Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 41 (13.10.1899)
- Date
- 1899-10-13
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 764 Dr. Bloch's Wvchrnschrifk. Nr. 41 Auf der Tagesordnung stand das Referat des Eiuberufers über die leider wieder modern gewordene Frage, ob die Juden Christenblut zu rituellen Zwecken brauchen. Vorsitzender der Versammlung war der Handelskammer- und Gemeinderath Picker. Als Regierungscommissär fungirte Magistratscommissär Dr. Weißstein. Dr. Straucher referirte in eingehender Weise über die Blutfrage, nachdem er zuvor die Vorgänge beim Proceß in Polna einer vernichtenden Kritik unterzogen hatte. Der Redner prüfte das Blutmärchen auf seine historische Vergangenheit und es waren durchwegs christliche Autoritäten, die Dr. Straucher ins Treffen führte. Dr. Straucher schilderte die unsäglichen Leiden der Inden, forderte dieselben zur mannhaften Abwehr auf und appellirte auch an alle vorurtheilsfteien Christen, gegen diese böswillige und verleumderische, ebenso niederträchtige als verhetzende Beschuldigung einer ganzen Religiousgenossenschaft Stellung zu nehmen und den Juden Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Die Versammlung nahm diese Rede mit stürmischen Beifalle auf. Der nächste Redner Dr. Ebner erzählte von der Blutbeschuldigung des Jahres 1475, als die Etsch ein tvdtes Christenkaäblein ans Ufer bei Trient warf. Dieses Knäblein wurde unter dem Namen des heiligen Simon von Trient bekannt. Die von Dr. Ebner in trefflicher Rede begründete und eingebrachte nachstehende Protestresolution wurde, nachdem der Vorsitzende G.-R. Picker unter lebhaftem Beifalle die Feigheit gewisser jüdischen Kreise gegeißelt hatte unter stürmischem Applaus angenommen. Die Versammlung bereitete Herrn Doctor Straucher große Ovationen, welche sich bis zu seiner Wohnung fortpflanzten. Resolution eingebracht von Dr. Mayer Ebner in der Volksversammlung am 30. September 1899 im Rathhaussaale in Czernowitz: Die am 30. September im Rathhaussaale von Czernowitz stattgeiundene, vom Reichsraths - Abgeordneten Dr. Benno Straucher einberufene allgemeine Volksversammlung gibt ihrer Ueberzeugung einstimmig Ausdruck, daß die anläßlich des letzthin in Kattenberg gegen Leopold Hilsner wegen Mordes durchgeführten Processes gegen die jüdische Stammes- und Religionsgenoffenschaft erhobene Blutbeschuldigung eine böswillige niederträchtige Verleumdung Seitens gewissenloser Hetzer ist, die die rohesten Jnstincte der Massen zu Haß, Verachtung und Gewaltthaten gegen die Anhänger eines Bekenntnisses aufreizen, das jede Blutthat verpönt und verdammt. Die heutige Versammlung kennt und anerkennt jene geschichtlichen Thatsachen, die in der alten, mittleren und neueren Zeit die bündigsten, glaubwürdigsten, weil von hoher kirchlicher Seite ausgehenden Widerlegungen des Blutmärchens waren, die Versammlung gibt ihrer Entrüstung Ausdruck, daß der Versuch gemacht werde, eine mittelalterliche Fabel in den Gerichtssaal zu bringen, und hegt die Hoffnung, daß Recht und Gerechtgkeit nicht vor Lüge und Niedertracht werden zu Schande werden. Amstetten. Auch der Ausschuß und das Rabbiuat der israelitischen Cultusgemeinde Amstetten hat einstimmig beschlossen, dem Ministerpräsidenten, dem Justizminister, und dem Cultusminister und dem Statthalter sowie den löhlichen Bezirksbehörden einen Protest gegen die in Polna erhobenen Beschuldigungen mit Bezug auf das angebliche Blutrituale zur Kenntniß zu bringen. In dem Proteste heißt es unter Anderem: „Im Interesse des durch diese systematische, verlogene Agitation arg gefährdeten Bürgerfriedens protestiren wir auf das Feierlichste und Entschiedenste gegen die böswillige Beschuldigung, daß das Judenthum oder irgend eine jüdische Secte den Ritualmord oder den rituellen Gebrauch von Menschenblut lehre oder übe, oder jemals gelehrt oder geübt habe. Wir verwahren uns auf das Nachdrücklichste gegen eine derartige Herabsetzung und Verdächtigung des Judenthums und seines Glaubens, welcher den Gebrauch jedweden Blutes kategorisch verbietet; zugleich sprechen wir unser tiefgefühltes Bedauern darüber aus, daß es gerade in der dem Haffe und der parteiischen Feindseligkeit entrückten Stätte öffentlicher Rechtsprechung gewesen ist, an welcher die Erneuerung der schmachvollen Blutlüge von privatbetheiligter Seite unternommen werden durfte." Stockerau, 10. October. Heute fand die Beerdigung eines 16jährigen Mannes statt unter der besonderen Theilnahme der gesammten Bevölkerung. Vor 14 Tagen verunglückte der Sohn des Herrn Hermann Munk durch einen Sturz vom Rade