Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 41 (13.10.1899)
- Date
- 1899-10-13
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Nr. 41 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 787 Neuen Testament auch eingeschrieben sind, man findet daselbst kein Wort, um Vorurtheile gegen ihn zu begründen. Vorurtheile gegen Juden zu hegen ist »»christlich und war es immer. Es ist darum ein sehr trauriges Commentar über die Unvollkommenheit der christlichen Kirche, wenn wir Thatsachen anführen müssen, welche Jahrhunderte bezeichnen, in welchen schauervolle Verfolgungen dieser Leute vorkamen und heutzutage in dem pathetischen Dreysus-Fall sich zuspitzen, der das Herz der Welt bewegte. Vielleicht wird der reflectirende Einfluß dieses extremen Benehmens dahin führen, ein Bestreben auszubreiten, den Juden nach seinen Verdiensten zu behandeln, als einen Menschen unter Menschen. Gewiß die Logik unseres Verlangens, das Vorurtheil gegen die Juden solle nicht die Gerechtigkeit in dem Dceyfus- Falle beeinflussen, zwingt uns im Contact mit diesen Leuten anzuerkennen ihre Lauterkeit des Charakters, ihre Cultur, ihre gewissenhafte Uebung der Bürgerpflichten, gerade so, als wir unsere gentilen Nachbarn würdigen würden. Wien. (Israelitische Cultusgemeinde.) Öffentliche Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde Wien am Sonntag, den 15. October d. I. 10 Uhr Vormittags im Sitzungssaale der Cultusgemeinde (I., Seitenstettengasse 4, II. Stock). Tagesordnung: 1. Einlauf. 2. Präsidialbericht. 3. Bericht des Vertretercollegiums: Festsetzung der Beiträge für Stifter, Gründer und Förderer des Siechenhauses. 4. Bericht der I. Section: a) Taxen für Chalizot und Ehetrennungen (Referent Herr Dr. Weiner); b) rituelle Trauung civilgetrauter jüdischer Eheleute (Referent Herr Dr.. Berger); e) Mohelimfrage (Referent Herr Bicepräsident Dr. Kohn). 5. Bericht der V. Section: Austrittsanzeigen aus dem Judenthum (Referent Herr Dr. Berger). 6. Bericht der VI. Section: Anpflanzungen auf den Gratisgräber- Gruppen der israelitischen Abtheilung des Centralfriedhofes (Referent Herr Ob.-Jng. v. Mises). Der I. Vicepräsident. Wien. (T r a u u n g.) Mittwoch den 18. d. M. halb 2 Uhr Nachmittags findet im israelitischen Bethaus, Wien, II., Große Schiffgaffe 8, die Trauung von Fräulein Julie B o n d i, Tochter des Herrn Markus B o n d i, mit Herrn Salomon L e v i s s o n aus dem Haag, statt. Wien. (T r a u u n g.) Sonntag den 22. October um 2 Uhr Nachmittags, findet im Tempel, VI., Schmalzhofgasse, die Trauung von Fräulein Jenny Fröhlich, Tochter des Herrn Ignaz Fröhlich, mit Herrn Dr. Fröhlich statt. Wien. (Eine beleidigende Eorrespondenzk a r t e.) Vor einigen Monaten wandte sich der Maschinenfabrikant Julius Fischt an den im 9. Bezirk etablirten Glaser Adolph Dolezal mit dem brieflichen Ersuchen um Einsendung eines Preiscourants. Er erhielt eine Correspondenzkarte mit den Worten „Jach verkauf nix an grois". Demnach erachtete sich Herr Fischt für beleidigt nnd strengte durch seinen Vertreter Doctor Felder die Klage an. Dolezal suchte die Sache als einen harmlosen Scherz darzustellen, der Richter ging jedoch hierauf nicht ein, schloß sich vielmehr der Ansicht an, daß der Kläger durch diese Karte dem öffentlichen Spotte ausgesetzt wurde und verurtheilte Dolezal zu einer Geldstrafe von 25 fl., eventuell fünf Tagen Arrests. Der Verurtheilte meldete die Berufung puncto Schuld und Strafe an. Der Appellsenat bestätigte das erstrichterliche Urtheil puncto Schuld, setzte jedoch die Strafe auf Grund der Erklärung des Klägers, daß ihm das Strafausmaß gleichgiltig sei, auf 10 fl. herab. Wien. Im schönen Tempel des X. Bezirkes, Humboldtgasse 27, stand am 1. October die Tochter des Herrn Emanuel Friedmann unter dem Trauhimmel, uni ihre Vermählung mit Herrn Dr. Albert Pirak, Magistrats secretär in Brünn, zu feiern. Der Brautvater erfreut sich ob seiner Intelligenz, Ehrenhaftigkeit und opferwilligen steten Hilfsbereitschaft bei allen jüdischen und nichtjüdischen Bewohnern ungetheilter Beliebtheit und Achtung. Der Bräutigam entstammt frommen Eltern, deren Söhne sich durch eigene Verdienste geachtete sociale Stellungen errungen haben. Der mit Topfgewächsen und sonstigem Pflanzenschmuck reich decorirte Tempel war zum Erdrücken erfüllt. Den gesanglichen Theil absolvirte Herr Obercantor Schlesinger mit Orgel und Chor. Den Trauact vollzog der Tempelrabbiner Ehrw. Dr. Löwy, wobei er eine an Herzenstönen reiche Ansprache au das Brautpaar richtete. Da Herr Friedmann Mitglied des Tempel- Vorstandes seit Jahrzenten