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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-10-27 · 43 (27.10.1899) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
43 (27.10.1899)
Date
1899-10-27
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 818 Dr. Bloch's Wochenfchrifl. Nr. 43 In demselben Werke wird ferner Genuß eines Eies, sobald sich in seinem Dotter oder Weißen ein Blutströpfchen vorsindet, untersagt. Was den Mord anlangt, so ist derselbe im fünften Worte des Decalogs ohne jede Einschränkung verboten und das talmudische Schriftthum enthält keine abweichenden Bestimmungen darüber Nach dem Gesagten darf man sich nicht wundern, wenn die immer wieder und wieder auftauchende scheußliche Blutbeschuldigung: Juden morden Christen, namentlich Christenkinder, um sich ihres Blutes bei ihrer Passahfeier zu bedienen, nicht nur von Juden mit sittlicher Entrüstung zurückgewiesen und als böswillige Verleumdung hingestellt wird, sondern daß auch Christen, welche das rabbinische Schriftthum in den Quellen studirt und sich auch mit dem religiösen Ceremoniell der Juden vertraut gemacht, allen Ernstes feierlichen Protest dagegen erhoben haben. Und sollte man bei den jüdischen Vertheidigern vielleicht Parteilichkeit voraussetzen, so kann doch ein solcher Argwohn bei Erklärungen christlicher Theologen nicht aufkommen. Selbst getaufte Juden so scharf sie auch später die jüdischen Ritualbestimmungeu und das ganze religionsgesetzliche Leben des Judenthums beurtheilen, haben stets ihre früheren Glaubensgenossen von der gegen sie erhobenen schweren Beschuldigung des rituellen Mordes freigesprochen. Woher stammt nun die Beschuldigung und wie hat sie aufkommen können? Ich weiß keine andere Erklärung als die, daß der bei der Passahmcchlzeit zur Verwendung kommende rothe Wein, welcher unter anderem an das von dem egyptischen König Pharao auf den Rath seiner Bilderschriftkuudigen zum Zwecke seiner Genesung angerichtete Blutbad unter den israelitischen Kindern erinnern soll, die Veranlassung gegeben hat. Es heißt 2 Moses 2, 33: „Und die Kinder Israels seufzten." Dazu bemerkt der Midrasch Schemoth rabbah d. i. die moralische Auslegung zum zweiten Buch Moses: „Warum seufzten die Kinder Israels? Antwort : Weil die Bilderschriftkundigen Egyptens zum Könige gesagt hatten: Es gibt für Dich keine Heilung, wenn nicht au jedem Abend und an jedem Morgen 150 kleine israelitische Kinder geschlachtet werden und Du täglich zweimal in ihrem Blute gebadet wirst." Dazu kommt, daß sich an dem zweiten Becher der Passahmahlzeit in manchen Gegenden noch ein eigenthümlicher Gebrauch knüpft. Der Hausherr taucht nämlich bei Erwähnung jeder Plage durch welche die Egypter genöthigt wurden, die Israeliten ziehen zu lassen, seinen kleinen Finger in den Wein und läßt den daran hängen gebliebenen Tropfen in eiu besonderes Gefäß abfließen. Der Genuß dieses Weines soll schädlicher als Gift wirken. Außerdem geschieht die Aufzählung der zehn Plagen mit dem Worte Dam (m), welches Blut bedeutet, weil die Verwandlung des Wassers in Blut die erste der zehn Plagen war. Wenn dies der eigenthümliche Grund sein sollte, — einen anderen kann ich, wie gesagt, aus dem rabbinischen Schrifthum nicht ausfindig machen — so läge übrigens die merkwürdige Erscheinung vor, daß der bei der Pasiahfeier gebrauchte rothe Wein für das Judenthum hinsichtlich der Verdächtigung des rituellen Mordes gerade so verhängnißvoll geworden wäre, wie für die Christen in den ersten Jahrhunderten der bei den Liebesmählern und später bei der Abendmahlsseier gebrauchte Wein gegenüber den Heiden. Auch