Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 40 (6.10.1899)
- Date
- 1899-10-06
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 40 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 741 von 2135 jüdischen Knaben der älteren Jahrgänge 55, von den 965 Knaben der jüngsten 3 Jahrgänge 53, das ist 2'58 beziehungsweise 5'50% keinerlei Religionsunterricht genossen. In den öffentlichen höheren Mädchenschulen waren von 1153 Zöglingen der älteren Jahrgänge 12, von 572 Zöglingen der jüngsten 3 Jahrgänge 297, das ist r04 beziehungsweise 51*92% ohne Religionsunterricht. In den städtischen Gemeindeschulen gab es 1088 ältere, 698 jüngere Knaben, 1135 ältere, 692 jüngere Mädchen, von denen 65, beziehungsweise 102 Knaben oder 5-98 beziehungsweise 14-61"/«, und 36 beziehungsweise 79 Mädchen oder 3*17 beziehungsweise H*427n keinen Religionsunterricht hatten. In den Privatschulen waren 170 resp. 174 Knaben, 1410 resp. 550 Mädchen der beiden Altersclassen. Von diesen entbehrten 28 resp. 44 Knaben oder 16*47 beziehungsweise 25*29'/«, 119 beziehungsweise 101 Mädchen oder 8'44 resp. 1836% den Religionsunterricht. Daß die Schüler und Schülerinnen der jüdischen Schulen mit Religionsunterricht versehen waren, ist selbstverständlich. Die G esammtzahl der schulpflichtigen jüdischen Knaben der älteren Jahrgänge war 3737, von denen 148 oder 3*96 7« ohne Religionsunterricht blieben. Von den 2096 Knaben der drei jüngsten Jahrgänge waren 199 oder 9*49% in dieser Vernachlässigung. Von 3936 Mädchen der höheren Jahrgänge waren 167 oder 4 24"/«, von 1961 Mädchen der jüngsten Jahrgänge waren 477 oder 24*32% ohne Religionsunterricht. Tabelle ß enthält eine Vergleichung der entsprechenden Zahlen im Schuljahr 1897/98 mit denen im Schuljahr 1898 99. Wir ersehen daraus, daß die Zahl der jüdischen Schulknaben an den höheren Lehranstalten von 3043 auf 3100 gewachsen ist, die Zahl der ohne Religionsunterricht gebliebenen von 133 auf 108 oder von 4*37% auf 3*48% zurückgegangen ist. Die Zahl der jüdischen Schülerinnen in den öffentlichen höheren Mädchenschulen ist von 1704 auf 1725 gestiegen, unter ihnen die Zahl der nicht mit Religionsunterricht versorgten von 380 aus 309 oder von 22*30% auf 17*87% zurückgegangen. In den städtischen Gemeindeschulen hat sich die Zahl der jüdischen Knaben von 1739 auf 1786 vermehrt, der jüdischen Mädchen von 1837 auf 1827 gemindert, ist bei jenen die Zahl der Religionsunterrichtslosen von 196 auf 167 oder von 11.27 auf 9*33"/«, bei diesen von 143 auf 115 oder von 7*78 auf 6*29"/« gewichen. In den jüdischen Schulen hat die Zahl der Knaben von 612 auf 603 abgenommen, ist die der Mädchen von 378 auf 385 gestiegen. In den Privatschulen waren in beiden Wintern 344 Knaben, von denen im vorletzten Winter 73, im letzten Winter 72 keinen Religionsunterricht genossen. Die Zahl der jüdischen Mädchen in diesen Schulen war von 2011 im vorigen auf 1960 in diesem Winter zurückgegangen. In derselben Zeit hat die Zahl der ohne Religionsunterricht aufwachsenden eine Verminderung von 320 auf 220 oder von 15*91 auf 11*22% erfahren. Die Gesammtzahl der jüdischen Schüler ' war 5833 (gegen 5733), von denen 347 (gegen 402) oder 5*95"/« (gegen 7%) keinen Religionsunterricht genossen. Die Gesammtzahl der jüdischen Schülerinnen war 5897 (gegen 5930), von denen 644 (gegen 843) oder 10*92% (gegen 14*21%) ohne Religionsunterricht blieben. Auffallend und der Aufklärung' bedürftig ist in beiden Tabellen ein Punkt: Es ist in beiden übereinstimmend vermerkt, daß eine gewisse Anzahl jüdischer Kinder „weder jüdischen, noch anderen Religio ns untericht erhalten". Es muß also jüdische Kinder in den Berliner Schulen geben, die „anderen" Religionsunterricht erhalten. Es wäre von besonderem Interesse, festzustellen, in welchem Umfang und unter welchen Umständen das der Fall ist, wer diese Verschiebung veranlaßt oder begünstigt. Daß das königliche Provinzialschulcollegium mit der Besserung des Percentsatzes der ohne Religionsunterricht aufwachsenden jüdischen Kinder zufrieden ist, kann uns so lange nicht befriedigen, als wir nicht genau wissen, wie es mit dem „anderen" Religionsunterricht für jüdische Kinder steht. Auch ist in unseren Augen die Zahl von 991 jüdischen Kindern, die keinen jüdischen Religionsunterricht haben, immer noch übergroß, besonders so lange wir nicht wissen, ob bei Einforderung des Nachweises, daß die jüdischen Kinder außerhalb der Schule ausreichenden jüdischen Religionsunterricht genießen, mit der wünschenswerthen