ist, verfügten sich seine sämmtlichen College» unter Führung des Obmannes, Herrn Carl Seligmann, in das Hochzeitshaus, Hotel de l'Enrope, wo Jur. Dr. Lazar Tritsch, Rabbiner Löwy und Herr Schidrowitz im Namen Aller beglückwünschten. Wien. (Leichenbegängniß des Dr. Fan-Jung.) Kürzlich wurde der Hausarzt der Freiwilligen Rettungsgesellschaft Dr. Boris Fan-Jung, der wie mitgetheilt, am 3. d. M. im Alter von 25 Jahren an einer Jnfection starb, die er sich im Spitale an dem Lager eines scharlachkranken Kindes zugezogen, zu Grabe getragen. Im Sterbehause, Alsergrund, Kolingasse Nr. 9, waren als Trauergäste erschienen: Der Präsident der Rettungsgesellschaft Landesgerichtspräsident Graf Lamezan mit dem Chefarzt-Stellvertreter Dr. Lamberg in Vertretung des von Wien abwesenden Chefarztes Dr. Heinrich Charas, dem Secretär Wortmaun und sämmtlichen dienstfreien Jnspectionsärzten und Hospitanten, ferner Hofrath Professor Dr. Chrobak, Ministerial-Vicesecretär Dr. Emil Löbl, kais. Rath Dr. Lieben, die Docenten Dr. Gustav Singer und Dr. Grünfeld, Bezirksausschuß Max Hiller, Ortsschulrath Heit, eine Officiersdeputation des Landwehr-Regiments, bei dem Dr. Fan-Jung erst kürzlich eine Waffenübung mitgemacht hat, zahlreiche Aerzte und Freunde der Familie, sowie die Hinterbliebenen. Obercantor Singer leitete die Trauerfeier durch den Vortrag eines Psalmes ein, worauf der Leichenwagen, von zwei mit Kränzen dichtgesüllten Blumenwagen gefolgt, sich zum Centralsriedhofe in Bewegung setzte. Eine lange Wagenreihe beschloß den Zug, der sich an der Centralstation der Rettungsgesellschaft in der Raoetzkystraße vorbeibewegte. Dort bildeten die Aerzte der Gesellschaft, Diener und Kutscher Spalier und ließen die Leiche passiven. Nach den rituellen Gesängen von Obercantor Singer in der Ceremonienhalle des Centralfriedhofes hielt Oberrabbiner Dr. Güdemann eine besonders ergreifende Gedenkrede. Am offenen Grabe sprachen Präsident Graf Lamezan namens der Rettungsgesellschaft und Dr. Eiselistädter namens der Jnspectionsärzte tief empfundene Nachrufe. Wien. (Jüdisches Museu m.) Die Sammlungen der Gesellschaft zur Erhaltung und Conservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthumes, I., Rathhausstraße 13, werden von Samstag den 14. October d. I. angefangen, alljährlich an jedem Samstage von 11—1 Uhr für den Besuch des Publicums geöffnet sein. Vereine und Corporationen können jedoch gegen vorherige Anmeldung beim Bureau der Gesellschaft jederzeit den Eintritt erlange». Der Besuch der Sammlungen ist stets unentgeltlich. Wien. Sonntag den 8. October fand unter allgemeiner Theilnahme das Leichenbegängniß der allgemein geschätzten Frau Charlotte Weiß statt, welche im 77. Jahre ans dem Leben schied. Tie Verblichene war die Witwe des bestbekannten, allgemein geachteten Beschneidungs-Operateurs Herrn Elias Weiß. Ein — Esches chajil — im strengsten Sinne des Wortes, war sie eine durch seltene Gaben des Herzens und des Geistes ausgezeichnete Frau. Sie erfreute sich in den weitesten Kreisen ob ihres biederen Wesens, integren rechtlichen Charakters die Sympathien Aller, welche je Gelegenheit hatten, mit ihr zu verkehren. Wie sie in ihrem Hanse gewaltet, was sie als mnsterhaste Gattin, als liebevolle, wahrlich gute Mutter geleistet, das muß besonders betont werden. Die Sorge um ihren vor fünf Jahren verstorbenen Gatten, an dessen Seite sie durch 47 Jahre dnrch's Leben in Frömmigkeit nnd Harmonie schritt, beherrschte stets ihren Sinn. So wie ihr Charakter, war sie in ihrem ganzen Leben stets sanftmüthig, gutherzig, bescheiden nnd anspruchslos. An ihrem Sterbebette weilten außer ihren hiesigen Töchtern und Schwiegersöhnen noch ihre Kinder, die aus der Ferne herbeieilten, um ihrer Mutter die letzte Ehre zu erweisen. Möge ihr die Erde leicht sein. Wien. Der bekannte Bibliograph und Hebraist, der Buchhändler Ch. D. Lippe, ist von seiner Krankheit wieder hergestellt, ist bereits in seiner Bibliothek und Buchhandlung wieder thätig. Dieselbe befindet sich in seiner Wohnung ll. Bezirk, Große Mohrengasse 14. Wien. (Dr. Leopold Libitzky.) Wie die Journale melden, ist Dr. Leopold Libitzky, einer der geachtetsten Wiener Advocaten, wegen vorgerückten Alters von der Ausübung der Advocatur zurückgetreten. Die „Juristischen Blätter" widmen ihm aus diesem Anlasse einen ehrenden Nachruf, dem wir entnehmen, daß Dr. Libitzky, welcher im Jahre 1827 zu Brandeis an der Elbe geboren wurde, seit 1865 als Advocat in Wien thätig war. Er gehört zu jener kl inen Schaar von Veteranen, die ihre Praxis begann, als noch die Ernennung die Grundlage