Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 44 (3.11.1899)
- Date
- 1899-11-03
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Nr. 44 Vr. Bloch's Wochenschrift. Seite 847 Wien. (F raue n-Wohlthätigkeits-Ve rein im Ml. Bezirk der Stadt Wien.) Wie alljährlich wird dieser humanitäre Verein auch in diesem Jahre eine Anzahl von Schulkindern armer Eltern, mit Winterkleidern beschenken. Die P. T. Mitglieder des Vereines werden höflichst ersucht, das denselben zustehende Vorschlagsrecht bis längstens 5. November d. I. auszuüben, und die zu diesem Zwecke zugestellten Formulare ausgefüllt bis zum genannten Termine an die Präsidentin, Frau Amalie Beck, Ml., Langegasse 1, einzusenden. Wien. (Todesfall.) Sonntag den 29. October fand das Leichenbegängniß des in seinem siebzigsten Lebensjahre Hingeschiedenen Privatiers Koppel Rappaport unter zahlreicher Theilnahme auf der isr. Abtheilung des Central-Friedhofes statt. Der Verstorbene war der Vater der Herren Dr. Salo Rappaport und Dr. Ignaz Rappaport, Hof und Gerichts-Advocaten in Wien. Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe.in Wien.) Dieser Verein besichtigte am Freitag den 27.October, in einer Anzahl von circa 100 Herren, die technischen Einrichtungen des Etablissements der „Neuen Freien Presse", wobei der Druckereileiter-Stellvertreter Herr H e r r m a n n den Cicerone machte. Den Besuchern wurde zunächst das praktische Setzen in der Text- und in der Jnseraten-Abtheilung, sowie auf den neuen „Monoline"-Setzmaschiuen gezeigt, wobei sich viele der Besucher eine gegossene Zeile aus der Zeilengießmaschine als Andenken erbaten. Sodann wurde den Besuchern das Schließen der Formen gezeigt, worauf dieselben in die Stereotypie geleitet wurden, wo gerade das Abendblatt clichirt wurde. Die Herren nahmen sowohl die Trockenals die Gußstereotypie in Augenschein und sahen später dem Drucken des Abendblattes zu. Der Obmann des Vereines Herr Brod dankte schließlich in einer feierlichen Ansprache sowohl dem anwesenden Chef-Redacteur Herrn Dr. Ed. Bacher für die freundliche Einladung, als auch Herrn H e r r m a n n für die Führung und Erläuterung des Gesehenen und schloß mit Worten der Anerkennung für die „Neue Freie Presse". Salzburg. Dienstag den 30. (October fand hier die Trauung des Frl. Ella Pollak, Tochter des Herrn Albert Pollak k. k. Hofantiquar, mit Herrn Martin Hirsch aus Berlin statt. Brünn. Herr Leo Kornitzer, bisher Chordirigent in Jglau, wurde zum Obercantor in Klattau gewählt, und wird seinen Posten am 1. December l. I. antreten. — Herr Friedrich L ö w y wurde zum Cantor und Religionslehrer in Mähr.-Schönberg acceptirt. Beide sind Schüler des Herrn Obercantor Josef Hell er in Brünn. Lemberg. Der zum ordentlichen Professor der österreichischen Geschichte ernannte Dr. Ludwig F i n k e l ist römisch-katholischen Glaubensbekenntnisses, nicht Jude. (Vide Ihr Blatt vom 13. October). Przemysl, 10. October. Die israelitische Gemeinde Przemysls hatte heute einen sehr bewegten Tag. Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner G. Schmelkes hat heute unsere Stadt verlassen, um nach Kolomea zu gehen, wohin er als Rabbiner berufen wurde. Der Abschied war ein feierlicher und imposanter. Mehr als Tausend Personen aus allen Ständen und religiösen Schattirungen, mit der Cultus-Repräsentanz und dem Präses der Cultusgemeinde an der Spitze, waren auf dem Perron versammelt, um dem Rabbiner, dieser Zierde Israels, ihre Sympathien kundzugeben. Der Rabbiner hielt an die Anwesenden von der Plattform des Waggons aus, ein Abschiedswort, indem er, anspielend auf den Vers dieses Wochenabschnittes „leeb l'ebo mearzchu umimaulad’tchu umibes ovichu“ sagte: ja auch an mich ist der Ruf, das ist der weise Rathschluß des Herrn, ergangen: ziehe hinweg von der Scholle, die Dir so lieb ist, von der Gesellschaft, in der Du auferzogen worden, sowie von Deines Vaters Haus — denn sein ehrwürdiger Vater bleibt seines kaufmännischen Berufes wegen in Przemysl — und muß nun diesem Rufe, wenn auch mit schwerem Herzen, Folge leisten. Wie aber Abraham zugerufen wurde „wehejeh brocho“ so rufe ich der gesammten Przemysler jüdischen Gemeinde, einzeln wie zusammen, die Worte zu „wehejeh brochoh“ Du sollst gesegnet sein. Gott segne Euch alle für und für! — Es