Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 42 (20.10.1899)
- Date
- 1899-10-20
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Nr. 42 Dr. Bloch's Wochenfchrifl. Seite 791 wohl nicht, denn es würden die bestehenden Gesetze vollständig ausreichen, wenn sie auch im Sinne der staatsgrundgesetzlich gewährleisteten Gleichberechligung gehandhabt würden. Doch leider sind diese Gesetze gegen maß- und zügellose Preßausschreitungen unwirksam und so wird denn säst in allen in Oesterreich üblichen Sprachen alltäglich die Fabel des Ritualmordes in die weitesten Kreise der Bevölkerung getragen, ohne daß die betreffenden Blätter dafür zur Verantwortung gezogen werden. Die staatliche Justizverwaltung übt die oberste Aufsicht über die Anwendung der Gesetze und ebenso die Gerichtsorgane, sowie ganz besonders über die k. k. Staatsanwaltschaften, welche Hilfsorgane des Justizministers sind. Wir stellen daher die Anfrage: a) Sind diese Uebelstände Sr. Exccllenz dem Herrn Justizminister bekannt und 1>) was gedenkt derselbe zu verfügen, damit baldigste Abhilfe geschaffen werde? Dr. Byk, Dr. Ra poport, Piepes-Poratynski, Dr. R o s e n st o ck, ^.Dr. Trachtenberg, Dr. K o l i s ch e r, J aworski, Bilinski, Dzieduszycki, Gorski, David A b r a h a m o v i c z, D i e l e m b a. S t r u s z k i e w i c z, G i z o w s k i, M o y s a, Wladimir G n i e w o s z, Bogdanowicz, Pientak, Milewski, Dr. Walewski, R atowski, Lewicki, Roszkowsk i, Henzel, Popowski, Weigel, Kareis, Auspitz,Straucher,Tittinger,- S o ko lo w s k i. Blutanklagen im Königreich Polen. Das Krakauer Antisemitenblatt „Glos Narodu" vom 13. October 1899, Nr. 233, publicirt aus der Consistorial- Bibliothek zu Sandomierz ein Manuscript, von welchem er sagt, daß es „durch die Ereignisse der letzten Tage vom besonderem Werthe ist, welches wir hiemit zur Kenntniß des gesammten Christenthums bringen." „Dasselbe enthält die vor dem Consistorium zu Sandomierz am 17. März 1712 unter Eid abgelegte Aussage des aus Ueberzeugnug getauften vormaligen Litthauer Rabbiners Namens Serafinowicz." Seiner Mittheilung zufolge brauchen die litthanischen Inden allein jährlich 120 Quart Blut. Er elbst, behauptet er, hätte, als er noch Rabbiner war, die Leitung der Blutvertheilung gehabt. Es ist aber gerichtlich f e st g est e l l t w o r d e n, daß er nicht nur niemals Rabbiner, sondern ein ganz unwissender und dem Trünke e gebener Mensch war. Wegen seines unmoralischen Lebenswandels von den Juden zurückgesetzt und verachtet, ließ er sich laufen und kannte nachher in seinem Zorn und Rachedurst gegen sie keine Grenzen. (Siehe Jngendhold's Vorrede zu seinem „Obrona Jzraelitow"). Selbstverständlich hat das biedere Antifemitenorgan diese gerichtlich f e st g e st e l l t e T h a ts a ch e verschwiegen. Für „Glos Narodu" ist Serafinowicz ein elastischer Zeuge, daß die Juden ,.u. zw. auf Grund a u s d r ü ck l i ch e n G e b o t e s ihres Talmud C h r i st e n b l u t unschuldiger Kinder grausam vergießen, welches sie zu ihren Hexereien benützen." „Wozu aber Juden das Christenblut gebrauchen, beschrieb er in Folgendem: „1. Es gibt zwei Wochen im Jahre, in deren jedem beliebigen Tage der Rabbiner das Blut des geschlachteten Kindes nimmt und damit die Thüren irgend welches Christen immer bestreicht, wodurch die Christen für die Juden gnädiger werden und dieselben mehr als sich gegenseitig lieben." „2. Während der Trauung übergibt der Rabbiner den Reuvermählten ein Ei, in welchem sich Christenblnt befindet." „3. Den sterbenden Juden werden die Augen mit einem Ei bestrichen, indem sich Christenblut befindet." „4. Wenn die Juden das Osterfest abhalten, gebrauchen sie eine Maze genannt „Evisomex",in dieser befindet sich immer Christenblut." „5. Damit der Handel den Juden glückt, nehmen sie vom Rabbiner einen Brief, in dem sich Christenblut befindet, diesen Brief vergraben sie unter der Schwelle des Hauses irgend eines Christen und dann glückt es ihm. Mit einem Worte zu lauter geheimen und unberechenbaren Hexereien benützen sie dieses Blut." „Auf ganz Litthauen entfallen von diesem Blute jährlich dreißig Garnetz. „Für das Blut zahlen die