Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 44 (3.11.1899)
- Date
- 1899-11-03
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 846 Dr- Bloch's Wochenschrift. Nr. 44 wir hätten Ihnen längst ein Zeichen unserer Theilnahme gesandt, fürchteten wir nicht, daß jedes auch noch so herzliche Wort eines Fremden als unverzeihliche Aufdringlichkeit empfunden werden würde. Wir haben jedoch stets Ihren Muth, Ihre Ergebenheit und Ihre edlen Bemühungen für Ihren Gatten bewundert. Wir achten und schätzen Capitän Dreyfus wegen seiner Vaterlandsliebe, welche er trotz des ihm angethanenen Unrechtes zeigte, und wegen seines Benehmens während seiner Einkerkerung. Wir Amerikaner können es nicht verstehen, wie die Ehre der französischen Armee durch die Verurtheilung eines Unschuldigen und die Billigung von Lügnern, Fälschern und Betrügern gerettet werden kann. Auch die Geschichte Frankreichs weiß von solchen Lehren nichts. Das Blut der edelsten Söhne Frankreichs wurde im Kampfe um Freiheit und Recht gar oft vergossen, und wir können nur bedauern, daß ein Theil der französischen Bürger sich durch Elende verführen und verblenden ließ. Umsomehr aber schätzen wir Jene, die gerecht und loyal geblieben sind, und wir hegen den unerschütterlichen Glauben, daß Frankreichs edle Söhne getreu ihren Traditionen und ihrer glänzenden Geschichte dem Capitän Dreyfus Gerechtigkeit zutheil werden laffen werden. Empfangen Sie unsere Grüße und die nochmalige Versicherung unserer vollsten Sympathien. Ihre aufrichtige Hannah G. S a l o m o n, Präsidentin. London. Unter den nach Afrika gesendeten Militärs befinden sich eine ganze Anzahl von jüdischen Soldaten. Der „Jewish-Chronicle" veröffentlicht eine Liste von solchen, die bereits verschifft sind, und zählt dabei auf: Major G. F. Leverson von den Royal Engineers, Capitän E. S. Goldschmidt vom Welsh-Regiment, Lieutenants H. I. Stern von dem 13. Husaren- Regiment und F. G. Carnot vom Generalstab, sowie 57 Gemeine und Untcrofficiere. Diese letzteren vertheilen sich auf alle Waffengattungen und Regimenter, sogar unter den Schotten und der Garde befinden sich jüdische Soldaten, ebenso unter den Lanciers und Husaren, die nach Afrika abgegangen sind. Auch unter den Freiwilligen aus den Colonien, die an dem südafrikanischen Krieg theilnehmen, befinden sich eine ganze Anzahl jüdischer Officiere und Soldaten. So stehen bei den Natal- Carabiniers die Lieutenants H. M. Landsberg, F. O. Stiebel und I. Abrahams und bei den Cap-Hochländern Lieutenant F. H. Solomons. Viele andere jüdische Soldaten und Officiere mögen unter diesen Truppen stehen, ohne daß man deren weiß, denn bei dem englischen Militär fragt man nicht nach der Religion der Soldaten. Wenn man indessen auch nur die oben genannte Zahl von 4 Officieren und 57 Soldaten unseres Glaubens in Betracht zieht und bedenkt, daß in England nur lU Percent der Bevölkerung Juden sind, so ist die Betheiligung der Juden am englischen Heeresdienst um so bedeutsamer, als sie ja bekanntlich hierzulande eine ganz freiwillige ist. Kimberley. Unsere Stadt, die jetzt zum Mittelpunkt erbitterten Kampfes zwischen Engländern und Buren geworden ist, steht mit großer Begeisterung auf Seiten der Engländer. Nicht weniger als 2000 Freiwillige sind hier und in der Nachbarschaft zu den Waffen geeilt und bilden mit einer gleichen Anzahl regulärer Truppen die Besatzung von Kimberley. Die Freiwilligen werden befehligt von Colonel Harris, der dieselben schon in verschiedenen Kämpfen commandirt hat, und jetzt, obwohl er eigentlich in den Ruhestand getreten war, der Regierung wieder seine Dienste angetragen hat. Colonel Harris, der jetzt erst 47 Jahre zählt, dient schon seit 21 Jahren unter den Freiwilligen. Damals focht er in der Diamantfeldreiterei unter Sir Charles Warren gegen die Griqua-Kaffern, und wurde für seine im Felde bewiesene Tapferkeit zum Officier ernannt. Seit mehreren Jahren commandirt er die Kimberley-Schützen, die zu den besten freiwilligen Truppen in Südafrika gehören. Zum letzten Mal war er activ thätig als er zu Weihnachten vor zwei Jahren 600 freiwillige Schützen gegen die aufständigen Eingeborenen in Poquana 80 Meilen von Kimberley führte. Es gelang ihm, diese Expedition glänzend zu beendigen und der Verlust der Engländer bestand nur aus drei leicht Verwundeten, unter denen sich freilich Oberst Harris selbst befand. In dieser freiwilligen Truppe Kimberley dienen diesmal noch die beiden .jüdischen Lieutenants W. S. Harris und E. H. Moseley, sowie eine ganze Anzahl von Unterofficieren und Soldaten unseres Glaubens. Oberst Harris ist ein ausgezeichneter Schütze, der wiederholentlich bei Wettschießen Preise davongetragen hat. Vor zwei Jahren gewann er einen solchen bei 103 Treffern auf 105 Schuß. In seinem Civilverhältniß ist Oberst Harris Director der de Beers-Minen und Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Kimberley. Seine Frau ist außerordentlich vertraut mit allen jüdischen Dingen, versteht sehr gut hebräisch und bekümmert sich eingehend um das jüdische Schulwesen in unserer Stadt. Oberst Harris, der auch Mitglied des Bery-Parlaments ist, vereinigt so in seiner Person eine Anzahl von Würden, die sich wahrscheinlich nicht zum zweitenmal zusammenfinden. Er ist Oberst, Meisterschütze, Abgeordneter, großer Finanzmann und dabei Vorsteher der jüdischen Gemeinde und freiwilliger Spender für alle wohlthätigen Sachen. Man darf mit einiger Spannung abwarten, ob er bei den neuen Kämpfen neue Lorbeeren ernten wird. Capitän Uriah Levy in New-Pork. Ein dem Falle Dreyfus analoges Begebniß ereignete sich in der amerikanischen Flotte und zwar war der jüdische Officier Uriah Levy der Held des traurigen Vorkommnisses. Derselbe wurde in Philadelphia 1792 geboren und starb zu New-Iork 1862, nachdem er 40 Jahre in treuester Pflichterfüllung seinem Vaterland gedient hatte, trotz aller Verfolgungen von Seiten seiner antisemitischen Collegen. Uriah Levy zeichnete sich stets durch Tapferkeit und Ehrenhaftigkeit aus. Schon in seinem 18. Jahre war er Capitän eines Schooners (eine Art Segelschiff) und trat 1812 als Segelmeister in den Dienst der Vereinigten Staaten. In dieser Stellung zeichnete er sich während des englisch-amerikanischen Krieges derart aus, daß mehrere hochstehende Vorgesetzte seine Beförderung zum Lieutenant wärmstens empfahlen. Ec erhielt zwar den seinem Verdienste angemessenen Rang aber von dem Augenblick begannen seine Verfolgungen, die bis zu seinem Tode währten. Auf der Fregatte Franklin ließen ihn seine Kameraden bald ihren Haß fühlen und protestirten vor Allem schriftlich gegen seinen Eintritt in ihr Corps. Der Schiffsarzt war der einzige Officier, der mit ihm sprach und durch böswillige Denunciatiouen versuchte man ihn zu einem freiwilligen Verzicht auf seinen Platz zu bewegen. Schließlich wurde er auf eine lügenhafte Angabe hin von einem Kriegsgericht verurtheilt. Das Urtheil, das auf infame Cassirung lautete, wurde jedoch durch Präsident Monroe nicht bestätigt und 1842 finden wir Levy wiederum vor einem Kriegsgerichte stehend, diesmal aber schon im Range eines Capitäns. Deutlich zeigte diese Anklage ihren Ursprung in dem Uebelwollen und Hasse seiner Collegen, denn Levy, der kurzvorher für die Abschaffung der Prügelstrafe auf den amerikanischen Schiffen sich wärmstens eingesetzt hatte und dafür zum Ehrenbürger der Stadt New-Aork ernannt worden war, wurde der Grausamkeit gegen Untergebene beschuldigt. Wiederum verurtheilte ihn das Kriegsgericht und wiederum wurde das Urtheil in Washington aufgehoben. Trotzdem er 1833 in Paris einige Unverschämte, die bei einem Toaste auf den Präsidenten der amerikanischen Republik mit Zischen antworteten, durch sein energisches Auftreten zu einer Abbitte veranlaßte, theilte man ihm 1855 mit, daß sein Name wegen Unfähigkeit aus der Liste der amerikanischen Marine gestrichen sei. Aber auch dieser Schimpf wurde von der Regierung wieder gutgemacht, indem sie einen Ehrenrath bestellte, der ihn wieder in seinen Rang einsetzte. Damit hatten auch seine Verfolgungen ein Ende und als er 1862 starb, wurde er mit all den militärischen Ehren begraben, die seinem außerordentlichen Muthe, seiner Pflichttreue und seiner glühenden Vaterlandsliebe gebührten. Vermischtes. Wien. (Trauung.) Sonntag den 12. November d. I. V21 Uhr Nachmittag findet im israelitischen Tempel zu Brünn die Trauung von Fräulein Elsa Schwarz, Tochter des Herrn Heinrich Schwarz aus Brünn, mit Herrn Siegfrid R o s e n b a u m, dem Sohne des Herrn Adolf Rosenbaum, Vorstandsmitglied der Chewra-Kadischa in Wien statt. Wien-Mariahils. Im isr. Tempel- und Schulverein VI., Stumpergasse 42, werden vom Vereins-Rabbiner Herrn Dr. S. Rubin jeden Samstag Vormittags nach beendetem' Gottesdienste Halacha'sche und jeden Sonntag nach dem Abend- Gottesdienste anknüpfend an die laufende Parscha Religionsphilosophische Vorträge gehalten.