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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-11-03 · 44 (3.11.1899) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
44 (3.11.1899)
Date
1899-11-03
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 44 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 843 Klinger war bis fast zu seinem Austritte mein unmittelbarer Untergebener in der „Wiener Mode" und da ich sogar im Hause wohnte, so glaube ich ein Urtheil über ihn ab geben zu können. Klinger ist treu, bescheiden, intelligent und von seltener Wahrheitsliebe. Wenn seine Gesundheit nicht gelitten hätte, und sie wurde, soweit mein Urtheil reicht, im Dienste untergraben, daun hätte es nie eine Beschwerde über ihn gegeben. Aber trotzdem hatte ich nie Ursache ernste Klage über ihn zu fuhren. Der Mann ist in Noth und bedarf einer Stellung, ich bin zu jeder näheren Auskunft bereit und danke im Vorhinein Jedem, der nicht aus jüdischem Zusammengehörigkeitsgefühl blos, sondern aus Menschlichkeit an Abhilfe denkt. Als Adresse genügt Josef Kinger, Floridsdorf. Ihnen geehrter Herr Doctor für Ihre Unterstützung bestens dankend, zeichnet hochachtungsvoll H. Aork-Steiner XIX., Vegagasse 11. Hochgeehrter Herr Doctor! Verzeihen Sie, wenn ich mit der ergebenen Bitte herantrete, mir zu bestätigen, daß ich den Artikel in Nr. 41 Ihrer vielgelesenen Zeitung — gegen die „Wiener Mode" — nicht geschrieben habe. Das Unglück, welches mich betroffen hat, ist so groß, daß man viel davon spricht, wie ich auf die Gaffe gesetzt worden bin. Die Entgegnung in Nr. 43 ist aber in folgenden Puntten unwahr: Nicht ein Junge, sondern mein Neffe, der 20 Jahre alt ist, dortselbst über 2 Jahre beschäftigt und von mir abgerichtet war, hat mich vertreten und außerdem hatte ich vom Herrn Director Steiner die Erlaubniß, wegen meines Leidens den Sonntag Nachmittag auf dem Lande zu weilen. Der Dienst an Wochentagen war sehr anstrengend; den ganzen Tag am Telephon, die Bedingung des elektrischen Aufzuges, die Ueberwachung der Ein- und Ausgehenden bei solcher Frequenz, geben Beispiel von meiner Aufgabe; dazu gesellte sich im Winter noch die Centralheizung,. Bei solch geschildertem Dienste, der wirklich nervzerreißend ist, bedarf selbst ein kerngesunder Mensch eine halbtägige Erholung in der Woche. Meine Wohnung war 14 Stufen unter dem Straßenpflaster; ob man das wohl Souterrain nennt, weiß ich nicht; feucht war es und selbst das häufigste Lüsten ftommte nichts. Herr Baumeister Drapala hatte oft Gelegenheit, die kerkerartige Wohnung zu besichtigen, und äußerte sich, daß selbst eine Trockenlegung nicht für die Tauer ist. Ich habe Herrn Director Steiner oft gebeten, sich zu überzeugen, wie naß die Möbel waren und das Bettzeug feucht. Er hat mir, wenn es zu arg war, erlaubt, in der Loge oder in einem Bureau zu schlafen, und einmal haben wir eine lange Zeit, als seine Familie abwesend war, in seiner. Wohnung schlafen dürfen, weil er gesehen hat, daß wir zu Grunde gehen. Daß wir reine Leute sind, sehen Sie schon daraus, denn schmutzige Menschen nimmt sich so ein Herr nicht in sein Kinderzimmer. Vor mir haben drei Portiers rasch den Posten ausgegeben, weil sie so nicht wohnen wollten, der neue Portier hat auch erklärt, daß er in der Wohnung nicht bleibt und er hat eine schöne Wohnung im II. Stock bekommen. Die Einreichung — um Aenderung der Wohnung — geschah in Abwesenheit des Herrn Director Steiner; er bemerkte mir später, daß Herr Colbert ob meiner Forderung, im Stockwerk wohnen zu -wollen, sehr aufgebracht sei, und so ich darauf ernstlich bestehe, möge ich mir einen anderen Posten suchen. Leider war ich in meiner Gesundheit, die ich im Dienste der Gesellschaft verloren habe, so ruinirt, daß ich dies zu thun nicht mehr im Stande war; denn noch jetzt stehe ich in ärztlicher Behandlung. Genug: die Entlassung geschah ohne Grund, man wollte einen armen Teufel, der sich ruinirt hatte, auf billige Art los werden, und habe ich außer einem Darlehen von 40 Gulden — welches ich mich in monatlichen Raten zu zahlen verpflichtete, von gar keiner Wohlthat Kenntniß. Genehmigen Sie, hochgeehrter Herr Doctor für Ihren Schutz meinen tiefgefühltesten Dank und zeichne mit ausgezeichneter Hochachtung JosefKlinger. Floridsdorf, am 31. October 1899. Mährisch-Ostrau. Ueber eine interessante Gerichtsverhandlung wird hier mancherlei gesprochen. Ein jüdischer Geschäftsmann forderte einen kleinen ausstehenden Betrag bei einer christlichen Kundin und diese hierüber ungehalten, antwortet in einer Correspondenzkarte, sie habe das Geld abgesendet, rathe ihm aber, da er zu diesem Gelde auf so leichte Weise gekommen sei, dieses