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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-11-03 · 44 (3.11.1899) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
44 (3.11.1899)
Date
1899-11-03
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 44 Dr- Bloches WochenfchrM Seite 841 Eine Palästina-Ausstellung. Von gutunterrichteter Seite kommt uns die interessante Neuigkeit zu, daß die hiesige Cvmmandit-Gesellschaft „Karmel" eine allgemeine Ausstellung der verschiedensten Products der jüdischen Colonien in Palästina zu arangiren beabsichtigt. Dieselbe soll auf einer der belebtesten Straßen Wiens in großem Style veranstaltet werden, bei freiem Entröe für Jedermann. Eine in denselben Räumlichkeiten befindliche Kosthalle wird Gelegenheit bieten, sich von der Vorzüglichkeit der ausgestellten Waaren zu überzeugen. Wir begrüßen diese glückliche Idee als eine Ehrung des Judenthums aufs wärmste. Wie unfern Lesern bekannt, wurde die Gesellschaft „Karmel" vor etwa anderthalb Jahren von hervorragenden hiesigen Persönlichkeiten ins Leben gerufen, die den philantropischen Zweck haben soll, die exquisiten Palästina- Weine und -Cognac in Oesterreich-Ungarn abzusetzen, um so den jüdischen Colonisten im heiligen Lande die Existenz zu ermöglichen und zu fördern. Die nun bevorstehende Exposition soll ebenfalls diesem Zwecke dienen; sie soll die berühmten Karmelweine in weiteste Bekanntschaft bringen. Aber noch ein anderer idealer Zweck soll damit erreicht werden: die Ausstellung soll vor aller Welt die Arbeitsfähigkeit und Schaffenskraft der Juden bezeugen. Vor aller Welt — auch vor der jüdischen, denn auch wir hatten ein falsches Bild von den Erez-Jsrael-Juden: ein betender Bettler vor der Westwand. Diese Vorstellung war ehemals vielleicht zutreffend; seitdem aber die jüdische Colonisation in Palästina größere Dimensionen angenommen, hat sich das Bild ganz verändert. Heute treffen wir im Lande blühende Dörfer, paradiesische Fluren und Gärten, die ausschließlich von jüdischen Einwanderern geschaffen wurden. Jüdischer Fleiß hat dort herrliche Culturen hervorgezaubert und jüdische Hände gründeten weitgerühmte Musterwirthschaften. Hart, sehr hart war die Arbeit, nun aber reift der Lohn und sichert die Existenz der Colonien allmälig mehr nnd mehr. Die Ausstellung wird sämmtliche Producte der jüdischen Colonien zur Schau bringen: elfSortenWein und Cogu a c, verschiedene Liqueure aus einem Weindestillat, den hochdeliciösen Blüthenhonig, die berühmten Jaffaer Orangen, Malagatrauben, Oliven, Datteln, Feigen, Mandeln, Conserven, verschiedene Gattungen Getreide und Gemüse, Seide, Holzschnitzereien u. s. w. Ist nun diese Ausstellung bestimmt und geeignet, die Mythe von der Arbeitsscheu der Juden gründlich zu zerstören, so sollten wir Juden andererseits diese Bestrebungen dankend anerkennen. Dies können wir auf leichte Weise bethätigen: jeder Jude besorge seinen Bedarf an Wein undCognacbei der Karmel-Gesellschaft, wobei die Getränke trotz ihrer hochfeinen Qualität und unverfälschten Echtheit um die Hälfte billiger erhältlich sind, als andere ähnliche ausländische Sorten. Namentlich in der heutigen bitterbösen Zeit der Boycottirung und Verfolgung soll es unsere Pflicht sein, unsere arbeitenden Brüder im alten Heimatslande zu unterstützen. Emilio de Castelar über den Antisemitismus und das Blutmärchen. Von Dr. Josef Hoff, Rabbiner in Bisenz. Anschließend an die in der letzten Nummer der „Oesterreichischen Wochenschrift" veröffentlichten Gutachten der hervorragendsten christlichen Fachgelehrten und der ersten theologischen Facultäten, die alle das jüdische Blutrituale als eine völlig aus der Luft gegriffene, böswillige Beschuldigung bezeichnen, sei es mir gestattet, einige Worte des vor nicht langer Zeit verstorbenen, gelehrten Staatsmannes Emilio de Castelar über den Antisemitismus und das Blutmärchen zu citiren. Am 15. September 1882 reproducirte Dr. Johann Forstenrath aus Cöln im literarischen Congreffe zu Wien Castelar's eigene Worte: „Ich verstehe es nicht, daß Nationen, die von Alters her den liberalen Ideen angehangen haben, sie schließlich aufgeben und verrathen. Und da ich das nicht verstehe, so kann ich das Alles nicht verstehen, was Deutschland ohne irgend welche Vernunft in der Sache der so ganz