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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-11-03 · 44 (3.11.1899) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
44 (3.11.1899)
Date
1899-11-03
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sette 842 Dr. Bloch's Wochenschrift» Sir 44 Ueber Handel und Handelseigenschaften der Juden iur Atterthum schreibt Professor Conrad Zacher in Breslau in einem Aufsatz „Antisemitismus und Philosemitismus in classischen Alterthum". (Pr. Jahrbücher. October 1898). Wir entnehmen demselben folgende Stelle: „Von den Elementen des modernen Antisemitismus entfällt für das classische Alterthum gänzlich oder fast gänzlich das des Anticapitalismus. Die Anklage das Wuchers oder der geschäftlichen Unredlichkeit finden wir von den Judenfeinden des Alterthums nie gegen die Juden erhoben. In Unredlichkeit und geschäftlicher Geriebenheit konnten ja auch Griechen und Syrier nicht überboten werden, und die Römer gaben diesen nicht viel nach. Als Capitalisten aber haben die Juden weder in Rom noch in den hellenistischen Städten eine Rolle gespielt. Sie haben sich zwar in der Regel hier nicht als Landwirthe ernährt (das thaten sie nur in Palästina selbst, in Babylonien und einten anderen^.Gegenden Jnnerasiens), sondern überwiegend als Handwerker und Handeltreibende; aber wenn auch manche von ihnen zu behaglichem Wohlstand und auch Reichthuum gelangten, so war doch, soviel wir ersehen können, im Ganzen ihre Stellung im Gewerbsleben keine glänzende oder gar dominirende, sondern eher eine gedrückte; der Großhandel und das Großgeldgeschäft wurde beherrscht durch die römischen Senatoren und Ritter und nächst diesen durch Griechen nnd Syrer. Eine Msnahme machte das Ptolemäerreich in Egypten, in dem die Juden sich ganz besonderer Begünstigung seitens der Herrscher zu erfteuen hatten und sowohl als Handesmänner wie als Steuerpächter zu bedeutendem Einfluß gelangten; dies Land wurde denn auch zur eigentlichen Heimat des Antisemitismus, und auch hier nur, nicht an anderen Orten, merken wir etwas von Racenantipathie, für die außerhalb Egyptens in dem Cosmopolitismus der hellenistischen Reiche und des welterobernen Römerreichs keine Stelle war." Die Antisemiten und das Alte Testament. Bekanntlich haben sich auf dem letzten antisemitischen Parteitag zahlreiche Delegirte für die Ausscheidung des Alten Testaments aus dem christlichen Religionsunterricht, zum Theil unter beschimpfenden Wendungen, ausgesprochen. Wie sehr hiedurch evangelischorthodoxe Kreise verstimmt worden sind, zeigt ein Artikel der „Allgemeinen E.vangelisch-Lutherischen Kirchenzeitung". Darin wird zum Schluß ausgeführt: „Man hat in der That den Eindruck, als ob hier mit dem Alten Testament auch die heilige Schrift, überhaupt die ganze göttliche Offenbarung getroffen werden sollte. Es wird als etwas Unerhörtes bezeichnet, daß man im alten Testament noch eine Offenbarung findet, und fast mitleidig als ein Reservatrecht mancher Theologen belächelt, daß sie die Bibel überhaupt als göttliche Offenbarung auffaßten. Für sich selbst fühlt man sich längst über solche Belleiitäten erhaben und schont sie an anderen uur aus Opportunismus. In der That, es bedarf keiner öden Consequenzenmacherei, um aus jenen Prämissen auf eine völlige Verwerfung der göttlichen Offenbarung zu schließen, und wenn wir auch allen Grund haben, bei den Rednern des Hamburger Parteitages das religiöse Wissen auf ein Minimum zu beschränken und ihrem christlichen Urtheil so gut wie nichts zuzutrauen, so viel werden doch auch sie sich sagen, daß ihre Anschauung vom Alten Testament auch das Neue über den Haufen wirft und die Autorität Christi vernichtet. Es bedarf darüber gar keiner Worte. Schon ein kleines Schulkind weiß, daß Je us nicht gekommen ist, daß Gesetz aufzulösen, sondern zu erfüllen. Aus solchen Aeußerungen, wie sie in Hamburg gefallen, spricht nicht nur.ein antijüdischer, sondern auch ein a n t i ch r i st l i ch e r Geist. Es wäre dringend zu rathen, daß man hier überhaupt nicht mehr das Christenthum in den Mund nehme und von einer Befreiung