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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-10-20 · 42 (20.10.1899) · page 22

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
42 (20.10.1899)
Date
1899-10-20
Page
– (sequence 22)
Language
German
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S eite 794 Nr. 42 Dr. Bloch's Wochenschrift israelitischen Cultusgemeinde in amtliche Aufbewahrung genommen werde. Herr Dr. Bloch hat meinem Ersuchen bereitwilligst Folge gegeben, und ich spreche ihm hiefür an dieser Stelle den verbindlichsten Dank aus. (Lebhafter Beifall). Im Einlaufe gelangen zur Kenntnißnahme Zustimmungskundgebungen folgender Cultusgemeinden zum Proteste der Wiener Gemeinde in der Polnaer Angelegenheit: Krems, Aussig, Horovic, Steyr, Brünn, Linz, Jglau, Purgstall, Triest, Hohenems, Teschen, Lemberg, Neu-Sandez, Graz, Czeruowitz; ferner zahlreiche Vertrauenskundgebungen für den Cultusvorstand von Wiener Vereinen und Einzelpersonen. Eingelangte Spenden: Von der sel. Frau Marie Schey geborenen Horschetzky zu Folge letztwilliger Anordnung: Für die israel. Volksküche fl. 500, für das israel. Blindeninstitut fl. 500, für das israel. Taubstummeninstitut fl. 500, für das israel. Altersversorgungshaus fl. 500, für den israel. Handwerkerverein fl. 500, für den Theresien-Kreuzerverein fl. 500, für den Mädchen-Unterstützungsverein fl. 300, für die israel. Kinderbewahranstalt fl. 500, für den israel. Frauenwohlthätigkeitsverein fl. 500. für den Verein zur Unterstützung mittelloser Studierender fl. 500, für den Unterstützungsverein Edelsinn für dürftige Wöchnerinnen fl. 500, für Arme am Begräbnißtage der seligen Frau Schey fl. 200. Für verschiedene Wohlthätigkeitsinstitute in der Gemeinde wurden gespendet: Bon Herrn Samuel Rieß fl. 300, von Herrn Siegmund Mandl fll 100, von Herrn Dr. Maximilian Steiner fl. 175, von Herrn Adolf Pichler fl. 100, von Herrn M. Haßberg für die Chewra-Kadischah fl. 20, von der Chewra-Kadischah im XVI. und XVII. Bezirk für Arme fl. 100, von Herrn Heinrich Gutmann für Arme fl 20 und für das Spital fl. 20, von Herrn Samuel Tag für den israel. Waifenvrreiu fl. 25, von Frau Fanny Königstein für den israel. Frauen Wohlthätigkeitsvecein Mk. 50, von Herrn Max Springer für einen Waisenknaben fl. 5, von Herrn Börsesensal Wilhelm Mayer für das Siechenhaus fl. 100, von Herrn Dr. Paul Hammerschlag für das Siechenhaus fl. 10, von Herrn Moriz Edler von Kuffner für Arme fl. 100, von Frau Marie Bondy für Arme fl. 5, von Herrn Adolf Pollitzer zur Ausspeisung jüdischer Untersuchungshäftlinge fl. 5, von Frau Lina Körmenoi für Waisenkinder fl. 10, von Frau NM Kottin eine Thorabinde für den Ottakringer Tempel. Den Spendern wird der Dank votirt. Herr Dr. Maximilian Steiner widmet dem am 24. September l. I. verstorbenen Armen-Amtsleiter Max Groß ehrende Worte des Gedenkens. Redner schildert das organisatorische Talent und die unermüdliche Thätigkeit des Verblichenen, der es in der kurzen Zeit von 7 Jahren verstand, das Armenwesen der Cultusgemeinde musterhaft zu organisiren und auch bei den Behörden zu accreditiren. Redner beantragt, der Vorstand möge das Andenken des Verewigten durch Anerkennung im Protokolle ehren. (Zustimmung.) Herr Salo Cohn