Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 43 (27.10.1899)
- Date
- 1899-10-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 43 Dr. Bloch's Wochenschrift« Sette 811 mir von theoretischen Widerlegungen der in Cours gesetzten Beschuldigung, daß die Juden in ihrem Cult Christenblut gebrauchen, darum nicht den mindesten Nutzen versprechen, weil die Leute, welche sie ausgesprengt haben, sie selbst nicht glauben, die fanatisirte Masse aber theoretische Widerlegungen nicht liest und nicht glaubt. Sofern sich überhaupt die Sache aus den jüdischen Büchern widerlegen läßt, ist das ja schon durch meinen College« hier, Prof. Dr. H. Strack zur Genüge öffentlich geschehen. Ich selbst bin in den rabbinischen Schriften nicht so bewandert, daß ich etwas dazu thun könnte, und habe gegenwärtig auch keine Zeit dazu, mich eingehend mit der Sache zu beschäftigen. Ich habe so vieles andere zu thun, daß ich mich nicht damit abgeben kann, Dinge, die an sich unglaublich sind und die Niemand glaubt, als unglaublich erst noch zu erweisen. . Indem ich also bedaure, Ihrem Gesuche in der gewünschten Weise nicht entsprechen zu können, kann ich gleichwohl als meine volle Ueberzengung aussprechen, daß die genannte Beschuldigung eine reine, böswillig ausgesprengte Lüge ist, und wünsche von Herzen, daß die Obrigkeiten endlich mit Nachdruck gegen die schuldigen Fanatiker einschreiten mögen. Hochachtungsvoll ergebenst ■ St. Dill nt a u u, Dr. theol. u. phil., ord. Professor a. d. Universität Berlin. An Herrn Rabbiner Lipschitz aus Szanto Es will mir schmählich und empörend erscheinen, daß in unserer Zeit die alte Barbarei des Mittelalters ihre Auferstehung feiert und längst auf allen denkbaren Wegen widerlegte Jrrthümer und bösliche Anschuldigungen noch einmal ernstlich ausgesprochen und erhoben werden. Der jüdische Ritus kennt kein Menschenopfer, fordert kein Menschenblut, denn der Israelit betet vor allem um „Leben und Frieden". Die Ankläger, welche das Gegentheil behaupten, machen sich eines schweren, fluchwürdigen Verbrechens schuldig, ihre Anklage gereicht dem Lande und der Zeit, der sie angehören, zur Schmach. Leipzig, LZ. Nov. 1862. .Dr. Georg Ebers ord. Pros, zu Leipzig. Ich erkläre hiemit meine Zustimmung zu dem Urtheile aller umsichtigen und gerechten Männer, wie Herr Geheimrath Prof. Delitzsch, über die Tisza-Eszlar'sche Angelegenheit. Prof. Dr. H. L. Fleischer. Rom, 9. Nov. 1882. 13. Piazza Saganica. Geehrtester Herr. Ihr werthes Schreiben vom 2. Nov. habe ich richtig erhalten. Der kleine Aufsatz über die Blutbeschuldigung, den ich zu schreiben die Absicht habe, soll populär gehalten, und keineswegs sür die Gelehrtenwelt bestimmt sein, und somit weder auf Vollständigkeit noch auf neue Forschungen Anspruch machen. Indessen ergreife ich gern diese Gelegenheit, um Ihnen, geehrtester Herr, meine aufrichtigste Theilnahme für die Leiden Ihrer. Glaubensbrüder auszudrücken. Es ist wirklich traurig, daß eine jeder Basis entbehrende und auf vollständige U uk e u n t n i ß des I u d e n t h u m s beruhende Behauptung, daß im jüdischen Gottesdienste Menschenblut gebraucht wird — im XIX. Jahrhundert und in Europa Ursache von brutalen Verfolgungen ist, oder Anlaß dazu gibt! In der Hoffnung, daß diese beklagenswerthe Zustände bald anfhören, verbleibe ich Ihr ergebenster Ignaz Guidi. Erlangen, den 10. Februar 1884. Sehr geehrter Herr Bezirksrabbiner! Im Anschluß an mein Ergebenstes vom 29. v. M. bedauere ich, Ihnen mittheilen zu müssen, daß es mir nicht möglich sein wird, der Schwurgerichtsverhandlung über die von Dr. Rohling gegen Sie erhobene Anklage beizuwohnen, da unsere Osterferien, wie sich jetzt genau bestimmen läßt, frühestens heute in vier Wochen beginnen. Ich darf wohl auch annehmen, daß Sie, da Sie mir nicht geantwortet haben, auf meine Vernehmung, und mit Recht, kein allzugroßes Gewicht legen. Sollte es Ihnen aber dennoch wünscheuswerth erscheinen, mich vor einem bayrischen Gerichte, hier oder in Nürnberg, commissarisch vernehmen zu lassen, so werde ich mich dem nicht entziehen. Zugleich ermächtige ich Sie, mich als Verfasser des Artikels „Die erneuerte Blutbeschuldigung gegen die Juden" in der Beilage zu Nr. 311 der „Allgemeinen Zeitung" vom 8. Nov. 1883 in Ihrer Vertheidigung zu neunen: ich habe auch die Redaction ermächtigt, jedem darnach Fragenden meinen Namen kund zu thun, da ich zu dem dort gegen Rohling gesagten fest stehe! Gott gebe, daß durch Ihren Proceß die Wahrheit zur allgemeinen Anerkennung gelange, Lüge und Verleumdung aber gründlich zu Schanden werde! Die rabbinische Literatur enthält manches, was sich aus den Verhältnissen früherer Zeiten entschuldigen, wenn auch nicht rechtfertigen, läßt. Aber man soll chr auch nicht mehr aufbürden, als sie in Wirklichkeit zu verantworten hat. Speciell die Blntbeschuldigung ist nach den bisher beigebrachten Belegen und nach der ganzen Stellung des Judenthums zum Mord, zum Todschlag, zum Opfer und zur Verwendung irgend welchen Blutes, wie ich nicht müde werde zu wiederholen, eine ruchlose Verleumdung. Wäre Rohling seiner Sache gewiß, so hätte er auf meinen Angriff, der ihm vor ganz Europa, ja vor der ganzen gebildeten Welt — denn wo immer in der gebildeten Welt deutsch verstanden wird, wird die „Allgemeine Zeitung" gelesen — den Verdacht der literarischen Fälschung ins Gesicht schleuderte, nicht schweigen können. Mit dem Wunsche, daß der Proceß günstig verlaufe und die Blutbeschuldignng gegen das Judenthum deffnitiv beseitige, Ihr hochachtungsvoll ergebenster D r. Köhler. Erklärung. Man hat den Unterzeichneten aufgefordert, eine Erklärung abzugeben in Beziehung auf die unsinnige, ganz unbegründete und abscheuliche Beschuldigung, daß Juden sich des Christenbluts bedienen bei Feier ihres Osterfestes und zu abergläubigen Handlungen u. s. w., unddaß sie zu diesenZweckenChristenkinder ermorden. Es ist im höchsten Grade traurig, daß ein solcher bodenloser Verdacht, dem seit dem zwölften Jahrhundert eine erstaunliche Zahl unschuldiger Menschen zum Opfer gefallen ist, noch Anhänger finden kann in einer Zeit,