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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-10-13 · 41 (13.10.1899) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
41 (13.10.1899)
Date
1899-10-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 752 Dr. Bloches Wochenschrift» 5tr. 41 Das Werk des Pranaitis, Editio Deckert, verdient als eine monumentale Leistung moderner Fälschung bezeichnet zu werden. - Alle Gaunerkniffe und Zuchthausgriffe, alle Handwerks-Praktiken und Fingerfertigkeiten der Niedertracht sind darin enthalten von der einfachen Verdrehung oder Unterschiebung bis zum prachtvolle^ Lügengewebe, dessen Kette scheinheilige Bosheit und dessen Einschlag herzhafte Nichtswürdigkeit heißt. So schillert es dann zwiefärbig in der Sonne, wie man es eben halt. Und doch geht ein gewisser frisch-fröhlicher Zug durch das ganze Buch, so eine Art naiv-alberner Freude an der eigenen Gemeinheit und Grundschlechtigkeit. . . Einen geeigneteren Kronzeugen gegen den Talmud und den Oberrabbiner Dr. Güdemann konnte Herr Deckert nicht ausfindig machen. Und doch hat der schlaue Geschäftsmann in der Weinhauser Pfarre noch ein anderes Buch über den Talmud publicirt, welches er Pfiffiger Weise diesmal zu erwähnen vergißt. Herr Deckert hat nämlich die alte Schrift von Christian G e r s o n: „Des jüdischen.Talmud Auslegung und Widerlegung" herausgegeben u. zw. im Verlage des „Sendboten des heiligen Joseph" Wien 1895. Das Buch ist wiederholt im Drucke erschienen, Schreiber dieses besitzt die 7. Auflage Leipzig 1722. Den Neudruck begründete Pfarrer Deckert damit, daß der Verfaffer, ein geborner Jude, einen ehrlichen Conversionsversuch unternommen. daher sein Buch „ein Hilfsbuch geworden ist, für Alle, welche sich in der I u d e n f r a g e orientieren" wollen. Er fügt hinzu: „Zugleich rechtfertigt der Herausgeber damit seine vielverleumdeten acht Conseren zreden über den w a h r en Israeliten, gehalten in der St. Josef-Botivkirche zu Weinhaus Wien XVIII. vom 5. bis 12. Mai d. I., sie sind wesentlich auf diesem Buche Gerson's begründet." Wenn man aber das Buch G e r s o n's von Recklich- Hausen zur Hand nimmt, so liest man in der Vorrede folgende Stellen: „Die Geistlichen haben in ihren Predigten und Schrifften gelehrct, man soll die blinden Gotteslästerer als Feinde und Mörder Christi , verfolgen und ausrottcn. Etliche wollen sie in ihrem Jrrthume aus ihren eigenen jüdischen Büchern überzeugen. Weil aber diese Autoren selber der Juden Bücher nicht gelesen hatten, oder auch wohl' zum Theil in ihrer Sprache nicht lesen kunten haben sie sich nicht geschämet, mancherley Lügen zu setzen, als sollte dieses oder jenes in diesem oder jenem Buche stehen, welches sich doch in der Wahrheit viel anders befindet. Darum es auch vielmehr zu Stärkung des Jüdischen Glaubens, als zu dessen Vernichtigung dienet, daher sie nicht unbillig von den Juden verlachet werden."- „Dannenhero kein Wunder, daß so wenig bey ihnen ausgerichtet worden. Im Gegentheil aber verwundert man sich nicht unbillig, wann Gott der HERR aus einen! Saul, das ist, aus einem rechten Juden, dem seine Jüdische Religion ein Ernst ist, einen Paulum, das ist einen rechten Christen, welchem seine Christliche Religion ein Ernst ist, macht."- „Drittens, was soll doch das bauen, daß man sic, so lange sic Geld haben zu Christen machen wil und wann wir das Geld hinweg haben, wir sie so lange zu frieden lassen, biss sie wieder etwas gefammlet haben? Dieweil es vielmehr die Lehr des Thalmuds stärcket, da er schreibet: Einem Juden stehet die Armuth so tvol an als einem weissen Pferde eine rothe Rose. Ja. O Gott habe den Juden nichts besseres als Armuth geben können." — „Was soll zum sechsten diss nutzen, daß man sie überreden wil, es stehe dieses oder jenes in ihren Büchern, oder dass sie diss oder jenes thun sollen, welches ihnen und ihren Büchern auffgedichtet wird? Daraus sie dann die Gedanken schöpffen unsere ganze Religion fey au ff Lügen gegründet." .... „Weiter die Geistlichen Herren, welchen auff ihren Cantzeln das Predig-Amt befohlen, müssen auch, wollen sie anders bey ' den Juden etwas ausrichten, nicht allezeit donnern und schelten» sondern mit großer Sanfftmuth einen lieblichen Spruch nach dem andern erklären und auslegen, alsdann wird ohne Zweifel O Gott das Gedeyen darzu geben. Die Gelehrten, welche an und wider die Juden schreiben wollen, müßen auch das Papier nicht mit Schelt und Lasterworten Men, müßen auch nicht einem jeden Geiste, welcher diss oder jenes von ihren Büchern saget, Glauben geben, sondern ihre Bücher wollen sie etwas bey ihnen erhalten, selber lesen und was unrecht ist aus GOttes Wort widerlegen und alsdenn ihnen die Wahrheit göttliches Wesens und Willens