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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-10-20 · 42 (20.10.1899) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
42 (20.10.1899)
Date
1899-10-20
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 42 Br» Bloch's Wochensckzrift. Seite 789 Demgegenüber habe ich bereits in Nr. 138 des Wiener „Vaterland" vom 10. Mai 1893 constatirt, daß von dem Herzog Pietro Moncenigo und dem Rathe von Venedig um die Vorkommnisse in eigener Wahrnehmung an Ort und Stelle zu studieren, zwei Rechtsgelehrte von Padua nach Trient beordert worden sind, welche sogar wegen einiger freimüthiger Aeußerungen über das sonderbare Proceßverfahren von dem aufgereizten Pöbel schwere Mißhandlungen erfahren haben. Das „Vaterland" bestreitet, daß „Papst Sixtus IV. die Verehrung des Knaben Simon als Heiligen verbot, wcil er kein Märtyrer sei". Nun habe ich bereits in dem genannten Artikel darauf hingewiesen, daß Clemens XIV. wörtlich erklärt: „Man muß sich jedoch merken, daß Sixtus IV., ein leuchtender Planet meiner Religion, unter dessen Pontificat (1475) dieses traurige Ereigniß von Trient vorkam, ein apostolisches Breve erließ, in dem der Cultus verboten wurde, welchen dem erwähnten heiligen Simon seine Mitbürger zollten. Diese Angelegenheit ging so weit, daß dieser Cultus im Laufe fast eines Jahrhunderts verboten blieb, bis der große Pontifex Sixtus V. im Jahre 1588 . . . die Messe zu Ehren de) heiligen Simon zuließ." Dieses apostolische Breve Sixtus' IV. („Licet inter causas maioves9), welches vom 10. October 1475, also einem Zeitpunkte, wo der Proceß in Trient bereits zu Endegeführt war, datirt, beschränkte sich nicht darauf, den Cultus „bei Strafe der Excommuuication" strengstens zu verbieten, sondern besagt ausdrücklich: „bisher ist n o ch g a r n i ch t s s i ch e r, oder durchunserUrt h e i l bekräftigt, oder bestätigt über einen angeblich (u t d i c i t u r■) von den Inden g et ö d t e t e n T r i e n t i u e r Knaben S i m o w.10) Deutlicher konnte der Papst nicht bekunden, daß er das ganze Gerichtsverfahren verurtheilte, vor allem, den „G est ä n d n i s s e n" nicht das allergeringste Gewicht beilegte. In dem Breve hatte Sixtus eine Untersuchung durch einen all hoc ernannten Legaten zugesagt: diese wurde von dem Bischof von Ventimiglia, Giovanni B a p t i st a d e i G i u d i c i, im Jahre 1476 in Trient und Roveredo geführt und erwies die U n s ch u l d d e r I u d e n, nachdem der T r i e n t e r Bürger A n z e l i n u s den gleichfalls in Trient wohnenden und den Inden verfeindeten Schweizer Zanesns als Mörder des Knaben bezichtigt und sich ergeben hatte, daß die Juden nur durch die grausamsten Marterungen zu ihren „Bekenntnissen" gebracht worden waren. Der päpstliche Legat stellte zudem fest, daß die meisten in Trient vorgekommenen Wunder erdichtet, daß alle T r i e n t i n e r N o t a r e des Bischofs Fälscher seien, welche ihre Niederschriften treulos angefertigt hätten?') Damit war das schwerste Verdict gegen den Bischof Hinderbach und die übrigen au der Hinrichtung der Juden Mitschuldigen ausgesprochen, und es drohte ihnen Unheil, da Sixtus nunmehr das Cardinals-Collegium mit einer Untersuchung der Trientiner Gerichtsprocedur betraute. 0 Abgedruckt von P a p st B o u i f a c t it s XIV. in (De servorum Dei beatificatione et beatonun canonizatione“ lib. I cap. 14. No. 4 (Opera omnia. Editio Romae 1747. Bel. I. 8. 112 ff.) lu) ..nihil adhuc certnm compertumve nostro indieio aut approbatum de quödam puero Simone Tridentino per Judeos, ut d i c i t u r. interfecto.