Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 41 (13.10.1899)
- Date
- 1899-10-13
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 762 Dr» Bloch's WochenfchrM Nr 41. scheu Journale durchweht sind, deutet darauf hin, daß sie sich nicht entblöden, deu neuesten Gassenhauer zu veröffentlichen, der da beginnt: rNekupujte u zidu ani Kaffe, ani mouku. oni näm zabvli v Polne iia«i holku“ 2c. und in solchen Journalen, die täglich, ja stündlich gegen die Juden Hetzen, das Judenthm schmähen, annonciren große Geschäfte, um aus der bezahlten Hand den Faustschlag ins Antlitz zn erhalten. Oder wissen es diese Herren nicht — oder sind sie factisch auf die Insertion dieser Revolver-Blätter angewiesen? Ich glaube nicht! Tie großen, prachtvollen Auslagckästen, die billige und dabei gute Bedienung ist eine Sprache, die mehr als jede Annonce spricht, und schließlich gibt es ja eine andere Art Reclame, als nur in judenfeindlichen Blättern seine Waare und Preise zu veröffentlichen. Zur Charakterisirung dieser Blätter ob jetzt ,.Karodiri lysti“. „Narodni politika“, „Kutnohorske lysti". „Plzenske lysti" oder „Odbor Kuryr“ u. s. w., oder wie all' diese Gilde heißt, diene, daß an Sonntagen, wo die größten und meisten Annoncen seitens der jüdischen Geschäftswelt erscheinen, man die Juden nicht ,,zidi“ sondern risraelyti“. pfiznalci mozaickeho näbozenstvi 2t. (Israeliten, Bürger des mosaischen Glaubensbekenntnisses) nennt — „das Gold zeigt hier doch seine Macht". Es wäre höchste Zeit, diesen Zeitungs- Flibustiern das Handwerk ein für allemal zu legen, denn wie die Verhältnisse, insbesondere auch zufolge der Politik sich gestalten, sind wir gar nicht weit davon entfernt, eine zweite Auflage der vorjährigen Tecember-Scenen in unserer Mitte zu erleben. Dies scheint ja auch der Endzweck dieses ganzen Getriebes zu sein und was dann?!- Die Juden in Böhmen sehen nun endlich, aber zu spät ein, daß all' ihre Anstrengungen, all' ihre Opfer, Chimären gebracht wurden; was nützte es, daß man statt unserer altehrwürdigen hebräischen Gebete, das czechische Wortgepraffel setzte, was nützte es, daß man die bewährte confessionelle Schule vernichtete, was nützte cs, daß man seine innere Uebcrzeugung „verleugnete" und czechische Vereine, czechische Corporationen gründete!! Der Jude wird verbrannt, ob so oder so. Hunderte von crassen Beispielen könnte man ansnhrcn — die das ganze Bild tr.ffend illustriren würden, es wäre viel zn weitschweisend — und schließlich geben unsere Tage uns genügenden Stoff zur — Ueberzeugnng von der Aufrichtigkeit unserer czechischcn Mitbürger. Es ist daher angezeigt, diesen Leuten, insbesondere jedoch diesem czechischcn Zeitungswescn die nöthige Abstinenz im strengsten Sinne zu zeigen — man wird zum Mindesten die Fratze in ganzer Blöße sehen — und der Jude wird die Worte Tolstoi's voll begreifen, der da sagt: „das bischen Intelligenz wegkratzen und der Tartar kömmt zum Vorschein." Man wird aber schließlich doch einsehen, daß wir Consegnenz und Charakter besitzen, und nur durch ein einiges und planmäßiges Vorgehen kann man den Feinden Achtung einflößen und den Schreihälsen den Mund stopfen. Eduard Her m. S p i e l m a n n. Die „Wiener Mode — auch antisemitisch. Aus Floridsdorf wird uns mitgetheilt: „Bor acht Monaten ist ein jüdisches Ehepaar, Josef und Kathi Klinger hiehergekommen. Die Frau hat sich einen Gemüsehandel eingerichtet und der Mann trägt Butter und Eier nach Wien, um sie in bekannten Häusern abzusetzen. Es fiel auf, daß Klinger, der bis dahin, wie man glaubte, eine behagliche Existenz als Portier der „Wiener Mode" führte, von dieser Stelle entlasten wurde. Man erkundigte sich nach der Ursache; er war vom gestrengen Herrn leitenden Verwaltungsrath Carl Colbert gekündigt worden, weil er Sonntag Vormittag nicht im Dienst war, an einem Tage, wo das Geschäft ohnehin gesperrt ist. Dabei hatte er feinen Neffen, einen im Hause beschäftigen Buchdrucker, als Ersatzmann gestellt. So handelt ein Jude an einem Juden. Das ist aber nicht alles. Klinger ist in den ersten Tagen seines Dienstes beim Putzen einer Oberlichte von einer Leiter gefallen, er wurde sofort ärztlich behandelt und litt seitdem an starkem Kopfschmerz. Da er außerdem in einem sehr tiefen und sehr feuchten Souterrain wohnen mußte, so verschlechterte sich sein Zustand. Eine höfliche schriftliche Bitte, seine menschenunwürdige Wohnung zu ändern, hätte ihm beinahe die Entlastung zugezogen. Daß diese dann doch erfolgte, verdankt er seinem seither kränklichem Zustand, den er sich im Dienst geholt hat. Klinger stand da ohne Stellung, leidend, ohne Geld, seine Ersparnisse hatte er in Medicin, für ärztliche Behandlung und in einem Curort ausgegeben. Ein Christ bekam seine Stelle. Dieser Christ aber hat