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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-11-03 · 44 (3.11.1899) · page 20

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
44 (3.11.1899)
Date
1899-11-03
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Seite 848 Dr. Bloch's Wochenschrift» Nr. 44 hiezu Michael vor. Bevor Eisler diesen persönlich kannte, nahm er an seiner großen fugend Anstand; seine Knaben waren ja nur um zwei, drei Jahre jünger, aber als sich Michael persönlich vorstellte, entschloß er sich um so rascher ihn als Lehrer und Erzieher ins Haus zu nehmen, als er selbst von ihm entzückt war und der ältere Knabe Josef seinem Vater dreist erklärte, bei gar keinem andern Menschen auf der Wett, als den aus W. zugereisten Studenten Unterricht nehmen zu wollen. Auch hatte Michael schon bei seiner ersten Besprechung mit Eisler, einen Beweis einer für sein Alter ungewöhnlichen Klugheit gegeben. Wir haben es schon gesagt, Eisler beabsichtigte einen seiner beide» Söhne dem Gelehrten-, den andern dem Handels-Stande zu widmen. Nun hatte es sich darum gehandelt, wer der Student werden sollte, ob der ältere Josef, oder der nur ein Jahr jüngere Jacob. Beide wollten, vielleicht weniger aus Wissensdrang als aus Ehrgeiz, das Gymnasium besuchen. Die Mutter, welche den Erstgebornen bevorzugte, unterstützte dessen Begehren, und begründete dies damit, daß Josef zwar — wie sie wahrheitsgegemäß zugestehen mußte — lange nicht so fleißig sei als Jakob, dagegen aber sehr rasch auffaste und es daher ganz gewiß als Gäehrter weit bringen werde. Dagegen stimmte Reb Pinchas gewaltig. Josef, sagte er, sei als Erstgeborner der Familiant, und müsse einmal das Geschäft seines Vaters übernehmen; das sei Generation lang in seiner und in allen anständigen Familien so gehalten worden. Uebrigens sei Jacob ja sehr fleißig, und er Wiste es aus Erfahrung, noch von seinem Jeschiwoleben her, daß ein fleißiger Bachur2 3) mit mäßigen Geistesgaben es oft weiter bringe, als ein Charif% der aber lieber Karten spiele, als über die Sforim 4) sitze. — Michael war nun um seine Meinung über diese Frage angegangen worden, und gab diese in unerwarteter, alle hochbefriedigender Weise ab. Er schlug vor, vorläufig beide Knaben das Gymnasium besuchen zu lasten, da Wissen und Bildung in jedem Stande zu Nutzen und Zierde gereichten. Erst später würde man zu erkennen vermögen, welcher von Beiden sich mehr zu den höheren Studien eigne. Es sei möglich, daß der ältere Josef sich die Sache leichter vorstelle, als sie in der That sei, die Lust am Studium verlieren und schließlich selbst bitten würde, ihn dem Kaufmannsstand zuzuwenden. Die Bermuthungen des Vaters und der Mutter über die größere oder geringere Eignung ihrer Söhne zum gelehrten Stande beruhten auf höchst unsicheren Voraussetzungen. Ohne sich ein Urtheil über die Kinder, die er das erstemal sehe und daher gar nicht kenne, abzugeben, wäre es immerhin möglich, daß Josef bei den schweren Gegenständen die Gabe rascher Auffassung den mangelnden Fleiß nicht zu ersetzen vermöchte, anderseits aber, wenn das Ehrgefühl des lebhaften Knaben geweckt, und er älter würde, er die Nothwendigkeit fleißig zu sein, selbst einsehen und hierdurch alle Erforderniffe zu einem guten Schüler besitzen würde. Was Jacob beträfe, so wäre es zwar eben so möglich, daß sein Fleiß die geringeren Anlagen nicht zu ersetzen vermöchte, allein es sei auch nicht undenkbar, daß sich bei ihm ein schlummerndes Talent später entwickle. Keiner der hierbei Betheiligten konnte sich eine bessere Entscheidung wünschen und die entzückte Frau Eisler, welche ihre Wünsche erfüllt und den Hausfrieden erhalten sah, verflieg sich in ihrem ungemessenen Lobe so weit, Michaelas Ausspruch dem berühmten Salomonischen Urtheile gleichzustellen, und Michael's Einzug in Eislers Haus wurde mit allgemeinem Jubel begrüßt. Michael bewies sich trotz seiner fünfzehn Jahre doch als das was man damals in jüdischen Kreisen als Baal - Dower, das heißt Kernmenschen bezeichnete, er wußte trotz der geringen Altersdifferenz, die zwischen ihm und seinen neuen Schülern bestand, doch diesen zu imponiren und bewies sich auch sonst in seinen Angelegenheiten als ein energischer Knabe. Er mußte die Zeit bis zum Beginne des Schuljahres dazu benützen, die Erlaubniß zu erlangen die Prüfung aus den Gymnasialgegenständen als Privatist ablegen zu dürfen, und diese auch zu machen. Das Elftere erschien als der schwierigere Theil seiner Aufgabe. Sein diesbezügliches Gesuch war zuerst abgewiesen worden; aber er stellte sich den maßgebenden Persönlichkeiten vor und wußte seine Bitte durch so triftige Gründe zu unterstützen, daß diese, wohl mehr noch der eigenthümliche Zauber von Liebenswürdigkeit, der ihn umwob, die entscheidenden Factoren günstig stimmten. Die 2) Talmudjünger. 