“ ") „Dixit onines notaiios illos Trideutinos esse falsarios nec fideliter et juste scripserunt“. ,Si docti et discreti Christiani et non seductores et praedoues aut simplices et viles decepti illa miracula facta esse demonstrarent, non esset de Judaiea pertida et iucredulitate curanduin. Sed cum et constet de praeda, de iujustitia, de falsitate. inobedientia. de contemptu et multiplici dolo et fraude simulationis. merito velut oves morbidae a reliquo greg-e sunt sunt separandae et ad nihilum valent ultra, nisi ut eiciantur et mittantur in caminum ignis ardentis.“ Was die Thatsache anbelangt, auf welche „Vaterland" und Pfarrer Deckert erneuert Hinweisen, daß der Papst nach Revision dieses Processes das Verhalten des Bischofs gebilligt hätte, so habe ich bereits in jenem Artikel hervorgehoben, daß bei dem erneuerten Proceß in Rom es sich nur um die Rechtfertigung des Bischofs Hiuderbach gehandelt und die Entscheidung ging nur dahin proc68sum i p s u m (d. h. der Proceß als solcher) sei recte factum; denn Hinderbach konnte 1475 noch nicht missen, daß 1476 der Schweizer Zanesns werde als Mörder sich Herausstellen. Allerdings die Juden hatten schon 1475 behauptet, Zanesns sei der Mörder, aber man glaubte ihnen nicht. Zanesns (der in den Acten zumeist nach seiner Heimat Swizzer Schweizer heißt) hatte mit seinem Nachbar, den angesehenen Juden Samuel, einen Proceß vor dem Trientiner Syndicus gehabt und, da er ihn verlor, den Juden Todfeindschaft geschworen. Wie schwer es überdies dem Bischof geworden ist, einer Verurtheilung durch den Papst zu entgehen, wie lange Sixtus IV. zögerte, bevor er seine Unterschrift unter die Urkunde gesetzt hat, beweisen die geheimen Berichte, welche die Vertreter des Bischofs diesem übersandten, deren Studium Herrn Deckert' wärmstens zu empfehlen wäre. Dort würde er erfahren von der schweren Erkrankung des Papstes 1478 und daß die Unterschrift unter die Urkunde vom 20. Juni 1478 ihm während dieser Krankheit abgebettelt wurde, weil, wenn der Papst sie versagt hätte, Bischof Hinderbach verloren gewesen wäre. Die Verehrung des Simon wurde nach einem gesonderten Proceß — verboten. Wenn aber Herr Deckert leugnet, daß der päpstliche Legat die Unschuld der Juden festgestellt habe, so erinnern wir ihn, daß er selber in seiner Schrift folgende Acten citirt hat: 38. — „20 October. Roverede: Legat Ventimiglia verbietet dem Bischof Hinderbach, unter Androhung der Excommunation und des Verbotes des Eintrittes in die Kirche gegen die gefangenen Juden weiter vorzugehen. Die jüdischen Frauen und Kinder seien so schnell als möglich aus ihrer Haft zu entlassen. (B. 51.) 39. — 1475, 29. October. Specieller Befehl des Legaten an den Stadthauptmann von Trient, I a c de S P a u r und die anderen Gerichtspersonen, diesen Befehl binnen drei Tagen anszuführen, bei Strafe der Excommunication. (B. 52.) 43. — 2. November. Roveredo: Legat Ventimiglia übersendet dem Bischof Hinderbach ein päpstliches Breve, womit den Predigern verboten wird, von dem Martyrium des heiligen Simon zu sprechen, bevor nicht die Sache von dem Commissär des Papstes gründlich untersucht sei. (B. 56.) 70. — 1476, 3. Apri l. — Sixtus IV. an Bischof Hinderbach. Er habe nach Rückkehr seines Legaten die ganze Angelegenheit einigen Cardinälen zur Prüfung übergeben Diese hätten dem Proceß Einhalt geboten. Gleichwohl habe er gehört, daß der Bischof gegen die Juden weiter vorgegangen sei. Er wundere sich darüber und empfehle ihm sm poena suspensionis a divinis, den Proceß bis auf weiteres einzustellen. Die jüdischen Frauen sollen außerhalb des Gefängnisses an einem sichern Orte verwahrt werden, bis die Angelegenheit von den Cardinälen genau untersucht sein werde (Le Griffe). (B. 87.) 192. — Gutachten über das Verhör Schweizers, der angeklagt wird, aus Feindschaft gegen die Juden das von ihm g e 1 ö dt et e Kind in das Haus Samuel's getragen zu haben. Er wird in dieser Schrift der eigentliche Urheber und die „Ursache so großer Schwierig-

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