die Wohnung nicht im Souterrain, sondern erhielt im 2. Stock zwei schöne helle Wohnräume auf die Gaste. Der Jude also wird erst in einer sanitätswidrigen Wohnung krank gemacht, wenn er sich beklagt, entlasten, und der Christ bekommt, was der Jude nicht erreichen kann und das — beim Juden. Vielleicht können Sie, geehrter Herr, der Sie so wacker für das Judenthum eintreten, durch Veröffentlichung dieser Zeilen dem armen Teufel Helsen. Er ist ein bescheidener, thätiger, intelligenter durch und durch ehrlicher Mensch, welcher jetzt ganz, gesund ist, und mit gutem Gewissen bestens empfohlen werden kann." So weit unser Gewährsmann, dessen Angaben wir als unbedingt wahr und richtig bestätigen können. Hinzuzufügen ist, daß Klinger, der eine Vergütung von 200 Gulden für Arzt und Medicm verlangte — 50 Gulden erhielt, mit der Bemerkung, wenn es ihm zu wenig sei, möge er klagen. In jüdischen Familien sollte man die „Wiener Mode" — nicht pflegen! Eine alte Prophezeiung über die Weltherrschaft des Christenthums. Zur Beantwortung der Frage Tr. F r i e d l ä n d e r's. Die Frage, welche Herr Dr. M. F r i e d l ä n d e r in der jüngsten Nummer der „Oesterreichischen Wochenschrift" (Nr. 40, S. 733) an mich richtet, wäre wohl in der Zeitschrift, die meine von Herrn Dr. Fr. beanstandete Behauptung veröffentlicht hat, an richtigerer Stelle gewesen. Herr Dr. Fr. hat za selbst im jüngsten Hefte der „Revue des Etudes Juives" Bemerkungen zu meinem daselbst (Bd. XXXVIII, S. 38—46) erschienenen Aufsatze über die „Minim" erscheinen lassen. Jedoch, da er es für gut befunden hat, seine auf den genanntest Aufsatzsich beziehende neueste Bemerkung in Form einer offenen Anfrage den Spalten dieser geschätzten Wochenschrift anzuvertrauen, so kann ich mich der Pflicht nicht entziehen, meine Antwort, mit Erlaubniß des geehrten Herausgebers der „Oesterreichischen Wochenschrift", ebenfalls an dieser Stelle zu veröffentlichen. Zunächst will ich einen I r r t h u m Fr.'s feststellen, dessen Erkennlniß den größeren Theil seiner Aeußerungen gegenstandslos macht. Rabbi E l i e s e r der Große, d. i. Rabbi E l i e s e r den Hyrkanos, hat mit dem merkwürdigen Ausspruche über die messianische Zeit und deren Vorzeichen nichts zu schaffen. Dieser Ausspruch, der mit den Worten „An den Fersen des Messias" beginnt und mit den Worten „Auf wen können wir uns stützen? Auf unseren Vater im Himmel" schließt, ist ein anonymer Ausspruch, dem ein mit denselben Worten schließender Ausspruch R. E l i e s e r's vorausgeht. Ec steht so am Schluffe des Tractates Sota in den Mischna-Ausgaben und auch im Mischna-Texte des jerusaleniischen Talmuds. Im Mischna-Texte des b a b y l o n i s ch e n Talmuds ist die ganze Gruppe von Aussprüchen dem Schluffe des Tractates Sota als Baraitha angefügt (Sota 49 a unten). In dem von Lowe herausgegebenen Mischna-Texte (Cambridge 1883) beginnt mit dem Ausspruche über die messianische Zeit thatsächlich ein neuer Absatz; sowie denn auch inhaltlich dieser Ausspruch mit dem vorhergehenden Ausspruche R. Elieser's in gar keinem Zusammenhänge steht. Ich bemerke hier noch, daß in dem Low e'schen Mischna-Texte als Autor des Ausspruches R. E l i e s e r's statt dieses Letzteren sein gewöhnlicher Controversist R. I o s u a (das ist I o s u a b. C h a n a n j a) genannt ist und daß vorher ein anderer, ähnlicher Ausspruch den Namen R. Elieser's als- Autvr zeigt. Diesem letzteren Ausspruche ist im Texte der Mischna-Ausgaben und auch in der Baraitha des babylonischen Talmuds der Name R. P i n ch a s b. I a i r 's vorgesetzt, was wohl durch den Umstand bewirkt wurde, daß am Schlüsse der ganzen Gruppe ein Ausspruch dieses Autors tradirt wird. Im En Jakob ist als Autor des im gewöhnlichen Texte den Namen R. Elieser's des Großen tragenden Ausspruches, ganz wie in der Lowe 'schen Mischna-Ausgabe, R. I o s u a genannt. So muß denn der Name des alten Tannaiten Elieser b. Hyrkanos ganz aus dem Spiele gelassen werden. Der Ausspruch über die messianische Zeit ist in den bisher angeführten Quellen anonym gebracht. Jedoch nennt eine andere Quelle als seinen Autor einen jüngeren Tannaiten: R. Nechemia, den bekannten Schüler R. Akiba's. Diese Quelle ist eine Baraitha des babylonischen Talmuds (Sanhedrin 97 a) und ihr haben den Ausspruch ebenfalls mit dem Namen R. Nechemia's, zwei andere Quellen entnommen: Schir Haschirim rabba zu 2, 13 Ende und Derech erez suta Ende. Unter der Agada R. Nechemia's habe ich auch den Ausspruch behandelt, siehe Die Agada der Tannaiten. II. 236. Dr. Fr. hat also Recht, wenn er sagt, daß mir die Überlieferung, des Spruches durch R. Nechemia „zweifellos bekannt sei". Der Umstand, daß der Ausspruch R. Nechemia's, bis auf geringe Abweichungen im Ausdrucke, mit jenem anonymen Ausspruche am