Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 40 (6.10.1899)
- Date
- 1899-10-06
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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0ciic 7JS Nr. 4J Dr. BlmJjV gebenden Bevölkerung und beweist eine weitgehende Mischung mit nichtjüdischen Elementen. Trotzdem haben wir den chrrak!eristischen, gleichmäßigen GVichtsausdruck, den sogar ein so zweifellos unparteiischer Forscher wir Wrissenberg nicht in Abrede stellt. Wie ist dieser Widerspruch zu erklären? Offenbar liegt hier eine Folge künstlicher Znchtwahl (artificial selection) vor. Einen ganz analogen Fall haben wir bei den Basken. Jaden wie Basken besitzen in hohem Grade ein „Actbewnßtsein" (eonseioususss of kind), si: empsilden ihre sociale Individualität. Beim Basken wird das bedingt durch die geographische Jsolirunz und die eigenthümliche Sprache, beim Juden durch die aus der Religion entspringende sociale Vereinzelung. Auch die Armenier haben der langdauernden religiösen Absperrung den eigenthümlichen zuckechutartigen Knrzkopf ohne Hinterhaupt zu daiken. Alle die Völker haben sich absichtlich abgesondert, um ihre Individualität zu erhalten. Das mußte natürlich auch auf ihren Begriff von Schönheit einwirken, si; bildeten sich ihr eigenes Ideal von Schönheit und bevorzugten es bei der sexuellen Auswahl. Aber das Ideal beschränkt sich aus die Züge, die sofort in's Auge fallen; um den Schädelindex kümmern sich Jade wie Christ nur, wenn sie Anthropologen sind; in den meisten Fällen entscheidet über die Schönheit das Gesicht. Und da bei den Jaden die Auswahl für die geschlechtlich; Verbindung ausschließlich vom Mann getroffen wird, ist es ganz natürlich, daß der jüdisch: Typus, wie schon oben erwähnt, bei den Frauen viel schärfer accentuirt ist, als bei den Männern. Wir beobachten diese Erscheinung ja auch sonst. Im östlichen Rußland ist z. B. der mongolisch: Typus bei den Frauen viel deutlicher ausgesprochen als bei den Männern; für die Finnen hat Mäinow dasselbe beobachtet, und bei den deutschen Einwohnern der Seite Communi am Sud abhange der Alpen haben die Männer den germanischen Typus längst verloren, aber bei den Frauen bricht er nach Ranke immer wieder durch. Auch bei den Kuschiten Nordafrikas von Abessinien bis Marocco zeigen die Frauen den negroiden Typus überall viel ausgesprochener als die Männer. Für die Juden gilt dasselbe Gesetz und seine Folgen. Sie sind keine Rasse, sondern nur ein Volk. Ihre unbestreitbare Eigenthümlichkeit ist nicht die Folge von Rassenreinheit, sondern das Product einer von Generation zu Generation fortgesetzten, mehr oder minder absichtlichen Zuchtwahl*) Rabbiner Dr. Julius Fürst. 1826-1899. Das Judenthum hat wiederum einen seiner besten Söhne verloren. Rabbiner Dr. Julius F ü r st, geliebt und geehrt als Führer und Seelsorger in Israel, geachtet uud geschätzt als Forscher und Gelehrter-auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft, der treue Hüter seiner Gemeinde, der zärtliche Gatte und Vater im trauten Familienkreise, der Mann des guten Herzens und des tiefen Wissens — ach er ist uns für immer entrissen worden. Frrn von dem Centrum des wissenschaftlichen Lebens, war es ihm dennoch gelungen, sich durch seine Arbeiten vortheilhaft bemerkbar zu machen, länger als ein halbes Jahrhundert stand er in den Reihen der Vorkämpfer der jüdischen Wissenschaft, wenn es ihm auch nicht beschieden war, als Führer in den vordersten Reihen zu kämpfen. Seine wissenschaftlichen Arbeiten sichern ihm einen Ehrenplatz in den Hallen der jüdischen Wissenschaft, wie ihm seine Herzensgüte, seine Bescheidenheit, die Dienstfertigkeit, die eine seiner hervorragendsten Eigenschaften war, ihm eine über das Grab hinaus reichende Erinnerung sichert in dem Herzen all' Jener, denen es vergönnt war, zu ihm in näherem Verhältnisse stehen zu können. Trotz des großen Altersunterschiedes beehrte er mich fast zehn Jahre hindurch mit seiner auszeichnenden Freundschaft, und es entwickelte sich zwischen ihm und mir ein brieflicher wissenschaftlicher Verkehr, der für mich stets anregend und fruchtbringend war, ein Verhältniß, das sowohl in seinen als auch in meinen Arbeiten mehrfach zum Ausdruck gelangte. Sein Bestreben ging hauptsächlich dahin, den griechischen und lateinischen Wortschatz im Talmud und Midrasch zu ergründen, und seine hieher gehörende Arbeit, das „Glossarium Graeco Hebraeum" (Straßburg 1890), wird ihm in der Fachliteratur ein unvergängliches Monument sichern. Lange vorher schon