waren das Worte, die vom Herzen kamen und zum Herzen drangen. Wir sahen viele Leute, die sich des Weinens nicht enthalten konnten. Und als sich der Zug in Bewegung setzte, hörte man einen tausendstimmigen Zuruf „aus baldiges Wiedersehen". Budapest. Am 29. d. M. war der Ofener israelitisch- Cultus-Tempel der Schauplatz einer Trauung, deren Vorgeschichte möglichste Nachahmung wahrer Menschenfreunde verdient. Im October 1883 feierte der hiesige Großhändler Lazar Eppinger im engsten Familienkreise das Fest seiner silbernen Hochzeit, bei welcher freudigen Gelegenheit er einige hundert Gulden zu dem Zwecke bestimmte, wenn das Stiftcapital den Betrag von 5000 fl. erreichen wird, möge aus den Zinsen, so bald diese 300 fl. betragen, einem armen Mädchen diese Summe als Mitgift verliehen und deren Trauung im Ofener Cultus-Tempel, an der Stätte, wo das Jubelpaar seinerzeit den glücklichen Bund ihrer Ehe geschlossen, stattfinden. Seit jener Zeit wurde im Hause Lazar Eppinger die bei vorkommenden Familienfesten für übliche Geschenk bestimmten Beträge stets zur Erhöhung der genannten Stiftung verwendet, wozu auch des Jubilars Bruder, Herr Josef Eppinger, Fabrikant aus Triest, sein Scherflein in mitunter namhaften Beträgen beigetragen, so daß Ende Deceniber 1898 das Capital circa 4000 fl. erreichte. Ans Anlaß der im heurigen Jahre stattgehabten Vermälung seines ältesten Sohnes Ludwig, hat nun Herr Lazar Eppinger das Stiftcapital auf 5000 fl. completirt und außerdem dafür gesorgt, daß schon in diesem Jahre die erste Mitgift per 300 fl. aus der Lazar und Caroline Eppinger-Stiftung verliehen werden könnte. Durch die Munificenz des löbl. Vorstandes der Ofener israelitischen Cultusgemeinde gestaltete sich die Feier sehr erhebend; der Vorstand war bei der Trauung I. Classe, welche mit ganzer Beleuchtung des Tempels vor sich ging, vertreten, und die Familie Eppinger wurde von dem überaus zahlreichen Publicum aufs Herzlichste gratulirt. S. Feuilleton. Michael. Erzählung von S. K o h n, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) Dreizehntes Capitel. Michael Klein war von Brack's Jugendfreunde Reb Avigdor Tauber sehr freundlich und wohlpollend ausgenommen worden, und hatte sich bald durch die Anmuth seiner Erscheinung und seines Wesens die Herzen Aller, mit denen er verkehrte, im Fluge gewonnen. Schon am zweiten Tag nach seiner Ankunft in Nikolsburg theilte Michael Reb Avigdor Tauber seinen Entschluß mit, seinem Pflegevater nicht länger zur Last zu fallen. Er habe durch dessen Güte so Vieles gelernt, daß er sich sein Brot leicht durch Unterrichtertheilen erwerben könne und bat ihn, er möge ihn als Lehrer empfehlen, er würde seine Schüler gewissenhaft unterrichten. Michael Klein war zu einer glücklichen Zeit in Nikolsburg, damals die erste und tonangebende jüdische Gemeinde in Mähren, angelangt. Der Widerwille gegen das Erlernen profanen Wissens, welche noch bei Kaiser Josefs Regierungsantritte bei den Juden vorgeherrscht hatte, war, namentlich in den größer» Städten znm Theil geschwunden. Man hatte, im besten Sinne des Wortes, von dem Baume der Erkenntniß, der Wisienschaft, gekostet, und war nach dessen Früchten lüstern geworden. Man hat den Nutzen allgemeiner Bildung kennen, und diese dadurch lieben gelernt, und war auch zu der Ueberzeugung gelangt, daß Wissen nicht — wie Unerfahrenheit ftüher gefürchtet hatte — dem Glauben abträglich sei. Viele, namentlich die Reichen — auch die Ehrgeizigen — wollten ihre Kinder nicht nur die Gegenstände der Volksschule, sondern auch jene des Gymnasiums lehren lassen, und da man aus vielen Gründen jüdischen Lehrern den Vorzug gab, solche aber damals wenige zu finden waren, fand Michael trotz seiner Jugend doch um so rascher eine passende Stelle, als er auch nach dem Zeugnisse des W.'er Rabbiners befähigt war in Bibel, hebräischer Sprache, Anfänger sogar auch in Talmud zu unterrichten. Reb Pinchas Eisler, Tauberes Geschwisterkind, besaß zwei Söhne, die im Wer nur nm ein Jahr auseinandergingen und eben die israelitische Normalschule in Nikslnburg verlassen hatten. Eisler wollte einen der beiden Knaben das Gymnasium besuchen lasten, und suchte einen Hauslehrer, der ihren und den ihrer jüngeren zwei Schwestern Unterricht übernehmen sollte, und Tauber schlug ihm