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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-11-10 · 45 (10.11.1899) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
45 (10.11.1899)
Date
1899-11-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 45 Dr. Blvch's Wochenschrift. Seite 853 würden, oder daß derselbe ihnen solchen Mord nnd solche Osterspeise^W gestattete. Heutzutage ist der Talmud noch weniger ein Geheimniß alsW ehemals. Es gibt nicht nur auch heute an deutschen Universitäten« Professoren der Theologie oder der semitischen Sprachen, welche den^ Talmud im Original lesen und lehren, grammatisch und historisches interpretiren, sondern es kann sich auch Jedermann in den Handbüchern.^ , der jüdischen Geschichte über Inhalt und Form des Talmuds unterrichten. Ferner gibt es ein Heft „Der Talmud von Dr. Deutsch", aus f! der siebenten Auflage des englischen Originals übersetzt. Jnsbesonder die Ansichten über die Arbeit legt dar: „Franz Delitzsch, Jüdisches Handwerkerleben zur Zeit Jesu". „Ganz herrliche Sprüche finden sich im Talmud. Daß daneben Sätze Vorkommen, die uns heute selbst als Curiositäten oder als Erzeugnisse verbitterter Stimmung allenfalls historisch erklärlich sind, aber gewiß nicht gefallen und kaum entschuldbar scheinen, das wird nicht geleugnet. Gefällt sich nun Jemand darin, gerade Sätze ausschließlich aufzusuchen und auszubreiten, etwa aus Pessimismus und weil er mit Vorliebe die Schattenseite des Menschengeschlechtes hervorkehrt, so ist dagegen nichts einzuwenden, denn das ist Geschmacksache. Nur die Meinung, damit in die Gesinnung und das innere Wesen des Judenthums oder der Judenheit einzudringen, ist ein Vorurtheil. Kein Satz hat darum, weil er im Talmud steht, und sich bei diesem oder jenem jüdischen Schriftsteller wiederfindet, schon Autorität, sondern nur die Sätze haben Geltung, denen sie von den Juden verliehen wird. Der Talmud ist weder Gesetzbuch noch Dogmatik. Was in der Glaubens- und Sittenlehre der Juden Geltung hat, kann der Leser aus den Lehrbüchern der Religion ersehen, welche in den jüdischen Schulen gebraucht wurden, jetzt auch für den jüdischen Religionsunterricht, der den jüdischen Knaben in den öffentlichen Simultan-Schulen ertheilt wird, zu Grunde gelegt werde." Das Vorurtheil gegen das Judenthum und die Judenheit ist, wie Stemthal nachweist, alt, älter als das Christenthum. Die heidnischen Römer, welche gegen das Judenthum und das jüdische Gesetz einen krassen Gegensatz bildeten und gar keine Berührungspunkte mit einander hatten, haßten die Juden als Fremde, welche dem Römer als Feinde galten. Der Philosoph Seneca hielt die Juden für das abscheulichste Volk. Die Lichter der Juden am Freitag Abend konnten ihm keinen Gefallen abgewinnen, weil sie qualmten. Der Bekenner des Christenthums wiederum, obzwar letzteres aus dem Schooße des Judenthums hervorgegangen ist und dieses daher dem Christenthum nicht als etwas Fremdes und Unbekanntes gegenübersteht, haßt den Juden, weil er in ihm seinen Gegensatz zu sehen glaubt. Dieser Gegensatz sagt Steinthal wörtlich: „nimmt je nach dem Gemiith des Christen eine zwiefache Gestalt an, er zeigt sich zunächst nur als ewiger Jude, als Ahasver. So kann er sich allenfalls tragisch gestalten. Der Gegensatz aber schlägt gar leicht in den Widerspruch um, und der Ahasver wird zum Antichristen. In letzterem Falle nennt man alles Unchristliche jüdisch und haßt im Juden den Quell alles Bösen. Hierin stimmen orthodoxe und freisinnige Christen insoferne überein, als jeder das ibm Mißfällige (mag auch jedem sehr verschiedenes mißfallen, und mag auch dem einen höchlichst gefallen, was dem andern mißfällt und umgekehrt) jüdisch nennt, weil er es für antichristlich hält. Der rationale Kritiker des Christenthums theilt in der Lehre und in der Geschichte desselben eine Seite, die ihm die vollendetste Religion scheint, und eine Seite, die er weniger oder gar nicht billigen mag; die erstere nennt er echt und ursprünglich christlich, die letztere jüdische Verderbniß. Eindringen des Jndenthums in das Christenthum. Der helleistisch gesinnte Germane nennt die Askese das Jüdische im Cristenthnm; anderweitig aber wird dem Judenthum vorgeworfeu, daß es nur auf sinnlichen Genuß gerichtet sei. Allemal ist der Jude der Tiabolus, und jeder findet in der Geschichte einen Diabolus." „So kommt es denn, daß die Unzufriedenen aller Parteien, aller religiösen und aller politischen, statt auf ihre Gegner direct loszuschlagen, häufig gegen die Juden losziehen, gerade wie man im Mittelalter den Kreuzzug zur Eroberung des heiligen Grabes mit der Judenverfolgung begann. Alle, welche aus irgend einem Grunde verbittert sind, welche durch ihr persönliches Geschick oder durch allgemeine Zeitverhältnisse sich unbehaglich fiihlen, machen die Inden zum Sündenbock, auf den sie alle Schuld wälzen. Die