Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 45 (10.11.1899)
- Date
- 1899-11-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 854 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 45 falls man sie ohne Widerspruch hiugehen läßt, Anlaß bieten kann zu verschiedenen bösen Mißverständnissen. Ich lebe der Zuversicht, daß Eure Eminenz in der Lage sein werden, der in deu Zeitungen verbreiteten Mittheilung vor aller Welt ein autorisirtes Dementi zu ertheilen. Mit der Versicherung meiner ausrichtigen Verehrung bin ich Ihr sehr ergebener Hermann Adler." Erzbischöfliches Palais, Westminster. 13. December 1889. Lieber Rabbi Adler! Ich weiß nicht, was Leo XIII. über den Gegenstand Ihres Briefes gesagt haben mag, aber ich werde Ihr Schreiben ohne Verzug nach Rom senden. Sie lassen mir nur Gerechtigkeit widerfahren, wenn Sie voraussetzen, daß ich derlei Greueln weder Sympathie noch Leichtgläubigkeit entgegeubriuge. (You only do me justice in believing that I have neither Sympathie norcredulity for such horrors.) Ihr sehr ergebener Henry E, Cardinal-Erzbischof. Erzbischöfliches Palais, Westminster. 16. Januar 1890. Lieber Rabbi Adler! Ich sandte Ihren Brief nach Rom und er wurde dem Staatssekretär Cardinal Ramp o l l a amtlich mitgetheilt. Seine Antwort lautet wie folgt: „daß der Papst befahl, deu üblichen Brief, der den Empfang von Büchern ohne weitere Empfehlung über dieselben bestätigt, dem Autor des Buches zuzusenden, über welches Sie sich beklagen. Es war dies ein Briefformular, das jeder erhält, ehe sein Buch geprüft, oft noch ehe es überhaupt angesehen worden ist." Nichts könirte dem Herzen des Papstes ferner liegen, als muthwillig die Empfind ichkeit des jüdischen Volkes zu verletzen. Betrachten Sie mich als Ihren treuen Henry E. Cardinal-Erzbischof. Herrn Bezirksrabbiner Dr. Bloch in Wien. Graz, am 1. März 1884. Sehr geehrter Herr Doctor! Rohling scheint an der fixen Idee zu leiden, die Juden brauchten Christenblut. Und das möchte er gerne aus allen möglichen Schartheken herauslefin. Doch trösten Sie sich. Wir haben hier Barmherzige Brüder, einen Orden, der nicht müde wird, Gutes zu thun. Und doch herrscht hier im gemeinen Volke ein gewisses Vorurtheil gegen sie. Ich habe nämlich Leute getroffen, die steif und fest behaupteten, die Barmherzigen brächten jährlich viele Menschen um, damit sie Menschen schmalz bekommen. Also wieder ein Analogos. Es gibt eben so manchen haarsträubenden Unsinn, der in den Köpfen der Leute spukt. In hochachtungsvoller Ergebenheit Alois Müller. Herrn Dr. I. S. B l o ch, B e z i r k s r a b b i n e r in Floridsdorf. Sehr geehrter Herr Doctor! Empfangen Sie unseren besten Dank für die Zusendungen. Es ist ein Jammer, daß die Rohheiten und Gemeinheiten eines solchen Menschen gewissermaßen ernst genommen werden müssen; freilich ist zu erwarten, daß das Uebermaß vou Thorheit und Niedertracht an sich hinreicht, die Wirkung, die er auf den Pöbel höherer und niederer Gattungen haben könnte, bedeutend abzuschwächen. Daß ein solcher Mens ch Professor an einer so zu sagen deutschen Universität ist, muß man tief bedauern. Freilich ist so was ja im Grunde nur ein consequeutes Product der jetzt in der Kirche immer mehr zur Herrschaft gelangenden Gesinnung. Aber ein von Haus