3) scharfsinniger Kopf, 4) den Büchern. bevorzugten, höheren, sogenannten privilegirten Kreise jener Zeit liebten es nicht, wenn sich die Söhne der unteren Stände zn den Studien drängten, und noch einige Jahre später konnte ein Decret der Hof-Studien-Commission das schreinde Unrecht verordnen, daß Kinder der nieder« Beamten, Bürger und Bauern strenger geprüft und classificirt werden sollten, als jene der Adeligen und der hohen Beamten, damit der Andrang der niederen Stände zu den höheren Lehranstalten vermindert werde. (Fortsetzung folgt). Briefkasten. W. B. In Soldau's „Geschichte der Hexenprocesse", S. 208 können Sie über das Justizverfahren bei Hexenprocessen in Frankreich lesen: „Der Scharfrichter stand zuweilen mit gezogenem Schwerte neben dem Torquirten und der Inquisitor drohte mit dem Abschlagen des Kopfes, wenn keine Geständnisse gemacht würden. Dr. B. W—r. Es muß für die Antisemiten ein bitterer Moment gewesen sein, als der Weihbischof Dr. S ch n e i d e r in seiner Rede sofort mit einem Citate aus den Psalmen des jüdischen Königs David begann, M. in M. Rathhaus, Wien. . ß* Ieutf.ch ht Neu-Pest. Wenn Hagar das Kind weglegte, um dessen, Tod nicht mit anzusehen, so hat das Kind geweint und darum heißt es: „Gott erhörte die Stimme des Knaben". S. W. Es war ein Druckfehler. B. H—n. In Fulda trieb in der Mitte des 17. Jahrhunderts ein gewisser Balthasar V o ß durch 19 Jahre sein tolles Unwesen. Er zog im Ländchen herum, überfiel Dörfer und Flecken, verhaftete die angesehensten und unbescholtensten Männer, auf deren Vermögen er es abgesehen hatte, und nahm, wie er es nannte, „Brände" vor. Er rühmte sich, über 700 Menschen dem Scheiterhaufen überliefert zu haben. I. B. Die Herrschaften lachen nur der Worte Rückert's: „Das sind die Weisen, Die durch Jrrthum zur Wahrheit reisen. Die bei dem Jrrthum verharren, Das sind die Narren." H. W—r. Fügen sie nur dem Pfarrer D e ck e r t kein Unrecht zu. (I.) Er hat erstens die Salvator-Medaille nicht blos in Anerkennung seiner Hetzreden gegen die Juden allein erhalten, man wollte ihn wohl auch wegen seiner Pamphlete gegen Luther belohnen. (II.) Deckert nimmt es als Talmudist zu jeder Stunde mit Rohling auf. Beide sind nämlich, was den Talmud betrifft — Analphabeten. n. g. Der Dichter ist ein Seher. Denken Sie nur an die Worte Goethe's im „Götz von Berlichingen": „Schließt eure Herzen sorgfältiger, als eure Thore. Es kommen die Zeiten des Betruges, es ist ihm Freiheit gegeben. Die Nichtswürdigen werden regieren mit List und der Edle wird in ihre Netze fallen". H. G. Wenn die Antisemiten das Blaue vom Himmel wegzuleugnen den Muth haben, dann darf S t r o b a ch mit der Berechnung dcbutircn, daß Lueger's Gas-Experiment nur drei Millionen gekostet hat. Es wäre nur zu wünschen, daß die Wiener Lueger-Verehrer die Differenz aus der eigenen Tasche decken. Notiz. Reclame „Argus". Es empfiehlt sich, bevor man einer Heirat eingebt, sich zuerst über das Borleben des Ehecandidoten resp. -Kandidatin eine erschöpfende,, wahrheitsgetreue Information kommen zu lassen. Es empfiehlt sich in diesen Fällen, sich an das bewährte Detectiv-Jnstitut, „Argus" Wien, I., Bognergasse 15, zu wenden. „Vorletzter Monat”. 6 Ziehungen haben die Lose der in Oesterreich concessionirten Großen Wohtthätrgkrits-Lotterir zu Gunsten des Poliklinischen Vereines (Spital.) Haupttreffer 100.000 Kronen. 5 ä 20.000, 5000 Kronen rtr. Werth. mit 20% Abzug. Jedes Los spielt in allen 6 Ziehungen ohne jede Nachzahlung mit und kann man mit einem Lose auch 6 Haupttreffer machen. Preis eines Loses nur 1 Krone. Erste Ziehung schon am 4. Jänner 1900. Eine Verschiebung der Ziehung ist ausgeschloffen. Lose sind zu haben im Lotteriebureau I., Spiegelgasse 13, ferner in allen Wechselstuben, k. k. Postämtern, Tabaktrafiken, Lottoeollecturen etc. etc. Die Ziehungen finden unwiderruflich an den bestimmten Tagen statt. 386 Herausgeber und verantwortlicher Redacteur: Dr. Josef S. Bloch. — Druck von L. Beck & Sohn, Wien, VIIL

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