unglaublichen anttsemitischen Agitation thut. Deutschland kann nicht den ursprünglichen Principien der Freiheit der Seelen entsagen, ohne den ganzen Hauptgedanken aufzugeben, der sein Leben beseelt, und ohne dem glorreichsten Dienst völlig untreu zu werden, den es in der Geschichte erfüllt hat. Seenen, die wir dem Mittelalter eigen glaubten, erneuern sich vor unseren erschrockenen Augen, die öffentlichen Clubs bitten um die A u s t r e i b u n g, wie in den traurigen Tagen Torquemad a's. Die verbrecherische Intoleranz zeigt an, daß kranke Kinder hebräisches Gift bekommen, und daß an dem öffentlichen Unglück die Noth der Gottesmörder die Schuld trage. Wir scheinen um vier Jahrhunderte von dem unserigen, dem so strahlenden, entfernt und zurückversetzt in die Tage, in denen auf ein von der Bosheit ausgestreutes Gerücht, daß die verfluchte Race die Kinder dem Schoße der Mütter geraubt, um sie bei den Opferungen ihres Gottesdienstes zu verwenden, wüthende Schaaren mit Fackel und Dolch auszogen, erbarmungslos die Häuser in Brand steckend, und ohne Rast die wehrlosesten Geschöpfe verfolgend. Wir würden über Den gelacht haben, der uns ein solches Verbrechen angezeigt hätte, gegen den Gedanken und Freiheit begangen vom Volke der Gedankenfreiheit! Und es besteht zum allgemeinen Aergerniß. Eine Waffe ist es, geschwungen von den Reactionären und Ultramontanen gegen die liberale Partei, die so viele Juden zu ihren Anhängern zählt; eine Waffe der Reactionären und Ultramontanen, als ob nicht die Tinte noch frisch, mit der die Gesetze gegen Diejenigen geschrieben wurden, die jetzt so zurückschreiten und die Verbannung erbitten, die noch über ihren eigenen Häuptern schwebt." *) Unter stürmischem Beifall der ganzen Versammlung konnte vor 17 Jahren Castelar das zügellose Treiben der Judenhaffer verurtheilen. Heute aber schmettern die Trompeten auffordernd zum Kampfe gegen die bösen Söhne Sem's. „Hepp hepp!" hallt es in den Straßen der „glänzenden Phaäkenstadt". Statistik der Juden in Amerika. Alexandria (Louisiana). Die folgenden Ziffern dürsten dem großen Kreis der Leser Ihrer vorzüglichen und geehrten Wochenschrift umsomehr interessiren, als dieselben dem „I e w i s h Iear-Book for 5660" entnommen sind. Im Jahre 1818 waren nach Angabe des Herrn Mordechai Noah, in den Vereinigten Staaten von Nordamerika 3000, im Jahre 1820 nach Berechnung des Herrn Isaak L. Harby 6000 und im Jahre 1840 bereits 15.000 Juden ansässig, deren Zahl bis 1848 auf 50.000 angewachsen war. Nach Erörterungen des Herrn Wilhelm B. Hackenburg aus Philadelphia, war die Zahl der Juden in den Vereinigten Staaten im Jahre 1880 auf 230.257 gestiegen und beträgt jetzt, nach Ermittlungen der Herren Isaak Markens, Advocat David Sulzberger und Professor Dr. Cyrus Adler mindestens 1,043 800 im Vergleiche zu 937.800 im Jahre 1897, wovon auf die einzelnen Staaten folgende Ziffern entfallen : Alabama 6000, Arizona 2000, Arkansas 4000, California 35.000, Colorado 10.000, Connecticut 6000, Nord- und Süd- Dacota 3500, Delaware 3500, District Columbia 3000, Florida 2500, Georgia 7000, Idaho 2000, Illinois 95.000, Indiana 25.000, Jova 5000, Kansas 3500, Kentucky 12.000, Louisiana 20.000, Maine 5000, Maryland 35.000. Massachusetts 20.000, Michigan 9000, Mississippi 5000, Missouri 35.000, Montana 2500, Nebraska 2000, Nevada 2500, New-Stampshire 1000, New-Jersey 25.000, Neu-Mexico 2000, New-Aork (Staat) 400.000, North Carolina 12.000, Ohio 50.000, Oregon 6000, Pensylvania 95.000, Rhode-Jsland 3500, Süd-Carolina 8000, Tennessee 15.000, Texas 15.000, Utah 5000, Vermont 1000, Virginia 18.000, Washington (Staat) 2800, West-Virginia 6000, Wisconsin 10.000, Wyoming 1000. Von best unterrichteten Seiten wird jedoch behauptet, daß diese Ziffer im Ganzen genommen wenigstens um 100- bis 150.000 zu gering veranschlagt sind. Mit herzlichem Gruß achtungsvoll und ergebenst Rabbiner Dr. Alex. Rosenspitz. Herr Julius Weiß, aus unserer Nachbarstadt New- Orleans, hat dem israelitischen Altenheim, welches daselbst in Verbindung mit der berühmten T o u r o Jnfirmary besteht, letzten Jom Kippur die Summe von 25.000 Dollars (gleich 125.000 Kronen) geschenkt. *) Castelar's Erklärung erschien auch in dein spanischen Blatte „Clvin".

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