Juden und Jüdinnen vom dreißigsten Lebensjahre angefangen zwei Gulden jährlich." „Die Leichname der ermordeten Kinder bestatten sie nicht, sie nennen dieselben Pegier, einen Crepirten ziemt es sich ihnen aber nicht zu bestatten. Mehr hierüber werde ich mit Gottes Hilfe in meinem Buche beschreiben, wo. die Information eine genügendere sein wird." „Welches im Consistorium zu Sandomierz nach vorgeschriebener Eidesformel unter Eid abgelegtes Zeugniß ich eigenhändig unterfertige am 17. März 172. Jan S e r a f i n o w i c z m. p. Vorstehende „Enthüllungen" bringt das Krakauer Antisemitenblatt „Glos Narodu" der „gesammten Christenheit zur Kenntniß". Es erachtet offenbar die Pflege des abstrusen Aberglaubens und die Förderung der Volksverdummung als seine eigenste Aufgabe. Wir sind neugierig, ob es die in unserer heutigen Nummer publicirten päpstlichen Bullen von solchem „Werthe" erachten wird, sie zur Kenntniß seiner Leser zu bringen. Zum Mädchenmord in Polna. Das „Deutsche Bolksblatt" meldet von Hausdurchsuchungen, die bei der Mutter und der Schwester der ermordeten Hruza vorgeuommen wurden, weiß jedoch auch über die Ergebnisse dieser behördlichen Maßregel zu berichten. Hienach wurde bei der Mutter ein Messer saisirt, daß zum Schweineschlachten verwendet wurde. Das Gericht scheint es für möglich zu hallen, daß. dieses Messer auch noch einen andern, weniger harmlosen Zweckhatte, sonst würde es keinen Grund gehabt haben, das Messer mit Beschlag zu belegen. Weiters wurden nach der Mittheilung des antisemitischen Blattes die Handschuhe und der Rosenkranz confiscirt, „welche die Mutter immer bei sich trug". Man erinnert sich nun, daß bei der Auffindung des Leichnams der Agnes Hruza der Rosenkranz, ihre Handschuhe und ihr Taschentuch vermißt wurden. Es mußte sogleich als auffallend erscheinen, daß der Mörder in seiner Aufregung nach der That sich die Mühe genommen, so geringfügige Dinge sich anzueignen, und insbesondere der Todten die Handschuhe von den Händen zu ziehen. Man muß also glauben, daß die Behörde auch in diesen beiden gefundenen Gegenständen eine besondere Beziehung zum Morde vermuthet. Endlich wurden Kleider der Ermordeten saisirt, welche die Mutter inzwischen einer andern Tochter geschenkt hat. Es sind dies natürlich nicht die Kleider, mit welchen der Leichnam Agnes Hruza's bei der Auffindung bekleidet war, sondern Kleider, welche sie früher trug. Eine Verhaftung wurde bisher nicht vorgenommen, es kann also vorläufig nicht von bestimmten Schlußfolgerungen aus den Resultaten der Hausdurchsuchung gesprochen werden. Wie ein Ritualmordmärchen entsteht. Das Ritualmordmärchen, so schreibt die „Bresl. Ztg." (11. October), hätte dieser Tage um Haaresbreite in der köngl. P.ivinzialhaupt- und Residenzstadt Breslau sein Opfer gefordert. Im Gasthause von M. W i d a w e r auf der Carlsstraße in Breslau war der Kaufmann S. Wittelsohn aus Luttetow ein ca. 30 Jahre alter Mann von prononcirt jüdischem Aussehen, welcher hier Einkäufe für sein Geschäft zu machen pflegt, mit seinem etwa 4 Jahre alten allerliebsten Töchterchen Rahel, einem Kinde mit blondem Haare, abgestiegen. Als Vater und Tochter Abends in der Dämmerstunde vom Märkischen Bahnhöfe, wo Wittelsohn Jemanden empfangen gewollt, aber nicht angetroffen hatte, über den Berliner Platz zu ihrem Gasthofe heimwärts wanderten, trat plötzlich eine Frau aus dem Volke an den in polnische Nationaltracht gekleideten Wittelsohn heran und frug ihn, wem das Kind gehöre. Auf seine Antwort: „Das ist mein Kind", rief die Frau mit erregter Stimme: „Das ist nicht war, das ist kein Judenkind, das Kind h rbt Ihr gestohlen, um es abzuschlachten, um sein Blut in Euren Mazzes zu verbacken" und was dergleichen Reden mehr sind. Die Scene hatte, da die Frau sich immer m hr in Erregung hineinredete, einen Menschenauflauf zur Folge, der so große Dimensionen annahm, daß der bedrängte Jude im nächsten Polizeicommiffariat Hilfe suchen mußte. Während sich dort bald heransstrllte, daß seine Angaben richtig seien, schwoll die Menschenmenge draußen immer mehr au und als schließlich Wittelsohn und K i n d, von einem Schutzmann begleitet, den Heim-