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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-10-06 · 40 (6.10.1899) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
40 (6.10.1899)
Date
1899-10-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 736 Nr. 40 Vr. Bloches Wochenschrift. Nach dem Abzüge des Militärs fand man im Hofe des Comitatshauses zwei nebeneinander liegende Leichen, die als die des Ingenieurs Phöbus von den Karakoer Schanzen und der geheimnißvollen Dame erkannt wurden. Bei ersterem fand man einen Zettel, auf welchem mit Blei geschrieben stand: „Ich bitte, auf dem jüdischen Friedhofe begraben zu werden, ich bin Jude/ Am nächsten Tage fanden beide Leichenbegängnisse statt, welchem die Karakoer Besatzung beiwohnte. Wer eigentlich die Todien waren, ist unbekannt geblieben. Ripley über die Anthropologie der Inden. Der amerikanische Anthropolog Dr. William Z. Ripley hat zu einer Vorttagsreihe „The Racial Geography of Europe" ein Supplement erscheinen lasten, das sich ausschließlich mit den Juden beschäftigt. Wir geben nachfolgend eine Analyse der gut zusaoimenfaffenden Abhandlung. Sociale Solidarität, deren entschiedenster Ausdruck heute die Nationalttät ist, hängt von einer ganzen Anzahl einzelner Bedingungen ab. Die hauptsächlichsten sind Einheit der Sprache, ein gemeinsames Erbe von Ueberlieferungen und Glaube und dauernde Behauptung eines bestimmten Gebietes. Die beiden erstgenannten sind in erster Linie psychologisch, die dritte materiell. Letztere hat vielleicht ihre Hauptbedeutung darin, daß sie der Wirkung der beiden ersten die Dauer sichert: aber die Anhänglichkeit an den Heimatboden kann an und für sich eine Grundlage des Patriotismns werden. Nur zwei europäische Völker hcwen sich, obwohl ohne Vaterland, doch auf dem Niveau einer Nationalität erhalten, die Zigeuner und die Juden. Die ersteren haben sich niemals in Stämme aufgelöst; sie wandern heute noch in Horden durch Osteuropa und Kleinasien, wie die Nomadenstämme des Ostens. Die Juden dagegen halten ihre Solidarität in allen Ländern aufrecht, selbst in individueller Jsolirung. Sie wandern weder in Stämmen noch in Familien, wie vom Winde getriebener Samen ziehen sie einzeln über Tausende von Meilen, bis sie irgenwo Wurzeln schlagen. Freilich wo sie können, schließen sie sich zusammen, schon der Selbsterhaltung wegen, aber auch vereinzelt bleiben sie Juden. Ohne Vaterland, ohne gemeinsame Sprache bilden sie ein Volk. In Spanien und auf der Balkanhalbinsel sprechen sie spanisch, in Rußland und Polen ein verdorbenes Deutsch, in Marocco arabisch; und doch, wo sie in einiger Anzahl zusammentteffen, schließen sie sich alsbald aneinander. Der Jude, sagt Anatole Leroy Beaulieu, verhält sich auch im neunzehnten Jahrhundert, dem Zeitalter der territorialen, nicht von der Abstammung, sondern vom Zusammenwohnen abhängigen Nationalität, gegen diese indifferent, er verkörpert heute noch den orientalischen Begriff des Stammes. Die Folge davon ist, daß er eigentlich nirgends in völliger Harmonie mit seiner Umgebung lebt. Zum religiösen Zwiespalt kommt auch ein polittscher. Der Gegensatz des Semiten gegen den Arier hat zu allen Zetten gewirkt. Dazu kommt noch der zwischen Volk und Nation, und der religiöse Unterschied. Wie hat der Jude, der, zwei Hauptgrundlagen einer Nationalität beraubt, diese dennoch bewahren können? Genügt dafür die Religion allein, oder spricht die Wirkung der gemeinsamen Abstammung der Rasse hier mit? Darüber kann nur der Naturforscher entscheiden. Raffe, dieser oft mißbrauchte Begriff, kann nur an physischen Kennzeichen gemessen werden: Kopfbildung, Haarfarbe, Augenfärbung, Statur u. dgl. sind die alleinigen Anhaltspunkte für die Bestimmung der Raffe; sprachliche, archäologische und religiöse Untersuchungen kommen für die Raffenfrage unmittelbar kaum in Betracht; eher noch die heutige Vertheilung in Europa. Aber entscheidend bleiben die körperlichen Kennzeichen. Ripley schlägt die Zahl sämmtlicher Juden auf acht bis neun Millionen an; davon entfallen nur zwei Millionen auf die außereuropäischen Länder. In Europa selbst fällt mehr als die Hälfte, vielleicht vier bis fünf Millionen, auf Rußland, zwei Millionen auf Oesterreich-Ungvrn. Dann kommen Deutschland und Rumänien, jedes mit 600.000 bis 700.000. England hat gegen 100.000 Juden, bis auf wenige Tausend in London zusammengedrängt; ebenso wohnt von 100.000 holländischen Juden mindestens die im Ghetto in Amsterdam. Frankreich hat vielleicht 80.000, Italien etwa 50.000. In Scandinavien