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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-10-06 · 40 (6.10.1899) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
40 (6.10.1899)
Date
1899-10-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 40 Seite 733 dieser Gewalthaber ein schlimmeres Loos haben als unter Pharao." * * * Anläßlich der Lügen der antisemitischen Presse über den Ritualmord, macht Herr Elias Lehr in einer den Gegenstand behandelnden Auseinandersetzung auf eine Stelle im Talmud, Sanhedrin, Seite 74, Zeile 27, besonders aufmerksam. Dieser Stelle zufolge ist dem Juden in dem Falle, als ihm unter Androhung der Todes st rafe sündhafte Handlungen anbefohlen werden, die Uebertretung des Gesetzes gestattet, um der Todesstrafe zu entgehen. Als Ausnahmen werden jedoch nur schwere Sünden angeführt, darunter insbesondere das Verbrechen, fremdes Blut zu vergießen. Also auch in dem Falle, als einem Juden die Todesstrafe droht, darf er fremdes Blut nicht vergießen, sondern er muß eher das eigene Leben verlieren, ehe er fremdes Blut vergießt. Der Mord ist also nach dem Talmud ein Verbrechen, welches auch durch die Androhung der Todesstrafe nicht entschuldigt werden kann. Und da wagen es die antisemitischen Verleumder, den Christenmord als eine nach dem Talmud erlaubte oder gar als eine religiöse Handlung zu bezeichnen! Ein bestialischer Mord. Hirschberg, 15. September. Ein bestialischer Mord ist hier verübt worden. Ein armes Weib im Alter von 45—50 Jahren ist im Wald am helllichten Tage von einem Strolche vergewaltigt und ermordet worden. Das Sonderbarste ist, daß die bestialische That mit einem Messer zwischen 8 und 9 Uhr- Vormittags geschah, wenige Schritte vom Försterhause. Der arische Mörder soll 3 Tage später ein Ojähriges Kind in oder bei Zwickau vergewaltigt haben. Derselbe, ein Fleischer ans Leipu, wurde festgenommen. Der Mädchenmord in Polna. Bon der israelitischen Cultusgemeinde in Floridsdorf werden wir um die Aufnahme des nachstehenden Protestes ersucht: „Ausschuß und Rabbinat der israelitische» Bezirks- Cultusgemeinde in Floridsdorf beschlossen in der am 28. September d. I. abgehaltenen Sitzung, energischen Protest zu erheben gegen den Versuch judenfeindlicher Blätter, den Mädchenmord in Polna als sogenannten „Ritualmord" auszugeben, und sprachen gleichzeitig die Erwartung aus, daß sowohl die Regierung als auch die Behörden es nicht unterlassen werden, die israelitische Religion, die Mutter aller anderen monotheistischen Bekenntnisse, vor dem Vorwurfe des Kannibalismus zu beschützen". * * * Die „Czeska Politika", welche zuerst die Mittheilung brachte, daß der Staatsanwalt in Kuttenberg Dr. Schneider- S w o b o d a am Schlüsse der Schwurgerichtsperiode an die Geschworenen eine Ansprache gerichtet habe, in welcher er denselben gesagt haben soll, sie mögen ihr Gewissen beruhigen, da Hilsner gestanden habe, veröffentlichen nunmehr eine amtliche Berichtigung des Staatsanwaltes, in welcher angeführt wird, die Unrichtigkeit dieser Mittheilung ergebe sich schon daraus, daß der Staatsanwalt Dr. Schneider-Swoboda in der Verhandlung, welche den Abschluß der Schwurgerichtsperiode bildete, gar nicht f u n g i r t e und somit eine derartige Rede gar nicht konnte gehalten haben. * * * Erbmann und Wassermann wurden gestern ans der Hast entlassen. Es hat nicht nur Wassermann, sondern auch Erb mann sein Alibi nachgewiesen. Hilsner hat sein Geständniß mit der Erklärung zurückgenommen, daß er durch die Angabe mehrerer Sträflinge, es werde schon der Galgen für ihn gebaut, in entsetzliche Angst gerathen sei und zur Erlangung eines Aufschubes die falschen Mittheilungen gemacht habe, wiewohl er unschuldig sei. Zur Blutlnge. Ein Freund unseres Blattes in Budapest schreibt uns: „Höchst seltsam ist es, daß bis heute noch nicht die Frage aufgeworfen wurde: „Weshalb kommen die Kindermorde gerade in jenen Ländern vor, wo der Antisemitismus seine Orgien feiert?" Warum hört man nicht, daß in England, Amerika oder Frankreich, christliche Kinder ermordet aufgefunden wurden; ob es in letztgenanntem Laude in Zukunft so bleiben wird, ist eben