trug er die Bausteine zu diesem Monument zusammen; in Wünsch e's Midraschüber- *) Aus dem ..Globus", Jllustrirte Zeitschrift für Länder- und Völkerkunde, Braimsch'.veig, Verlag Vieweg u. Sohn. Wochenschrifl. setzung, in Rahmer's „Jüdischen Literaturblatt", in der Zeitschrift der deutschen, morgenländisch-n Gesellschaft, in der Revue des Etudes Juives, in der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums, wie auch in anderen Zeitschriften und Sammelwerken war die talmudische Lexikographie sein Lieblingsthema und mehrere schwierige Ausdrücke des rabbinischen Schriftthums hatten an ihm nicht blos einen kritischen Forscher, sondern auch einen glücklichen Erklärer. Aber auch die vielen Aufgaben und Probleme der modernen biblischen Wissenschaft fanden in ihm einen gelehrten und erfolgreichen Bearbeiter, wie denn auch seine letzte, noch nicht veröffentlichte Arbeit sich überein biblisches Thema verbreitet. So manches Lichtbild in die ungeheuere Literatur der Kirchenväter vervollständigte dieses Wirken, das mit dem Alter nur noch zunahm, wenn auch die Schärfe seines Geistes auch bei ihm den nothgedrnngenen Tribut an das Alter leisten mußte. Wie es Für st verstanden hat, die Wissenschaft auch einem größerem Publikum zugänglich zu machen, zeigt sein Beitrag zu dem von Winter und Wünsche herausgegebenen populären Werke: „Die jüdische Literatur"; der spröde Stofs des Talmud nahm unter seiner gottbegnadeten Hand gefällige Formen an. Der Verewigte bekleidete mehrere Rabbinate Deutschlands und der Schweiz, in welcher Stellung er sich auch als Kanzelredner bewährte. In Kay s erl i n g's Bibliothek der jüdischen Kanzelredner werden neun Predigten von ihm. die in Druck erschienen sind, namhaft gemacht, doch muß deren Zahl, da seitdem fast dreißig Jahre verflossen sind, eine bedeutend größere sein. Rabbiner F ü r st war auch Mitglied der Rubbiuerversammlung in Cassel und der Synode von Augsburg. Ost trat er für die Gleichberechtigung seiner Glaubensgenossen ein, deren gerechte Sache ihm stets am Herzen lag. Sein Lebensgang ist der stille und ruhige eines Seelsorgers und Forschers. Er wurde am 14. November 1826 in Mannheim als der Sohn des Rabbiners Salamon Fürst geboren. Als sein Vater 1827 in Heidelberg Bezirksrabbiner wurde, übersirdelte die Familie dorthin, und der junge Julius, der bis zu seinem 9. Lebensjahre im Elternhause den Unterricht genoß, konnte jetzt das vortreffliche Gymnasium zu Heidelberg besuchen. Daselbst bezog er auch die Universität, doch befaßte er sich während seiner ganzen Studienzeit unter Leitung des gelehrten Vaters auch mit der talmudischen und rabbinischen Wissenschaft, und zwar, wie seine Laufbahn zeigt, mit großem Erfolge. 1854 war er bereits Rabbiner in Endingen, 1857 in Merchingen. 1858 wurde er zum Bezirksrabbiner in Bayreuth ernannt, der erste Ausländer, der in Bayern rin solches Amt erhielt. Hier war es auch, wo Dr. Fürst mit Fräulein Ella Wertheimber, der Tochter des Kaufmanns Joseph Wertheimber in Bayreuth, eine überaus glückliche Ehe schloß. Der Ehe entstammt eine einzige Tochter, die 1881 geboren wurde und die fortan der Gegenstand zärtlichster Liebe für den greisen Vater blieb, eine Liebe, die selbst in seinen an mich gerichteten wissenschaftlichen Briefen in rührender Weise zum Ausdruck kam. 1873 Rabbiner und Religionslehrer in Mainz, konnte er in den letzten Jahren seines Lebens seine segensreiche Thätigkeit dennoch seiner Grburtsstadt Mannheim widmen, wo er 20 Jahre hindurch an der Klaussynagoge als Rabbiner wirkte. In den letzteren Jahren wurde er oft von Krankheiten heimgesucht, die ihm so manche bittere Klage hecauspreßten uud durch welche er auch an der intensiveren wissenschaftlichen Thätigkeit gehindert wurde. Am 5. September d. I. entschlief er eines sanften Todes im 73. Lebensjahre. Das Andenken des Gerechten sei zum Segen! Dr. Samuel Krauß. Correspondenzen. Wien, 3. October. (Z u m M ä d ch e n m o r d i n P o l n a.) Aus Jglau wird berichtet: Einige Blätter meldeten, daß ein gewisser Baumann aus Jglau in Kattenberg als Mitschuldiger Hilsner's festgehalten wird. Rach eingeholten amtlichen Erkundigungen gibt es und gab es, soweit die Erinnerung reicht, nur zwei Baumann's in Jglau. Der Eine ist ein katholischer Lehrer, der vor etwa zwanzig Jahren nach Znaim übersiedelte und dort noch wirkt; der Andere ist katholischer Glasermeister, welcher sich wohlgemuth in Jglau befindet und viele schechte Witze aus Anlaß dieser offenbar falschen Mittheilung über sich ergehen läßt.