aus anständiger Mensch wird auch durch die ärgste Jesuitenerziehung nicht so entarten. Möge der Tag nicht mehr gar zu fern sein, wo wirkliche Humanität über alles Gezänk der Religionsparteien und über das B e st e h e n der Religions- Parteien selbst Hinweghilst. Das wünscht ein Abkömmling einer alten lutherischen Predigerfamilie. Ihr ergebenster Th. N ö l d e k e. Herrn B e z i r k s r a b b i n e r Dr I. S. Bloch i n W i e n. Erlangen, 28. Jänner 1883. Sehr geehrter Herr Bezirksrabbiner! Ihre drei Streitschriften gegen Dr. R o h l i u g habe ich von Anfang bis zu Ende sorgfältig und mit warmer Theilnahme und auch mit stets steigender Entrüstung über Rohling durchgelesen. Genehmigen Sie meinen besten Dank! Durch Ihre und durch Dr. Delitzsch' Streitschriften ist Rohling in ein Licht gestellt worden, daß er am besten thäte, von der Bild fläche ganz zu verschwinden. Ich sollte meinen, das Gewissen müßte ihn doch endlich schlagen ob seiner Unredlichkeit und seines wilden Fanatismus. Es ist geradezu entsetzlich, daß dieser Mann sogar die hundertmal widerlegte Fabel von dem rituellen Christenmord sich erbietet zu beschwören. Mit einem Manne, der hiezu bereit ist, gibt es keine wissenschaftliche Verständigung mehr. Ich kann es daher nur billigen, daß Sie die Polemik gegen ihn jitzt abbrechen. In aufrichtiger Wertschätzung Ihr ergebenster Prof. Dr. Köhler. Vom Jahrmarkt des Lebens. Aus den österreichischen Parlament. Das österreichische Abgeordnetenhaus hat eine Debatte über die Judenexeffe in Böhmen und Mähren begonnen und als erster Redner wurde der czechische Parteiführer aus Mähren Dr. Zacek vernommen, welcher die ganze Tiefe offenbarte, in welche die Jungczechenpartei von ihrer einstigen Höhe hinabgeglitten ist. Nach Anschauung des Redners ist es ein angebornes Recht der Czechen, den Juden die Fenster einzuschlagen, Hab und Gut zu zertrümmern und wenn die Gendarmerie dagegen einschreitet, begeht sie einen Act empörender Rücksichtslosigkeit und Vergewaltigung des czechischen Volkes. Die Ncnvetät, mit der er verlangte, daß das Plündern, Stehlen und Brandlegen in Mähren höher als eine gewöhnliche Judenhetze „classificirt" werde, das komische Pathos, mit dem er immer wieder die höheren Gesichtspunkte in das rechte Licht zu setzen suchte, von denen sich die Excedenten in Prerau, Holleschau und Wsetin hätten leiten lassen, der drollige Zorn gegen die Gendarmie, die es in ihrer Kurzsichtigkeii den guten Leuten habe verwehren wollen, an den Fensterscheiden der Judenstadt „ihr Müthchen zu kühlen" — dies Alles charakterisier zur Genüge die Rede und den Sprecher. Wir hätten geglaubt, ein Mitglied eines gesetzgebenden Körpers, das von der Bedeutung der Aufgabe erfaßt ist, daß das Haus nicht blos die Pflicht habe, gute Gesetze zu machen, sondern noch vielmehr den Rechtssinn der Bevölkerung zu heben, das Rechtsbewußtsein zu entwickeln, die politische und bürgerliche Moral hochzuhalten für den Schutz der Ehre, des Eigenthums und des Lebens der Bürger ohne Ansehen der Person einzutreten, daß jedes Mitglied des Abgeordnetenhauses, dessen Moral nicht auf der Stufe jener corrupten Bande steht, die den Racenhaß als Geschäft betreibt, den Moment hätte benützen müssen, um mit aller Kraft der Sittlichkeit und Wahrheit gegen