referirt Namens des Vertreter- Collegiums über die Feststellung der Beiträge van Stiftern, Gründern und Förderern für das neugegründete Siechenhaus und beantragt conform den im Regulative für das israel. Altersversorgungshaus enthaltenen Bestimmungen unter Zuerkennung bestimmter Ehrenrechte diesbezüglich festzusetzen: Für Stifter: fl. 6000, für Gründer fl. 3000, für Förderer fl. 1000. (Angenommen). Herr Dr. Maximilian Steiner referirt namens der I. Section über die im Einvernehmen mit dem Rabbinate vorzunehmende Neuregelung der Bemessungs- und Einhebungsmodalitäten von Gebühren für Ehetrennungen innerhalb des statutenmäßigen Ausmaßes. Hienach sollen für Angehörige der Cultusgemeinde, je nach der Cultussteuerleistung der Ehetrennungswerber, folgende Gebühren bestimmt werden: 25 fl., 40 fl., 60 fl., 80 fl., 100 fl. Ganz Unbemittelte werden von der Gebühr befreit. Für Auswärtige werden besondere Gebührenbestimmungen Vorbehalten. (Angenommen.) Herr Dr. Alfred Berger erstattete namens der V. Section ein Referat, betreffend die rituelle Trauung civilgetrauter jüdischer Eheleute. Mit Rücksicht auf den Umstand, daß in den Nachbarstaaten Ungarn und Deutschland die obligatorische Civilehe eingeführt, mehren sich die Fälle, daß civilgetraute jüdische Personen hierorts rituell getraut werden wollen. Die V. Section erachtet die Vornahme ritueller Trauungen civil getrauter jüdischer Personen im Principe als zulässig. Um aber die Rabbiner der Vornahme solcher Trauungen vor Collisionen mit den staatlichen Vorschriften zu bewahren, soll an dieselben eine genaue Instruction erlassen werden, nachdem die bezüglichen Vorstandsbeschlüsse von der k. k. Statthalterei zur genehmigenden Kentttniß genommen worden sind. Die in diesem Sinne vom Referenten gestellten Anträge werden angenommen. Herr Ober-Ingenieur von Mises referirt namens der VI. Section über Anpflanzungen auf den Gcatisgräbergruppen der israelitischen Abtheilung des Centralsriedhofes. Hiedurch soll nach einer Anregung des Herrn Baurath S t i a ß n y einem lange gehegten Wunsche nach Ausschmückung der Armengräber Rechnung getragen werden, nm so dem ganzen Friedhöfe ein der Würde des Ortes angemessenes einheitliches Gepräge zu geben. Die Anträge der Referenten, sowie die vorgelegten Bepflanzungspläne und Kostenberechnung werden genehmigt. Herr Salo Cohn gibt die Erklärung ab, für den pietätvollen Zweck 1000 fl. aus seinen Pcivatmitteln zur Verfügung zu stellen. Diese Erklärung wird vom Vorsitzenden mit lebhaftem Danke zur Kenntniß genommen. lieber Referat und Antrag des Herrn Vice-Präsidenten Dr. Cohn werden die Samuel Hirschl-Kadischgebet-Widmung mit dem Capitale von Nominale 1300 Kr. und die Fanny von Hoffmanusthal Dormitzer'sche Witwenstiftung mit dem Capitale von fl. 10.000 angenommen. Ueber Antrag desselben Referenten wird dem Vereine zur Ausspeisuug armer jüdischer Schulkinder eine Subvention von 150 fl. bewilligt. Schluß der öffentlichen Sitzung. In der hierauf folgenden vertraulichen Sitzung gelangten zur Verleihung: Die Adam Herzfeld'sche Stiftung für Heiraisausstattung im Betrage von 120 fl. an ein armes Mädchen, weiters die Rosalie Pillak'sche Blinden-Stiftung im Betrage von 38 fl. über Präsentation des Herrn Moriz Ritter