aus GOttes Wort offenbahren. Dann wann man einen zum Erkäntniss seines Jrrthums gebracht hat, kan man ihn hernach zum Erkäntniss der > Wahrheit auch bald bringen. In Betrachtung, daß auch Dr. Luther Tom. 5. Wittenb. Fol. 4,3 schreibet: Darum wäre meine Bitte, dass man säuberlich mit ihnen (den Juden) umginge und aus der heiligen Schrift unterrichte, so möchten ihrer etliche herbeikommen; aber nun sie mit Gewatt treiben und gehen mit Lügenteydung um, geben ihnen Schuld, sie müssen Christenblnt haben, dass sie nicht stinken, und weiss nicht was kies Narrenwerks mehr ist, dass man sie gleich für Hunde hält, was sollen wir guts > n ihnen schaffen? Item, daß matt ihnen verbeut, unter uns zu arbeiten, handthiercn, und andere menschliche Gemeinschafft zu haben, damit man sie zu wuchern treibet. Zu welchem Ende auch ich dieses Büchlein geschrieben." — Da diese ausfühlichen Auslassungen G e r s o n's für den Pfarrer von Weinhaus und seine Predigten nicht nur keine „Rechtfertigung", sondern vielmehr eine scharfe Anklage und Zurechtweisung bilden, seine Erzählungen von der Kanzel als frevelhafte Lügen brandmarken, so hat Herr Pfarrer Deckert in seiner Auflage des Buches von Christian Gerson diese Stelle e i n f a ch a u s g e m e r z t. An zahlreichen Stellen hat Herr Deckert die gleichen Kunststücke mit dem Buche, Fälschungen allerschlimmster Sorte, vorgenommen. So fälscht Herr Deckert selbst die judenfeindliche Literatur, insofern sie seine albernen Lügen nicht unterstützen will. Und ein Mann von solchen Fälscher-Praktiken trägt das Gewand eines katholischen Geistlichen. Keine Judengemeinde würde einen solchen Menschen auf der Kanzel dulden! Herr Deckert beruft sich auf den Fall in Xanten. Wohl selten noch ist ein Angeklagter so vollständig makellos aus einem Proceffe hervorgegangen wie jener unglückliche jüdische Schächter Bnschoff. Nicht der Schatten eines Verdachtes blieb auf ihm haften, und mit Recht konnte daher der Staatsanwalt am Schluß der mehrtägigen Verhandlung ausrufen: „Ich muß bemerken, daß mir in meiner langen kriminalistischen Thätigkeit noch kein Fall vorgekommen, in dem ein so klarer zusammenhängender Beweis geführt worden ist, daß der Angeklagte die That nicht begangen haben kann, wie in diesem Falle." Und nun endlich der Damascener Proceß! In der Ritualmordhetze spielt gerade dieser Proceß eine Hauptrolle, wurden doch die angeklagten Juden darin zum Tode verurtheilt. Glücklicherweise besitzen wir über die schmachvollen Vorgänge in Damaskus Berichte mehrerer Augenzeugen, darunter auch des antisemitischen Scribenten Achille Laurent. Sie alle schildern übereinstimmend die entsetzlichen Scheußlichkeiten, denen die Juden — 2 starben während der Proceduren — unterworfen wurden. Der englischr Missionär Rev. Pieritz zählt die folgenden „Hülfs mittel" auf: 1) Die Juden wurden gepeitscht. 2) Man tauchte sie sammt ihren Kleider in große Gefäße kalten Wassers. 3) Mittelst einer Maschine preßte man ihnen die Augen aus den Höhlen. 4) Man zerrte an den zartesten Theilen des Körpers (Genitalien) und befahl den Soldaten, sie zu zwicken und diese Theile solchermaßen zu verdrehen, daß sie vor Schmerz fast wahnsinnig wurden. 5) Drei volle Tage lang mußten sie aufrecht steben, ohne daß man ihnen eine andere Stellung gestattete, sie durften sich nicht einmal gegen die Mauer lehnen; wenn sie vor Mattigkeit niederfielrn, zwangen sie die dabei stehenden Schildwachen mittelst ihrer Bajonette wieder aufzustehen. 6) In einem w item Hofe wurden sie an den Ohren umheraezoaen, bis das Blut floß. 7) Man steckte Dornen zwischen die Nägel und das Fleisch an Fingern und Zehen. 8) Der Bart wurde ihnen abgesengt, so daß die Haut mit verbrannte. 9) Man hielt Lichter nnter ihre Nase, so daß die Flamme in die Nasenlöcher stieg. . . ." Der österreichische Staatskauzler Fürst Metternich, der doch gewiß kein Judenliberaler war, hat die Berichte seines Generalkonsuls publiciren lassen, um die völligl lnschuld der unglücklichen Opfer dieser Hetze vor aller Welt zu ezeugen. Der Fabrikant der Keuschheitsgürtel hat die Kühnheit, an den Oberrabbiner Dr. Güdemann mit der Bemerkung sich zu wenden: „Nur um Eines bitten wir ihn: bevor er dem Antisemitismus „den Schimpf in's Angesicht schleudert", er sei eine Düngerstätte, wo veraltete und verrottete Borurtheile ausgegraben werden, möge er sich besinnen und uns anfktären, wohin das Blut der Hruza gekommen sei und wozu es verwendet wurde? Kann er das, so wollen wir trotz Trient, Damaskus, Xanten, Tisza-Eszlar re. über den Fall Hülsner schweigen." Uns will es scheinen, daß Herr Deckert sich denn doch an eine falsche Adresse gewendet hat. Wenn er über den Verbleib

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