenheit der jetzigen Anfänge braucht diese Hoffnung nicht zu mindern; sie stellt vielmehr die Zuversicht und dem Gottvertrauen der Begründerin des ganzen Unternehmens, Fräulein Pauline Münchhausen, rühmliches Zeugniß aus. Achtjährige Arbeit war erforderlich, auch nur zum Anfang zu kommen. Dock nun ist das Schwerste überwunden, und der Fortgang, das Wachsthum wird vergleichsweise schnell sein, wenn der unverzagte Eifer anhält, der die Begründerin beseelte. Das HeimUst eine freundliche Miethswohnung mit Garten. Sechs Lehrerinnen haben jetzt dort Aufnahme gefunden. Fließen neue Mittel zu, so wird das Heim sich dehnen und eigener Besitz wird an Stelle des ermietheten treten.

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