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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-10-13 · 41 (13.10.1899) · page 20

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
41 (13.10.1899)
Date
1899-10-13
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Sette 768 Vr. Bloch's WochL.^fchrifk. Nr. 41 für die Ausübung der Advocatur bildete. Durch zwanzig Jahre sungirte er als Prüfungscommissär bei Advocatursprüfuugen, und zu wiederholten Malen wurde er in den Ausschuß der Advocatenkammer gewählt. Durch mehr als 30 Jahre wirkte Dr. Libitzky als Anwalt der türkischen Botschaft und der türkischisraelitischen Gemeinde in Wien und bekleidete zuletzt die Stelle eines Obmannes des Schiedsgerichtes der Wiener israelitischen Cultusgemeinde; auch war er Mitglied des Schiedsgerichtes des Wiener juridischen Doctorencollegiums. In den juristischen Kreisen Wiens galt er als Capacität, besonders aus dem Gebiete des Internationalen Privatrechtes und als Kenner der Gesetzgebung der orientalischen Staaten. Die türkische Regierung yat ihn durch das Commandeurkreuz des Medschidje-Ordens ausgezeichnet. Nunmehr hat er, in Ehren zu Jahren gekommen, sich zurückgezogen und seine Kanzlei seinem Sohne und Cvllegen Dr. August Libitzky übertragen. Wien. (Kinderfest.) Der unter der trefflichen Leitung der Frau Sophie Grünfeld stehende Verein „Ferienheim" gab am 4. October 1899 anläßlich des Namenfestes Sr. Majestät des Kaisers im Ballsaale des Etablissements Ronacher seinen 468 aus den Ferien-Colonien Rossitz, Petrau, Hall und Darkau zurückgekchrten Schützlingen eine Festjause. Die Knaben und Mädchen überraschten durch ihr gutes Aussehen. Die schöne Feier, bei welcher Frau Dr. Grünseld die Honneurs machte, wurde mit einem von der Borstandsdame Frau Dr. Schnabel verfaßten, schwungvollen Prolog eingeleitet, den ein siebenjähriges Mädchen sehr gut vortrug. Dann folgten mehrere exact gesungene Chöre und eine Reihe militärischer Exercitien, die, stramm durchgeführt, den lebhaftesten Beifall der zahlreichen Festgäste fanden. Zum Schluffe der hübschen Veranstaltung sangen die Kinder die Volkshymne. Bei der darauf folgenden Festjause (Chocolade und Kuchen) machte sich das rührige Mädchen-Comitö sehr nützlich. Unter den Hunderten von Festgästen waren anwesend: Frau Jenny v. Glaser, Präsidentin des Vereines für verkrüppelte Kinder; Frau Charlotte Frischauer, Präsidentin des Leopoldstädter Kinderhortes; Frau Gräfin von Mirbach, Vicepräsidentin des Leopoldstädter Kinderhortes; Frau Therese Spitz, Präsidentin des Brigittenauer Frauen-Wohlthätigkeitsverein; Herr Religionsinspector Kanitz; Herr Dr. Schuber, Curarzt in Hall; Herr Alois Witrofsky, Delegirter des Brünner Freitisches; Herr Heinrich Fried, Ober-Jnspicient der Hofoper; Herr Bezirksausschuß Waldstein; Herr Leopold Strauß, Ortsschulrath des II. Bezirkes und viele Andere. Wie». Der Ortsschulrath des XVIU. Wiener Bezirkes hat den Bolksschullehrern Herrn Heinrich P a s ch k e s und Herrn Leopold Ullmann für ihre durch 25 Jahre im öffentlichen Lehramte des Bezirkes zugebrachte hingebungsvolle und ersprießliche Dienstthätigkeit seine vollste Anerkennung und wärmsten Dank ausgesprochen. Patzau, 9. October. Gestern wurde hier Herr Bernard Ascher zu Grabe getragen, der bis in sein hohes Alter Vorsteher der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde und dem es vergönnt war, dieselbe durch volle 48 Jahren in Friede und Eintracht zu leiten. Die Achtung, deren er sich erfreute, zeigte sich an seinem Begräbnißtage. Außer den Glaubensgenossen, welche meilenweit herbeisttömten, um dem allverehrten Manne das Geleite auf seinem letzten Wege zu geben, erschien der hiesige Bürgermeister, Herr Franz Nowak mit der ganzen Stadtvertretung. die Herren k. k. Beamten, vom k. k. Steueranite, Finanzwach-Obercommissär, kurz, was in einer solchen kleinen Land- Stadt zur Intelligenz zählt, ferner die Geistlichkeit und muß es den erschienenen Herren doppelt zu Dank angerechnet werden, in einer so aufgeregten Zeit zu beweisen, daß wir hier friedlich neben unseren Mitbewohnern katholischer Religion leben. Nachdem sich der Verstorbene, welcher einen streng religiösen Lebenswandel führte, ein ganz einfaches Begräbniß erbeten, beschränkte sich die Thätigkeit des anwesenden Herrn Dr. Weislowitz, Rabbiners in Tabor, blos auf ein Gebet, welches derselbe in böhmischer Sprache vortrug. Der selige Herr Ascher hat auch für spätere Zeiten an die Cultusgemeinde