Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 40 (6.10.1899)
- Date
- 1899-10-06
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 742 Dr. Vloch's Wochenschrift« Nr 40 Urten der Vorstand des Frauenhorts und die Präsidentin des Ferienheim nebst vielen anderen hervorragenden Persönlichkeiten. Wien. Im Vereine jüdischer Mädchen „Hadaffa" sprach Sonntag, den 1. October, Herr AorkSteiner über „Jüdische Frauen in Palästina". Das Thema war so interessant und fesselnd, daß die zahlreich erschienenen Gäste und Mitglieder dem Vortragenden den reichsten Beifall zollten. Gleichzeitig gibt der Ausschuß des Vereines bekannt, daß die Vorträge des Herrn Lector F r i e d m a n n mit Samstag den 7. October beginnen. Diese Vorträge finden allwöchentlich um 8 Uhr Abends im Tempelgebäude, II., Tempelgasse statt und sind Gäste dazu höflichst geladen und herzlichst willkommen. Wieir. (Trauungen.) Sonntag den 8. October l. I., um 12 Uhr Mittags, findet im israelitischen Tempel, I., Seitenstettengasse 4, die Trauung des Fräulein Karoline Schneider, Schwester der Präsidentin Frau Dr. Grünwald, mit Herrn Emanuel Deutsch statt. — Sonntag den 8. October l. I., 7,1 Uhr Nachmittags, findet im Tempel, I., Seitenstettengasse 4, die Trauung von Fräulein Flora Konrad, mit Herrn I. U. Dr. Emil Riesenfeld, Sohn des Herrn Oberlehrer A. Riesen - feld, in Ung. Brod statt. — Sonntag den 15. October l. I., um 2 Uhr Nachmittags, findet im israelitischen Tempel, VI, Schmalzhofgasse, die Trauung des Fräulein Annie Bauer, Tochter des Herrn Leo Bauer mit Herrn Josef Stein statt. Wien. Der Vorstand des Vereines „Ferienheim" veranstaltete anläßlich des Namensfestes Sr. Majestät unseres allergnädigsten Herrn und Kaisers Franz-Josef I. am 4. October 1899, 4 Uhr Nachmittags, im Ballsaale Ronacher, seinen 468 aus den Colonien heimgekehrten militärisch abgerichteten Schützlingen eine Kinderfestjause. Wien. (Professor Dc. Zuckerkand l — Hofrath.) Wie die „Wiener Zeitung" meldet, ist der Professor der Anatomie an der Wiener medicinischen Facultät, Dr. Emil Zuckerkandl, durch Verleihung der Hofrathswürde ausgezeichnet worden. Professor Dr. Zuckerkand! lehrt bekanntlich im Geiste des unvergeßlichen Hyrtl, dessen Schüler er war, und erfreut sich bei seinen Hörern der größten Verehrung. Als Gelehrter genießt er einen wohlbegründeten Weltruf. Wien, 2. October 1899. Der im XVIII. Wiener Bezirke seit dem Jahre 1874 an der Communalschule wirkende Lehrer Herr Leopold Ullmann, zugleich Religionslehrer im Kiuder-Asyl zu Kahlenbergerdorf, feiert am 9. d. M. sein 25jähriges Dienstjubiläum; genannter Lehrer wurde im praktischem Schuldienste belobt. Wien. (Ein kaufmännischer Veteran.) Ende vorige Woche verschied hier Herr Israel Lion, Wiener Bürger und Hausbesitzer, nach kurzem Leiden im 81. Lebensjahre. Aus Jaroslau in Galizien gebürtig, kam derselbe Anfangs der Dreißiger-Jahre nach Wien. Nahezu 50 Jahre war der Verewigte commercieller Vertreter der Lernenindustriefirma Anton Klazar u. Söhne in Königinhof und erfreute sich wegen seiner strengen Rechtlichkeit und seines gediegenen Charakters allgemeiner Beliebheit und des besten Rufes in geschäftlichen Kreisen ebenso wie in der Gemeinde. Die zahlreiche Betheiligung an seinem Leichenbegängnisse gab Zeugniß von den Sympathien, welche der Dahingeschiedene in weiten Kreisen besefien hat. Wien. Sonntag den 8. d. M., 2 Uhr Nachmittags, findet im Vereinslocale, IX., Sobieskygasse 9, die constituirende Versammlung des Adaß-Jeschurun-Vereines statt, dessen Statuten von der k. k. niederösterreichischen Statthalterei soeben genehmigt worden sind. Alle unsere Freunde werden zu dieser hochwichtigen Versammlung, in welcher die Vorstandswahl und die Rechnungsablage der bislang bei dem Proponenten Herrn S. Fischer eingegangenen Gelder stattfinden wird, dringendst eingeladen. Referent: Herr k. k. Baurath Stiaßny. Wien. (UnentgeltlicheStellenvermittlung für Gärtner.) Im ersten Wiener Gärtnerheim, Wien, L, Naglergasse 29, sind jederzeit theoretisch und praktisch gebildete, erprobte Gartendirectoren, Obergärtner, Gärtner und Gehilfen vorgemerkt. Man wende sich persönlich oder schriftlich an den Obmann der Stellenvermittlungs-Abtheilung. Allen Jntereffenten werden nur geeignete Bewerber rasch, unentgeltlich empfohlen. Daselbst werden Park- und Gartenanlagen, sowie Umänderungen geschmackvollst aus geführt. Wien. Der Vorstand der hiesigen Cultusgemeinde