Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 40 (6.10.1899)
- Date
- 1899-10-06
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Nr. 4Ö Dr. Bloch's Wochenschrift^ Seite 747 Notiz. Ein altes, bewährtes Kleiderreccpt. Alte Recepte iverdcn mit Vorliebe befolgt, sowohl in der Küche, im Hause, wie in der Wtrthschaft. Und ein solches altes Recept, sich auf bequemem und billigem Wege gute, moderne Kleider zu verschaffen, ist die bewährte, auf der uralten, einfachen Grundlage des Tausches beruhende Methode, die seit Jahren beim Hoflieferanten Rothberger auf dem Stesansplatz cingefnhrt ist. Man gibt die getragenen Kleider daselbst ab, sie werden gewissenhaft geschätzt, und gegen eine zumeist kleine Aufzahlung erhält man dann moderne und gute Kleider, wie sie eben die Saison erfordert. In der Kleiderschwemme, dieser volksthnmlichen Abtheilung des Hauses, findet sodann der Anspruchslosere Kleider zu den denkbar billigsten Preisen. Da wir vor dem Eintritt des Herb st e s stehen, sei das alte, bewährte Kleiderrecept unseren Lesern ins Gedächtnis gerufen. Literatur. Die älteste Terminologie der jüdischen Schristauslegung. Ein Wörterbuch der bibelexegetischen Kunstsprache der Tannaiten von Dr. Wilhelm Bacher. Leipzig, I. C. Hinrichs'sche Buchhandlung. 1898. VIII. und 207 Seiten Octav. Der unermüdliche Forscher, der erst unlängst, wie in diesen Blättern berichtet wurde, sein großes Werk „Die Aggada" zum Abschluß brachte, hat die wissenschaftliche Welt wieder mit einem herrlichen Werke beschenkt, welches, wie alle Werke Bacher's, ein Muster der gelehrten Forschung und des tiefen Wissens bildet. Keiner war so berufen, die Terminologie der Tannaiten wissenschaftlich zu bearbeiten, als der illustre Verfasser der Sammlung der „Agada" dieser Tannaiten, und in der That kann sich der Verfasser bei den meisten schwierigen Punkten auf seine einschlägigen Vorarbeiten, besonders aus sein selbstständiges Werk über die „Agada" berufen. Die bibelexegetische Kunstsprache der Tannaiten hat für den Gedankengang, in welchem der Talmud und Midrasch sich bewegen und auf welchem sie sich aufbauen, dieselbe Wichtigkeit, wie etwa die Kunstausdrücke der Grammatik und der Logik, zu beiden Gebieten, zu denen der Grammatik und der Logik; gehören jene bibelexegetischen Kunstausdrücke in der That, nur ist ihre Quelle nicht das selbstständige Sprechen und Denken, sondern der gegebene Text und der gegebene Gedankeninhalt der heiligen Schrift. Der Verfasser hat es vermieden, sein Thema mit anderen Disciplinen in Parallele zu bringen, auch ist die ältere Behandlung desselben Stoffes, also gleichsam eine Geschichte dieser Disciplin, nur in den seltensten Fällen berührt, und dies dürfte wohl Alles sein, was man an dem Werke aussetzen kann, denn von einem Bacherschen Werke erwartet man immer lieber zuviel als zuwenig. Dagegen hätten unserer unmaßgebenden Meinung nach einige Artikel, die, streng genommen, nicht hieher gehören, wohl wegfallen können. So hat .z. B. der Ausdruck „fälschen", mit der Bibelexegese kaum etwas zu schaffen; die Thora fälschen heißt doch nicht die Thora auslegen. Auch der wohlbekannte Ausdruck „Chumesch", der eigentlich je einen fünften Theil der Thora bedeutet, gewöhnlich jedoch im Sinne von Thora oder Bibel genommen wird, dieser Ausdruck sage ich, hat keinen Bezug auf die Exegese des Textes, ist also auch kein Kunstausdruck derselben. Doch enthält auch dieser Artikel viel Belehrendes, und von diesem Standpunkte aus ist es gut, daß er geschrieben wurde. Auch außerdem gibt es eine Reihe von Kunstausdrücken, die, obzwar sie in Jedermann Munde geläufig und scheinbareinfach sind, dennoch erst von Bacher das erste Mal richtig erklärt werden. Nur hinsichtlich des Termines 'Tt (S. 46) möchten wir bei der bisherigen Erklärungsweise von n*n bleiben. Bei Artikel „aufheben, widerlegen" (in dem Werke selbst ist es nicht übersetzt) wäre ein Hinweis auf den aus der gleichen Wurzel stammenden, neuhebräischen Ausdruck für „Quittung" am Platze gewesen. Natürlich bemerke ich das mit aller Bescheidenheit, wie es dem Schüler gegenüber dem Meister geziemt. Dr. Samuel Krauß. Die in allen Fachblättern günstig besprochenen Materialien zum bibl. Unterricht für Lehrer und jeden Bibelleser von I o s. Plohn sind zum Preise von 60 kr. in den Buchhandlungen von N« Lewit, Rothenthurmstraße 22 und von Jos. Schlesinger, Seitenstättengasse 5 zu