diese pflegten die Christen thyesteischer Mahle zu beschuldigen. Wie die Christen früher unter diesem Jrrthum zu leiden hatten, trotzdem derselbe von ihnen aufs entschiedenste widerlegt wurde, so sind auch die Juden, wenn Verleumdungssucht das. Märchen vom rituellen Morde wieder einmal auftischt, dem Fanatismus der leichtgläubigen Menge ausgesetzt. So war es vor cirrn fünfzig Jahren am Niederrhein und so ungefähr um dieselbe Zeit in Warschau. Möge es einem hohen Gerichte gelingen, auch über die Tisza-Eszlar-Affaire Licht zu verbreiten und die Unschuld der augeklagten Juden recht bald nachzuweisen, damit nicht der böse Geist der antisemitischen Bewegung neue Nahrung zum Unheil des Zusammenlebens von Christen und Juden daraus ziehe. Dresden, am 31. October. Lic. theol. Dr. Aug. Wünsche. Herrn Leopold Lipschitz Oberrabiner, z. Z. in Budapest (Ungarn) Museumsring 39. E r n 6 8 t Rena n. Paris, le 16. Novembre 1882. Entre toutes les calomnies qui ont seroi d’aliment ä la kaine et au fanatisme, e ile qui attribue aux juifs des meurtres destines ä fournir la matiere de festins sanglants est assuröment la plus absurde. Un des traits earacteristiques de la religion israelite est l’interdiction de faire servil* le sang a la nourriture de l’homme. Cette precaution, excellente ä une certaine epoque pour inspirer le respect de la vie, a ete conservd par le judaisme avec un scrupule extreme, mßme ä des öpoques et dans des etats de civilisation ai eile n’est plus qu’une gene. Et Ton vent que l'israölite zel6, qui mourrait de faim et souffrirait le martyre plutöt que de manger un morceau de viande qui n’a pas et6 saignö a blanc, te repaisse de sang dans un festin religieux. Cela est monstrueux d’ineptie. Je suis persnade que pas un seul des recits que l’on fait sur de prdtendues päques sanglantes n’a de fondement reel. Non-seulemdnt si un pareil crime s’etait produit, il fandrait dire que le miserable qui s’en serait rendu coupable aurait manque ä toutes les prescriptions de judaisme; mais je vais plusloin. je crois que le crime en question n’a pas ete commis une seule fois. L’imagination humaine n’est pas tres varide en fait de calomnies. La fable de repas mysterieuse, avrotes de sang humain, a et6 la machine de guerre invent6e dans tous les temps contre qu’un pröjugä avengle a voulu per die. Cette calomnie fut* la cause de deplorables persicutions contre le Christ ianisme. Assurement l’agape chrötienne ne fut jamais souillöe par une teile abomination. La päque juive en est tout aussi innocente. II serait digne du christianisme d’empecher qu’on n’exploite contre d’autres le mensonge odieux dont il a lui-mdme si injustement souffert. Einest Renan. E r n st Rena n. Paris, 16. November 1882. Unter allen Verleumdungen, welche dem Haß und dem Fanatismus Vorschub geleistet haben, ist sicherlich die absurdeste diejenige, welche die Juden beschuldigt, daß sie Mordthaten begehen zu dem Zwecke, um das Material zu blutigen Ceremonien zu gewinnen. Einer der ' charakteristischen Züge der jüdischen Religion ist das Verbot von Blut als Nahrung des Menschen. Diese Vorsichtsmaßregel, welche in einer gewissen Epoche wohl geeignet war, Respect vor dem Leben einznflößen. ist von dem Judenthum mit außerordentlicher Gewissenhaftigkeit beobachtet worden, selbst in jenen Epochen und Zuständen der Civilisation, wo dies sehr peinlich war, und nun will man behaupten, daß der fromme Jude, der lieber Hungers stürbe und ein Martyrium erlitte, als daß er ein Stückchen Fleisch genösse, das nicht ganz reingewa-

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