des deutschchristlichen Geisteslebens faselte. Was diesem Racenantisemitismus allein entspricht, ist der Cultus eines Racengermanismus, bei dem vom Christenthum nichts übrig bleibt, vielleicht auch bald nichts mehr vom deutschen Volke selbst, dem wahrhaft „auserwählten". Gewiß sind nicht alle Antisemiten dieser Ueberzeugung, und auch in Hamburg mag mancher nur mit innerem Protest jenen Ausfällen gefolgt sein. Aber sie halten damit den rollenden Wagen nicht auf, und die große Masse folgt stets den Exiremen." Ein Musterkatechet. Von verläßlicher Seite wird dem Wiener Abendblatte berichtet: In der vierten Classe der am Keplerplatz im zehnten Bezirk gelegenen Mädchenvolksschule verbot der Katechet Pater Honsik in der Religionsstunde den christlichen Kinder jeden Verkehr mit den jüdischen und äußerte, er werde, wenn er sehen oder hören sollte, daß ein solcher Verkehr dennoch startfinde, die Kinder st re n ge best r a f e n. Ein Kind erzählte hierauf dem genannten Religionslehrer, daß eine Schulkameradin fast ausschließlich mit Judenkindern verkehre, woraus der Piter seine Drohung wiederholte. „Wißt Ihr denn nicht" — soll dieser Jugendbildner hiebei geäußert haben — „daß Euch die Judenabschlachten?" Wir fordern hiemit die competente Schulbehörde auf, diesen Fall auf das strengste zu untersuchen. Das Wirken eines solchen Katecheten ist ein blutiger Hohn ans den Religionsunterricht und eine verbrecherische Vergiftung der einem solchen Menschen unglücklicherweise anvertrauten Kinderseelen. Aber auch die kirchlichen Behörden dürften unseres Erachtens mit einer solchen Verhöhnung der Grundsätze der katholischen Religion durch einen katholischen Priester sicherlich nicht einverstanden sein. Correspondenzen. Judenverfolgungen. Aus Uszscyki wird uns telegraphisch gemeldet: 60 Häuser, am 29. October abgebrannt, 150 Familien obdachlos. Aus Gaja erhalten wir die Meldung, dass der jüdische Tempel in Flammen steht. Wien. In der am 29. October stattgehabten Plenarsitzung wurde der Präsident, Herr kais. Rath K l i n g e r, welcher nach längerer Krankheit den Vorsitz wieder übernommen hatte, von den fast vollzählig versammelten Mitgliedern des Vorstandes wärmstens begrüßt und zu seiner Genesung beglückwünscht. Der Präsident gab seinem wärmsten Danke für diese Kundgebung Ausdruck und dem tiefen Bedauern, daß er sich durch viele Wochen den Aufgaben der Gemeinde nicht voll widmen konnte, zum Glücke sei er in ausgezeichneter Weise durch die Herren Vice-Präsidenten vertreten gewesen, deren Thätigkeit mit Recht allgemeiner Anerkennung begegnet und welchen er seinen herzlichen Dank ausspreche. Es wird bekannt gegeben, daß an Spenden ein gelaufen sind: Von Herrn Julius K o h n anläßlich des Todes seiner Gattin für Arme fl. 500.—. Von Herrr Rudolf A u s p i tz als Gründungsbeitrag für den „allgemeinen österr. israel. Bund" fl. 1000.—. Weiters eine Spende von fl. 1000.— anläßlich der letzten Ausschreitungen gegen Juden, desgleichen fl. 1000.— aus demselben Anlasse von Herrn Carl A u s p i tz. Die Anträge des Vertreter-Collegiums betreffend die Zinsen-Zuwendung des Dr. S. H. G o l d s ch m i d t 'schen Legates gelangten zur Beschlußfassung. Wien. (Die Strafanzeige gegen Oberrabbiner D r. G ü d e m a n n.) In der Sonntagsnummer vom 29. October publicirt das Deutsche Volksblatt nachstehende Zuschrift der k. k. Staatsanwaltschaft in Wien: Euer Wohlgeboren werden verständigt, daß ich Ihre Anzeige wider Dr. N. G ü d e m a n n wegen Vergehens des § 803 St. G. nach § 90 St. P. O. r ü ck g e l e g t habe. Wie n, am 28. October 1899. Der k. k. I. Staatsanwalt: Kleeborn. An Se. Wohlgeboren Herrn Hans Arnold Schwer Redacteur des „Deutschen Volksblattes" Wien. „Wiener Mode." Sehr geehrter Herr Doctor! Durch die in den Nummern 41 und 43 publicirten Notizen „Wiener Mode" betreffend, wurde ich auf den besprochenen Josef K l i n g e r wieder aufmerksam gemacht und ich wünsche vom Herzen, daß die Veröffentlichung folgender Zeilen, um die ich höflichst ersuche, ihm eine Stellung einbringen mögen.

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