fraglich, auch dort sind sehr viele Juden, welche genau dasselbe Rituale haben, in diesen Ländern gibt es sogar zahlreiche, fromme fanatische Juden, warum kommen dort keine Kindermorde vor? Die einzige logische Antwort darauf ist. dortselbst herrscht kein Antisemitismus, demzufolge man keine christlichen Kinder mordet, um Blutrituale und Judenhetzen zu provociren. In Gesellschaftskreisen, welche in öffentlicher Sitzung über den Todtschlag der Juden, ob durch Köpfen, Hängen oder vermittelst Schußgeld verhandeln, dürften sich solche finden — denerNder Mord eines, wenn auch christlichen Kindes, und dasselbe dann blutleer an irgend welchen Ort zu legen — keine Gewiffensscrupel macht, denn dadurch wird ja ihrer einzigen Lebensaufgabe, Judenhetzen zu provociren, Rechnung getragen." Hochachtungsvoll Lazar Eppinger. Herrn Dr. W. Bacher, Professor am Rabbinerseminar in Budapest. In Rumnier 75 der „Revue des Etudes Juives" S. 48 haben Sie behauptet: „Aus dem Worte „Min" entstand das Abstractum „Minoth", welches im engeren Sinne das Christenthum bedeutet. In dem folgenden merkwürdigen Spruche! eines großen Agadisten kommt dieser Sinn glänzend zum Ausdruck: „der Sohn Davids wird nicht eher kommen, als bis das ganze römische Reich sich zum Christenthum (?) (Minoth) bekehrt haben wird." Der Autor dieses Spruches lebte vielleicht noch, als Constantin das Christenthum zum römischen Staatsglauben erhob." Nach dieser Ihrer Behauptung wäre sonach der Autor dieses Spruches der im 3. Jahrhundert lebende R. Jizchak, und wäre unter „Minoth" das Christenthum zu verstehen. Nun aber dürfte doch Ihnen zweifellos bekannt sein, daß schon im zweiten Jahrhundert R. Nehemia diesen selben Spruch überliefert, also in einer Zeit, die noch sehr weit von dem Coustantinischen Weltchristenthum entfernt ist. Glauben Sie wohl, daß dieser Lehrer des zweiten Jahrhunderts gleichwohl unter „Minoth"' das C -ristenthum gemeint haben könne? Aber ich finde merkwürdigerweise diesen so eigenartigen Ansspruch schon i m e r st e n christlichen Jahrhundert tradirt, u. zw. von demselben R. Eliesar ben Hyrcanos, welcher durch seinen Umgang mit den „Minim" in eine peinliche, ja sogar gefährliche Situation gerathen war: Nach jer. Sotah IX, 16 und b. Sotah 49 a sagt R. Eliesar, der Große, wo er über die Judicien des herannahenden Messiasreiches spricht, u. A.: „und das Weltreich wird sich zum Minäerthum bekehren" (wehamalchuth teliophech leminoth). Nun wird doch wohl nicht behauptet werden wollen, daß schon R. Eliesar zu Ende des ersten Jahrhunderts in dem Christenthum die künftige Weltreligion gesehen habe. Wir haben es hier augenscheinlich mit einer alten vorchri stl i ch e n immer wieder colportirten Tradition zu thun, wie sie ähnlich in der vorchristlichen Sibylle auftritt, zumal wir doch wissen, daß R. Eliesar niemals lehrte, was er nicht überliefert bekommen hatte. Ich bitte nun um Aufklärung hierüber und werde mich belehren lassen, zumal Sie als Kenner der talmudischen Literatur gelten und doch nicht unbedächtig so apodiktische Behauptungen, wie die obige, in die Welt fetzen. M. F r i e d l ä n d e r. Gespräche über Antisemitismus- Von 2l n a t o l e France. Madame C e s a i r e : Ich — ich bin Antisemitin aus Empfindung. Prof. Bergeret: Ich habe keine Ursache, dem zu widersprechen. Aber die Empfindung gibt kein Recht auf Ungerechtigkeit. Sie begehen ein Unrecht gegen sich selbst, wenn Sie ungerecht sind gegen die Juden. Das kriegsgerichtliche Urtheil, das Dreyfus schuldig sprach, hat den Richtern viel mehr geschadet, als ihrem Opfer. Madame C e s a r r e: Die Antipathie habe ich schon von der Geburt her. Genosse Wollmann: Haben Sie sie nicht eher aus der kleinen Heiligen-Geschichte, die man Ihnen in Ihrer Kindheit zu lesen gab? Madame C e s a i r e : Ich glaube nicht. Prof. Bergeret: Wenigstens hätten Sie aus diesem kleinen Büchlein von der Christenlehre lernen können, daß die Juden darin mit ebenso viel Liebe als Haß behandel" werden. Vor Jesus Christus sind sie das auserwählte Volk, "sie Lieblings- Vr- Mmh's Miocheilirtzriji. ihre Väter

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