hat in Vertretung des krankheitshalber beurlaubt gewesenen Rabbiners Herrn Dr. Wolf für die verflossenen Feiertage den hier rühmlichst bekannten Religionsprofessor Dr. H. Pollak mit den Predigerfunctionen im Fünfhauser Gemeindetempel betraut. Herr Dr. Pollak hat sich seiner Aufgabe in der ehrenvollsten Weise entledigt und seine Predigten wurden immer mit sehr großem Beifall ausgenommen. Baden. Am verflossenen Sch'mini Azereth ward den Tempelbesuchern in unserer Cultusgemeinde eine angenehme Ueberraschung; der noch jugendliche Sohn unseres ehrwürdigen Rabbiners, Herr Candidat Philosophiae Nathaniel Reich, hielr am bezeichneten Tage vor „Haskorath Neschomoth" in Gegenwart eines zahlreichen Publikums eine regelrechte und formvollendete Predigt. Der junge Redner zeigte, daß er ein würdiger Sprößling seiner in Israel hervorragenden Familie, insbesondere seines ehrwürdigen Vaters sei. Beseelt vom Geiste der Thora stand er, zinn ersten Male öffentlich aber unerschrocken auf der Kanzel wie ein bewährter Prediger und zeigte in seinem ganzen Auftreten, in seiner Sprechweise und in der Art des Vortrages, daß in ihm alle Fähigkeiten, die einen Seelsorger anszeichnen, schon in schönster Entwickelung vorhanden sind. Was aber diesen strebsamen jungen Mann besonders auszeichnet und fördernd für seine künftige Laufbahn zu sein beschaffen sei, ist seine ungekünstelte und aufrichtige Frömmigkeit. Eingeweiht in die Ergebnisse der alten und neuen Forschungen auf dem Gebiete der Bibel und Religionsphilosophie wandelt er unentwegt auf den Bahnen seiner frommen Ahnen und ist die beste Aussicht vorhanden, daß aus diesem jungen Reis ein fruchtbarer und schattenreicher Baum werden wird, dessen Früchte zum Heile und zum Nutzen Vieler heranreifen werden. I. Krems. Nach dem Beispiele der Wiener iirael. Cultusgemeinde hat auch die israel. Cultusgemeinde in Krems gegen die abscheuliche Verleumdung, welche im Pvlnaer Proceß gegen das Judenthum geschleudert wurde, protestirt und die Vorgesetzten Behörden von dem Protest in Kenntniß gesetzt. Innsbruck. (Trauung.) Sonntag, den 15. October l. I., findet im israelitischen Bethaus zu Innsbruck die Trauung von Fräulein Frieda Bauer, Tochter des Herrn Louis Bauer aus Innsbruck, mit Herrn Carl Kafka ans Linz statt. Mährisch-Weistkirchen. Am 24. September feierte der hier allgemein beliebte und geachtete Bürger und Hausbesitzer, Herr Ferdinand Rindl, Gemeinderath der politischen Gemeinde und Beirath der Cultusgemeinde, mit seiner Gattin Jenny, geborene Koslovski, das Fest der silbernen Hochzeit. Neutitschein. Unser neugewählter Rabbiner, Herr Dr. Simon Mandl aus Kostel, hat bereits sein hiesiges Amt. übernommen. Prag, 29. September. Gestern fand unter zahlreicher Betheiligung das Leichenbegängniß der allgemein geschätzten, würdigen Frau Caroline Winternitz statt, welche'am 24. v. M. im 81. Lebensjahre aus dem Leben schied. Die Verblichene war die Witwe des allgemein geehrten Kaufmannes Winternitz, die Tochter des Talmudgelehrten Simon Ausch, die Enkelin des berühmten k. k. Tabakverleger Wolf S. Wertheimer in Dobruschka, ein Descendent des weltbekannten Samson Wertheimer, welcher kaiserlicher Oberhoffactor, Oberkriegsfactor. Oberrabbiner der kaiserlichen Erblande und Deutschland war, den Titel Naßi von Palästina führte, und einer der hervorragendsten Juden, die je gelebt haben, war. Unter den Anwesenden befanden sich Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld, die Rabbiner Tempelprediger Dr. Fischer, Religionsprofessor Dr. Grün, k.u.k. Feldprediger Dr. Kisch, Religionsprofessoc Knöpfelmacher; Dr. Langfelder, Jnspector der Religionsschulen in Wien, ein Schwiegersohn der Heimgegangenen, der zum Leichenbegängnisse hereinkam, die Gemeinderepräsentanten kais. Rath Hahn und Schriftsteller S. Kohn, Aerzte, Advocaten und viele Andere. Am Friedhofe hielten Dr. Fischer und Dr. Laugfelder Leichenreden. Beide entwarfen in ergreifenden Worten ein meisterhaft gezeichnetes Bild der Verewigten. Diese hinterläßt nur ein einziges Kind, Frau Witwe Ullmann, deren sechs ältere Geschwister der geliebten Mutter im Tode vorangegangen. Tarnow, 29. September. In einem Memorandum an das hohe k. k. Ministerium hat das Rabbinat im Vereine mit dem israelitischen Cultusvorstande Tarnow gegen das mittelalterliche Märchen des Ritualmordes im Namen der Religion protestirt und die Grundlosigkeit dieser Anschuldigung feierlichst betheuert.