und in Spanien kommen eingeborene Juden kaum in Betracht. Südlich vom Mittelmeere sind sie am zahlreichsten in Marocco, dann in Tripolis; nach Osten hin nimmt ihre Zahl ab. In den Vereinigten Staaten kann man ihre Zahl auf eine halbe Million veranschlagen, von denen die Hälfte in New-Iork wohnt; das britische Nordamerika hat fast keine Juden. Am dichtesten ist die Mische Bevölkerung verhältnißmäßig in Polen, wo sie bis 15 Proc. ausmacht. Von da ab nimmt sie nach Westen wie nach Osten rasch ab. Selbst das früher polnische Posen hat keine dichte jüdische Bevölkerung. Es ist das natürlich nur die Folge der gesetzlichen Erschwerung der Ansiedelnug; nach Süden und Südosten hin, nach Oesterreich, ist die Abnahme viel langsamer. Nach dieser Richtung findet auch eine ständige Auswanderung statt; in Oesterreich nimmt die Zahl der Juden ungefähr viermal so rasch zu, wie die der übrigen Bevölkerungselemente. Die Vertbeilung gewinnt aber eine ganz andere Bedeutung, sobald wir bedenken, daß die jüdische Bevölkerung sich fast ausschließlich in den Städten ansammelt. Zu allen Zeiten hat der Jude die Kopfarbeit der schweren Handarbeit vorgezogen. Leroy-Beaulieu wäre nicht abgeneigt, darin einen im Mittelalter, wo den Juden jede Landarbeit unmöglich gemacht war, erworbenen Charakterzug zu sehen, aber wir finden ihn überall, auch wo kein Ghettozwang bestand. In Polen und Rußland bilden in manchen Städten die Juden die Majorität der Bevölkerung. In Preußen ist es hauptsächlich Berlin, das zahlreiche jüdische Einwanderer aus dem Osten empfängt. Von den sächsischen Juden wohnen fünf Sechstel'in Dresden und Leipzig, die eigentlichen Bauerngegenden haben fast nur überall einzelne Juden. (Ausnahmen wie Hessen und Elsaß abgerechnet.) Einen besonderen Charakter hat die Judenschaft am Mittelrhein und speciell in Frankfurt. Ihre Ansiedelung reicht bis mindestens in das dritte Jahrhundert zurück; sie kamen aus den Mittelmeerländern und waren sehr zahlreich, bis einerseits die grausamen Verfolgungen in den Kreuzzügen, anderseits die von den polnischen Königen versprochene Duldung eine massenhafte Auswanderung nach dem Osten hervorriefen. Schließlich blieben in Deutschland am Ende des 16. Jahrhunderts nur drei Städte den Juden offen : Frankfurt, Worms und Fürth. Ueber die Bedeutung der Einwanderung aus Deutschland für die Abstammung der heutigen polnischen Juden wird noch viel gestritten. Bershadski, Talco-Hryncewicz und unter den Anthropologen Weißenberg lassen die Hauptmasse der Juden ihren Weg von Palästina durch Deutschland nehmen; aber Harkavy hält daran fest, daß ein guter Teil auch direct auf einem östlichen Wege einwanderte. Im Süden Rußlands sind sie schon im achten Jahrhundert nachweisbar, aber nach Jkow finden sich zahlreiche Juden im Kaukasus und in Armenien schon in den beiden letzten Jahrhunderten vor Beginn unserer Zeitrechnung. Sie wunderten von dort der Nordküste des Schwarzen Meeres entlang, erreichten im 10. und 11. Jahrhundert Ruthenien, im 14. und 15. Polen. Gegen die Bedeutung dieser Einwanderung spricht aber der Umstand, daß sowohl die galizischen als die polnischen Juden ein freilich verdorbenes Deutsch als ihre Muttersprache betrachten. Wir müssen aber auch noch bedenken, daß die Juden zu der Zeit zahlreiche Proselyten machten und daß namentlich die Bekehrung der Chasaren außer Zweifel steht. Wahrscheinlich haben alle drei Quellen ihren Beitrag zu den heutigen polnischen Juden geliefert; das reine semitische Blut der Aschkenasim wird schon durch diese geographischen Betrachtungen ziemlich zweifelhaft. Wenden wir uns nun zu den physischen Kennzeichen der Juden. Ein bekannter Schriftsteller sagt: Es ist das Ghetto, das die Juden und die jüdische Rasse hervorgebracht hat; der Jude ist eine Schöpfung des Mittelalters, das künstliche Erzeugniß einer feindlichen Gesetzgebung! Thatsächlich sind die europäischen Juden durchschnittlich unter Mittelgröße, ihre Durchschnittshöhe ist nicht über 1 63 in. Ob das aber eine erworbene Eigenschaft ist, wissen wir nicht: die Angaben der Bibel über den Größenunterschied zwischen Amoriten und Israeliten könnte darauf gedeutet werden, daß sie schon damals durchschnittlich klein waren. Jedenfalls sind sie es heute, und zwar überall. Der Unterschied von der Durchschnittsgröße der Völker, unter denen sie leben, ist allerdings verschieden je nach der Statur derselben. Derselbe beträgt in Nordamerika und in Bosnien beinahe drei Zoll, in Piemont nur einen. Selbst

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