Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 39 (29.9.1899)
- Date
- 1899-09-29
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 39 Seite 725 Dr. Vlvch's Kaufmanne Friedrich N e 11 in n n n in Kralup vier Fensterscheiben eingeschlagen. Die Ausforschung des Thäters ist im Zuge. Prag. (N a m e n s ä n d e r u n g). Die k. k. Statthalterei von Böhmen hat die Genehmigung ertheilt, daß Herr A. Ernst Pereles seinen Familiennamen in „Perner" ändere. Mährisch-Ostrau. Bei den Ergänzungswahlen der israelitischen Cultusgemeinde wurden an Stelle des nach Wien übersiedelten ersten Präsesstellvertreters, Dr. W e ch s b e rg, der bisherige zweite Präsesstellvertreter Dr. Alois Hilf, und an dessen Stelle Cultusrath Hermann Friedländer gewählt. Als neues Mitglied in den Cultusrath wurde Doctor Max Böhm gewählt. Klagensurt. Beim Empfange durch Se. Majestät den Kaiser war auch die Vorstehunz der israelitischen Cultusgemeinde in Graz, und zwar Präses Bernhard Biller und Rabbiner Dr. Mühsam in der landschaftlichen Burg erschienen. Wsetin. Am 17. September 1899 verschied nach langem, schmerzlichen Leiden Herr Adolf S ch ö n b e cf, Besitzer des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone, der Ehrenmedaille für 40j'ährige Dienstzeit, Director der Glasfabrik von S. Reich & Co., Vorsteher des israelitischen Cultusvereines in Wsetin, Mitglied der Gemeindevertretung in Wsetin und Mitglied der israelitischen Gemeindevertretung in Wallachisch-Meseritsch. Mit Herrn Adolf Schönbeck ist einer der edelsten Menschen, der besten Mitglieder, der tüchtigsten und bewährtesten Beamten, und der treuesten Söhne unseres Volkes dahingegangen. Das Leichenbegängniß. zu welchem von Nah und Fern seine Freunde und Verehrer herbeigeeilt waren, gestaltete sich zu einem wahrhaft imposanten. Die Chefs, Herren Reich, die Beamten aller Fabriken Reich's, der Vorstand der Cultusgemeinde Wallachisch-Meseritsch Herr Ignaz Löw, ferner eine Abordnung der Cultusgemeinde M.-Weißkirchen waren erschienen, um dem thcuren Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen. Alle Schichten der Bevölkerung waren erschienen. Tie Geistlichkeit aller Confessionen, der Vetcranen-Verein, dessen Ehrenmitglied der Verblichene war, unter dem Commando des Obmann-Stellvertreters Herrn Jacob Sax. die Feuerwehrvereine der Stadt Wsetin, der Äeich's, Kohn's und Thonetischen Fabriken waren vertreten, so daß der Zug nach Tausenden zählte. Vor dem Trauerhause hielt Se. Ehrwiirden Herr Bezirksrabbiner Dr. Rabbinowicz eine ergreifende Trauerrede in czechischer Sprache, wobei kein Auge trocken blieb, besonders die Arbeiter schienen gerührt zu sein. Beim offenem Grabe schilderte Se. Ehrwürden in deutscher Sprache die hervorragenden Tugenden des theueren Verblichenen als Gatte, Beamter, Bürger und Jude. Als rechtgläubiger Jude hielt er sich diese erhabene Wahrheit vor Augen, daß alle Menschen Kinder eines lebendigen Gottes sind, daher brachte er jedem Mitmenschen ein Herz voll brüderlicher Liebe entgegen, während so manche dem andersgläubigen TI tbruder durch böswilliges Erdichten von Fabeln zu schaden trachten. Diese so zeitgemäße Bemerkung machte auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck. Die cantoralen Functionen versahen die Cantoren der Cultusgemeinde Herren Leopold Blau und B. Schwarz in würdiger und erhebender Weise. Berlin, 25. September. Herr Sanitätsrath Dr. S. N e um a n n feiert am 22. October seinen 80. Geburtstag. Der hochverdiente Mann ist von erfreulicher. Rüstigkeit uud Frische. Muhrg. (Elsaß.) Unser Rabbiner Dr. G o l d st e i n hat gelegentlich der letzten Manöver den Rothen Adlerorden IV. Classe erhallen. Amsterdam. Der gefeierte Maler David Blees, der älteste der holländischen Maler, ist im Alter von 70. Jahren verstorben. Sein letztes großes Werk war das Porträt der Königin von England, welches sie für ihre Mutter bestimmt hatte. Paris. Zu Rittern der Ehrenlegion sind ernannt worden die Hauptleute Pierre Emil Charles Klein vom Generalstab und Gaston Pierre Jean Blin vom 66. Infanterieregiment. Die Militärmedaille hat der Adjutant Victor Jsaie I s m a e l vom 30. Artillerieregiment erhalten. Braila. Nach einer uns zugekommenen Nachricht hat die Witwe nach dem seeligen Herrn Aron Kirschen aus Braila (Rumänien) für die Schule in Braila, welche seinerzeit von den Herren Abraham