Gegner des Papstthnms meinen, diese Institution sei aus dem jüdischen Hohcnpriesterthum herübergenommen (als ob der Hohepriester in Jerusalem jemals eine Macht über die Gewissen, ein bestimmendes Wort über die Lehre gehabt hätte"). „All dem gegenüber ist nur eins und immer dasselbe zu sagen: lernt sie kennen, wie sie jetzt sind und in der Geschichte waren. Dazu braucht man nicht Talmud zu studiren. Leset die jüdischen Novellen von Kompert, Bernstein, Franzos, Mosenthal, Sacher-Masoch und Kraszewski, welche jüdisches Leben aus den slavischen nnd deutschen Landen! vorführen. Und soll ich hinzufügen, daß ihr nicht glauben müßt, dort nichts als pures Gold zu finden." Nachdem no h Steinthal zwei Stellen von Kant citirt hat, in denen dieser abfällig über die Juden urtheilt, und ihm Unkenntniß der Bibel nachgewiesen, schließt er seine vortreffliche Abhandlung, welche klar und für jedermann verständlich geschrieben ist, und die es daher verdienen würde, vervielfältigt und in christlichen Kreisen verbreitet zu werden, mit folgenden rührenden und ergreifenden Worten: „daß es auf unserem deutschen Parnaß Schatten gibt, wissen tvir, nnd wir wollen es den Lichtscheuen überlassen, ihn aufzusuchen. Um so freudiger jedoch muß man bemerken, daß Goethe die Bibel wirklich studirt hat. Nicht immer, wie mir scheint hat er das Richtige getroffen; so ist sein Moses schwerlich haltbar; aber er kannte die Bibel. Als er im December, allein auf der Spitze des Brockens stand, denke ihn Dir. Leser, den deutschen Apoll, an jener Stätte einsam in der Stille des Schnees — was dachte er da? Möchtest Tu es wissen? Er hat es der Freundin gesagt, und das Wort ist uns erhalten. Er dachte nicht an Zeus, weder an Phidias, noch an Homer, noch an Aeschylos, sondern mit dem 8. Psalm rief er aus: „Was ist der Mensch, daß du sein gedenkest". Und an dem Tage, da es gerade ein Jahr geworden war, daß er in Weimar lebte, überdachte er sein Leben und schrieb in sein Tagebuch: „Was ist der Mensch, daß Du sein gedenkest." Dr. Klotz, Rabbiner in Jungbunzlau. Stimmen zeitgenössischer christlicher Theologen, Orientalisten und Historiker über die Vlutlüge. Briefwechsel zwischen Cardinal Mannin g und Chiefrabbi Dr. Adler in London. Kanzlei des Oberrabbiners, London 11. December 5650—1889. „Lieber Cardinal Manning! Im Vereine mit allen Mitgliedern meiner Gemei de, gedenken wir mit dem Gefühle der herzlichsten Dankbarkeit an den unschätzbaren Dienst, den Eure Eminenz vor einigen Jahren meinen Glaubensbrüdern bei der traurigen Gelegenheit der russischen Verfolgungen geleistet haben. Die Erinnerung daran verleiht mir den Muth, an Ihre Humanität im jetzigen Augenblick zu appelliren. „Die Journale melden, daß soeben ein Buch von Henri Desportes erschienen ist unter dem Titel „Das Blutmysterium bei den Juden", in welchem das scheußliche Märchen wieder erneuert wird — ich schaudere, während ich es niederschreibe — daß das Blut christlicher Kinder für das jüdische Ritual nothwendig sei Es ist tief zu bedauern, daß im 19. Jahrhundert der verweste Cadaver eines mittelalterlichen Borurtheils seine literarische Wiederauferstehung feiert und im Stande sein soll, die Atmosphäre der brüderlichen Liebe und Barmherzigkeit mit seinem Pesthauch des Hasses und der Böswilligkeit zu vergiften. Wir könnten es uns heute gestatten, das Machwerk eines obscuren Scribenten zu ingnoriren, in der Sicherheit, daß er bald der Strafe der Vergessenheit anheimfalle. Aber die Sache gewinnt ein anderes Ansehen, wenn wir in den Tagesblättern lese», daß der Cardinal Rampolla in einem Schreiben dem Autor mitthellt, „daß der Papst sein Werk über die gräßliche Uebung der rabbinischen Juden höchlich billigt." Ich kann es nicht glauben, daß das erleuchtete Oberhaupt der katholischen Kirche, berühmt durch seine Weisheit, Milde und Gerechtigkeit, einen Anlaß zu diesen Worten gegeben hat. Denn es ist nicht eine einzige Stelle in dem gesammten Umfang des jüdischen Schriftthums, welche als Aufforderung zu einem derart fürchterlichen Verbrechen construirt werden könnte, wie es auch nicht eine einzige historisch beglaubigte Thatsache gibt, welche auch nur entfernt, einen solchen Aberglauben zu rechtfertigen vermöchte. Eure Eminenz bringe ich in Erinnerung, daß die größten und gelehrtesten Zierden Ihrer Kirche von dem höchsten Pontifex abwärts ihren Unglauben gegenüber derartigen Anklagen erklärt haben " Das Schreiben erwähnt die Bulle Junocenz IV, das Gutachten Ganganelli's und die Enunciationen neuerer Kirchenfürsten gegen diesen abscheulichen Aberglauben und fährt dann fort: „Angesichts dieser Thatsachen ist es kaum zu glauben, daß Seine Heiligkeit der Papst die ihm imputirte Aeußerung gethan haben fotl Aber ich kann mich der Ueberzeugung nicht verschließen, daß eine derartige Mittheilung

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