Strenge verfahren wird. London. Die Juden sind nun einmal an allem Schuld. Phil. Stanhope, einer der wenigen hiesigen Burenfreunde sagt, daß die wahren Anstifter des Vorgehens der englischen Regierung, das zum Kriege mit Transvaal führt, die jüdischen Millionäre von Piccadilly und Park Lane sind. Der Correspondent der „Times", Mr. Monypenny, dagegen behauptete, vor einigen Wochen wenigstens. Präsident Krüger's einzige Reformidee sei, den „nutzlosen russischen Juden" das Bürgerrecht zu geben. Wer hat nun Recht? Ist übrigens gleichgiltig, denn der Jude wird doch verbrannt. London. Das „Jewish Chronicle" beschäftigt sich mit einer Uebersicht über die jüdischen Politiker in Australien und kann constatiren, daß im öffentlichen Leben dieser Colonie jüdische Persönlichkeiten eine bedeutende Rolle spielen. In Ostaustralien ist Sir Julian Salomons der Führer der Opposition gegen die Föderation der australischen Colonien. In Victoria dagegen ist der Kronanwalt I. A. Jsaacs, einer der bedeutendsten Förderer dieses Planes. Bemerkenswerth ist auch, daß Jsaacs der Urheber der gegen den Wucher gerichteten neuen Gesetze in dieser Colonie ist. In Neu-Süd-Wales ist John Cohen einer der einflußreichsten Politiker und in Südaustralien V. L. Salomon's der Führer der Opposition und zukünftige Ministerpräsident. Nicht uninteressant ist, daß dieser parlamentarische Leiter ein frommer Jehudi ist. In Westaustralien ist wenigstens ein Jude, Elias Salomon, Abgeordneter, freilich wohnen in dieser Colonie nur sehr wenig Juden. — Der katholische Erzbischof von Melbourne hat aus eigenem Antriebe einen jährlichen Beitrag für die jüdische Hilfsgesellschaft in Melbourne gezeichnet. Der hohe Kirchensürst hat damit nur die vielen Unterstützungen erwidert, die Juden den katholischen Vereinen zu Theil werden laffen. Wien. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde in Wien ladet die Mitglieder der Gemeinde zu einer Versammlung für Samstag, den 7. October 1899. Abends 7 Uhr, im großen Musikvereinssaale,!., Künstlergasse 3 (Lothringerstraße 11) ein, mit der Tagesordnung: Polnaer Angelegenheit. Wien. (T r a u u n g.) Sonntag den 15. October, Mittags 1 Uhr, findet im Seitensletten - Tempel die Trauung des Sohnes unseres Obercautors Singer, Herrn Hans Singer, Abtheilungs-Ches der Universala in Bukarest, mit Fräulein Dora O r ch o d u s ch, Mündel des Herrn Directors Denis S i e nk i e w i c z statt. Wien. (Trauung.) Am 1. October fand im Tempel des IX. Bezirkes die Trauung des Fräulein Adele N^e u st a d t l, Tochter des Herrn kaiserl. Commercialrathes Siegmund Neustadt!, mit Herrn Banquier Ignaz Wilhelm Schütz statt. Eine große Zahl von Festgästen füllte die Räume des Gotteshauses bis auf das letzte Plätzchen. Der Vorstand des Tempelvereines IX. Bezirk war vollständig erschienen. Man bemerkte die Herren Cultusvorsteher Architekt Fleischer, Dr. Spitzer, Salo Cohn, die Herren Sigmund Mayer und Dr. Josef Bloch mit einer Abordnung der österreichischen israelitischen Union, viele Mitglieder des Vereines Bne Berith, die Vorstandsmitglieder des Vereines Frauenhort Frau Bettelheim, FrauZifferer, Frau Koppstein, Frau Dr. Philippine Gelbhaus, Frau Dr. Schnepp, Frau Dr. Bauer, Frau Fröhlich, Frau Deutsch. Ferner die Herren Dr. Ehrmann, Universitätsdocent, Herr S. Heit, der Vorstand des Ferienheim unter Führung der Präsidentin Frau Dr. Grünfeld rc. Nach dem Ma towu und dem Mi adir, von dem verstärkten Tempelchore gesungen, stimmte der Männerchor des IX. Bezirkes das Lied „Der Tag des Herrn" an, welches einen imposanten Eindruck hervorrief. Hierauf hielt Herr Rabbiner Dr. Gelbhaus in gewohnter Meisterschaft eine erhebende Rede, in welcher die Glorificirung des verewigten Seminardirectors Zacharias Frankel, welcher ein Oheim des Brautvaters war und den der Redner wegen seiner jüdischen Lebensanschauung und Lebensführung, Herzenslauterkeit und Charaktergröße dem Brautpaare als nachahmungswürdiges Ideal vorführte, auf all: Anwesende einen bewältigende Wirkung ausübte. Herr Obercantor Kläger trug die Trauungshymnen mit schöner Stimme in vorzüglicher Weise vor. Die ausgezeichnete Orgelbegleitung wurde von dem Herrn Organisten F e i n s i n g e r besorgt. Nach dem Trauungsacte erschien der Gesammtvorstand des Bethauses im IX. Bezirk zur Gratulation. Herr Obmann Gottlieb Bettelheim richtete eine herzliche Ansprache an Herrn Neustadt!, der Vorstand des Tempels ist, in welcher er ihm die Segenswünsche des ganzen Vereines überbrachte. Hierauf gratu-