v. Borken au au eine arme Blinde (Referent Obmann-Stellvertreter der ILL. Section Herr Salo C o h n). Die Moritz Goldberg'sche Stiftung für Rabbinatscandidaten im Zinsenbetrage von 300 fl. über Referat des Herrn Vorstehers Dr. Spitzer an einen zur Bestellung als Rabbiner vollkommen befähigten Rabbinatsca.ididaten. Die Max Ritter von Pseiffer'sche Stiftung im Betrage von 210 fl. über Referat des Herrn Dr. Berger an einen Hörer der Rechte. Die von dem Curatorium des M. L. Biedermantt'schen Waisenstiftuug gewünschte Aenderung des Stiftbriefes wird aus principielleu Gründen einstimmig abgelehnt. Sohin erfolgte die Wahl der Delegirten des Vorstandes in die' Schätzungscommission. Nach Erledigung der Personalien wird die Sitzung um 1 Uhr Mittags geschlossen. Wien. (A r m e n p f l e g c.) Znm Capitel Armenflege können wir es uns nicht versagen, weil gerade die Zeit und die Umstände lneui dringend anffordern, einige Worte zu sprechen. Wie großartig auch die Armenpflege in unserer Cultusgemeinde eingerichtet ist, und wie viel dieselbe auch auf dieicm Gebiete leistet, so kann sie doch nicht, da ja auch ihre Mittel beschränkte sind, allen Zweigen der praktischen Wohlthätigkett ihr Augenmerk znwenden. Speciell ein Zweig, und wir können dies ruhig behaupten, der wichtigsten einer, findet die allerwenigste Berücksichtigung. Es ist dies die Bekleidung der armen Schulkinder zum Winter. Und der Grund hiezu? Ein uns vorliegendes Circular weist auf denselben mit Klarheit hin. In Wien gibt es unzählige Vereine, die sich mit der Bekleidung armer Kinder des ssen. Alle diese Vereine treten an jüdische Wohlthäter heran, aber was geschieht zumeist mit den bei Juden gesammelten Geldern? Es ist richtig, es werden Kinder bekleidet, aber die Listen der von solchen Vereinen bekleideten Kinder sprechen eine beredte Sprache; dort findet man — gleichsam zur Wahrung des interkonfessionellen Charakters — hie und da einen jüdischen Buben oder ein jüdisches Mädchen; besieht man dagegen die Jahresberichte und Spendenverzeichnisse, o da wimmelt es von jüdischen Namen und mit sehr ansehnlichen Beträgen. Die Wohlthaten sollen ja interconfessiouell sein? — Ja seitens der Juden wird das Wohlthun nur allzuviel interconfessionell geübt, das ist richtig. Doch wir schweifen von unserem Thema ab, wir wollen ja zum Capitel Bekleidung armer Schulkinder znm Winter sprechen. Vor uns lieaen Jahresberichte eines Vereines, der in der Leopoldstadt sowohl, als auch außerhalb derselben, leider zumeist allen armen Familien bekannt ist. Klar und deutlich sprechen dort Ziffern; aber nicht nur todte Ziffern, jede einzelne ist durch unzählige Belege erhärtet. Heißt es z. B., im letzten Jahre, 1898, bekleidete der Verein 180 Schulkinder, so liegt uns ein stattlicher Band vor, in dem alphabetisch die Namen der bekleideten Kinder, Buben und Mädchen, geordnet sind die genauen Auskünfte, die über die Würdigkeit der Petenten eingeholt wurden, bei welchen Vexeinen diese Kinder oder deren Geschwister schon bekleidet wurden, alles ist mit einer ^solchen Genauigkeit geführt, nicht als ob ein Verein mit durchwegs unbezahlten Ehrenämtern sich dieser mühevollen Aufgabe unterzogen hätte, sondern

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