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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-10-27 · 43 (27.10.1899) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
43 (27.10.1899)
Date
1899-10-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 808 Dr. Blocht Wochenschrift. Nr. 43 Art, Wie man neuerlich mit scheinbarer Gelehrsamkeit durch dreiste Mißdeutung einer Stelle im „Sefer hallikkutim" und einer anderen im „Sohar" den Wahn zu stützen suchte, als ob es bei den Juden einen durch ihre religiösen Schriften empfohlenen rituellen Gebrauch von Christenblut gäbe. Ich sprach die Ueberzeugung aus, daß keineinzigerderanwesendenFachgenossen, die sich mit jüdischer Literatur beschäftigt und über die vorliegende Frage orientirt haben, jener Deutung der b eid en. St ellen auch nur das mindeste Recht beimessen werde. Dies wurde von der Versammlung beifällig ausgenommen und es erfolgte von keiner Seite ein Widers p r u ch. Ich füge hier in Betreff der von ihnen eingesandten neuesten Schrift des Prof. Rohling „Die Polemik und das Menschenopfer des Rabbimsmus" noch Folgendes hinzu. Er hat dort in dem ersten Theil aus talmudischen und rabbinischen Schriften Stellen zusammengetragen, welche den tödtlichen Haß gegen alle Nichtisraeliten bekunden sollen. Schon diese bedürfen gar sehr der kritischen Sichtung. Der Verfasser verfällt mehrfach in tendenziöse Entstellungen und läßt die gegenüberstehenden Elemente einer edleren und weith erzigeren rabbinischen Richtung, ob er gleich auf dieselben wiederholt hingewiesen worden ist, gänzlich bei Seite. Auch Sie werden freilich anerkennen daß manche der von ihm angeführten Aussprüche den religiösen Fanatismus athmen, welcher leider zu Zeiten bei Christen und Juden fast gleichmäßig verbreitet war, und dessen Nachwirkungen wir noch jetzt verspüren. Nur um so verwerflicher ist es aber, daß Prof. Rohling, indem er durch Mischung von Wahrem und Unwahrem ein gehässiges Zerrbild von dem ganzen späteren Judenthum entwirft, dadurch zugleich viele unkundige Leser geneigt macht, auch dem, was er Nachfolgen läßt, Glcwben zu schenken, nämlich seiner durchaus falschen Interpretation der beiden bezeichneten, für unsere Denk- und Redeweise höchst fremdartigen und abstrusen kabbalistischen Stellen. Diese hat hingegen Franz Delitzsch, der ihm in Sprach- und Sachkeuntniß weit überlegen ist, ihrem wirklichen Inhalte nach vollkommen richtig erklärt. Er hat gezeigt, daß der von Rohling hineingelegte Sinn nichts als deffeu eigener abenteuerlicher und entsetzlicher Wahn ist. Hieran wird auch durch R o h l i n g's jüngste Entgegnung nichts geändert Er fährt darin fort, Grammatik und Logik zu mißhandeln. In diesem Urtheile werden alle sachkundigen christlichen Gelehrten, ebenso wie die, welche in Leyden waren, mir beistimmen. Prof. Dr. Coustatin Schlottmann. Der Erzbischof von Lem.b erg 372 Wir, von Gottes Gnaden und dem apostolischen Stuhle ernannter Erzbischof von Lemberg, Cajetan Ignatz Kozdara von Kitkikizki, Sr. A. K. K. Majestät wirklicher Rath. Auf die im Namen der hebräischen Gemeinde von Lemberg durch Hersch Etinger, Gabriel Patzel und Joel Blumenfeld gemachte Anfrage, „ob wirklich die Meynung, daß die Juden zur Zeit Ihrer Feyertage, Christenblutes bedürftig wären, gegründet oder ungegründet seyn" geben wir hierauf die Antwort, „daß zwar vormals und zum Theile auch itzt unter dem gemeinen Volke allgemein diese Meynung stattgefunden, daß wir aber keineswegs einen Grund, in den Kirchen-Entscheidungen, oder jenen der Päbste, zur Bestättigung einer derley Meynung vvrfinden". Johann Hoffmann Sr. k. k. Apost. Majestät Rath und General Bicar bey der Metropolite. (L. S.) (Erzb -Siegel von Lemberg). Aus dem Metrop. consist. zu Lemberg d. 6ten May 1801. Johann Ambros, Kanzler. Vidirt Kreisamt, und wird bestättigt, daß dieses Zeugniß. vom. hiesigen Cath. Metropolitan Consistorio wirklich ausgefertigt worden seyn. (L. S.) Lemberg, d. 12ten May 1801. (Kreisamts-Siegel Joseph Edler von Lindemann, Kreis-Sekretär. von Lemberg). Auf Befehl übersetzt durch (k- S). Ernst Freiherr von Hitler m. p. attache ä l’Agence impr royle a Yassi. K. K. Agenzie K. bestättigt, daß diese. Urkunde eine treu Copie des Original Aktenstückes sey. Fulda, 4. November 1882. Geehrter Herr Docror! Auf Ihren Wunsch stehe ich nicht an, die bei unserer neulichen Unterredung abgegebene Erklärung hiermit schriftlich zu wiederholen, daß die Annahme, es könnte von Juden Christenblut zu rituellen Zwecken jemals gebraucht worden sein, weder durch die jüdische Religion, noch durch die Geschichte zu begründen ist, und daß eine derartige Beschuldigung, auf welche Voraussetzungen immer sie gestützt werden möge, als eine entschiedene freventliche Unwahrheit bezeichnet werden muß. In vollkommener Hochachtung. Euer' Wohlgeboren ergebenster G. K o p p Bischof von Fulda An den Rabbiner Herrn Dr. C a h n. Bonn, November 1682. Indem ich für das an mich gerichtete Schreiben vom 15. October d. I., das mir am 18. desselben Monats zukam, wegen wiederholter Abwesenheit in Amtsgeschäften erst heute meinen ergebensten Dank ausspreche, bedauere ich dem darin ausgesprochenen Wunsche, durch eine historische Beleuchtung die gegen die Juden erhobenen schweren Beschuldigungen zu widerlegen, nicht willfahren zu können. So unzweifelhaft es mir stets war und ist, daß es eine grundlose und durchaus boshafte Verleumdung ist, zu behaupten, daß jüdische Grundsätze erlauben oder gar fordern sollten, Christenblut oder überhaupt Menschenblut zu religiösen Zwecken zu gebrauchen, fehlt mir doch zu einer solchen historischen Arbeit die Zeit, weil ich meine ganze Zeit meinem Amte schulde. Ich muß mich daher begnügen, Ihnen unter Mittheilung meiner persönlichen Ueberzeugung das tiefste Bedauern darüber auszudrücken, daß es möglich war, in unserer Zeit, welche durch ihre Geschichtsforschung längst Ansichten als absolut falsch festgestellt hat, die im Mittelalter sich als Ausgeburt religiösen Fanatismus darstellen, solche Märchen neu aufzutischen und zum Vorwände der Aufreizung und schmählichen Verfolgung der Mitglieder der jüdischen Religion zu benutzen. Ich nehme keinen Anstand, meinen Abscheu vor einem Gebühren zu bekunden, welches eine Schmach ist für Personen, welche den Namen Christen führen, durch ihre Thaten aber beweisen, daß sie eines Namens unwürdig sind, welcher

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