beziehen. Briefkasten. I H. Ihr Vorschlag scheint uns nicht richtig zn sein. Die Verwaltung des Hauses ist nicht berufen’, die Versammlungen zu censnriren. A. P. Lemberg. Hat für uns kein Interesse. L. A. Deutsch-Brod. Leider existirt ein solches Asyl für jüdische Kinder nicht. N. K. Kolin. Ihre Anregung ist sehr beachtenswerth und wir haben derselben Folge gegeben. Dr. S. Bielitz. Wir haben dem Blatte, in welchem der erste Angriff enthalten war, die entsprechende Abfertigung ertheilt. Ten antisemitischen Schandblältern in der Provinz zu antworten, ist nicht der Mühe werth. F. Hirschberg. Sie finden das Thema in einer Reihe von Artikeln besprochen. K. in Eger. Wir werden Ihre Mittheilungen den competenten Personen abtreten. H. Kulka in T. Der 4. Juli 138» war Sonntag, am 1. Tamuz 5646. Der Knabe vollendet sein 13. Jahr Freitag, am 9. Juni dem 1. Tamuz 5659. Die Feier hätte Samstag am 2. Tamuz -- dem 10. Juni stattsinden sollen. I. M. Jaromer: 4. Februar 1887 =--- Freitag lO.Schewat 5647 I. B—r. Ihre Anregungen sind beherzigenswerth. Aber schon Macaulay meinte: „Gesetze bestehen umsonst für die, welche nicht den M u t h und die Mittel haben, sie zu vertheidigen."?? Es ist richtig, daß Stehlen eine Sünde bleibt, auch wenn ein Dieb diese Meinung ausspricht. Aber es schickt sich eben für Diebe nicht, über das Stehlen zn sprechen. W. N—g. Dem Eanonicus Rohling wurde so oft seine Bereitwilligkeit Meineide in „Ritualmord"-Affairen zu schwören, nachgewiesen, daß er es endlich doch einsieht, es sei klüger für ihn, zu schweigen. Nemo. Friedrich der Große hatte in der That keinen Grund, die Juden für kriecherische Menschen zu halten. Mendelssohn hatte die königlichen Gedichte scharf kritisirt und der ausgezeichnete Rechenmeister und Schachspieler A a r o n antwortete auf die Frage des Königs: „Wie kommt's, daß ich mit Euch keine Partie gewinnen kann?" einfach: „Was weiß ich, ich kann meinen Kops nicht auf Eure Schultern setzen". Allerdings kostete diese wenig hofmännische Antwort dem armen Manne die kleine Pension, die er bis dahin bezogen hatte. A. M. Mit dem Poeten dürfen Sie nicht so streng ins Gericht gehen. Wenn B. A u e r b a ch in seinen Roman „Aus der Höhe" einen seiner Helden sagen läßt: „Warum hat keine Religion vor allem Andern das Gebot: Du sollst arbeiten!? " so dachte er wohl nicht an die jüdische Religion, die dieses Gebot allerdings kennt. H. B—r. Die Parallele, die Sie ziehen, ist richtig. Aber man muß zugeben, daß die Wirkung des feierlichen Schwures, mit dem V e i t h in der Stefanskirche, daß Erucisix ttt der Hand, bezeugte, daß die Beschuldigung des „Ritualmordes" ans Lüge und Verläumdung beruhe, die denkbar stärkste war. A. B. Von dem berühmten Engländer B r u t h a m stammen die Worte, die bei jener Gelegenheit ausgesprochen wurden: „Unserseits schließen wir, wie wir begonnen, achtungsvoll", aber darum nicht minder ernst mit dem unausgesetzten und bis zn seiner Realisirung nie rastenden Rufe: Heilig! heilig! heilig! Gerechtigkeit, zugängliche Gerechtigkeit! Gerechtigkeit nicht für die Wenige u, sondern für Alle! Nicht länger dem Namen nach, sondern endlich wirkliche Gerechtigkeit! Man wird wohl nicht behaupten dürfen, daß diese Worte heutzutage nur noch historisches Interesse erregen könnte, weil ihnen die — Aktualität mangle. i. Im Jahre 1863 hatte der englische Ministerpräsident Gras Shaftesbury, gelegentlich der Besprechung von Judenverfolgungen in Rußland und Polen einen Ausspruch gethan, der damals ungeheure Sensation erregte. Er sagte: „ll e b e r h a u p t glaube ich, hat noch Niemand seine Hand aus das jüdische Volk gelegt, s e i e s, u m i h m w e h o d e r w o h l z u t h u n, ohne ein Leid für das eine oder eine Belohnung für das Andere davon zu tragen." W. D. Die — Herrschaften schlagen sich, die Herrschaften vertragen sich. Dr. P a t t a i, der in einer V rsammlung unter dem Vorsitze V e r g a n i's Reden hält, hat dem Herausgeber des „Deutschen Volksblattes", der einst von ihm sagte: „D e r P a t t a i m u ß w i e ein Wurm getreten werde tt", längst verziehen. H. M. Ob die hochmüthige Lection, die das „Vaterland" dem neuen Unterrichtsminister Hartl zum Amtsantritte ertheilt, die gewünschte Wirkung haben wird, bezweifeln wir. M. Jellinek in Wien. Am 1. Mai 1834 war Achron sche Pesach. Der 16. October 1839 war der 8. Marcheschwan. M. M. Wien. 23. November 1878 Samstag 27. Tischri 5639.