gedacht und testamentarisch für jedes Jahr den Cultusbeitrag, den er bei Lebzeiten gezahlt, weiter zu zahlen angeordnet, um so die Cultusgemeinde, welche, wie viele andere Cultusgemeinden am Lande, uni ihre ^istenz kämpft, zu unterstützen. Und so möge ihm der liebe Gott die Erde leicht werden lasten. E. M. Prag. (S t e r b e f ä l l e.) Am 7. d. M. verschied hier Herr David M i l r a d, Vater des Redacteurs vom „Prager Tagblatt". Herrn Richard M i l r a d, nach langem, schweren Leiden im 70. Lebensjahre. Der Verstorbene, der lange Jahre als Mitarbeiter des volkswirthschaftlichen Theils mehrerer hiesiger und auswärtiger Blätter thätig war, erfreute sich seines biederen, redlichen Charakters und der gewissenhaften Erfüllung seiner Berufspflichten wegen allgemeiner Werthschätzung. Proßnih. Ueber Anregung unseres verehrten Rabbiners in einer Predigt hat sich ein Comite gebildet, behufs Neubau einer Synagoge. Zu diesem Zwecke sind bereits namhafte Summen gespendet worden, so vom Herrn Gemeindepräses Singer 2000 Gulden, von Herrn Karl Bock 100 Gulden, von dem kürzlich hingegangenen Herrn Marens Derrheim 1000 Gulden. Außerdem existiren zum gleichen Zweck bereits große Legate und es steht u hoffen, daß auch die auswärts wohnenden reichen und wohlabenden Proßnitzer das Unternehmen unterstützen. Lemberg, 28. September. Herr Dr. Ludwig F i u k e l ist zum ordentlichen Professor für österreichische Geschichte an der hiesigen Universität ernannt worden.) Fulda, 20. September/Eine ruchlose That wurde gestern Abend in unserer Stadt verübt. Der 17jährige Fabriksarbeiter Joseph Burkardt versetzte dem 16jährigen Sohne der Witwe Lewyohnejede Veranlassung einen Messerstich in die rechte Schläfe. Der Getroffene brach lautlos zusammen und wurde von einigen herbeigeeilten Männern in das Haus des Bäckers Blumenthal gebracht, wo er nach einigen Minuten starb. Ter Mörder eilte nach Hause und legte sich zu Bette, war aber erkannt worden und wurde verhaftet. Auch eine Frucht der antisemitischen Verhetzung! Mühlhausen i. E., 28. September. Herr Rabbiner F. B l u m, bisher in Pfalzburg, ist zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde gewählt worden. Charlottenburg, 29. September. Die Stadtverordneteu- Versammlung hat Herrn Privatdocenteu Dr. I a st r o w zum unbesoldeten Stadtrath gewählt. Rom, 24. September. Zu der Jahresprüfung der Asili infantili (jüdischen Kindergärten) erschien auch der Cuttusminister Bacelli und überreichte mit einem nahmhasten Geldgeschenk für die Anstalt der ersten Lehrerin die ihr vom Könige verliehene Verdienst-Medaille. Feuilleton. Michael. Erzählung von S. K o h n, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) Seine Mutter trat auf Seite ihres Kindes und es kam bei dieser erfreulichen Familienscene zu einem niedlichen Handgemenge zwischen den Ehegatten, in welchem dem Familienoberhaupte ein von seiner Gattin mit weit mehr Geschicklichkeit als Zärtlichkeit gehaudhabter Stiefelknecht an den Kopf flog, und ihm eine birnengroße Beule schlug, während die zärtliche Ehehälfte von ihrem lieben Gatten mit einem Rippenstöße der vorzüglichsten Sorte bedacht und überdies auch reich mit Ohrfeigen regalirt worden war. Die Solennität dieser Scene wurde wesentlich dadurch erhöht, daß der Bürgermeister in wildem Ungestüme die Execution an seinem mißrathenen Jungen, in Gegenwart der Dienstboten vornahm und sich an jene dann in passendster Weise der sckon erwähnte Kampf mit dem Hausdrachen anschloß. Es hatte einen Seandal gegeben, der an Ausgiebigkeit nichts zu wünschen ließ .... Der Dichter singt: „Das eben ist der Fluch der bösen That, daß sie fortzeugend immer Böses muß gebären" — in Golzinger entstand ein lebhaftes Gemüth bedrückendes Bedauern, gegen Weib und Kind mit solcher kannibalischen Härte vorgegangen zu sein, die von der weichen Hand seiner Gattin vermittelst des Mediums eines Stiefelknechts empfangene Beule schmerzte ihn nicht nur, sondern verunstaltete auch sein Gesicht, — dagegen hatten die fünf Finger seiner derben, muskulösen Hand, selbst nachdem die seiner Gattin applicirten Ohrfeigen längst verklungen waren, doch deutlich erkennbare Spuren auf deren Wangen zurückgelassen. Die Frau Bürgermeisterin empfand es schmerzlich und bedauerte es lebhaft, sich zwischen Gatten und Sohn geworfen zu haben, grollte auch Letzterem als schuldige Ursache des Streites, mit einem Worte, die Stimmung in

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