u. David Schwarzmann gestiftet wurde, 20.000 Francs gespendet. Feuilleton. Tour und Retour. Von Leo Herzberg - Frankel. (Fortsetzung.) Onkel Jacob, der ältere Bruder von Moritz Wiener _ lebte ganz allein in Krakau. Seine Frau war lange todt, mit seinen Kindern vertrug er sich nicht; bei seinem Bruder wollte er nicht bleiben, um nicht den Schein einer Unterstützung auf sich zu Wochenschrift. laden, denn Jacob war arm uud lebte kvrplich von einem kleinen Gemeindeposten, zufrieden, neidlos und unabhängig. Ec war Autodidakt, hatte ziemliches Wissen, war heimisch in vielen Fächern, conservativ in religiösen Angelegenheiten, offen im Ucthril, manierlos im Verkehre und vor Allem wahr in seinem Aeußerungen. Niemand hatte ihn gern, Viele jedoch respectirten ihn seines ehrenhaften Charakters und seiner Gradheit wegen; da er sich Keinem ausdrängte, Keiner ihn aussuchte, so führte der arme Mann ein recht einsames, den Büchern gewidmetes Leben. Anfangs kam er oft in das Haus - seiner Nichte, die er gut leiden mochte und die dem alten Onkel freundlich begegnete; nach und nach kam er seltener, als er inne ward, daß die Leitung des Hauses von den Erfordernissen des Judenthums immer mehr abwich, und zuletzt kam er überhaupt nicht mehr, als er erfuhr, daß — Als sein Bruder in die große, unordentlich gehaltene Stube des Jacob Wiener eintrat, saß dieser vor einen dicken Folianten, während noch andere Bücher kleinere Formates offen vor ihm lagen und war in feinem Studium so vertieft, daß er den Eintretenden nicht hörte. Erst als dieser hart an dem Tische stand, blickte Jener auf und rief voll Staunen: „Du bist es Bruderleb? Seit wann bist Du hier?" „Seit ein paar Stunden." Und die Brüder reichten sich herzlich die Hände. Niemand hätte in ihnen die nahe Verwandtschaft vermuthet. Der Eine untersetzt, kräftig, wohlgenährt, sorgfältig gekleidet, energisch und selbstbewußt. Der Andere antiqnirt. vernachlässigt, ziemlich schäbig, der lange Bart ungepflegt, der Blick unstät und zerstreuet, die Gestalt hager und schlotterig, machte den Eindruck eines halb verkommenen Gelehrten. „Meine Frau ist auch hier," setzte Moritz Wiener hinzu. „Du weißt doch, daß meine Tochter entbunden?" „Freilich weiß ich's; und da kommt Ihr zum Bris?" In Stimme und Gebärde des alten Mannes lag der Ausdruck von Ironie. „Ja, aber der Bris ist verschoben." „So? Warum denn?" „Auf ärztliches Geheiß. Das Kind soll nach Aussage Ernestine's krank sein und ich will Dr. Markorewicz aufsuchen, um ihn zu befragen." „Du scheinst also Deiner geliebten Tochter nicht vollen Glauben zu schenken? Was sagt Dein Herr Schwiegersohn?" „Ich habe ihn noch nicht gesprochen." „So rathe ich Dir, ihn vorerst zu sprechen, bevor Du Dich vor Dr. Markorewicz blamirst." „Ich verstehe Dich nicht, Jacob. Du Pflegest ja sonst nicht mit Umschweifen zu sprechen? Was willst Du damit sagen?" „Du wirst es noch früh genug erfahren, lieber Bruder; ich bringe nicht gerne Hiobsposten." „Du verheimlichst mir etwas, Jacob, und weil ich es schließlich werde erfahren müssen, so wär's grausam von Dir, mich lange in Angst und Bangen zu lassen. Lieber einen bitter« Trank auf einmal zu verschlucken, als ihn tropfenweise zu nehmen." „So nimm Deinen Schwiegersohn ins Gebet; warum soll ich derjenige sein, der Dir wehe thut und Dir unverdient einen wuchtigen Schlag versetzt? Gehe übrigens zum Dr. Makorewicz und überzeuge Dich, daß man Dich belügt." „Meine Tochter?" „Auch Deine Tochter; aus Schonung vermuthlich." „Jacob, ich beschwöre Dich, mache dieser Folter ein Ende. Ich bin auf irgend eine schlimme Nachricht gefaßt und kann diese unbestimmte, namenlose Furcht vor etwas Unbekannten und Unsichtbaren nicht ertragen. Sehe ich das Unheil vor mir, kann ich es vielleicht abwenden. Es scheint alles mit der Geburt des Knaben zusammenzuhängen. Will mein Schwiegersohn vielleicht nach moderner Richtung keinen Bris haben?" „Nein." „Ist das Kind krank?" „Nein, auch das nicht." „Was also um's Himmels Willen gibt es da? rief Herr Wiener in schmerzlicher Ungeduld und mit den Händen auf den Tisch schlagend." „Gib Dir keine unnütze Mühe, lieber Bruder; die Sache liegt anders als Du glaubst. Dein Schwiegersohn und seine Kinder sind für Dich vollständig verloren." „Um Gottes Willen, Jacob, was soll das heißen??" „Verloren, wie im Grabe; rette Deine Tochter, wenn möglich."