dem Hülsner zu subventioniren (poslejte Üülsnerove) da er in Kürze gehenkt werde, nnd um ihm damit eine Ausbesserung der Verpflegung zu verschaffen (na prilepsenou). Eine Ehrenbeleidigungsklage vor dem hiesigen Bezirksgericht war die Folge hiervon. Hier mußte nun die durch einen Rechtsfreund vertretene Beklagte klein beigeben. Nicht nur, daß sie eine protokollarische Erklärung abgab, daß sie die gemachten Bemerkungen bedaure, mußte sie sich auch zur Bezahlung sämmtlicher Kosten und einer an den hiesigen israelitischen Frauen-Wohlthätigkeitsverein zu entrichtenden Geldbuße von 5 fl. v e r p f l i ch t e n. Franzensbad. Nochmals sind wir genöthigt auf den Artikel über Franzensbad in Nr. 33 der „Oesterr.Wochenschrift" vom 28. August 1899 zurückzukommen. In jenem Artikel wurden mehrere Namen genannt ohne Einverständniß der Betreffenden. Diesmal ist es der Restaurateur Herr Theodor Spiegel, welcher uns ersucht, der Wahrheit gemäß zu constatireu daß er jener Einsendung vollständig ferne stand und von derselben vor der Publication keine Kenntniß hatte. Wir stehen nicht an, dem Wunsche an dieser Stelle zu entsprechen und zu constatieren daß thatsächlich Herr Theodor Spiegel mit der mehrfach erwähnten Correspondenz in keiner wie immer gearteten Verbindung steht. Antisemitische Agitatoren in jüdischen Dienste. Die Nachoder Baumwollspinnerei Wärndorfer Benedikt & Mautner, in deren Fabrik überhaupt ein Jude keine Anstellung erhalten kann, besitzt unter ihren Angestellten einen Obermeister Namens Grigorka, der sozusagen der Hauptsührer der hiesigen Antisemiten ist. Derselbe präsidirte dieser Tage einer von dem berüchtigten Dr. Baxa abgehaltenen Versammlung, wo als einzig richtige Lösung der Judenfrage das „svuj k svömu“ nämlich der Boycott des Judenthums auf allen Gebieten proclamirt wurde. Sehr interessant wäre es zu wissen, ob dieser famose Antisemitenhäuptling, der seitens der Judenchefs einen großen Gehalt bezieht (er ist Wähler im 2. Wahlkörper), diese von dem Boycott ausschließt. Milelin, 30. October. Gestern den 29. d. M. fanden auch hier in den Abendstunden Demoustrationen in Folge Aufhebung der Sprachenverordnungen statt, die aber Dank der Energie des Bürgermeisters Franz Pecenka und des Drechslerwarenfabrikanten V. Vonka einen ganz ruhigen Verlauf nahmen. Ohne den umfassenden Vorsichtsmaßregeln des Bürgermeisters wäre wohl kaum die Ordnung und Ruhe in unserer sonst so friedlichen Stadt erhalten worden, da der aus drei Mann bestehende Gendarmerieposten infolge Abberufung nach Hokitz vollständig entblößt wurde. Alle Bewohner haben sich jeder antisemitischen Provocation enthalten, nur der Uhrmacher Canil Klika, dessen Mutter Schnittwarenhändlerin Josefa Rejl ganz auf jüdischen Credit angewiesen, rief vor dem Hause des Liqueurfabrikanten Lokesch zu der Mengx. BHanba Zidürn, netrpme je zde!“ („Schande den Juden, dulden wir sie nicht hier!") Seine Stimme blieb aber vollständig vereinzelt und fand keine Nachahmer. M.-Weißkirchen. (Der „abgezapfte" Schneider.) Am vorwöchentlichen Donnerstag wurde ein hiesiger Arzt zu dem achtzehnjährigen Schneidergehilsen Johann N e l h i e b e l gerufen, um demselben mehrere Schnittwunden leichten Grades zu verbinden. Auf die Frage des Arztes, wo er sich diese Verwundungen zugezogen habe, erzählte der. Schneider, er sei von einem Juden, einem angesehenen jüdischen Kaufmanne, überfallen worden, der versucht habe, ihm zu rituellen Zwecken — Blut abzuzapfen. Der Arzt erstattete bei der hiesigen Polizei die Anzeige. Der um seines Rechtssinnes und seiner Energie willen hier allgemein beliebte Polizeirath Johann Klein unterzog den Burschen einem strengeu Kreuzverhör und nach kurzer Zeit kam es denn auch an den Tag: Der Schneidergehilfe gestand, sich selb st die Verletzungen zugefügt zu haben, um unter dem Scheine eines an ihm begangenen Ritual Mordversuches gegen die Juden zu Hetzen. — Schade, daß der „abgezapfte" Schneider so schnell gestanden bat. Herr Schwer vom „Deutschen Volksblatt" ist dadurch um eine hübsche Reise nach Mähren und Herr Vergani um ein Geschäft ä la Polna gekommen. Deutschbrod. (Zum Mädchenmord in Polna.) Vor dem hiesigen Bezirksgerichte hatte der Jglauer Advocat Dr. Schwarz den Rabbiner von Polna in einer Ehrenbeleidigungsklage gegen den Grundbesitzer K r u p a u e r aus Chisten zu vertreten. Letzterer hatte in Gegenwart vieler Personen öffentlich geäußert, daß der Cultusvorsteher, der erste Cultusrath nnd der Rabbiner von Polna zum Prager Oberlandesgerichte vorgeladen worden seien, um dort unter Eid auf die Thora zu bestätigen, daß die Juden kein Christenblut brauchen.

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