und den erlittenen Verletzungen erlag der junge Mensch, der sich bei Lehrern und College» die größten Sympathien erworben. Dem Leichenbegängnisse, dessen Ceremonien der Floridsdorfer Rabbiner und Chor in würdigster Weise versahen, wohnten nahezu tausend Menschen an, die damit den Ruf Stockeraus als antisemitischen Seuchenherd glänzend widerlegten. Als ganz besonders erwähnenswerthes Moment verdient jedoch hervorgehoben zu werden, daß aus Anlaß des Leichenbegängnisses das Stockerauer Gymnasium gesperrt war (und zwar Nachmittags) und daß sämmtliche Schüler desselben unter Führung ihres Directors und ihrer gesammten Professoren dem Zuge vom Trauerhaufe durch die ganze Stadt bis zum Friedhöfe zu Fuße folgten und ihrer Trauer durch die Spende eines wirklich kostbaren Kranzes Ausdruck gaben. Groß - Meseritsch. (Zum M ä d ch e n m o r d in Polna.) Mit Rücksicht darauf, daß die Mutter des Hilsner und ihr Sohn „Jtzig" hier ihren Wohnsitz haben, wurde die Bevölkerung von Agitatoren gegen die hiesige Judenschaft aufgehetzt. In Folge der starken Erregung, welche nun gegen die jüdischen Bewohner herrscht, wurde die Gendarmerie verstärkt, welche seit einigen Tagen im Judenviertel patrouillirt. Prag. Die „Bohemia" berichtet unter dem Schlagworte: „Jugendliche Antisemiten": Wie der durch die czechische Presse genährte Antisemitismus immer weitere Kreise unter der Jugend ergreift, zeigt folgender Vorfall: Dem neben dem czechischen Gymnasium in der Tischlergasse etablirten Händler mit ausländischen Briefmarken Max Heller zertrümmerten einige Burschen mit den Rufen: „Pojdme na Hilsnera“ (Gehen wir gegen Hilsner), das Fenster und der Besitzer sah sich genöthigt,- einer etwaigen weiteren Bethätigung der so edel entflammten Jugend durch schnelles Absperren der Thür vorzubeugen. Der durch das Einschlagen des Fensters entstandene Schaden wurde zwar dem Besitzer von einem Burschen, welchen Herr Heller als einen der Thäter erkannt hatte, vergütet, aber erst später wurde von ihm der Abgang einiger ausgehängten werthvollen Briefmarken unliebsam bemerkt. Bistrih. Die am 21. August " d. I. stattgehabte Einweihung unseres neuen Tempels bildete für unsere Gemeinde ein Freudenfest, an welchem sich Alles ohne Unterschied der Confession betheiligte. Zuerst wurde vom alten Bethaufe.Abschied genommen. Die Festrede wurde vom Oberrabbiner Herrn Doctor Franz L ö w y aus Nagy Atäd gehalten. Nach Beendigung desselben wurden die Thorarollen der Bundeslade entnommen und von den Aeltesten der Gemeinde unter dem Baldachin zum neuen Tempel getragen. Vor dem Haupteingange des neuen Tempels übergab Herr Samuel D o r n e r als Präses des Baucomites den Tempelschlüssel dem Vorsteher der Gemeinde Herrn Isidor Deutsch mit der Aufforderung, den neuen Tempel seiner Bestimmung zuzuführen. Der Gemeindevorsteher warf in feiner Ansprache einen Rückblick auf die Entstehung der Geschichte des Tempels, schilderte in markigen Sätzen die Hindernisse, welche zu beseitigen waren und nachdem er für die Werktätige Untere stützung der Gemeindemitglieder dankte, öffnete er den neuen Tempel, worauf der Einzug in denselben erfolgte. Der eigentliche Glanzpunkt der Feier folgte erst jetzt. Die Vorstehung hat Alles aufgeboten, um der Feier ein mächtiges würdiges Gepräge zu geben. Zu diesem Behufe ließ sie den altbewährten und tüchtigen Obercantor Herrn Leon Kartschmaroff aus Groß-Kanizsa mit einem Theile des Ehorperfonales hieher kommen. Es konnte keine bessere Wahl getroffen werden, denn Herr Kartschmaroff ist Einer der Beste n, ein Künstler ersten Ranges. Sein Vortrag ist f a s c i n i r e n d und fesselnd, eine selten künstlerische Erscheinung, auf den die Kanizsaer mit Recht stolz sind. Sein Gesang ermüdet den Zuhörer nicht, im Gegentheile, je länger man ihn hört, desto mehr ist das Verlangen ihn noch zu hören und wenn es in einem Tempel zulässig wäre, wir hätten jede seiner Piecen einigemale wiederholen lassen. Die Festrede hielt der Oberrabbiner Herr Dr. Em. Herzog aus Kaposvar mit bekannter Eloquenz. Ueber den weiteren Verlauf der Feier wurde in diesen Blättern bereits berichtet. Mährrsch-Ostrau. (Die antisemitische Verhetzung.) Nimmt nur seitens des Witkowitzer Wochenblattes auch von czcchischer Seite wird anläßlich des Kuttenberger Processes gegen die Juden gehetzt. Ueber die Leistung des Witkowitzer Wochenblattes haben wir bereits berichtet. Die Moravsko Pfivozske Noviny“ haben sich mit diesem deutschen Blatte solidarisch erklärt und am letzter! Sonntag das Märchen von den Ritualmorde seinen gläubigen Lesern aufgetischt. Das Blatt wurde